Auch verwöhnte Audiophile werden mit diesem Streamingverstärker glücklich: Der T+A Symphonia spart nur Platz, alle technischen Zutaten dagegen sind vom Feinsten. So bekommen wir in einem kompakten Gerät nicht nur die Funktion, sondern auch den Klang einer richtig großen High-End-Anlage.
Während Einzelkomponenten im aktuellen HiFi-Markt – vorsichtig ausgedrückt – nur moderate Nachfrage hervorrufen, erfreuen sich Streamingverstärker großer Beliebtheit. Klar: Da hat man in einem einzigen Gerät alles, was man für eine HiFi-Anlage an Elektronik braucht. Und hat bei den Lautsprechern trotzdem freie Auswahl. Anders als bei den Kompaktanlagen von einst erzwingt die Technik-Verdichtung aber keine Kompromisse bei der Qualität. Schlüsseltechnologien für diese Entwicklung sind Streaming und Schaltendstufen: Ersteres erlaubt den Bau von Digitalplayern ohne bewegliche Teile, ohne Festlegung auf ein bestimmtes physisches Format, ohne Grenzen bei der Auflösung – und mit Zugang zu dem nahezu unbegrenzten Musikrepertoire der Streamingdienste. Die Schaltendstufen wiederum erhöhen die Verstärkerleistung, die man aus einem Gehäuse gegebener Größe herausbekommen kann, locker auf das Zehnfache. Und sind inzwischen so ausgereift, dass sie auch klanglich keinen Vergleich mit konventionellen Amps mehr scheuen müssen.

T+A macht solche Vergleiche seit Jahrzehnten selbst immer wieder und bespielt beide Bühnen: Im R 2500 R, dem Full-Size-Cousin des Symphonia, steckt zum Beispiel eine hoch verfeinerte A/B-Endstufe in High-Voltage-Technik, die analoge Schaltungstechnik von schnöder Leistungsknechtschaft zur eigenen Kunstform erhebt – inklusive verglastem Guckloch im Gerätedeckel, damit Platinen-Gourmets den Ursprung des wunderbar feinsinnigen und fest strukturierten Klangs betrachten können.
Die Besonderheiten des T+A Symphonia
Im kompakten Innenraum des halb so teuren Symphonia wäre für eine ausgewachsene HV-Leistungsabteilung kein Platz. Schon im vergleichsweise turnhallengroßen Kabinett des 2500ers muss ein intelligent gesteuerter Lüfter bei der Wärmeabfuhr helfen, sobald Nutzer oder Nutzerin die Vorzüge ihrer freistehenden Immobilie nutzen und tüchtig aufdrehen. Stattdessen werkelt im Bauch des zehn Zentimeter flachen Symphonia-Gehäusebarrens neueste Class-D-Technik von Purifi aus dem dänischen Roskilde. Und zwar nicht in Form eines zugekauften Fertigmoduls, das Purifi ebenfalls anbietet, wenn’s besonders schnell oder einfach gehen soll. Sondern als T+A-eigene Platine mit einer lizenzierten, eigens auf den Symphonia abgestimmten Version der Purifi-spezifischen Eigentakt-Schaltung.
Nach etlichen Tests Purifi-bestückter Verstärker bedeutet das in meinen Ohren schon mal good news: Diese Endstufen überhört man nicht. Ihre extreme, mühelose Schnelligkeit und Offenheit ist definitiv etwas Besonderes und erinnert mich an die ersten audiophilen Schaltverstärker-Prototypen und -Kleinserien, die um die Jahrtausendwende herum oft in unseren Hörräumen gastierten. Nur besser, und ohne die damals noch vorhandene Zickigkeit im Zusammenspiel mit realen Lautsprechern und ihren komplexen Lasteigenschaften.
