Wenn wir alle Klischees aufhäufen, dann ist ein „echter“ Technics-Plattenspieler was…? Ein Direktantriebler mit S-Tonarm, mit Stroboskop-Rand am Teller, einem Umdrehungszahl-Schieber auf der rechten Seite und einer zuschraubbaren Headshell. Jetzt kommt der Bruch mit dem Technics SL-40CBT. Denn nur drei Dinge stimmen hier, immerhin: Er wird direkt angetrieben und der S-Tonarm hat eine Headshell – basta. Der Rest hebt sich maximal von allen Technics-Klischees ab.

Die Besonderheiten des Technics SL-40CBT
Der neue Dreher entstammt im Design und in seiner Zielgruppenansprache nicht den legendären Verwandten der 1200er Baureihe. Das ist eine lange Ahnenabfolge, mit Fans unter den DJs und den Designfreunden. Der SL-40CBT ist dagegen im Wortsinn ein Brett – flach, kantig, irgendwie unaufgeregt. Technics selbst rühmt seine „optische Wärme“. Was immer das sein mag. Vielleicht ist es die Farbe. Unser Modell kam in „Terrakotta Braun“ daher, sehr warm. Grau und Schwarz erweitern die Farbsprache – sicherlich keine Augensünder.
Jetzt der Preis: 799 Euro. Für 50 Euro mehr könnte ich in der „Premium Class“ auch den SL-100C bekommen, der weit stärker der 1200er-Formsprache verpflichtet ist. Auch das vormontierte Audio-Technica AT-VM95C wäre als Tonabnehmer identisch im Lieferumfang. Aber der Clou der Zugaben liegt klar auf der Seite des SL-40CBT – der verfügt über eine interne Phonostufe plus Bluetooth-Sender. Alles andere ist sehr stringent ausgelegt, keine Automatik wie etwa der Dual CS 529, den wir kürzlich vorgestellt (und verglichen) haben.
Der Dual protzt regelrecht mit Automatik – für den Start, das Aufsetzen in der Einlaufrille, Stopp, Rückführung des Arms und sogar eine Fernsteuerung per bi-direktionalem Bluetooth via App gibt es. Das hat der Technics SL-40CBT alles nicht. Hier ist Handarbeit gefragt, aber das macht eben auch den Charme aus. Aber es gibt etwas, das Dual nicht hat, was eigentlich kein Mitbewerber mehr hat: den hauseigenen Direktantrieb mit kernlosem Motor. Das ist Politik, Marketing und Finanzaspekt zugleich. Alle Patente und fertige Bauteile stammen aus eigenen Werkhallen. Der Käufer kann sich sicher fühlen: Er bekommt eine höchst stabile Massenfertigung. Gemessen am klassischen SL-1200G wird beim SL-40CBT natürlich herunterdekliniert – hier gibt es ja auch einen tiefen Preis-Graben. Aber: Technics gibt dem Kleinen den identischen Motor wie beim vergleichbar günstigen Modell SL-1500C mit auf den Lebensweg (999 Euro).
Der Zauber stellt sich sofort ein, das hatte beim Auspacken höchste Anfassqualität. Ich lege zunächst den Teller aus Aluminium-Druckguss auf. Schön, massiv, verstärkt durch ein Rippenmuster auf der Unterseite und verbunden mit dem anmontierten Motormagneten. Der macht ein schönes „Plock“, wenn ich ihn auf den Motor im Chassis setze – sofort wirkt die magnetische Kraft, es fällt regelrecht schwer, das Motor/Teller-Team wieder zu trennen. Will man im Alltag ja nicht, höchstens beim Umzug. Der Motor ist nicht nur Antrieb, sondern auch Kontrolleur – Technics versteckt hier eine Drehzahlerkennung und gibt per Rückkopplung die idealen Steuerungswerte an den Motor zurück.

Unsichtbar liegen im MDF-Gehäuse mehrere Platinen. Für die Stromversorgung, die Steuerung des Motors und das interne Phonoboard. Das wiederum ist vollverkapselt, eine flache Zigarrenschachtel mit einem Doppel an Cinch-Ausgängen. Warum ein Doppel? Ich kann wahlweise direkt und unverstärkt heraus oder ich bringe das MM-Signal auf die Stromkapazität für den Anschluss an jedweden Cinch-Eingang am Verstärker. Plus RIAA-Entzerrung natürlich. Das bedeutet aber auch: Moving-Coils kann ich hierüber nicht betreiben – außer sie sind als High-Output-Version gewickelt worden.

