Hierzulande haben die kalifornischen Schallwandler bei weitem nicht den Ruf, den die Nobelboxen beispielsweise in USA oder in Asien haben. Ganz zu verstehen ist das nicht: Jede Magico, die ich in den letzten 20 Jahren hören könnte, war für sich gesehen ein Highlight. Und die neue Magico S2 setzt sogar noch eins drauf: Seit diesem Test ist mein (passiver) Lieblings-Lautsprecher unter 50.000 Euro.
Die Preisentwicklung von Highend im Allgemeinen und vom amerikanischen Highend im Besonderen ist Schwindel-erregend, das gilt auch für die vergleichsweise kleine S2. Aber Größe war noch nie ein Ausdruck von Qualität. Und bei der S2 ist alles so meister- und vorbildlich gemacht, dass man beim Preis zwar die Augenbrauen hochziehen, aber keineswegs ernsthaft murren kann.

Das beginnt bei der Verpackung. Die S2 kommt in einem noblen, schweren Überzug, verpackt in soliden Holzisten, durch massive Schaumstoffteile exakt festgemacht und durch drei Schrauben am Boden zusätzlich arretiert. Gemessen an vielen anderen, schlichten Kartons, in denen teils auch Lautsprecher dieser Klasse ausgeliefert werden, hat die S2 schon mal ein ganz anderes Entree…

Sprechen wir über Magico, müssen wir über Gehäuse sprechen. Schon seit vielen Jahren hat Magico-Mastermind Alon Wolf das übliche Holz, also MDF oder Multiplex, als ideales Gehäusematerial verworfen. “Einfach zu weich”, befand er. Und konsequent, wie er nun einmal ist, kaufte er kurzerhand eine Metallverarbeitungsfirma am Rande von Santa Barbara, die nun alle Magico-Gehäuse erstellt. „Um Gottes Willen“, höre ich jetzt die Kritiker raunen: „Aluminium klingelt doch!” Da haben die Unkenrufer Recht. Weil die Metallgehäuse so fest sind, schwingen sie mit etwas Pech stärker als Gehäuse aus Holz. „Energiespeicher“ ist das Stichwort, das hier fallen muss.

Wenn man aber die Sache so perfektionistisch angeht wir Alon Wolf, dann bleiben nur die Vorteile. Und zum Wolf´schen Ansatz gehören immer Spektrums-Analysen der Gehäuse (Wolf hat eigens dafür einen modernen Polytec-Laservibrometer angeschafft) und eine Vielzahl von Simulationen. Sollten Resonanzen auftreten, werden sie durch punktgenau gesetzte Verstrebungen heruntergedimmt. Die Verstrebungen werden übrigens allesamt verschraubt und anschließend mit Loctite-Kleber bombensicher verankert. Kein Witz. Ich war selbst einmal bei Magico und habe gesehen, wie jeder Lautsprecher beim Aufbau individuell ruhiggestellt wird – ein ziemlich großer Aufwand.
Das Besondere an der Magico S2
Die S2 besteht aus vier passgenau zusammengeklebten Aluminium-Einzelteilen: das lange Gehäuse, der Deckel und die Front sowie der Boden mit den auskragenden Stabilisierungsfüßen. Alles mit Wandstärken im Zentimeter-Bereich: Gut 55 Kilo Metall kommen da allein fürs Gehäuse zusammen. Das Ergebnis jedenfalls ist absolut überzeugend: Was die S2 ganz sicher nicht produziert, ist irgendeine Art von Gehäuseklang.

Der Vorteil von gegossenen Formen: Man kann alles hübsch und akustisch vorteilhaft runden und zudem auch innen die Form so wählen, dass gewisse Resonanzen gar nicht erst aufkommen.

Und noch einen Vorteil hat das von Wolf verwendete Aluminium: Man kann seine Oberfläche perfekt lackieren. Auch hier hat Wolf dazugelernt und bietet für seine S2 gleich zwölf echt schicke Finishes an:
Kommen wir zur technischen Bestückung der S2. Magico-Entwickler Yair Tammam ist ein großer Freund der Simulationen und so hat er die idealen Treiber schon immer fertig in der Schublade liegen. Mit diesen Plänen geht er dann entweder zu den Treiber-Spezialisten von Morel oder zu Scan Speak und lässt sich die Hoch-, Mittel oder Tieftöner aufbauen. Das Konzept hat sich bewährt. In der S2 finden wir eine Doppelbass-Bestückung mit zwei 17 Zentimeter-Modellen und einen Mitteltöner im 13 Zentimeter Format.