Immer ausreichend Leistung…
Dank Purifi bringt es der Symphonia nominell auf die gleiche Leistung wie der R 2500 R: 250 Watt pro Kanal an 4Ω-Boxen, exakt die Hälfte davon an 8Ω. Die glatte, harte Leistungsverdopplung bei Impedanzhalbierung deutet schon an: Diesem Amp tanzt kein Lautsprecher auf der Nase herum. Der Dämpfungsfaktor von über 600 unterstreicht das noch. Hier übertrifft der Symphonia seinen erhabenen Kollegen aus der R-Serie sogar – und zwar gleich um den Faktor zehn. Was aber keine direkten Klang-Rückschlüsse zulässt. T+A-Chefentwickler Lothar Wiemann – inzwischen im Ruhestand – legte die 2500er Endstufe ganz bewusst praktisch ohne Gegenkopplung aus, was den Ausgangswiderstand etwas erhöht, dafür aber perfekt harmonisches Verzerrungsverhalten zeitigt. Purifi ist damit schon insofern nicht vergleichbar, als es eine Class-D-Technologie ist. Die Transistoren feuern hier Pulsserien ab, statt dem Eingangssignal linear zu folgen. Ihr aktuelles Qualitätsniveau verdankt die Technik unter anderem einer raffinierten Gegenkopplungs- oder Korrekturschleife, die nicht nur die kleinen Imperfektionen der verwendeten Schalttransistoren vorausschauend ausbügelt, sondern auch die klanglich besonders heiklen, bei Class D aber unvermeidlichen Ausgangsdrosseln in ihre Analyse mit einbezieht.

Im Endeffekt schüttelt die Purifi-Endstufe ein altes Problem ab, das Schaltendstufen älterer Generationen oft handicappte. Auf niederohmige Lasten reagierten diese mit Spannungsabfall, erst recht, wenn komplexe – kapazitive oder induktive – Komponenten hinzukamen, wie sie konventionelle Mehrwege-Lautsprecher nun mal aufweisen. Das machte den Frequenzgang zumindest in Teilen abhängig vom Impedanzverlauf des Lautsprechers, wie wir das zum Beispiel auch von Röhrenamps kennen. Auf den von Purifi veröffentlichten Messungen dagegen liegt der Frequenzgangschrieb an 2Ω so deckungsgleich über dem mit offenem Ausgang (also praktisch unendlich hohem Widerstand), dass man die beiden Linien – jedenfalls im Hörbereich – nicht auseinanderhalten kann. Tonales Eigenleben ist von einem solchen Verstärker nicht zu erwarten, zumal auch die Klirrwerte verschwindend gering ausfallen.
Angesteuert wird die Purifi-Endstufe wie fast alle Schaltendstufen analog. Wobei eine Komparatorschaltung die analoge Wellenform zunächst in eine Serie gleich hoher, dafür unterschiedlich breiter Pulse verwandelt. Die musikalische Information kippt also gewissermaßen aus der Amplituden- in die Zeitdimension. Nach erfolgter Verstärkung stauen sich die Stromhappen im Ausgangsfilter wieder zu einer ordnungsgemäßen Berg- und Talfahrt an. Der Gag daran: Die Endtransistoren müssen dabei nicht penibel dem Auf und Ab des Steuersignals folgen, sondern nur noch zwischen zwei Zuständen wechseln: ganz offen und ganz zu. Beide Extreme zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine thermischen Verluste bewirken: Im geschlossenen Zustand fließt eh kein Strom. Im geöffneten dagegen zwar sehr viel, nun aber über verschwindend geringen Widerstand. Was wiederum kaum Abwärme produziert. So bringen es Class-D-Amps auf Wirkungsgrade von deutlich über 90 Prozent. Oder griffiger ausgedrückt: Hohe Leistung, kühler Betrieb. Die Gussrippen-Seitenteile des Symphonia werden im Betrieb kaum warm. Die Ausgangstransistoren sind auch gar nicht mit ihnen, sondern mit dem Geräteboden verschraubt, der zur Wärmeabfuhr völlig ausreicht.