Geht mehr? An welchen Stellschrauben drehen?
Gleich die Frage: Ist das mitgelieferte Audio-Technica AT-VM95C gut genug – oder ist es der Flaschenhals der Gesamtkonstruktion? Offene Meinung: Da geht mehr. Nominell verlangt Audio Technica 39 Euro für das AT-VM95C. Die gute Nachricht: Niemand muss mit dem Schraubendreher hantieren – als MM-Konstruktion kann ich einfach einen neuen Nadeleinschub zustecken.

Das AT-VM95C setzt einen konischen Schliff in die Rille, das AT-VM95ML (159 Euro, Einschub allein) zaubert per Microlinear schon mehr Eleganz aus dem Vinyl. Ich oute mich als Fan des Shibata-Schliffs, wobei das AT-VMN95SH schon an der 200 Euro-Marke kratzt. Hier unser großer Familientest:
Aber lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Das Upgrade kann warten und sich den Gegebenheiten anpassen. Denn: Nutze ich den Transfer der Musik per Bluetooth, sind die Zauberkräfte der besseren Nadelschliffe von Audio Technica im Effekt weit geringer. Wenn ich aber den neuen Technics per Kabel an den Amp verstricke, so wird viel mehr nachvollziehbar und damit öffnet sich auch die Chance (der Druck) für einen Upgrade. Die VM95er-Serie ist hier die ideale Vorlage für den Spieltrieb.
Womit wir beim Thema sind: Was taugt die interne Phonostufe des Technics? Oder lege ich mir besser eine externe Box zu? Schauen Sie einmal auf das Foto weiter oben – so sieht das interne Phonoboard in seiner ganzen Pracht aus. Das ist Hochqualität im Einsteiger-Preissegment. Mit einer externen Phonostufe kaufe ich mir oftmals nur ein Gehäuse und ein externes Netzteil hinzu. Da verliert sich der Sinn. Außer ich schwenke gleich auf eine höhere Klasse um. Dann liege ich aber mit der Phono-Box vielleicht auf ähnlicher Finanz-Ebene wie mit dem SL-40CBT selbst. Kann man machen, muss man aber nicht…

Nochmals der empfohlene Preis: 799 Euro. Da muss es Abstriche geben – beim Tonarm beispielsweise? Nein, auch hier zeigt Technics Ambition. Das ist tatsächlich eine komplette Neuentwicklung. Das Lager ist ein Mix aus Edelstahl und Spezialkunststoffen. Klar, eine günstigere Version als die der großen Magnesiumtonarme, aber in unserem Test stabil, mit feinem Lift – der schon angesprochene Dual CS 529 wirkt diesbezüglich etwas weniger solide.
Im Team lecker: Plattenspieler plus Aktivboxen Technics SC-CX700
Jetzt kommt der Tipp für ein spannendes Bundle, so wie es auch uns als Testmuster erreicht hat: Unter dem Kürzel SC-CX700 hat Technics etwa ein Jahr vor dem Plattenspieler ein kompaktes Lautsprecher-Duo auf den Markt gebracht. Leider teuer – 2500 Euro.

Aber Technics sieht hier die HiFi-Kombi der Zukunft. Die beiden Boxen sind aktiv – logisch – aber auch per Bluetooth ansteuerbar. Zudem ist mittlerweile der harte Kern der Streaminganbieter freigeschaltet. Edel dazu der Auftritt unter dem Fernseher, ein HDMI eARC-Kabel genügt. Nur ein passender Vinyl-Mitspieler fehlte – tata: Der SL-40CBT ist da, genau in den drei identischen Farben. Unsere Lieblings-Ausführung hört auf den Namen „Terracotta Brown“ – an den Lautsprechern wie am Plattenspieler. Für die Speaker hat Technics dafür ein Microfasermatieral aufgetragen. Das lässt sich wie Wildleder streicheln und wirkt sehr edel.

