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Test Standbox Piega Premium 701

Die Piega Premium 701 im Hörtest

Cover Art Sean Rowe "New Lore"
Plattencover Sean Rowe New Lore (Cover: Amazon)

Was den Umgang mit Piega Bändchen angeht, bin ich ein gebranntes Kind: wenn man die nicht wenigstens drei bis vier Tage einspielt, können sie ziemlich komisch klingen. Also ließ ich die (allerdings schon eingespielten) Boxen einige Tage einrauschen – und es hat sich gelohnt. Die 701 gefielen mir vom Beginn des Tests an richtig gut und stiegen über die Testtage immer weiter in meiner Achtung. Wie schafft man es, mit so schmalem Gehäuse und so wenig Tiefton-Membran mit einer Passivbox einen solchen Bass zu erzeugen? Das ist wirklich nicht übel. Aber die Vorzüge der neuen Premium 701 hört man eigentlich sehr schnell raus: Die Piega klingt unaufgeregt, mit einem insgesamt eher warmen und angenehmen Ton und doch zeigt sie ungemein leichtfüßig und transparent, was alles in der Aufnahme steckt. Und wenn es tatsächlich mal ans Eingemachte geht und eine hart getretene Bassdrum steht auf dem Programm, dann meistert die 701 das in einem Maße, der den Hörer Bass-erstaunt sein lässt. Mir jedenfalls erging es so.

Ein weiterer Punkt, der mich besonders erfreut, ist die sehr plastische und räumlich großzügige Abbildung der 701: Die Lautsprecher schienen nicht im Raum zu stehen, die einzelnen Sänger oder Instrumente hatten eine wunderbare Dreidimensionalität. Das war bei den Vorgängern keineswegs immer so…

Zwei Lautsprecher, die seit einiger Zeit als Preisklassen-Referenzen agieren, sind die Triangle Esprit Australe EZ  (3.400 Euro) und die Magnat Signature 1109 (4.000 Euro) Vor allem die Magnat ist mit der Piega schwer zu vergleichen, weil sie locker als dreimal so groß ist. Und doch ließ ich sie gegeneinander antreten. Der Kenner weiß natürlich, wie dieser Vergleich ausging: die Signature reicht einfach sehr viel weiter in den Basskeller, baut viel mehr Druck auf und schafft Pegel, da müssen die beiden kleinen 14er Bässe der Piega zwangsweise die Segel streichen.

Die noch impulsfreudigere Triangle ist ja ebenfalls ein echter Pegel-Hammer und erfreut mit einer fast schon live-haftigen Darstellung. Auch hier konnte die kleine Piega in vielen Belangen nicht mithalten.

Aber es gibt ja auch qualitative Kriterien: wie natürlich werden Stimmen wiedergegeben? Wie viele Details sind in diesen Stimmen noch zu hören, wie charakteristisch klingt eine bekannte Stimme? Hier schlägt sich die Kombination aus kleinem Tiefmitteltöner und vergleichsweise großem Bändchen hervorragend. Die Piega Premium 701 klingt an keiner Stelle überpointiert und doch sehr lebendig und informativ; bei normalen bis höheren Pegeln glänzte die Piega immer mit der höheren Durchsichtigkeit.

Der Singer Songwriter Sean Rowe (Album: New Lore) fordert durch seine charaktervolle, recht tiefe Stimme eine große Natürlichkeit in der Abstimmung. Die ist bei der Premium 701 bestens gelungen. Auch die begleitenden Instrumente stellte die Piega zwar weniger impulsfreudig, jedoch feiner dar als die wuchtige Magnat oder auch die impulsfreudige Triangle.

Wie üblich haben wir an der Piega verschiedenste, auch preislich passende Verstärker ausprobiert. Vom deutschen Piega Vertrieb in-akustik hatten wir noch den Primare I35 im Hörraum. Das klang nicht übel, aber mit unserem Preisklassen-Favoriten Atoll IN 300 bekam die Piega noch etwas mehr Agilität und Transparenz – sie leuchtete regelrecht. Ein echter Tipp also….

Fazit Piega Premium 701

Längere Zeit war ich mit den Lautsprechern der Piega Oberklasse nicht so recht zufrieden. Sie klangen mir immer etwas langweilig. Fast schien es, als sollten sie weder klanglich noch optisch auffallen. Den optisch dezenten Auftritt hat auch die Premium 701. Ich kenne kaum einen Lautsprecher, der mit aufgesetzter Abdeckung so unauffällig herumstehen kann wie diese 701. Beinah so, als hätte sich der Piega Designer Stephan Hürlemann vom US-Militär etwas Stealth-Technologie abgeschaut… Wenn man die 701 dann aber bewusst wahrnimmt, sieht man einen Lautsprecher mit anmutigen Formen und perfekter Verarbeitung.

Piega Premium 701 mit und ohne Abdeckung
(Foto: H. Biermann)

Und mit einem erstaunlich vollständigen Klang. Der Tieftonbereich ist vor dem Hintergrund seiner beiden kleinen Bässe gewaltig und auch bei höheren Pegeln nicht aus der Ruhe zu bringen. Der Übergang zum Bändchen geschieht absolut bruchlos – es entsteht ein Klangbild aus einem Guss und mit einer phänomenalen Räumlichkeit. Dieses neue Bändchen bringt noch einmal mehr Lebendigkeit ins Klangbild– das neue Premium-Flaggschiff wirkt, gemessen an den älteren Modellen, wie wachgeküsst. Es ist ein durch und durch toller Lautsprecher.

Es gibt etliche Mitbewerber in dieser Preisklasse, mit denen man sehr viel mehr Volumen, mehr Tiefbass und mehr Pegel bekommt. Aber schöner, dezenter und feiner ist keiner.

Mehr von Piega:
Piega MLS 2: Neuer Dipol-Linienstrahler
Test Piega AP 1.2: die High End Minibox

Mit- und Gegenspieler:
Test Triangle Esprit Australe EZ – Standbox mit 2 x Hochtonhorn
Test Magnat Signature 1109 – Standbox mit HiRes-Lizenz
Test Primare i35: Vollverstärker mit Class-D-Kraftwerk
Test Atoll IN 300: DAC-Amp mit Kraft und Feindynamik

Piega Premium 701
2018/08
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
 Natürliche, bruchlose sehr detailreiche Wiedergabe
Erstaunlich pegelfest
Wunderbare Räumlichkeit
Perfekte Verarbeitung

Vertrieb:
in-akustik
Untermatten 12 – 14
79282 Ballrechten-Dottingen
www.in-akustik.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Piega Premium 701: 5.300 Euro

Abmessungen (H x B x T):
106,0 x 18,0 x 23,0 cm
Gewicht: 28,0 Kilo