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Test Streamer Auralic Vega G2 – der Griff zu den Sternen

Besonders gut gefällt mir die Qobuz-Integration. Einmal angemeldet bietet Lightning DS ein flottes und übersichtliches Browsing-Erlebnis des Streaming-Dienstes. Natürlich wird das HiRes-Streaming von Qobuz voll unterstützt, wobei Lightning DS auch die Auflösung und sogar die aktuelle Datenrate anzeigt.

Wer sich bereits auf die angesagte Musiksoftware Roon festgelegt hat, den wird es freuen zu hören, dass der Auralic Vega G2 auch als Roon Endpunkt genutzt werden kann.

Der Auralic Vega G2 im Hörtest

Ich hatte das Glück, den Auralic Vega G2 über einen längeren Zeitraum ausgiebig auf Herz und Nieren testen zu können. Das war insofern auch nötig, weil das Testgerät am Anfang noch mit einer ziemlich unausgereiften Beta-Firmware ausgestattet war – das war allerdings noch vor dem offiziellen Marktstart. Inzwischen hat Auralic die Software auf einen verbrauchertauglichen Stand gebracht, wobei das nicht heißt, dass alles nun eitel Sonnenschein ist. Aber dazu später mehr. Die Firmware kann übrigens sehr komfortabel und vollautomatisch per Push oder wahlweise manuell aktualisiert werden.

Die ersten musikalischen Erfahrungen mit dem Vega G2 waren ein echtes Aha-Erlebnis. Kurz zuvor hatte ich noch einen anderen, zwar nicht ganz so teuren, aber auch sehr überzeugenden DAC getestet, doch schon die ersten Klänge über den Vega G2 stellten alles bis dahin von DACs gehörte in den Schatten.

Ich brauche Ihnen wahrscheinlich nicht zu erklären, dass wir hier nicht von dramatischen Unterschieden wie zwischen sehr unterschiedlichen Lautsprechern reden. Klangunterschiede zwischen hochwertigen DACs spielen sich auf einer anderen, eher feinstofflichen Ebene ab, können für den anspruchsvollen Hörer aber absolut den Unterschied zwischen Wohl oder Wehe machen.

Wie sich das äußert? Nun, schon wenige Augenblicke nach der Inbetriebnahme fiel mir auf, dass sich die Musik irgendwie besser von den Boxen löst. Das Geschehen wirkte nicht nur luftiger, sondern auch plastischer als bisher gewohnt. Die authentische Darstellung feinster Transienten macht hier den Unterschied. Dem G2 gelingt es, die Musik mit ausgezeichnetem Timing und als schlüssiges Gesamtwerk darzustellen, statt als Ansammlung einzelner Töne. Das führt zu dem beschriebenen Effekt, dass die Musik greifbarer und lebensechter wahrgenommen wird.

Bei längerem und genauerem Hinhören fiel außerdem auf, dass sich die Höhen über den Vega G2 durch eine unglaubliche Reinheit und Sanftheit auszeichnen. Nicht, dass es sich bei dem Auralic-DAC um einen Weichzeichner handelt, der Details verschleift oder gar unterschlägt. Im Gegenteil! Nuancen werden mit einer Mühelosigkeit reproduziert, die einfach viel lebensechter wirken, als ich das bisher von Digitalkomponenten gewohnt war.

Ich mache es kurz: Ich kenne nicht alle DACs der Welt und nur ein paar im hohen vier- bis fünfstelligen Preisbereich. Aber für mich steht fest, dass der Vega G2 klanglich das Potential hat, selbst mit den exotischsten und kostspieligsten D/A-Wandlern mitzuhalten. Die einzigartige DAC-Konfiguration scheint sich auszuzahlen. Doch auch der sehr aufwändige analoge Part des G2 sowie die konsequente galvanische Trennung aller wichtigen Baugruppen bis hin zur aufwendigen Lautstärkeregelung dürften einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, warum der Vega G2 so fantastisch rein klingt und einen dermaßen tiefen „Schwarzwert“ bietet, auf dem sich jedes noch so feine Klangdetail kontraststark abzeichnet.