Der erste Blick sagt dem Kenner: aha, ein Koax-Chassis. Damit hat Technics immer wieder experimentiert und nicht immer auf Augenhöhe zu den Plattenspielern und der eigenen Elektronik gespielt. Nun eine komplette Neuentwicklung. Die Schnittzeichnung ist spannend, da sieht man eine Dreiteilung. Vorn das Chassis mit der Bassreflexöffnung darunter als Schlitz. Hinten die vollverkapselte Elektronik – und in der Mitte eine stabile Trennwand.

Per App kann ich allerlei Klangeinstellungen vorgeben. So auch „Space Tune“ – der Lautsprecher misst sich selbst ein, erkennt die Reflexionen im Raum und blendet kritische Aufstellungsfragen aus. Können andere Hersteller auch, aber die Japaner haben dazugelernt – insbesondere in der digitalen Verstärkertechnologie, genannt JENO. Das ist ein moderner Mix aus Kraftaufbereitung und Kontrolle.

Mir gefällt die Tendenz zum weiten Klangbild bei gleichzeitiger Sensibilität, die Bässe nicht über die Grenzen der Bauform treiben zu wollen. Frank Balzuweit, der European Technics Product Manager wirft die ganz laute Marketingpoesie an: „Das SC-CX700 verspricht, das einzige HiFi-System zu sein, das anspruchsvolle Musikfans jemals brauchen werden.” Nun ja, muss er sagen. Die Idee von Platte mit Bluetooth-Übertragung plus Aktivboxen hat Technics ja keineswegs exklusiv. Aber die Japaner sammeln wichtige Punkte für sich.

Und genau diese Idee fixt mich an: Das Ensemble der Drei sieht gemeinsam toll aus. Aber man könnte auch den Plattenspieler direkt bei der Plattensammlung und die Lautsprecher irgendwo anders hinstellen – Bluetooth macht es möglich.
Der Klangtest
Aber wie klingt es? Nehmen wir Klassik, Pop und Jazz – alles in einem Album. Unser Musikmeister Claus Dick hat „Lux“ von Rosalía zum Album des Monats erklärt. Eine Punktlandung – das ist, sein Zitat: „ein wilder Stil-Ritt aus zartem Latin-Pop, Opern-Bombast und klassischen Musiksequenzen.“ Klingt fantastisch, stürmt die höchsten Ränge der Verkaufszahlen und ist auch als Doppelalbum in silber-grauem Vinyl zu haben, leider teuer (60 Euro bei Amazon). Die dynamische Spannbreite ist ebenso exaltiert wie der Stilmix. Es säuselt und plötzlich bricht der Nachtclub-Sound des Berghain über uns herein. Aber nicht wie erwartet. Da hat auch Björk einen Gastauftritt – und suggeriert uns, auf welchen Schultern Rosalía steht.