Neben der Effizienz profitiert potenziell auch der Klang. Etwa weil uns die Kennlinien der Transistoren mit ihren bauartbedingten Nichtlinearitäten nicht mehr stören. Dafür gibt’s im Gegenzug jede Menge neuer, aufregender Probleme, an denen sich brillante junge Entwickler vor allem in den vergangenen 25 Jahren abarbeiten konnten. Zwei der prominentesten und besten, Bruno Putzeys und Lars Risbo, finden sich dann auch als Chief Technical Officers und Mitgründer im Purifi-Team. Ganz vorsichtig ausgedrückt müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht zuallermindest etwas extrem Brauchbares herauskäme.

Bei T+A war Lothar Wiemanns Nachfolger und vormaliger Stellvertreter Jörg Küpper dafür verantwortlich, die Purifi-Schaltung in ein würdiges technisches Umfeld einzubetten. Dabei war er nicht knickerig: Abseits der eigentlichen Endstufe gibt es ein Wiedersehen mit vielen bewährten, kompromisslosen T+A-Spezialitäten. Der Symphonia, das spürt man in jedem Detail, ist kein T+A light, sondern der wahre Jakob, hineingeschuhlöffelt in ein 38cm breites und genau 10 cm hohes Gehäuse aus in Westfalen geformtem und eloxiertem Aluminium. Das fängt beim Netzteil an, das immerhin rund 800 Watt Dauerumsatz schaffen muss, um die Leistungsangaben des Herstellers nicht Lügen zu strafen. In diesem Geräteformat klappt das nur mit einem Schaltnetzteil. Aber nicht mit irgendeinem. Sondern mit T+As eigenem Hochfrequenz-Sinuswellen-Netzteil, das nicht nur besonders effizient, sondern auch außergewöhnlich störungsarm arbeitet.
Das hauseigene Netzteil ist nur für die Endstufe und die Analog-Baugruppen verantwortlich. Ein weiteres, konventionell aufgebautes Modul versorgt die digitalen Schaltungsbereiche, von denen es in einem Streaming-Amp naturgemäß einige gibt. Wer sich jetzt fragt, auf welche Seite ein D/A-Wandler gehört, auf dem ja links PCM-Daten herein- und rechts analoge Signale herausströmen: Berechtigte Frage! DACs schlägt man in solchen Fällen der analogen Welt zu. Wobei das im Symphonia nicht einfach ein Wandlerchip ist, sondern vier davon. Deren Kanäle bilden ein doppelt-differentielles Arrangement, das die ohnehin hohen Störabstände der verwendeten 32-Bit-Chips in gänzlich utopische Regionen verschiebt. Ohnehin kümmert sich der Symphonia mit einem Perfektionismus um digitale Signale, der anderswo in der HiFi-Welt schlicht nicht existiert. Also auch in viel teureren reinen Playern sehr selten, und erst recht nicht in Lifestyle-All-In-Ones, auf die der T+A im Wettbewerb eventuell treffen könnte.

Die doppelt-differentielle PCM-Wandlung ist nur ein Puzzleteil in einem mächtigen Schaltungsmosaik, das einen großen Teil der Hauptplatine im Erdgeschoss des Streamig-Amps bevölkert. Stromaufwärts geht der Spaß mit superschnellen iCoupler-ICs von Silicon Labs los. Kleinen Übertragern in Chipform also, die den Wandler galvanisch von allen vorgelagerten Baugruppen entkoppeln, den digitalen Datenstrom aber durchlassen. Ehrensache, dass T+A dann auch nicht die integrierte Digitalfilterfunktion der DAC-Chips verwendet, sondern den technisch notwendigen Over- oder Upsampling-Prozess einem DSP überträgt. Und diesen mit hauseigenen, über Jahrzehnte immer wieder verfeinerten Algorithmen programmiert. Wie gewohnt stehen davon mehrere zur Wahl, die den Klang ganz subtil in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Nicht im Sinne einer Klangregelung, sondern als individuelle Abwägung auf sehr hohem Niveau: Wenn jemand heimlich auf eine andere Filtercharakteristik umschaltet, merkt man das meist nicht mal sofort. Im direkten Vergleich haben wir dennoch einen Favoriten: Die „Bézier“-Charakteristik, die die Abbildung angenehm griffig und körperhaft wirken lässt.
