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Spendor A4.2
Die Spendor A4.2 ist eine kleine, fein gemachte Standbox, die mit hoher Lebendigkeit und kernigem Bass überrascht. Ihr Preis: 3.800 Euro (Foto: Spendor)

Test Standbox Spendor 4.2: auf die feine englische…

Würde irgendwo die unauffälligste Standbox der aktuellen HiFi-Welt gewählt, landete die Spendor A4.2 sicherlich auf einen der vorderen Plätze. Das galt schon für ihre Vorgängerin Spendor A4. So macht man das eben, wenn man sich der feinen englischer Art, aber auch dem noblen Erbe der BBC-Monitore verpflichtet fühlt. Spendor war einer jener Zulieferer, welche die heute noch immer hoch gehandelten Monitore nach gestrengen Vorgaben für die Broadcaster erstellten. Doch anders als viele andere Zulieferer der BBC hat Spendor einen für den Klang wesentlichen Punkt nie aus der Hand gegeben: Die Gehäuse baut man bis heute selbst.

Spendor A4.2 Verarbeitung
Die Verarbeitung und das Finish bei Spendor sind tadellos (Foto: H. Biermann)

Zum Gehäusewerk rankt übrigens noch eine interessante Hintergrundgeschichte. Die Tischler bei Spendor machen ihre Sache so hervorragend, dass lange Zeit hier auch etliche andere britische Mitbewerber – beispielsweise ProAc – fertigen ließen. Doch irgendwann waren die Kapazitäten ausgeschöpft und Spendor drehte den anderen den Gehäusehahn ab – was teils zu existenziellen Krisen führte. Aber wie man hört, haben mittlerweile alle mehr oder minder gute Alternativen gefunden.

Spendor wurde 1969 gegründet und war – wie oben erwähnt – einer der BBC-Zulieferer für Abhör-Monitore. Kontinuität wird hier förmlich gelebt und es ist sicherlich kein Zufall, dass eine bekannte Größe des britischen HiFi, nämlich audiolab-Mitbegründer Philip Swift, bereits seit über 25 Jahren bei Spendor das Zepter schwingt.

Spendor Philip Swift
Lernte nach eigener Aussage viel über Lautsprecherentwicklung vom Spendor-Gründer Spencer Hughes: der aktuelle Geschäftsführer Philip Swift (Foto: Spendor)

Swift versucht bislang mit Erfolg, das große Erbe in die heutige Zeit zu transportieren und immer wieder anzupassen. So darf man festhalten, dass Spendor unter all den ehemaligen BBC-Zulieferern heute zu den klanglich spielfreudigsten gehört.

Die Besonderheiten der Spendor A4.2

An diesem Lautsprecher ist vor allem seine Schlichtheit auffällig: Ein vergleichsweise kleines, kubisches Gehäuse, wirklich gut verarbeitet, an dem nicht einmal irgendwo ein kleines Eckchen abgeschrägt, gerundet oder sonstwie auffällig wäre. Einzig die schwarz abgesetzte Bodenplatte gibt der kleinen Standbox einen Hauch von Raffinesse. Sie hat allerdings nur eine optische Funktion: Es ist einfach eine unterschraubte Holzplatte.

Spendor A4.2 Paar
Die Spendor A4.2 in ihrer ganzen Kompakt- und Schlichtheit (Foto: Spendor)

Wie auch die Vorgängerin namens Spendor A4 ist die A4.2 eine klassische 2-Wege Bassreflex-Standbox mit ebenso klassischer Bestückung, die es auch vor 20 Jahren so oder sehr ähnlich hätte geben können. Verglichen mit der sehr ähnlichen A4 fällt vor allem der neue Hochtöner ins Auge. Die A4 arbeitete lange und gut mit einer 22-Millimeter Kalotte, die ab etwa 4.000 Hz spielte. Mit der Generation A4.2 haben die Spendor-Entwickler einen anderen Ansatz gewählt: Die neue Kalotte ist mit 27 Millimetern Durchmesser erheblich größer, die Übergangsfrequenz liegt bei der A4.2 bei etwa 2.000 Hertz – also eine ganze Oktave niedriger. Dadurch wird die Abstrahlung des Lautsprechers um einiges weiter, die Lebendigkeit und Luftigkeit wird höher.

Spendor A4.2 TZreiber
Die Treibertechnik der A4.2: der neue Hochtöner mit 27 mm Kalotte und der bewährte 18 cm Tiefmitteltöner (Foto: Spendor)

Der Tiefmitteltöner im 18-Zentimeter-Format ist seit langem bewährt und wer die A4.2 jemals gehört hat, weiß, dass man an diesem Treiber in diesem Gehäuse nicht viel ändern sollte: Der Bass ist nämlich der Hammer. Aber dazu später mehr.

