Einer der besten Tonarme der Welt – aber keineswegs der teuerste – kommt aus Klosterneuburg in Niederösterreich. Dort erforscht Alexey Korf systematisch, wie Mechanik und Klang bei Plattenspielern zusammenhängen. Mit teilweise überraschenden Ergebnissen, die in letzter Konsequenz zum Korf Audio TA-CF9 führen. Ein Arm, der überliefertes HiFi-Wissen herausfordert und dabei absolut himmlisch musiziert.
Als High-End-Händler und -Spürnase Markus Wierl alias „Audio-Freak“ mich fragte, ob ich wohl Interesse hätte, den neuen Korf Audio TA-CF9 mal auszuprobieren, musste ich nicht lange nachdenken. Schließlich hatte bereits ein deutlich preiswerteres Modell (mit dem verwechslungsgefährdeten Namen SF9) des österreichischen Herstellers auf LowBeats „stattgefunden“ und den hoch geschätzten Kollegen Michalik zu süßestem Frohlocken animiert. Wie würde dann erst das Topmodell CF9 in meinem Hörraum performen? Einen eigenen Spieler hat Korf dafür (noch) nicht. Aber es gibt ja genügend Laufwerkskandidaten, auf die man einen Neunzöller montieren kann. Erst recht, wenn er wie der CF9 mit absolut geläufigem Pivot-to-Spindle-Abstand (214 mm) und wahlweise JIS-Montagekragen oder SME-Schlittenbasis lieferbar ist. Nachdem der ursprünglich angedachte Acoustic Signature Verona Neo leider kurz vor dem Jahreswechsel zurück in seine schwäbische Heimat beordert wurde, darf die Rolle des Gastlaufwerks in dieser Geschichte nun der kompaktere, etwas weniger bassmächtige, sonst aber kaum schlechtere SME Model 10 einnehmen.
Die Besonderheiten des Korf Audio TA-CF9
Auspacken und Montage des Arms sind bereits ein Hochgenuss. Gut geschützt in maßgeschneiderten Abteilen eines zähelastischen Schaumstoffblocks, reisen Tonarm, Zubehör und Dokumentation in einem sauber bedruckten Karton zu ihrem frischgebackenen Besitzer – oder seiner stolzen Besitzerin. Das Erste, was uns beim Öffnen begrüßt, ist ein Echtheitszertifikat für das Tonarmrohr. Denn das besteht nicht etwa aus Glas, wie uninformierte Betrachter vielleicht denken könnten. Das klare, farblose Material, durch das die Innenverkabelung mit ihrer kupfernen Abschirmhülle hindurchschimmert, ist ein Saphir-Einkristall, dessen Härte nur von Diamant übertroffen wird. Ein passenderweise in der Tschechischen Republik ansässiges Unternehmen züchtet solche Kristalle in unterschiedlichste Formen für wissenschaftlich-technische Anwendungen. Für Alexey Korf, der Korf Audio 2013 gemeinsam mit seiner Frau gründete, wächst das Aluminiumoxid-Kristallgitter dort eben zu spannenlangen, dickwandigen Rohren.

Billig ist diese Kristallkunst sicher nicht. Verzichtet man auf Saphir und nimmt stattdessen den TA-9AF in schneeweißer, kaum weniger exotischer Aluminiumoxidkeramik, fällt der Preis von 5200 auf 3800 Euro. Die SF-Modelle schließlich runden mit ihren immer noch sehr schönen Edelstahlläufen das Angebot nach unten ab, bis hinunter auf 2200 Euro für den TA-SF9, der den weiß Gott nicht leicht zu beeindruckenden Kollegen Michalik beinahe in Ekstase versetzte. Da die Arme sich in Lagertechnologie, Headshell, Antiskating, Verdrahtung und Finish sonst kaum unterscheiden, fragt man sich natürlich, was die Rohr-Eskalation von Stahl zu Keramik zu monokristallinem Saphir für die Performance bedeutet. Eine Grafik mit den Young’schen Elastizitätsmodulen verschiedener Materialien liefert die technische Antwort: Das klare Material ist mehr als doppelt so steif wie Edelstahl und übertrifft damit auch Hightech-Materialien wie Sintersaphir und AL2O3-Keramik nochmals deutlich. Zahlen, Diagramme, aber auch knapp formulierte Hörtest-Impressionen kann man sich auf der Korf-Website anschauen. Und noch viel mehr.