Nicht zu vergessen: Die zweifach vorhandenen Kopfhörerausgänge machen den Vega G2 außerdem zu einem äußerst hochwertigen Kopfhörerverstärker, der mit nahezu jedem dynamischen Headset klangliche Höchstleistungen bietet. Nur symmetrischer Betrieb ist damit derzeit nicht möglich und schön wäre es noch gewesen, wenn man die beiden Ports getrennt in der Lautstärke regeln könnte.

Super-DAC, High-End-Vorstufe, puristischer Streamer und ausgezeichneter Kopfhörerverstärker in einem massiven und kompakten Gehäuse mit komfortabler Bedienung. Was will man mehr?

Nun aber zu ein paar praktischen Nachteilen, die mich zwischendurch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht haben: Da wäre zunächst eine lästige Einschränkung mit dem Toslink-Eingang. Dieser wird in den allermeisten Fällen wohl zum Anschluss eines TV-Gerätes genutzt werden, um dessen Ton über die Anlage wiederzugeben. So mache ich das hier auch. Dummerweise führen die technischen Besonderheiten des Vega G2 dazu, dass der Ton mit mindestens 100ms Verzögerung wiedergegeben wird. Das heißt, man bemerkt einen Versatz zwischen Bild und Ton. Zwar bieten viele Fernseher die Möglichkeit, einen Delay für Toslink einzustellen, aber damit wird der Ton nur noch mehr verzögert. Es müsste genau anders herum eine Bildverzögerungsschaltung geben, doch das bietet meines Wissens kein Fernseher. Auf die Frage an Auralic, ob man in den Settings zumindest für Toslink eine geringere Verzögerung hinzufügen könnte, sagte man mir, dass dies wohl zu vielen Tonausfällen führen würde. Solange hierfür keine Lösung gefunden wird, ist die Wiedergabe von TV-Ton über den Vega G2 also nur eingeschränkt zu empfehlen.

Sehr seltsam ist beim derzeitigen Firmware-Stand (5.4), wie der Vega G2 mit upgesampeltem Material von Audirvana oder anderen Playern auf Mac oder PC umgeht – nämlich gar nicht. Im Augenblick kann ich über den Mac mit Audirvana nur bitperfekte Wiedergabe ohne Upsampling wählen oder DSD. Mit zweifachem oder maximalem PCM-Upsampling spielt der Auralic keinen Ton. Für einen DAC dieser Preisklasse ist das doch ziemlich seltsam. Mehr noch: Der Vega G2 bietet auch kein internes Upsampling. Mit einer früheren Firmware-Version war es möglich, eingehende Daten bis auf das Maximum von 768 kHz hochzutakten, doch dies hat Auralic entfernt. Die einzig logische Erklärung dafür ist, dass ja noch der externe Upsampling-Prozessor Sirius G2 geplant ist, der Upsampling auf ein bislang nicht gekanntes Niveau heben soll. Deswegen aber die Grundfunktionalität des Vega G2 künstlich per Software zu beschneiden, wäre nicht nett. An solchen Strategien haben sich schon andere die Finger verbrannt.

Noch ein bislang nicht beseitigtes Manko: Bei Wiedergabe von DSD über Audirvana (am Mac derzeit maximal DSD 256) kommt es beim Start der Wiedergabe oder bei Titelsprüngen anfangs zu Tonaussetzern. Es dauert immer ein paar lästige Sekunden, bis der Vega G2 den Datenstrom einwandfrei wiedergibt.

Genug gemeckert. Es gibt natürlich auch wirklich erfreuliche Dinge aus der Praxis zu berichten.

Wirklich toll am G2 ist sein haptisch angenehmer Lautstärkeregler, mit dem per Drehen und Drücken auch die meisten Funktionen und Menüoptionen direkt am Gerät gesteuert werden können. Das hochauflösende Farbdisplay zeigt dazu grafische Elemente und Menülisten an, wobei für letzteres in den Systemeinstellungen eine sehr kleine Schrift verwendet wird.

