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Test Streamer Auralic Vega G2 – der Griff zu den Sternen

Der Vega G2 verfügt über einem vom renommierten Chip-Hersteller ESS exklusiv nach Auralic-Vorgaben gefertigten DAC-Chip, der bidirektional im Master Mode arbeitet und dadurch die DPLL-Schaltung komplett überflüssig machen kann. Zumindest bei Benutzung des hauseigenen Lightning-Link in Verbindung mit anderen G2-Serie Komponenten. Bei Nutzung anderer Quellen wie z.B. USB am Mac/PC können die damit verbundenen Vorteile nicht vollständig genutzt werden, wie mir Xuanqian auf Nachfrage erläuterte. Allerdings hielt er sich zu weiteren Details des Chips und der besonderen Arbeitsweise (verständlicherweise) bedeckt.

Galvanische Trennung

Durch unterschiedliche Massepotentiale und gegenseitige elektrische Einstreuung wird der Klang beeinträchtigt. Im Extremfall äußert sich das in hörbarem Brumm. Etwas subtiler, aber klanglich ebenfalls ein entscheidender Faktor, ist die dadurch bedingte Verschlechterung des Signal/Rauschabstands. Viele Probleme ließen sich vermeiden, wenn alle wichtigen Komponenten der Signalkette elektrisch vollkommen isoliert voneinander wären, aber das ist leichter gesagt als getan.

Ein bekannter und relativ einfacher Weg sind Optokoppler. Diese wandeln ein elektrisches in ein optisches Signal, übertragen es über Lichtleiter und wandeln es am Ziel wieder von optisch nach elektrisch (wie bei den bekannten TosLink-Leitern). Doch leider ist diese Methode für hochauflösende Digitalkomponenten in der Schaltgeschwindigkeit zu langsam, benötigt auf beiden Seiten eine eigene (getrennte) Stromversorgung und es setzt eine potentiell fehlerträchtige, zweifache Signalwandlung (elektrisch>optisch>elektrisch) ein.

Im Auralic Vega G2 kommen daher, wie mir Xuanqian auf der High End in München verriet, spezielle elektromagnetische Schalter zum Einsatz. Diese Komponenten sollen die hohen Signalfrequenzen verarbeiten können, die im Vega G2 auftreten können. Auch andere Hersteller arbeiten mit unterschiedlichen Herangehensweisen an galvanischer Trennung in digitalen Audiokomponenten. Als Beispiel sei hier T+A genannt, die u.a. im DAC 8 DSD den analogen und den digitalen Teil elektrisch voneinander isolieren. Auralic geht aber deutlich darüber hinaus und isoliert alle wichtigen Baugruppen voneinander. Inklusive aller Eingänge samt USB und der Netzteile.

Auralic Vega G2: Alle wesentlichen Baugruppen und Eingänge sind galvanisch voneinander getrennt
Auralic Vega G2: Alle wesentlichen Baugruppen und Eingänge sind galvanisch voneinander getrennt (Skizze: Auralic)

Die Lautstärkeregelung des Auralic Vega G2

Im Vega G2 kommt eine passive Lautstärkeregelung ohne jede Verstärkung über eine sogenannte Widerstandsleiter zum Einsatz. Eine ganze Armada von hochpräzisen und selektierten Einzelwiderständen wird per Relais geschaltet. Das ist im Prinzip nicht neu, wird aber aus Kostengründen nur in wenigen High-End-Geräten eingesetzt. Die Besonderheit im Vega G2 ist, dass sogenannte bistabile Relais eingesetzt werden. Diese benötigen nur dann Strom, wenn von der einen in die andere Schaltposition gewechselt wird. Danach halten sie ohne jede Energiezufuhr die jeweilige Position. Bei herkömmlichen Relais kann nur eine der beiden Schaltpositionen stromlos gehalten werden. Ist die gewünschte Lautstärke erst einmal eingestellt, verhält sich die Regelung im Vega G2 dadurch vollkommen passiv und es können keine elektromagnetischen Einstrahlungen das Signal beeinflussen. Der Unterschied zu klassischen Potis ist zudem, dass die Regelung des Vega G2 komplett ohne deren Nachteile auskommt, wie Kanalungleichheiten oder mechanischen Verschleiß. Es gibt auch keine Auflösungsverluste bei geringen Pegeln wie bei digitalen Regelungen.

Bistabile Relais gibt es noch nicht sehr lange, aber Auralic ist nicht der erste Hersteller, der sie einsetzt. T+A nutzt dieselbe Technik mit bistabilen Relais beispielsweise im Vollverstärker T+A PA 2500 R und in der HV-Serie.