Spendor A4.2 Tiefmitteltöner
Wie auch der Hochtöner kommt der Tiefmitteltöner von SEAS. Als Zeichen seiner Anpassung für die besonderen Anforderungen der Briten ist er Spendor-gelabelt (Foto: H. Biermann)

Die Treiber bezieht Spendor schon lange aus Norwegen – vom renommierten Spezialisten SEAS, der die Hoch- und Tieftöner der A4.2 aus dem Linienprogramm genau nach Spendor-Vorgaben anpasst.

Doch bei so weitreichenden (Hochtöner-) Veränderungen musste natürlich die Frequenzweiche komplett neu konstruiert werden. Besagte Weiche sitzt über Entkoppler befestigt auf der Rückwand hinter dem Hochtöner.

Spendor A4.2 Frequenzweiche
Das Bild zeigt ausschließlich hochwertige Bauteile, also eine Luftspule vor dem Tiefmitteltöner sowie Folien-Kondensatoren vor dem Hochtöner (Foto: H. Biermann)

Besonders erfreulich ist die Impedanz-Linearisierung, welche die Impedanz auch im Leistungs-relevanten Bereich stabil auf 6-Ohm-Niveau hält: Besitzer von Röhren- oder Digital-Amps können mit der A4.2 daher einen absolut unproblematischen Lautsprecherpartner erwarten. Dafür schon einmal eine dicke Empfehlung!

Spendor A4.2 Verstrebung
Die Kombination macht´s: verschiedene Maßnahmen reduzieren die Resonanzen wirkungsvoll (Foto: H. Biermann)

Zurück zu einem der wesentlichen Punkte beim Lautsprecher: dem Gehäuse. Man schraubt die Spendor auf und sieht sofort, dass hier viel Wissen eingeflossen ist. Querverstrebungen korrespondieren mit Dämmplatten aus dem Autobereich. Hinzu kommt ein Mix verschiedener Dämmstoffe, die unterschiedlich fest gepackt sind. Und die Treiber sind – wie es sich gehört – mit Gewindeschrauben arretiert. Und auch die Bassreflex-Abstimmung ist eindeutig auf Sauberkeit und nicht auf Effekt getrimmt.

Praxis

Die auf Präzision zielende Bassreflex-Abstimmung hat zwei enorme Vorteile: Es klingt kerniger und man kann die kleine Spendor auch dicht an die Rückwand schieben, ohne dass die Bässe aufdicken würden. Wäre ja auch noch schöner: Man kauft so eine unauffällig zierliche Box und muss sie dann mit einem Meter Abstand zur Rückwand mitten in den Raum stellen? Philip Swift ahnt natürlich, dass sich solch eine „audiophile“ und ideale Aufstellung schnell der Realität beugen muss. Aber wie gesagt: Auch für die wandnahe Aufstellung ist die A4.2 – zumindest im Bassbereich – nahezu perfekt.

Spendor A4.2 Back
Das Bassreflexrohr ist auf der Rückseite eingelassen. Dieser Umstand ändert nichts an der Tatsache, dass die A4.2 auch dicht an der Wand einen fantastisch guten Bass macht. Und dass es hier „nur“ einen Single-Wire-Anschluss gibt, unterstreicht den seriösen Unterbau der kleinen Standbox (Foto: H. Biermann)

Wie unsere Messungen zeigen, ist auch der Impedanz- und Phasengang nahezu perfekt. Selbst kleinere Röhren-Amp oder Impedanz-anfälligen Digital-Verstärker (das ist leider immer noch die Mehrheit) fühlen sich an solch stabilen Verhältnissen pudelwohl.

Ein fast perfekter Impedanz- und Phasengang (Messung: J. Schröder)

Stellvertretend haben wir den Unison Simply Italy mit 2 x 10 Watt hergenommen: Das klang wirklich bezaubernd und ist für alle, die nicht allzu laut hören, eine echte, glücklich-machende Empfehlung.

Hörtest

Hatte ich schon so lange keine Spendor mehr gehört? Oder war es einfach dem neuen Konzept mit dem tiefreichenden Hochtöner geschuldet? Die A4.2 erschien mir jedenfalls noch ein ganzes Stückchen spielfreudiger als beispielsweise die Spendor 2/3, die ich vor einigen Jahren getestet hatte: Die 2/3 hatte einen eher vollmundigen Auftritt. Und gemessen an der breitschultrigen „Kompaktbox“ wirkte die schlank gebaute A.2 wie nach einer Frischzellenkur: Sie manövrierte sich wieselflink durch alle Aufnahmen und bewies nicht nur durch diese Agilität eine schöne Natürlichkeit.

Zum Beispiel mit Harfenmusik. Seit Ulla van Daelen ihr Solo-Harfen-Album „83 Strings“ veröffentlich hat, nehme ich verschiedene Stücke dieses Albums gern zum Testen der Mittel- und Hochton-Wiedergabe – weil den Stockfisch-Toningenieuren hier eine ungemein griffig-präzise und extrem detailreiche Aufnahme gelungen ist.