Selbst das Tiefpassfilter, das den Wandlungsprozess in der analogen Ausgangsstufe vollendet, ist nicht nach Schema F gestrickt, sondern aus Scharen von SMD-Bauteilen komponiert – und zudem umschaltbar: Je nach Anlagen-Umgebung und eventuell angeschlossener Peripherie kann der Nutzer selbst entscheiden, den Wandler mit der vollen Bandbreite von 120kHz laufen zu lassen oder schon bei 60kHz behutsam auszublenden. Direkt hörbar sind solche Frequenzen natürlich nicht. Indirekte Auswirkungen der Tiefpass-Flanken auf den Hörbereich sind aber ebenso denkbar wie bestimmte Endstufen, die mit Ultraschall-Content nicht glücklich sind und sich davon zu hörbaren Artefakten hinreißen lassen. Die Analogeingänge sind davon natürlich nicht betroffen: Zwischen Line In und Pre Out erstreckt sich im Symphonia eine kerzengerade Sound-Autobahn mit 300kHz Bandbreite.
Nicht analog, aber auch schon fast nicht mehr digital sind die Einbit-Pulsströme des einstigen SACD-Tonformats DSD, die heute in einer kleinen, feinen Nische als Downloads weiterbestehen. T+A spielt diese nicht nur – per DLNA-Stream oder USB-Audio – ab, sondern schafft ihnen eine eigene, spezialisierte Wandlerumgebung: Statt die im Megahertz-Takt anrauschenden Bits als Quasi-PCM oder sonst wie passend gemacht durch die normalen Wandlerchips zu schleusen, geleitet der Symphonia sie in ein puristisch diskret aufgebautes Einbit-Separee, natürlich auch hier mit umschaltbarer Filtercharakteristik. DSD-Fans dürften für ihre Lieblingsfiles keinen kompromissloseren Streaming-Amp finden als den T+A.
Praxis
In den Symphonia gelangen die Daten auf einer Vielzahl von Wegen. Etwa als lokaler DLNA-Stream von einem NAS-Server oder einer PC-Festplatte. Oder von den Cloud-Servern der vielen unterstützten Streamingdienste. Oder per USB-Kabel von einem angeschlossenen Rechner. Dann sorgt auf diesem installierte Abspielsoftware – im Test etwa Audirvana auf einem MacBook Pro – für Navigation und Rendering der Stücke, während der T+A über eine asynchrone USB-2.0-Verbindung als externer DAC fungiert.

Als relativ neues, aber sehr beliebtes Zwischending beherrscht der T+A auch das proprietäre Übertragungs- und Wiedergabeprotokoll RAAT zur Verbindung mit der Musiksoftware Roon. Nur ein optisches Laufwerk hat der Symphonia nicht mehr. Er beendet damit die alte T+A-Tradition, Streamern stets auch einen Disc-Player mit auf den Weg zu geben.
Einen Haken können wir zum Glück auch hinter alte und neue Streaming-Standardfähigkeiten machen, die umzusetzen T+A etwas mehr Zeit gekostet hatte. Das hier integrierte, hauseigene Streamingboard der dritten Generation spielt nun endlich unabhängig von der Steuerungs-App, hält die aktuelle Abspielliste auf dem Player vor und lässt sich bei Diensten, die das unterstützen, auch im Connect-Modus betreiben. Spotify, Tidal und Qobuz erlauben dabei mit ihren jeweils eigenen Apps direkten Zugriff auf den Symphonia.

