MC Systems (MCS) gibt es bereits seit über 40 Jahren. Die Lautsprecher aus dem niederländischen Groningen sehen super-schick aus, sind technisch total interessant, top verarbeitet und klingen schlicht fantastisch. Und trotzdem sind sie diesseits der Grenze mehr oder minder unbekannt. Es ist Zeit, diesen Makel zu beenden. Zeit für den Test der MC Systems MP 3.1.
Schauen wir aus der HiFi-Warte auf Deutschland, dann finden wir hier eine quickebendige Szene mit etlichen Herstellern, guten Läden und vielen, hoch interessierten Fans. Doch die Niederländer sind da noch ein bisschen besser. Obwohl das Land ja deutlich kleiner ist als Deutschland und in NL auch „nur“ 18 Millionen Menschen leben, wirkt die niederländische HiFi-Szene lebendiger, rühriger und interessierter. Und in dieser Szenerie, ganz dicht an der deutschen Grenze, entstehen die MCS Schallwandler – und zwar unter den Händen eines Mannes, der nicht sofort verdächtig ist, eine noble Lautsprecher-Schmiede zu betreiben. Die Rede ist von Rob Meyst, Dr. Rob Meyst, um genau zu sein.

Der Mann ist erfolgreicher Zahnarzt und bohrt – zur Entspannung quasi – dicke Lautsprecher-Bretter, statt in die Zähne seiner Patienten. In beiden Fällen ist präzise Arbeit fraglos von großem Vorteil. Eine ärztliche Vorbildung scheint bei der Entwicklung von HiFi sowieso nicht verkehrt zu sein: In Rosenheim etwa entwickelt der ehemalige Augenarzt Helmuth Weber unter dem Markennamen AudiaZ ebenfalls exzellente Lautsprecher – seine AudiaZ Opera D ist einer der besten Lautsprecher bis 50.000 Euro und Referenz bei LowBeats.
Doch wir schweifen ab. Rob Meyst fährt schon seit Jahrzehnten zweigleisig: die Arztpraxis auf der einen, die Lautsprecher-Manufaktur auf der anderen Seite. Und da macht er fast alles selbst: Die Entwicklung, aber – wenn es ihn mal wieder reizt – auch den gesamten Aufbau der Systeme mit Frequenzweichenverlötung und allem Zipp & Zapp. Es scheint, als brauche Mijnheer Meyst viel Ausgleich und nur wenig Schlaf…

Das Besondere an der MC Systems MP 3.1
Die Gehäuse kommen direkt aus der Nachbarschaft in Groningen und sind trotz einiger Herausforderungen in der Konstruktion exzellent gemacht. Da gehen die Finger echt gern spazieren… Das Charakteristisch an vielen MCS-Modellen, aber eben auch an der MP 3.1 ist die Kombination aus lackiertem MDF-Gehäuse plus Schallwand aus Vollholz.
Diese Vollholz-Front ist mehrere Zentimeter stark und so lassen sich verschiedene, akustisch günstige Vorgaben umsetzen. Zum Beispiel die großzügigen Anfasungen, die scharfe Kanten-Reflexionen vermeiden. Oder der eingedrechselte Waveguide (also eine Art kurzes Horn) vor dem Hochtöner, den man zuverlässig in jedem MC-Systems-Modell findet. Meyst: „Ich sehe in den Waveguides nur Vorteile. Die Abstrahlung im unteren Übertragungsbereich wird etwas stärker gerichtet und ist somit dem Abstrahlungsverhalten des Mitteltöners ähnlich, ich erhöhe durch das Horn den Wirkungsgrad und zudem setze ich den Hochtöner durch den Waveguide so weit nach hinten, dass es mit der Phase des Tiefmitteltöners perfekt passt.“ Dem ist nicht zu widersprechen.
In der Standard-Version (Paarpreis: 12.500 Euro) wird die MP 3.1 mit dem exzellenten Ringradiator-Hochtöner von SB Acoustics ausgestattet. Der indonesische Nobel-Hersteller mit dänischer DNA ist der Haus- und Hoflieferant für fast alle Treiber bei MCS. Aber natürlich hat SB Acoustics noch bessere Hochtöner im Programm – zum einen den besten Beryllium-Hochtöner am Markt. Der hat einen irrwitzigen Wirkungsgrad von 95 Dezibel und klingt überragend fein. Auch den gibt es in einer Spezial-Version der MP 3.1. Die kostet dann 16.000 Euro und eben die hatten wir auch im Test…