Bässe und Mitteltöner sind dabei recht ähnlich: es handelt sich um Konus-Membranen, bei denen ein Aluminium-Wabenkern mit Graphen-verstärkten Carbonfaser-Außenlagen verbacken wird. Die Kombination ist extrem reißfest und hoch dämpfend. Zudem lassen sich diese Membranen unterschiedlich dick aufbauen: Nach außen hin werden sie immer dünner, das senkt Resonanzen. Aber auch die Antriebe ähneln sich, es sind jeweils außenliegende, 75 Millimeter große Schwingspulen; man kennt diesen Aufbau von Dynaudio. Die Größe der Magnete unterscheiden sich natürlich – die der Bässe sind deutlich wuchtiger.
Bei den Tief- und Mitteltönern können Wolf und Tammam auf eine gewisse Tradition zurückblicken; der Hochtöner indes ist ziemlich neu. Wolf ist ja bekennender Freund der Beryllium-Kalotte. Nun aber hat er eine Variante gefunden, die noch einen obendrauf setzt. Frage an den Kenner: Was ist noch ein bisschen besser als Beryllium? Richtig: Diamant. Und so hat der S2-Hochtöner eine Beryllium-Kalotte mit aufgedampfter Diamant-Schicht. Womöglich der beste Kompromiss. Sein Übertragungsbereich läuft von etwa 2.500 Hertz bis 50.000 Hertz. Das liegt deutlich über dem, was LowBeats misst…
Die Frequenzweiche der Magico S2 ist ausschließlich mit feinsten Mundorf-Bauteilen aufgebaut. Magico-Entwickler Tammam ist ein Verfechter von 24-dB-Linkwitz-Riley-Weichenschaltungen. Die bietet bei großer Flankensteilheit ein noch sehr gutes Impulsverhalten.

Praxis & Messungen
Früher waren die Magico-Modelle eher Leisetreter. Das gilt für die neueren Modelle offenkundig nicht mehr: Die S2 bringt ordentliche 88 Dezibel Wirkungsgrad aufs Trapez. Es würden also auch kleine Verstärker reichen? Hier muss ich die vorschnelle Euphorie zügeln: Impedanz und Phase verlaufen zwar einigermaßen linear, aber der EPDR-Wert (ein Produkt aus Phase und Impedanz) rutscht bei 70 Hertz auf unter null Ohm. Ein ähnliches Verhalten haben wir bei der kleineren Magico A3 gemessen.

Der von LowBeats ermittelte EPDR-Wert betrifft weder Röhren- noch Class-A-Verstärker; die sind per Schaltung (Class-A) oder per Übertrager (Röhre) vor diesem Phänomen weitgehend geschützt. Allerdings sind die meisten Verstärker am Weltmarkt immer noch AB-Verstärker, die mit mindestens zwei Transistoren pro Kanal die beiden Halbwellen abbilden. Und bei einem so niedrigen EPDR-Wert werden beide Transistoren hoch belastet – für Blindleistung! Da bedarf es dann stabiler Netzteile, die dennoch eine hohe Basspräzision gewährleiten. Also: Die S2 ist nichts für Verstärker der 2. Liga…
Und dann auch noch das: Will man den Maximalpegel aus der S2 herauskitzeln, verlangt sie nach gut 300 Watt pro Kanal. Das bringt wahrlich nicht jeder Verstärker mit…
Der Magicio-Vertrieb in Deutschland (Audio Components) hat mit Pass Labs eine fantastische Verstärker-Elektronik im Programm und schickte zum Test der S2 kurzerhand noch einen Vollverstärker mit. Mir persönlich haben die klassischen Watt-Boliden von Pass immer einen Hauch zu milde geklungen. Aber der INT 250 ergibt zusammen mit der S2 eine selten gelungene Kombination.

Die 500 Watt des Pass holen natürlich alles an Pegel aus der kleinen Magico, was an Pegel drin ist. Und das ist eine Menge:
Lässt man die S2 mit einem entsprechenden Verstärker von der Leine, kann man auch Live-Konzerte in Fast-Originalpegel feiern…
Hörtest
Ich stelle mal die These auf, dass viele HiFi-Kenner eine Magico immer aus dem Wust vieler anderer Lautsprecher heraushören können. Denn diese unaufgeregte Art der präzisen Feinauflösung ist absolut selten. Hier spielt sicherlich das weitestgehend resonanzfreie Gehäuse eine nicht unwesentliche Rolle. Vor allem aber macht die S2 keine Fehler. Wir hatten ein eingespieltes Paar vom Vertrieb bekommen, verkabelten es mit dem Pass-Amp – und haben erst einmal fast eine Stunde gehört, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Das ist mal richtig überzeugend: Wenn eine absolut natürliche Tonalität mit einer so dezenten, aber immer präsenten Detailfreude kombiniert ist – da hört jeder Fan, dass dies irgendwie richtiger ist als das, was wir von den meisten Lautsprechern geboten bekommen.
Beispiel „Sacred Water“ von Awa Ly, ein Stück aus dem audiophilen Tipp des Juli (Album-Name: „Essence And Elements“): Als hätte die Stimme eine Extraportion Auflösung und Abbildungsschärfe bekommen, zelebrierte die Magico uns die Französin so körperlich nah und lebensecht in den Hörraum, dass wir uns erstmal kneifen mussten, ob das alles überhaupt so sein kann. Und dann diese Klangfarbenpracht…