Das ist allerdings Geschmackssache: Mir persönlich ist beispielsweise bei Tidal der Zugriff über die T+A-App lieber, unter anderem weil sich damit dann auch gemischte Tracklisten aus Tidal- und lokalem Content erstellen lassen. Es gibt noch einen dritten Weg, den ich überraschend regelmäßig verwende: Mit der schönen, soliden Fernbedienung und dem – zwar monochromen, aber sehr angenehm ablesbaren – Punktmatrixdisplay lassen sich alle Funktionen des Symphonia auch ganz „old school“ ohne App steuern. Wirklich alle. Das schließt auch den Zugang zu sämtlichen Streamingdiensten und zum wohlsortierten Content meines lokalen NAS-Servers ein. Sogar ohne die Fernbedienung, nur mit den beiden präzise laufenden Dreh/Drück-Knöpfen, hangelt man sich nach kurzer Eingewöhnung elegant durch beliebige Server- und Einstellmenüs. Nur Spotify bleibt außen vor, weil der Dienst schon seit vielen Jahren keine Zugänge mehr außerhalb seiner proprietären Connect-Apps zulässt.

Angesichts der bereits eingebauten Quellenvielfalt ist der Symphonia schon auf sich selbst gestellt ein Entertainer mit unerschöpflichem Repertoire. Die Streamingdienst-Auswahl umfasst neben Standards wie Deezer, Amazon und Spotify auch die bei Audiophilen beliebten Spezialisten Tidal, Qobuz und Highresaudio.com, die hochauflösende Musik mit bis zu 192kHz Samplingrate liefern können. Radio kommt wahlweise aus dem Web, via DAB oder UKW. Als externe Quellen dürften in der Praxis hauptsächlich TV-Ton und bei Analoghörern natürlich der Plattenspieler hinzukommen. Für beides ist der Symphonia bestens gerüstet. Dank HDMI-ARC integriert sich der deutsche Streaming-Amp auch zum Fernseh- oder Netflix-Abend nahtlos ins Wohnzimmer. Er schaltet sich automatisch zusammen mit dem TV ein, wechselt auf den ARC-Eingang und ordnet seine Lautstärkeregelung den Befehlen des Fernsehers unter. Die T+A-Remote bleibt dabei unberührt auf dem Couchtisch. Ganz ambitionierte Heimcineasten werden sich ihr 5.1- oder Atmos-Setup sicher nicht nehmen lassen. Die meisten anderen dürften hingegen mit einem erstklassigen Stereosystem aus dem Symphonia und ausgewachsenen HiFi-Boxen viel besser fahren als mit einem mittelprächtigen Surroundset.

Analogbewegte wiederum finden am Symphonia einen tadellos klingenden, rauscharmen MM-Phonoeingang, den ich im Test mit verschiedenen Tonabnehmern bespielte: In meinem Leih-Planar 2 erstaunt mich ein Rega Nd3 jeden Tag aufs Neue mit Abtastsicherheit, weiträumigem, verzerrungsarmem Klang und einer Dynamik, die man so einem preiswerten Brettspieler gar nicht zutrauen würde. Wenn LP das primäre Medium ist und nach der Anschaffung des Symphonia immer noch genug Geld herumliegt, kann man aber auch noch deutlich vornehmere Spieler und Systeme sinnvoll an diesem Streamingverstärker betreiben. So geschehen mit dem Acoustic Signature Verona Neo und dem neuen, fantastisch hochauflösenden, zugleich saftig-druckvollen Nagaoka MP-700 im SME 345. Was diese erlesene Analogquelle kann, bringt der T+A absolut vollwertig und transparent zum Ausdruck.
