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Test Monitor Audio Monitor 200: die kultivierte Budget-Standbox

Die Monitor Audio Monitor 200 in der Praxis

Von ihrer Größe her ist man geneigt, die Monitor 200 mit dem Rücken an die Wand zu stellen. Das ist aus zweierlei Gründen eine schlechte Idee: Zum einen hat sie auf der Rückseite die beiden (unterschiedlich abgestimmten) Bassreflex-Ports, die bei einem Abstand unterhalb 5 Zentimeter nicht mehr optimal arbeiten.

Zum anderen ist die kleine Standbox im Oberbass eher füllig abgestimmt. Um diesen Charakterzug nicht noch zu unterstützen, sollte der geneigte Musikhörer den Lautsprecher weiter nach vorn ziehen. Abhängig von Raumgröße und-Beschaffenheit ergeben sich aus den Reflektionen der Wände dann Auslöschungen, die in diesem Falle günstig sein können und den Bereich um 100 Hertz etwas absenken. Ich würde für die Monitor 200 einen Abstand ab 50 Zentimeter zur Rückwand empfehlen.

Eine gute Idee von optimaler Lautsprecher- und Hörplatz-Position vermittelt der RaumRechenService von Dr. Hunecke, der online mit nur wenig Zeitaufwand den (in Bezug auf Tiefton) besten Aufstellungsplatz simuliert. Dafür muss man nur die Raummaße- und Beschaffenheiten eingeben und anschließend mit der Maus oder dem Cursor die Lautsprecher und/oder den Hörplatz so lange verschieben, bis sich um 100 Hertz eine kleine Senke einstellt.

Hunecke RaumRechenService
Wenn Sie den RaumRechenService von Dr. Hunecke nutzen, klicken Sie zuerst Center- und Rear-Speaker weg, indem Sie im entsprechenden Feld auf (–) stellen. Da das Programm von Dr. Hunecke nur mit Lautsprechermodellen arbeitet, müssen Sie für die Monitor 200 auf „3-Wege Standlautsprecher“,  sowie „2 x 135 mm Tieftöner, Bassreflexöffnung hinten“ stellen. Das kommt der Monitor 200 am nächsten.

Aber Sie können auch das präziseste aller Instrumente nutzen: Ihr Ohr. Denn das verarbeitet ja auch all die Informationen, von denen das Programm nichts wissen kann: glatte Flächen, Asymmetrien, durchbrochene Wände…

Die Monitor Audio Monitor 200 ist von ihren Entwicklern schlauerweise auf den Betrieb mit günstigen Verstärkern getrimmt. Das heißt: mit linearer Impedanz und geringen Phasendrehungen, sodass auch schwächere Verstärker beste Voraussetzungen für eine klangstarke Kombination haben.

Monitor Audio Monitor 200: Impedanz + Phase
Die Impedanz verläuft überraschend linear auf 4-Ohm-Niveau und auch die kapazitiven (rot) und die induktiven (blau) Phasendrehungen fallen sehr moderat aus (Messung: J. Schröder)

Die vielleicht gelungenste Verstärker/Lautsprecher-Kombination (weil zusammen nur 1.000 Euro günstig) ergab sich mit dem neuen Cambridge Audio AXA 35: Ein wunderbar stimmiger, räumlich ausschweifender Klang, dem auch nicht allzu schnell die Puste ausging. Allerdings sind die 35 Watt des Cambridge nicht genug, um die Pegelgrenzen der kleinen Monitor 200 auszulosten. Mit einem kraftvolleren Verstärker wie dem Pioneer A70 DA oder dem Atoll In 300 schwang sich die kleine Säule zu erfreulich lebensnahen Pegeln auf.

Wie die LowBeats Messungen zeigen, liegen die Verzerrungen bei Wohnraum-üblichen Pegeln erfreulich niedrig und geben einen Hinweis, bei welchen Lautstärken sich die Monitor 200 eigentlich am wohlsten fühlt…

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Monitor Audio Monitor 200 @94dB
Sehr niedrige Verzerrungen bei 94 Dezibel (Messung: J Schröder)
Monitor Audio Monitor 200 @100dB
Immer noch vergleichsweise niedrige Verzerrungen bei 100 Dezibel (Messung: J Schröder)

Doch selbst bei 100 Dezibel (bei 1 Meter Abstand) bleiben die Verzerrungswerte auf moderatem Niveau – ein Hinweis auf die hohe Qualität der Treiber. Man kann mit dieser kleinen Säule also erstaunlich laut hören. Und auch erstaunlich gut.