Ulla van Daelen Cover
Ulla Van Daelen: „83 Strings“ erschien bei Stockfisch / in-akustik als Hybrid-SACD/-CD sowie als Stream oder Download (24Bit/88kHz), z.B. auf qobuz

Die Griffen in die Saiten – mal sanft, mal beherzt – meisterte die A4.2 überzeugend. Auch oder gerade weil sie den Resonanzkörper des Instruments ungewöhnlich präzise abbildete. Und damit sind wir auch bei der vielleicht größten Kunst der Spendor: Nur ganz selten habe ich in unserem kleinen Hörraum (16 Quadratmeter) einen so habhaft-festen, präzisen und tiefen Bass gehört wie aus einer so kleinen Standbox. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen, die Tiefton-Urgewalt von „Deeply Disturbed“ (von den Infected Mushrooms) auf diesem engen Raum und aus so kleiner Box derart überzeugend gehört zu haben. Dabei geht es keinesfalls um ohrenbetäubende Pegel, sondern um die Art und Weise, wie genau die Spendor die wuchtigen E-Bässe in den Raum drückte, zugleich aber alle feinen Schattierungen des Basses herausarbeitete: große Klasse!

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Zum Testen super geeignet: „Converting Vegetarians“ von den Infected Mushrooms (Cover: Amazon)
Spendor A4.2 im Hörraum
Momentaufnahme im kleinen LowBeats Hörraum von links: Spendor A4.2, Vollverstärker Octave V70CA, Telos Foundation Grounding-System, Denon DCD A-110 und Audes ST-3000 (beide unten) Canor Virtus I4S + Verto D4S und Dynaudio Heritage Special (Foto: H. Biermann)

Ein Vergleich mit unserer Referenz dieser Preisklasse, die Canton Townus 100, verbietet sich irgendwie: Die Canton ist im Vergleich riesig und auch erheblich Wirkungsgrad-stärker – sie zielt auf eine andere Kundschaft. Die Spendor ist ja eher eine Kompaktbox mit eingebautem Ständer. Die kompakte und durchaus ähnlich bestückte DALI Rubikore 2 drängt sich zum Vergleich eher auf. Die dänische Kompakte gab sich – DALI-typisch – sehr viel sanfter und vollmundiger; die A4.2 hängte sie (nicht nur mit bassintensivem Techno) durch ihre Lebendigkeit und hohe Präzision schnell ab. Also wechselten wir zu unser Dauer-Referenz, der Dynaudio Heritage Special. Die Dynaudio war auf 2.500 Stück limitiert und kostet deshalb mittlerweile fast das Doppelte der Spendor. Und dennoch ist sie keinesfalls in allen Belangen besser. Die Dynaudio agierte zwar weiträumiger und zelebrierte Stimmen wie auch akustische Instrumente noch etwas feiner und „schöner“. Doch ihre mitreißende Lebendigkeit und der wirklich fantastisch feste Tiefton waren schwerwiegende Argumente für die Britin.

Fazit Spendor A4.2

Der Umbau auf die große Hochtonkalotte hat der neuen A4 (jetzt in Generation 2) gut getan: Eine schöne Lebendigkeit trifft auf hohe Natürlichkeit und fusst auf einem erfreulich präzis-druckvollen Bass. Das Ganze ist verpackt in einem handwerklich sauber gemachten, gleichwohl unscheinbar-zierlichen Gehäuse „Made in good old Britain“, das auch noch in vier Farb-Varianten zu haben ist.

Spendor A4.2 Farben
Die Finish-Varianten der Spendor A4.2 (Foto: Spendor)

Die überall erkennbare Seriosität wird durch ein elektrisches Verhalten unterstrichen, welches die A4.2 nachdrücklich auch für kleine, feine Röhrenverstärker empfiehlt: Ausgesprochen vielseitig und sympathisch, diese kleine Standbox.

Spendor A4.2
2025/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Frisch-natürlicher Klang mit erstaunlich kräftig-sauberem Bass
Auch wandnah aufstellbar
Lineare Impedanz, Röhren-tauglich
Gediegen-unauffälliger Auftritt

Vertrieb:
Drei-H Vertrieb GmbH
Kedenburgstraße 44 / Haus D
22041 Hamburg
www.3-h.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Spendor A4.2: 3.800 Euro

Technische Daten

spendor a4.2
Technisches Konzept:2-Wege Standbox, Bassreflex
Bestückung:TMT: 1 x 18 cm Polymer, HT: 1 x 27 mm Polyamid
Übergangsfrequenz:2.000 Hertz
Nominelle Impedanz:6 Ohm
Wirkungsgrad (2,83 Volt / Meter):84 dB
Besonderheit:
Sehr linearer Impedanz- und Phasengang
Abmessungen (B x H x T):16,5 x 86,1 x 28,4 cm
Gewicht:14,5 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

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Autor: Holger Biermann

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Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.