Neben dem MM- gibt es auch einen normalen Line-Eingang für Hochpegel-Zuspieler aller Art. Wobei beide Analog-Inputs ihrem Namen 100-prozentig gerecht werden: Dem Signal droht auf seinem Weg durch den Symphonia keine A/D-Wandlung. Es gibt Streamingamps, auch teure, die das anders machen und alle Analogeingänge ganz pragmatisch digitalisieren. Es gibt sogar welche, bei denen mich das, obwohl ich überwiegend LPs höre, gar nicht stört. Den NAD M10 v2 zum Beispiel mit seinem einheitlich digitalen Signalweg für alle Quellen. So kann auch analog Ankommendes in Multiroom-Netze eingespeist werden und gleichberechtigt mit digitalen Inputs von Equalizing, Raumkorrektur und verlustfreier Lautstärkeregelung auf der digitalen Ebene profitieren. Dem Klang schadet der Umweg zumindest in diesem Fall kaum: Auch mit Analogquellen zählt der NAD zu den besten seiner Gattung. Der T+A geht trotzdem noch puristischer vor: Es gibt zwar sehr wohl Einflussmöglichkeiten – eine regelbare Loudness, virtuelle Schieber für Balance, Bass und Höhen. Aber keine höhere Sound-Kunst, die Exkurse ins Digitale erfordern würde. Und damit ein ruhiges Gewissen selbst für Leute, denen es nicht nur ums hörbare Ergebnis, sondern auch ein bisschen ums Prinzip geht.
Hörtest
Bleibt die Frage, ob Class-D-Endstufen nicht auch irgendwie digital arbeiten. Dem ist nicht so. Das „D“ im Namen ist historisch einfach eine Fortführung der älteren Verstärkerklassen A, B und C. Purifi arbeitet zwar mit Pulsfolgen, aber unbegrenzter zeitlicher Auflösung der Pulsbreite. T+A beziffert die Bandbreite der Symphonia-Endstufe mit 60kHz (-3dB), was auch für konventionelle A/B-Amps völlig in Ordnung wäre. Im Hörtest würde man schwören, sogar einen besonders breitbandigen Verstärker vor sich zu haben, wenn der T+A spielt. Die Schnelligkeit und Reinheit im Hochton ist eine seiner bemerkenswertesten Eigenschaften. Die sonst interessanterweise am ehesten bei sehr guten Röhrenamps zu finden ist. Was wir hören, ist keine Betonung obenrum, kein streberhaftes Überzeichnen von Details, sondern wasserklarer, weicher Flow, der die aufgenommenen Sounds trägheitsfrei in die Hörraumluft sprüht.
Das hat immer wieder überraschende Auswirkungen auf altbekannte Platten. Etwa wenn die wunderbare LP „Let Us Garlands Bring“ von den Early Day Miners ihre Postrock-Epen ausbreitet. Dan Burton und seinen Bandkollegen lassen hier demonstrativ das Tempo schleppen, als hätten sie vor den Aufnahmesessions erstmal zwei Tage ins Studio reiten müssen, um dann angenehm ermattet von ihren Eindrücken zu erzählen. Wenn Stücke wie Offshore Höhepunkte mit satten Rockgitarren-Wänden vorsehen, baut die Band auch diese betont bedächtig und abgeklärt auf, eher wie etwas entferntere Gewitter, die sich bald wieder in den Weiten der Klanglandschaft verlieren. Wenn man irgendwo kein audiophiles Varieté um die Ohren gehauen kriegt, dann hier. Umso erfreulicher, wie der T+A das Album wiedergibt: mit einer Art Hellsicht, die nichts mit hellem Klang zu tun hat. Es fühlt sich eher an, als wäre das Gehör geschärft und sensibilisiert für die vielen Nuancen, die sich im Halbschatten der Stücke abspielen. Das weiß man erst im vollen Umfang zu schätzen, wenn man zu einem anderen Verstärker wechselt – und alles plötzlich weniger ausdrucksstark und spannend klingt.