Dank Waveguide kann Meyst den Hochtöner bis auf 2.000 Hertz runterziehen, dann übernimmt der 16er Tiefmitteltöner. Genau genommen sind es derer zwei, die mechanisch fest miteinander verbunden hintereinander sitzen – siehe Bilderfolge:
Kenner sehen das Konstrukt und nicken wissend: „Ah, ein Compound-System, wie es auch von Linn oder Wilson Bensch verwendet wird.“ Solche Compound-Systeme (Linn nennt sie wolkig „Isobarik“) ermöglichen – richtig berechnet – einen sehr tiefen Bass aus kleinen Gehäusen. Das aber ist nicht der Ansatz von Dr. Meyst. Er will den möglichst genauen Impuls. Dafür verschraubt er die beiden Tiefmitteltöner über eine Metallstange unverrückbar miteinander und verpolt den hinteren. So wird daraus ein Impuls-korrigiertes Push/Push-System: Entsteht durch das Herausschnellen der Membran auf der einen Seite eine Vibration im Gehäuse, wird sie durch die Gegenkraft der anderen Seite gleich wieder bedämpft. Audio Physic macht es so, T+A macht es so und viele andere ebenfalls. Aber eine solche Gehäuse-interne Lösung habe ich bislang noch nicht gesehen.
Dieses Vibrations-dämpfende Konzept macht allerdings nur Sinn im Bassbereich – der hintere Treiber ist deshalb mit einer großen Spule oberhalb 250 Hertz abgekoppelt; Meyst wollte ja kein Dipol-System erschaffen. Der nach hinten abgestrahlte Mittenanteil ist absolut zu vernachlässigen.
Praxis
Die Messungen von Kollegen Jürgen Schröder ließen mich zweifeln, ob Rob Meyst nicht doch eher Magier, denn Zahnarzt ist. Punkt Eins: Ich hatte schon erwähnt, dass der Hochtöner ungewöhnlich effizient (2,83 V/m) ist. Das ist normalerweise egal, weil fast alle Hochtöner (gerade die modernen AMTs) sehr viel lauter spielen können als die mitmusizierenden Mittel- und Tieftöner. Vor allem die Bässe tun sich schwer, wenn sie auch noch etwas Tiefgang erzeugen sollen. Der Hochtonpegel wird dann normalerweise stark abgesenkt.
Doch Meyst schafft es, aus dieser Kombination zweier 16 Zentimeter Tiefmitteltöner plus klug berechnetem Gehäuse über 90 Dezibel Wirkungsgrad (2,83 V/m) herauszuzaubern. Bitte bedenken: Da ja auch eine Frequenzweiche – und sei sie noch so hochklassig bestückt – die Treiber immer nur leiser macht, frage ich mich, wie der Groninger Zahnarzt dieses Kunststück hinbekommt.

Doch fast noch mehr hat mich der Impedanzverlauf der MP 3.1 beeindruckt und das ist nun Punkt Zwei: Einen so blitzsauber linearen Impedanz- und Phasengang findet man sonst nur in Aktiv-Lautsprechern. Selbst die zwei üblichen Höcker im Bassbereich (Gehäuse- Resonanz und Bessreflex-Abstimmungs-Resonanz) sind fast nicht zu erkennen. Wie macht er das?

Rob Meyst erklärt diesem Kunstgriff so: „Weil die beiden Bässe gegen einander arbeiten, dämpfen sie die Resonanzfrequenz deutlich. Zudem haben wir die beiden Reflex-Röhren zweiteilig aufgebaut: Es gibt eine Röhre in der Röhre und beide sind unterschiedlich abgestimmt. So kommen wir auf eine perfekte ‘Belastung’ der Tiefmitteltöner und auf eine sehr tiefe und harmonische Abstimmung.“
Das kann man so sagen. Und es bleibt festzuhalten, dass ein so hoher Wirkungsgrad verbunden mit einem so linearen Impedanz/Phasen-Verhalten nach geradezu ideal ist für Röhrenverstärker, aber auch alle anderen Transistor- oder Digital-Verstärker, die nicht mit endlos stabilen Netzteilen aufwarten. Ich halte die Konstruktion der MP 3.1 für große Kunst.
Vollständig aber kann der Doktor die Gesetze der Physik dann doch nicht aushebeln: Der maximale Schalldruck bleibt bei 102 Dezibel (Dauer) beziehungsweise 114 Dezibel (kurzfristig) stehen – siehe Messungen:
Zwei 16-Zentimeter-Bässe sind – gleichwohl wie trickreich das Gehäuse gemacht sind – eben immer noch recht kleine Tieftöner mit begrenztem Pegel. Aber auch 102 beziehungsweise 114 Dezibel sind immer noch eine Menge. Und die Pegelgrenze korrespondiert recht gut mit vielen Verstärkern, die sich aufdrängen. Eine absolute Traum-Kombination beispielsweise ergibt sich mit dem 300B-Verstärker namens Leo von Westend Audio. Mit ihm habe ich überwiegend gehört. Aber auch beispielsweise ein Soulnote A-1 oder selbst so ein vergleichsweise kleiner Rega Elicit Mk5 klingen fantastisch an diesem Lautsprecher.
Hörtest
Nach dem Aufbau und nach langen Diskussionen mit Doktor Meyst über den perfekten Impuls erwartete ich ein Klangbild mit präzis-trockenem, federnden Bass. Aber es kam anders. Die MP 3.1 bietet durchaus einen sehr festen Tiefton, aber einen, der mit Volumen und Wärme gesegnet – was vor allem den Stimmen guttut: Im „Jubel, Trubel, Eitelkeit“ von Hotel Rimini (Album: Allein unter Möbeln) modellierte die MCS die Stimme von Sänger Julius Forster so präsent und anfassbar in den Hörraum, dass alle nur dachten: Hoppla, was passiert denn hier? Man muss dazu sagen, dass die Tontechnik bei Hotel Rimini immer ganz vorzüglich ist und alle Instrumente wie auch die Stimme bestens in Szene gesetzt sind. Aber dieser Auftritt im Hörraum war schon außergewöhnlich gut.