… and beyond

Über die zuvor beschriebenen Hauptfeatures hinaus stecken im Vega G2 weitere technische Highlights, wie der jetzt doppelt vorhandene „Femto Clock“ Taktgeber (je einer pro Frequenzfamilie; 44,1 / 48 kHz), deren Präzision nochmals von 82 auf 72 Femtosekunden verbessert wurde. Oder der Einsatz eines sehr hochauflösenden Farbdisplays, die aufwendige Kopfhörerstufe, die Bedienung mittels beliebiger IR-Fernbedienung, die großzügige Speicherausstattung und vieles mehr.

Soweit zur Theorie! Aber wie heißt es so schön? Papier ist geduldig. Wollen wir doch mal sehen, ob der Vega G2 in der Praxis nicht doch die eine oder andere Schwäche hat. Da Perfektion an sich nur ein theoretisches Konstrukt ist und in diesem Universum nicht real existiert, liegt das auf der Hand.

Installation und Einrichtung des Auralic Vega G2

Einen DAC in Betrieb zu nehmen, ist kein Hexenwerk. Einen Streaming-DAC zwar auch nicht, aber ein paar Schritte mehr gehören schon dazu. Zuerst die Grundinstallation: Nach dem Auspacken aus der mehrfach verschachtelten Kartonage werden die gewünschten Quellen angeschlossen, die symmetrischen oder unsymmetrischen Ausgänge mit einem Verstärker oder Aktivlautsprechern verbunden, das Netzkabel eingesteckt und der Hauptschalter an der Rückseite umgelegt. Das war’s auch schon für den DAC-Part. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass sämtliche Buchsen am Vega G2 von feinster Qualität sind.

Auralic Vega G2: Symmetrische und unsymmetrische Analogausgänge
Auralic Vega G2: Symmetrische und unsymmetrische Analogausgänge (Foto: F. Borowski)

Nach einem kurzen Bootvorgang ist der Vega G2 bereit für die Wiedergabe. Als Zuspieler vom Mac empfiehlt sich etwas Besseres als iTunes. Audirvana Plus ist hier das Tool meiner Wahl. Am Vega G2 muss lediglich über das selbsterklärende und in Deutsch verfügbare Menü der entsprechende Eingang ausgewählt werden und schon kann es losgehen. Allerdings sollte man vorher prüfen, wie die Lautstärke eingestellt ist und diese gegebenenfalls runterregeln. Bei meinem Testgerät war der Pegel anfangs auf Maximum eingestellt, was aber noch an der Beta-Firmware gelegen haben könnte. Jedenfalls merkt sich der Vega ansonsten die zuletzt eingestellte Lautstärke, auf Wunsch sogar für jeden Eingang separat. Ein Feature, dass ich sehr zu schätzen gelernt habe.

Falls Sie sich jetzt fragen, ob man den Vega stets am rückseitigen Hauptschalter an- und ausschalten muss, weil ja an der Front außer dem Drehregler keine Tasten oder sonstige Bedienelemente zu sehen sind, kann ich leichte Entwarnung geben. Per IR-Fernbedienung kann zumindest ein sogenannter Hibernate-Modus aktiviert werden. Einen richtigen Standby gibt es allerdings nicht! Im Hibernate-Modus, was so viel wie Winterschlaf heißt, verbraucht der Vega G2 mit rund 15W nur etwa 2W weniger als im normalen Betrieb. Allein deswegen darf es hierzulande nicht „Standby“ heißen, weil das Gerät dafür nach EU-Regularien weniger als 1W verbrauchen müsste. Der G2 schaltet im Hibernate-Modus lediglich das Display, einige Prozessorfunktionen und vermutlich die Ausgänge ab (ein Relais klickt), „heizt“ aber weiterhin die Clock mittels Betriebsspannung.

Bei hochpräzisen Oszillatoren wie im Vega G2 ist eine gleichmäßige Arbeitstemperatur von größter Bedeutung für die Genauigkeit des Takts. Schaltet man den Auralic Vega G2 über den Hauptschalter aus, dauert es am nächsten Tag erstens etwas länger, bis die Ausgänge freigeschaltet werden, und darüber hinaus noch eine Weile, bis die beiden Femto Clocks wieder auf Betriebstemperatur sind und optimalen Klang ermöglichen. In einigen anderen Auralic-Komponenten kann der Nutzer selbst entscheiden, ob die Clock im Ruhezustand weiter mit Energie auf Betriebstemperatur gehalten werden soll, oder ob man lieber mehr Energie sparen möchte. Derzeit fehlt diese Möglichkeit beim Vega G2, aber vielleicht wird das ja später noch mal nachgereicht. In jedem Fall kann man natürlich den rückseitigen Schalter umlegen und den Verbrauch damit auf null senken.