Das Display zeigt im DAC-Modus groß und deutlich den gewählten Eingang und noch größer die Lautstärke. Das ist perfekt ablesbar. Als Zusatzinfos werden etwas kleiner der gewählte Filtermodus und die Taktfrequenz am Eingang dargestellt. Im Streaming-Modus, wenn z.B. Qobuz gestreamt wird, nimmt die Darstellung der Album-Cover einen Großteil des Displays ein. Schönheitsfehler: Der Bildschirm summt etwas, was sich mit niedriger Helligkeitseinstellung aber verringert und ohnehin nur mit dem Ohr nah am Gerät zu hören ist. Natürlich kann man das Display auch ganz abschalten oder eine automatische, zeitgesteuerte Abschaltung einstellen.

Eine gute Entscheidung war es auch, auf eine mitgelieferte Fernbedienung zu verzichten und stattdessen dem Vega G2 die Fähigkeit zu verleihen, IR-Befehle von vorhanden Remotes einfach zu lernen.

Fazit Auralic Vega G2

Wenn es noch irgend eines Beweises bedurfte, dass „hochpreisig“ nicht gleich „überteuert“ ist, dann finden Sie diesen im Auralic Vega G2. 6.300 Euro UVP mögen viel Geld sein, aber mir ist kein anderer Streaming-DAC bekannt, der für diese Summe vergleichbar viel technischen Aufwand, Innovation und nicht zuletzt so guten Klang bietet. Der Vega G2 wildert ungeniert im Revier von Ultra-High-End-Produkten, die gerne ein Vielfaches kosten.

Aber ein paar Schwachstellen sollte Auralic noch ausbügeln. Bis Redaktionsschluss gab es noch kein Update für die fehlende Fähigkeit zur Wiedergabe von upgesampeltem Material via Audirvana und DSD hat beim Start der Wiedergabe über Audirvana nach wie vor lästige Aussetzer. Wer seinen TV an den Vega G2 anschließen möchte, sollte sich außerdem darüber im Klaren sein, dass die Wiedergabe prinzipbedingt leicht verzögert ist und damit kein absolut lippensynchrones Bild möglich ist.

Zu den Vorzügen des Vega G2 zählt auch das gut durchdachte System-Konzept, die recht weit gereifte Auralic Lightning DS App mit Integration von Streamingdiensten, sowie roon-Kompatibilität. Der Vega G2 bietet Streaming auf höchstem Niveau, verzichtet dabei aber bewusst auf Wireless-Features und direkte Anbindung von Massenspeichern. Völlig okay, denn nicht jeder braucht das. Mit der Entscheidung, Musik entweder online oder drahtgebunden von einem Netzwerkspeicher zu streamen, ansonsten aber auf Zuspieler wie den Computer oder die hauseigene Streaming Bridge Aries zu setzen, bleibt der Vega G2 in erster Linie ein DAC, Vorverstärker und Kopfhörerverstärker mit Bonus-Feature. Wer die volle Streaming-Packung will, kann den Auralic Aries G2 oder einen beliebigen anderen Netzwerk-Streamer anschließen. Darüber hinaus können Hardcore-User das System (später) um externe Prozessorleistung und eine Clocking-Unit ergänzen. Doch schon mit der Basis des Vega G2 schwebt man klanglich in höchsten Sphären.

Genial sind auch solche Details, wie die Möglichkeit der IR-Steuerung mit einer beliebigen Fernbedienung, individuelle Lautstärkepegel pro Eingang, oder die angenehme Haptik des Unity-Gehäuses mit dem tollen Lautstärkeregler. Alles zusammengenommen ist der Auralic Vega G2 der beste DAC, den ich bislang erleben durfte.

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Auralic Vega G2
2018/02
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überragend natürlicher, luftiger, analoger Klang
Aus einem massiven Block gefrästes, hochwertiges Alu-Gehäuse
Unterstützt qobuz, Tidal, WiMP, vTuner, Spotify connect
Kein echter Standby-Modus

Vertrieb:
audioNEXT GmbH
Isenbergstraße 20
45130 Essen
www.audionext.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Auralic Vega G2: 6.300 Euro