Wie klingt der Song über die Technics-Kombination? Klar vermisse ich etwas Tiefbass. Aber die Effekte jagen und blitzen in einem erstaunlich weiten und präzisen Panorama. Da spielt Technics klar die Vorzüge seines Koax-Treibern aus, unterfüttert von der schlauen Entzerrung. Auch tonal ist die Technics erfreulich natürlich abgestimmt; die Stimme von Rosalía gab die kleine Kombination sehr frei, plastisch und letztendlich authentisch wieder.
Ab und an kommt der Wunsch nach etwas mehr Feindynamik auf. Mein Verdacht: Der Plattenspieler ist der Flaschenhals. Ist es der Tonabnehmer, der Arm? Nein, es ist die Übertragung per Bluetooth. Jetzt die gute Nachricht: An dem „Primary“-Lautsprecher gibt es einen HDMI-Eingang, Ethernet, aber auch eine Phonostufe mit Cinch plus Erdungskabel. Die Kabel-Übertagung klingt besser, luftiger. Gleich nachgereicht: die schwelende Frage, ob ich einen besseren Abnehmer montieren sollte. Nun, der Nadeleinschub mit dem Micro-Linar-Schliff hat mehr Analyse (AT-VM95ML). Aber das ist Step zwei.
Der direkte Vergleich zum Dual CS 529 muss sein. Aufgrund der konzeptionellen Nähe: beides sind Plattenspieler mit eingebauter Phonostufe plus möglicher Bluetooth-Übertragung. Allerdings ist der eine ein Direkttriebler (Technics) der andere Riementriebler (Dual). Und selbstverständlich haben wir – des fairen Vergleichs wegen – auch im Dual ein AT-VM95C eingebaut. Und dennoch waren die Unterschiede erstaunlich groß. Der Technics hat die typische, noch vorn gerichtete Direktheit, die Technics bei allen seinen Vinyldrehern ausspielt – da punktet klar der Direktantrieb. Der Dual hingegen wird die Freunde der ruhigen, gelassenen Wiedergabe einfangen. Klanglich etwas schöner, aber weniger dynamisch. Erstaunlich, dass die Konstruktions-Unterschiede von Direkt oder Riemen auch mit den kleinen Technics CS-CX700 Lautsprechern so klar erlebbar sind.
Fazit Technics SL-40 CBT und SC-CX700
Das klangliche Konzept der SC-CX700 ist in der ersten Wahrnehmung auf Präzision ausgelegt. Aber hier lohnt der Blick in die Feineinstellungen der Aktivboxen. Hinter den Koaxchassis steht nicht nur ein Kleinkraftwerk, sondern auch viel kluge Elektronik zur akustischen Anpassung. Auch die Verarbeitung ist erfreulich hochwertig für dieses Preissegment, die Lautsprecher echte Wundertiere mit ihrer samtigen Oberfläche.
Der Lautsprecher öffnet sich dank Bluetooth-Fähigkeit allen Komponenten mit Bluetooth-Sender – am schönsten aber ist natürlich die Kombination mit dem farblich passenden SL-40CBT: Das Auge hört mit. Die Kombination von Plattenspieler und Aktivboxen haben die Japaner überaus edel, aber auch praxisnah inszeniert: Der Aufbau gelingt in fünf Minuten.
Plattenspieler mit Bluetooth-Ausgabe gibt es eine Menge, Bluetooth-fähige Lautsprecher ebenfalls. Aber in der Kombination macht es keiner so attraktiv wie Technics. Der traditionsreiche HiFi-Pionier befeuert mit seinem hübschen Dreier eine Idee, wie Audio gleichermaßen originell wie modern gelebt werden kann. Applaus!
Technische Daten SC-CX700
| Technics SC-cx700 | |
|---|---|
| Konzept: | kompakte Aktivbox mit Bluetooth. Master-/Slave-System |
| Bestückung: | Koax-Teiber (15 cm mit 19 mm Hochtöner) |
| Digitaleingänge: | USB-C, optisch, HDMI ARC |
| Analogeingänge: | 1 Phono MM, 1 x Aux-in |
| Analog-Ausgänge: | 1 x Subwoofer |
| Streaming-Dienste: | Spotify Connect, Deezer, Amazon Music HD, TIDAL, qobuz, Internet Radio, Roon Ready(OTA) |
| Besonderheit 2: | Membran-Regelung, Raumakustik-App |
| Abmessungen (B x H x T): | 20,1 × 31,3 × 27,6 cm |
| Gewicht: | 9,1 / 8,9 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
| | Verfärbungsarmer, detailreicher Klang |
| | Alle wichtigen Streaminganbieter an Bord, Bluetooth-fähig |
| | Klanganpasssung durch praxisnahe App |
| | Anspruchsvolles Design mit ungewöhnlicher Oberfläche |
Technische Daten SC-CX700
| Technics SL-40CBT | |
|---|---|
| Konzept: | Plattenspieler mit interner Phonostufe (MM) plus Bluetooth |
| Motor: | Kernloser Direktantrieb (Einrotor-Typ) |
| Chassis: | MDF |
| Tonabnehmer: | Audio Technica AT-VM95C |
| Analog-Ausgänge: | Phone/ Line |
| Bluetooth-Übertragung: | aptX Adaptive, SBC |
| Abmessungen (B x H x T): | 43,0 × 12,8 × 33,4 cm |
| Gewicht: | 7,1 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| | Griffiger, dynamischer Klang |
| | Vormontierter Tonabnehmer mit Ausbau-Möglichkeiten |
| | Integrierte MM-Phonostufe, Bluetooth-Übertragung |
| | Preisgünstig |
Vertrieb:
Technics
Winsbergring 15
22525 Hamburg
www.technics.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Technics SL-40CBT: 799 Euro
Technics SC-SX700: 2.500 Euro
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