Der Symphonia ist aber kein bullig klingender Verstärker, und keiner, der magere Boxen und miese Akustik ungeschehen machen kann: Ich würde ihn mit eher kräftig abgestimmten Lautsprechern kombinieren, die ruhig auch etwas größer sein dürfen. Denn gerade im Tiefbass liefert der T+A eine Autorität und Differenzierung, wie man sie sonst eher von ausgewachsenen Endstufen kennt. Auch darüber bleibt nichts im Ungefähren: Grundton und Mitten sind energiereich, aber nie forciert, zwischen den Instrumenten bleibt stets Platz für Atmosphäre, Raum und weniger prominente, weiter hinten im Mix platzierte Elemente. Wie es noch besser geht, zeigt der T+A R 2500 R, den ich als ultimativen Streaming-Amp stets griffbereit habe: Feinheit und Schnelligkeit sind vergleichbar, gehen beim großen T+A aber mit noch mehr Substanz und Glaubwürdigkeit einher.
Fazit T+A Symphonia
Mit dem Symphonia schickt T+A einen ganz besonders hochwertigen, selbst für T+A-Verhältnisse, perfektionistischen Streaming-Amp ins Rennen. Wobei neben Höchstleistungen in der analogen wie digitalen Signalverarbeitung ganz offensichtlich auch Wohnzimmerfreundlichkeit und Niedlichkeit weit oben im Lastenheft standen: Haushalte, denen ein Symphonia immer noch nicht elegant, kompakt, unaufdringlich und edel genug ist, haben vielleicht einfach keine Musik verdient. Dass nicht auf jedem Konto die erforderlichen 8490 Euro vorhanden sind, kann man ja nicht T+A vorwerfen. Die Herforder Firma arbeitet schließlich mit enormer Fertigungs- und Entwicklungstiefe an einem notorisch teuren Produktionsstandort und hat beim Symphonia für jede Aufgabenstellung nicht irgendeine, sondern stets die jeweils beste Lösung implementiert.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Absolut klarer, unaufdringlich transparenter Klang |
| | Spielt dank üppiger Leistungsreserven und hoher Laststabilität mit jedem Lautsprecher |
| | Zeitlos-elegantes Design mit toller Verarbeitung |
| | Aufgeräumtes Bedienkonzept, umfassender Streamingkomfort |
Vertrieb:
T+A Elektroakustik GmbH & Co. KG
Planckstraße 9–11
32052 Herford
T +49 (0) 5221-7676-0
F +49 (0) 5221-7676-76
www.ta-hifi.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
T+A Symphonia: 8.490 Euro
Technische Daten
| T+A Symphonia | |
|---|---|
| Konzept: | Streaming-Vollverstärker |
| Leistung (4 / 8 Ohm): | 2 x 250 Watt / 2 x 125 Watt |
| Eingänge digital: | 2 x S/P-DIF: 1 x Standard Coax, 1 x optisch TOS-Link, 1 x USB, 1 x HDMI ARC |
| Eingänge analog: | 2 x Hochpegel (Cinch) / davon 1 x mit zuschaltbarem Phono-Pre |
| Ausgänge analog: | 1 x Pre-Out, 2 x Subwoofer |
| Besonderheiten: | Native DSD-Wiedergabe, DAB+/UKW-Tuner, komplett analoge Signalführung bei Phono |
| Zubehör: | Fernbedienung, Antennensockel, WLAN-Antenne, Wurfantenne, LAN-, Cinch- und XLR-Kabel, Netzkabel |
| Maße (B x T x H): | 38,0 x 9,8 x 34,2 cm |
| Gewicht: | 8,2 Kilo |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
Test NAD M10v2: Lifestyle-Streamingamp mit viel Klangkultur
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Test T+A Solitaire S 430: Standbox vom Feinsten
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Test T+A Caruso: All-In-One Streaming-Speaker im Würfel-Design
Test T+A DAC 200 und Endstufe A 200 – maximaler Musikspaß im Midi-Format, Made in Germany
Test Standbox T+A Pulsar ST 21: dezente Souveränität
Test Kopfhörer T+A Solitaire P-SE: Überragendes günstiger gemacht
Kombitest Kopfhörer mit -Amp: T+A Solitaire P und HA 200