Wie fein sie die charakteristische Brüchigkeit der Stimme herausarbeitete, wie traumhaft sicher sie den Bassläufen folgte – alles klang plastisch-aufgeräumt und beeindruckend echt. Dann fliegen plötzlich Violin-Akkorde von allen Seiten in die Aufnahme. Und wieder schafft die Niederländerin diesen wunderbaren Mix von feiner Transparenz und hoher Stimmigkeit. Das unaufgeregte Auflösungsvermögen des Beryllium-Hochtöners ist einfach vom Feinsten…
Weg vom deutschen Chanson hin zu Elektropop: zu Yello: “Till Tomorrow” mit Till Brönner startet mit satt-tiefen Elektrobässen, die viele Systeme schnell auch mal an ihre Grenzen bringt. Nicht so die MP 3.1. Sie folgt den satt-schwarzen Schattierungen, drückt die Bässe angenehm fest in den Raum und lässt sich bei keiner unpräzisen Mogelei erwischen. Vor allem schafft sie das Kunststück, immer genau richtig viel Bass zu liefern. Bei den meisten Lautsprechern ändert sich in verschiedenen Pegel-Zuständen das Verhältnis von Bass zu Hochmittelton. Das ist bei der MCS immer gleich und immer perfekt ausbalanciert.
Wer mich nach den besten Lautsprechern dieser Klasse befragt, bekommt postwendend zwei Antworten: die traumhaft transparent klingende Piega Coax 611 und die nicht ganz so filigrane, aber noch griffiger spielende Burmester B28. Beide sind auch innerhalb ihrer Produktpaletten die absoluten Highlights. Die MP 3.1 erweitert diesen illustren Kreis um einen Schallwandler, der insgesamt noch etwas stimmiger/homogener und im Hochton dieses Quäntchen feiner und unangestrengter klingt. Unterm Strich ist sie wahrscheinlich die Mehrheitsfähigste.
Fazit MC Systems MP 3.1
Ein Meisterwerk: Hübsch gemacht, technisch sauber durchdacht, Highend-Zutaten (beste und sehr teure Treiber und Frequenzweichenbauteile), wo man hinschaut und auch klanglich ist die MP 3.1 über jeden Zweifel erhaben. Dazu – Tusch – ist sie elektrisch so anspruchslos, dass sogar ein Kofferradio gut damit musizieren müsste.
Für mich ist die MP 3.1 eine DER Entdeckungen des Jahres. Warum ein solches Juwel über Jahrzehnte unentdeckt jenseits der Grenze schlummerte, bleibt unerklärlich – da muss sich auch der Autor dieser Zeilen nachdrücklich an die Nase fassen, zumal einige Händler die niederländischen Schönheiten schon seit einigen Jahren führen. Aber nun ist MC Systems in unser Bewusstsein fest verankert. Und wohl wissend, dass Doktor Meyst noch mindestens sieben weitere Modelle im Portfolio hat, kann ich mit Bestimmtheit sagen: Sehr bald mehr aus diesem schönen Theater…
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Sehr feiner, ausdrucksstark-holografischerKlang |
| | Hoher Wirkungsgrad |
| | Idealer Impedanz- und Phasengang |
| | Sehr gute Verarbeitung |
Vertrieb:
MC Systems
9794 Groningen NL
Händlernetz
www.mc-systems.com
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
MC Systems MP 3.1: 12.500 Euro
MC Systems MP 3.1 (Beryllium): 16.000 Euro
Technischen Daten
| MC System MP 3.1 Beryllium | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | 2-Wege Standbox, Bassreflex |
| Bestückung Hochton: | HT: 1 x 28 mm Berylliumkalotte |
| Bestückung Mittel- / Tiefton: | TT: 2 x 16 cm Papiermembran |
| Nenn-Impedanz: | 3,4 Ohm |
| Wirkungsgrad (2,83 V/m): | 90,1 Dezibel |
| Maximalpegel (Dauer/kurzfristig): | 102 / 114 Dezibel |
| Mind.-Leistung für Max.-Pegel: | >80 Watt |
| Abmessungen H x B x T: | 105,2 x 18,6 x 36,5 cm |
| Gewicht: | 35,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
Test Westend Audio Leo: 300B Röhren-Amp mit 2 x 20 Watt
Test Vollverstärker Soulnote A-1
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Alu-Standbox mit Bändchen-Koax: die Piega Coax 611 im Test
Test Standbox Burmester B28: primus inter pares