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Der Hörtest

Die kleine Engländerin gefällt vom ersten Takt an mit einer vollmundigen Wiedergabe. Klassische Instrumente kommen mit Wärme und gleichsam mit viel Charakter: Die Monitor Audio Monitor 200 schafft es, viel Information zu liefern, ohne anstrengend zu werden. Die kleinen Zwischengeräusche des großen Orchesters aus Mahlers 8. Symphonie entblättert sie ebenso fein wie beispielsweise all die kleinen Hochtonverästelungen in „Hurricane Come And Gone“ von Monty Alexander (Album: Caribbean Circle).

Monty_Alexander_Caribbean_Circle
Fantastische Aufnahmen von Tonmeister David Chesky: Carribean Circle (Cover: Amazon)

Diese satten Klangfarben und den große Detailreichtum bietet die Monitor 200 bei hohen Pegeln, aber auch – wichtig für die meisten Musikhörer – bei ganz kleinen Pegeln. Und man kann diesen Lautsprecher sehr lange hören.

Was mir weniger gut gefiel, war der etwas bauchige Oberbass. Dies ist ein oft und gern genommener Trick der Entwickler, kleine Lautsprecher nach „mehr“ klingen zu lassen. Es funktioniert ja in gewisser Weise auch: Das ganze Klangbild erscheint immer etwas wärmer und voller, aber die Präzision leidet und manchmal schleicht sich – wie im Falle der Monitor 200 – ein leichte Hohlheit in die tiefen Töne. Ich meine, die Monitor Audio hätte diese kleine Schummelei nicht nötig gehabt, aber so klingt sie halt etwas spektakulärer…

Gemessen an der fast doppelt so großen Teufel Ultima 40 Mk3, der LowBeats Referenz in der 500-Euro Klasse, fehlten der kleinen Engländerin Druck, Pegel, aber auch Präzision in den unteren Lagen. Auch die Magnat Tempus 77, für einige Woche Testgast in der Redaktion, zeigte sich im Tiefton erheblich erdiger und im Oberbass weniger wolkig.

Dennoch wird im Vergleich zu diesen beiden Preis/Leistungs-Hämmern deutlich, wie gut, wie offen, letztendlich wie natürlich der gesamte Mittelhochtonbereich der Engländerin ist. Diese hohe Stimmigkeit verführt zu langen Hörabenden mit einer Flasche vom besseren Rotwein und einer langen Playlist oder vielen Platten, die man unbedingt mal wieder hören muss.

Monitor Audio Monitor 200 vs Teufel Ultima 40 Mk3
Die Monitor 200 trat im LowBeats Hörraum auch gegen Teufels sehr viel größere Ultima 40 Mk3 an und machte trotz der bescheidenen Abmessungen eine gute Figur (Foto: H. Biermann)

Ein weiterer Vorzug der Monitor Audio Monitor 200 ist ihre prachtvoll große Darstellung. Gute Aufnahmen und ordentliche Quellgeräte plus Verstärker vorausgesetzt, schafft die kleine Monitor Audio sehr schöne, weil große und dreidimensionale Klangbilder, die sich völlig von den Gehäusen lösen und den Zuhörer quasi in die Aufnahmen hineinziehen. Das hat was.

Fazit Monitor Audio Monitor 200

Monitor Audio traut sich was: In der Einsteigerklasse, wo oftmals mit viel Gehäuse und viel Bass geklotzt wird, setzen die Briten auf kleine, schlichte Gehäuse, dafür aber auf gehobene Treiber-Qualität.

Gemessen an den Mitbewerber-Modellen der hiesigen Lautsprecher-Prominenz verzichtet die Monitor 200 also auf einigen Schub von unten, begeistert stattdessen mit einem besonders geschmeidig-natürlichen Mittelhochtonbereich. Der Klang der Monitor 200 hat dadurch etwas sehr kultiviertes, etwas, was man in Standboxen-Segment dieser Klasse nur selten findet.

Musikfreunde, die überwiegend Singer-Songwriter oder klassische Musik hören und dabei nicht die ganz hohen Pegel brauchen, finden mit der kleinen Monitor Audio eines der interessantesten Angebote dieser Klasse.

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Monitor Audio Monitor 200
2019/08
Test-Ergebnis: 3,8
GUT – SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Satt-natürliches Klangbild mit sanften Höhen
Erstaunlich hohe Pegelreserven
Technisch anspruchslos, lineare 4-Ohm-Impedanz
Leicht überbetonter Oberbass

Vertrieb:
Pannes Vertriebs KG
Berliner Straße 3
23795 Bad Segeberg
www.derbesteklang.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Monitor Audio Monitor 200: 580 Euro