Im Schlafmodus ist das Display komplett aus und es leuchtet keine Status-LED an der Front. Nur an der Rückseite leuchten oder blinken LEDs an der RJ45-Buchse, sofern verbunden. Viele Ethernet-Buchsen haben diese Status-LEDs. Zum Aufwecken aus dem Hibernate-Modus reicht ein Druck auf den Drehregler oder die entsprechende Taste auf der Fernbedienung.

Zur Einrichtung der Streaming-Funktionen muss der Vega G2 zunächst per Ethernet-Kabel am Router angeschlossen werden. Wie schon erwähnt, ist kein WLAN und auch kein Bluetooth an Bord. Genau deswegen gibt es ja noch den Aries G2. Per DHCP verbindet sich der Vega G2 automatisch mit dem Netzwerk und dem Internet. Bei Bedarf kann man die Netzwerkeinstellungen auch manuell vornehmen. Das geht entweder über das Gerätemenü per Dreh/Drück-Steller, über die zugehörige Lightning DS App oder per Webinterface (zum Aufruf des Webinterface einfach die IP-Adresse des Vega in die Adresszeile des Webbrowsers eingeben).

Wenn die Verbindung steht, kann das Setup erfolgen, durch das der Nutzer Schritt für Schritt per Einrichtungsassistent geführt wird. Dabei wird beispielsweise festgelegt, wo lokale Musikdaten (z.B. auf einem NAS) zu finden sind und eventuell vorhandene Anmeldedaten für Streamingdienste eingegeben. Bei mir läuft das ganz ausgezeichnet mit dem HiRes-Streamingdienst Qobuz. Zusätzlich gehören Tidal und WiMP zu den derzeit unterstützen Streamingdiensten. Natürlich können auch Internet-Radiostationen wiedergegeben werden.

Fernbedienung per Infrarot

Etwas Zeit sollte man noch für die Einrichtung einer Fernbedienung einplanen. Ganz ähnlich dem ELAC EA 101 EQ-G Vollverstärker kann nämlich auch der Vega G2 IR-Befehle von beinahe jeder beliebigen vorhanden Fernbedienung erlernen. Daher wird auch keine Fernbedienung mitgeliefert, weil praktisch jeder zuhause eine geeignete Remote rumliegen hat. Und falls nicht, kann man sich für wenige Euro eine nach persönlichem Bedarf zulegen.

Grundsätzlich eignen sich fast alle IR-Geber. Ich hatte beispielsweise noch eine Remote von einem nicht mehr genutzten Technisat-Receiver, die bestens funktioniert. Empfehlenswert sind vor allem Fernbedienungen, die ein Menükreuz, Musiksteuerungstasten und Ziffernblock bieten. In meinem Fall wäre die T+A Systemfernbedienung FM2000 meines Referenzverstärkers PA 2500 R ideal, denn die hat massenhaft Tasten, welche von dem Verstärker gar nicht genutzt werden, weil sie für andere T+A-Komponenten reserviert sind, die ich nicht habe. Leider kann der Vega G2 ausgerechnet deren IR-Befehle nicht fehlerfrei erkennen.

Über das Display des Vega G2 und die Systemeinstellungen können mit der zum Testzeitpunkt installierten Firmware 38 Befehle erlernt werden. Darunter solche für die Musiksteuerung, Lautstärke, Eingangswahl, Ruhezustand, Menüsteuerung, Displayeinstellungen und vieles mehr. Einen derartigen IR-Funktionsumfang findet man nur selten bei Streaming-Komponenten, geschweige denn in einem DAC.

Lightning DS App

Auralics hauseigene Controller- und Streaming App namens Lightning DS hat nach mehreren Jahren kontinuierlicher Weiterentwicklung einen hohen Reifegrad erreicht. Sie unterstützt die Einrichtung, Konfiguration und Steuerung aller Streaming-fähigen Geräte des Herstellers, angefangen beim kleinen Aries Mini über den Aries, Altair und Polaris, bis hin zur neuesten Serie mit dem Aries und Vega G2. Zwar könnte Lightning DS in einigen Bereichen durchaus noch mehr Bedienkomfort bieten, doch im Großen und Ganzen ist es eine der besten Apps in diesem Segment.

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