Komischerweise erinnert mich das Klangbild der S2 an die Performance des Telos Foundation Groundig Core. Obwohl der Spannungsableiter ja ein völlig anderes Gerät ist, war der Effekt ein ähnlicher: Sowohl mit der Magico als auch mit dem Telos hört man einige Schichten tiefer in die Aufnahmen, werden die Umrisse von Instrumenten genauer und das Ganze gewinnt an sympathischer Geschmeidigkeit: Es klingt einfach richtiger und schöner.
Wir haben ja eine Lautsprecher-Referenz in dieser Preisklasse: die Opera Diamond aus der bayerischen Manufaktur AudiaZ. Dieser Lautsprecher ist eine Wucht an Impulsivität und Detail-Auflösung, ein – wie ich finde – Schallwandler ohne Schwächen.

Und doch blieb die AudiaZ gegen die Magico nur zweiter Sieger. Wieder einmal brillierte die bayerische Superbox mit ihrer unglaublich feinen Transparenz, enormer Feindynamik und erhabener Raumgröße. Aber die Magico machte es nicht schlechter. Bei ihr kam etwas hinzu, das ich nur als „Intensität“ bezeichnen kann. Nicht, dass die S2 „dunkler“ abgestimmt wäre: Nein, sie traf nur die Klangfarben noch besser. Die AudiaZ wirkte dagegen einen Hauch fahler, mit weniger Tiefen-Informationen.
Fazit Magico S2
Zugegeben: Knapp 50.000 Euro sind für eine Standbox dieser Größe ganz schön happig. Aber die S2 ist eine der wenigen Vertreterinnen ihrer Klasse, die das Versprechen, das Highend gibt, vollumfänglich einlöst. Dazu gehört die überragende Verarbeitung und ein Klang, der außergewöhnlich ist: Die S2 schafft den Spagat zwischen enormer Auflösung und gelassener Natürlichkeit besser als jeder andere Lautsprecher, den ich kenne.
Eine kleine Schwäche ist sicherlich der Umstand, dass sie sich nicht mit jedem x-beliebigen Verstärker zufriedengibt. Aber das unterstreicht ihre Noblesse: Man muss sich halt etwas Mühe geben…
Die S2 hat mir derart gut gefallen, dass ich wirklich gespannt bin, ob die Geschwistermodelle S3 und S5 auf diese Performance qualitativ noch eine relevante Schippe drauflegen können. Für Musikfreunde im Münchener Raum lässt sich das tatsächlich recht einfach herauszubekommen: Am 14. und 15. November sind S-Klasse-Tage bei My Sound in Starnberg. Da lässt sich wunderbar unter den Modellen vergleichen. Und man kann sogar Alon Wolf dazu befragen, was er sich bei jenem oder jenem Detail gedacht hat: Der Meister ist nämlich höchstpersönlich vor Ort.
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitung |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Sehr feiner, ausdrucksstark-authentischer Klang |
| | Recht hoher Wirkungsgrad |
| | Solide, nahezu perfekt gute Verarbeitung |
| | Braucht Verstärker mit hochstabilen Netzteilen |
Vertrieb:
Audio Components
Harderweg 1
22549 Hamburg
www.audio-components.de
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Magico S2: 49.500 Euro
Technischen Daten
| Magico S2 | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | 3-Wege Standbox, geschlossene Bauweise |
| Bestückung Hochton: | HT: 1 x 28 mm Berylliumkalotte mit Diamant-Bezug |
| Bestückung Mittel- / Tiefton: | MT: 1 x 13 cm Nano-Tec, TT: 2 x 17 cm Nano-Tec |
| Nenn-Impedanz: | 2,6 Ohm |
| Wirkungsgrad (2,83 V/m): | 88,1 Dezibel |
| Maximalpegel (Dauer/kurzfristig): | 107 / 119 Dezibel |
| Mind.-Leistung für Max.-Pegel: | 300 Watt |
| Abmessungen H x B x T: | 110,4 cm × 39,5 cm × 34,5 cm |
| Gewicht: | 60,2 Kilo |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
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