Alex Korf ist Ingenieur, gebürtiger Moskauer, arbeitete zunächst für Sowjet-Raumfahrtprojekte, dann für US-Ölfirmen. Eine systematische, von Physik und Wissenschaft geprägte Herangehensweise wendet er auch auf HiFi-Fragen an. Sein „Korf Blog“ ist so erfrischend wie lehrreich zu lesen. In Dutzenden von Beiträgen geht er Fragen nach, die in jeder Analog-Diskussion irgendwann aufpoppen, aber meist ohne befriedigende Auflösung bleiben: Welchen Beitrag leisten die verschiedenen Elemente eines Tonarms zu seiner klanglichen Qualität? Wie relevant sind diese Beiträge, wo lohnt es sich, Zeit, Energie und Geld zu ihrer Verbesserung zu investieren? Konkret zum Beispiel: Wie beeinflussen Aufbau und Material eines Headshells oder Tonarmrohrs sein Schwingungsverhalten? In welchem Frequenzbereich treiben spielbehaftete Lager ihr klangschädliches Unwesen? Was passiert genau, wenn ich ein System mit internem Azimuthfehler durch Verdrehen des Arms „korrigiere“?
Antworten sucht und findet der Entwickler mit klug designten Testaufbauten, Beschleunigungssensoren und Messgeräten. Als Testmuster dienen eigene Prototypen, aber auch klassische Tonarme und -abnehmer aus der umfangreichen Sammlung, die Korf mit den Jahren aufgebaut hat. Hilfe in besonders kniffligen Fragen erhält er von Freunden und Kollegen – etwa einem Mathematiker bei der Herleitung einer genaueren Formel für die Arm-Systemresonanz. In handlicher Form mit praktischer Eingabemaske und grafischer Darstellung der Ergebnisse finden sich die Früchte dieser Arbeit als „Compliance Calculator“ auf der Korf-Website. Dessen Ergebnisse sind pikant, weil sie den tradierten Faustformeln widersprechen. Dabei geht es nicht um ein Hertz mehr oder weniger, sondern vielmehr um die Erkenntnis, dass ein Tonarm für moderne Tonabnehmer zwar durchaus zu leicht, in vernünftigen Grenzen aber kaum wirklich zu schwer sein kann.
Das deckt sich mit empirisch-anekdotischem Wissen, das sich bei mir und zahllosen anderen Analogfans über die Jahrzehnte akkumuliert hat: Warum hat damals der Kenwood KD-990 meines Bruders mit seinem 20-Gramm-Tonarmprügel so unerschrocken dynamisch und perfekt sauber gespielt, wenn das montierte Elac ESG-796vdH dafür doch überhaupt nicht geeignet erschien? Warum arbeitet der Korf TA-CF9, dessen Saphir-Armrohr sogar noch massereicher ist, in meinem Hörraum kreuzbrav mit dem Nagaoka MP-700 zusammen, das nicht nur eines der besten, sondern auch eines der weichsten aktuell produzierten MMs/MIs ist? Korfs Compliance-Rechner gibt beiden Kombinationen grünes Licht, wobei das Elac aus dem ersten Beispiel natürlich bereits in den frühen 1990ern das Zeitliche gesegnet hat.
Als erstes konkretes Produkt brachte Alexey Korf eine wunderschöne, einteilige Vollkeramik-Headshell im SME-Standard auf den Markt. Dort ist also nicht nur das Paddel für den Tonabnehmer aus Aluminiumoxid geglüht, sondern das gesamte Bauteil inklusive des Anschluss-Bajonetts. Hier muss ich kurz vom eigentlichen Tonarm-Thema abschweifen, denn diese Headshell, inzwischen als HS-A03 für 200 Euro inklusive Reinsilber-Anschlussdrähtchen, Schrauben und Fingerbügel erhältlich, ist phänomenal. Denn sie bringt an kompatiblen Spielern – Technics, SME, neuere Thorens, viele andere – schon deutlich mehr als nur eine Vorahnung vom Klang des TA-CF9. Ich habe sie zum Spaß mal an meinen Technics SL-1210GR geschraubt, das schon vorher montierte Ortofon MC X20 aber beibehalten – und die Kombination danach kaum mehr wiedererkannt. Die Wirkung ist tatsächlich drastisch: Die Dynamik legt über das gesamte Frequenzband hinweg zu, vor allem aber die Kanaltrennung, der Stereoeindruck und die Durchhörbarkeit. Die Abbildung ist mit der AL2O3-Shell klarer, breiter und sauberer, Stimmen wirken näher und feiner artikuliert, selbst der Bass scheint konturierter. Das ist um Klassen besser als mit dem Original-Headshell, deklassiert aber auch stabile Edel-Shells wie meine hochgeschätzten Ortofon LH-4000 mühelos.
Für existierende Spieler mit geeignetem Arm ist die HS-A03 ein signifikantes Upgrade, das den Klang weiter nach vorne bringt als der Wechsel zum nächstbesseren Tonabnehmermodell. Und das, anders als teure Systeme, ein Leben lang hält. Nebenbei unterstreicht es die Ergebnisse von Alexey Korfs Messungen: Headshells bilden die Schnittstelle zwischen System und Spieler, und sie zeigen vor allem mit MC-Tonabnehmern – wegen deren härterer Aufhängung und direkterer Kopplung – ein oft wildes Eigenleben. Da Headshell- und Armresonanzen stets beide Kanäle gleichermaßen betreffen, verringern sie messtechnisch wie gehörmäßig leicht nachvollziehbar die Kanaltrennung und damit die Abbildung und Durchhörbarkeit. Was hier aber passiert, wenn man vom HS-A03 zurück zum Serienheadshell des Technics wechselt, überrascht in seinem Ausmaß selbst Mechanik-affine Analogfans: Es fühlt sich an, als hätte jemand heimlich den Monoschalter gedrückt.

Aber zurück zum Tonarm TA-CF9. Der hat als gerader Arm eine gekröpfte, ansonsten aber sehr ähnliche Headshell wie die, die man für 200 Euro separat kaufen kann. Material, Form, der Versteifungssteg zwischen den Anschlusspins, der optional anzubringende Fingerbügel aus relativ weichem Messing – alles entspricht dem Design, das Korf mit Hörvergleichen, Messreihen und Finite-Elemente-Berechnungen optimiert hat. Nur dass die Shell beim TA-CF9 nicht tauschbar, sondern unlösbar mit dem Armrohr verbunden ist. Klanglich ist das unstrittig die bessere Lösung, denn die standardisierte Bajonettaufnahme ist nun mal nicht spielfrei – selbst wenn man dem Verschluss wie Korf (und auch Ortofon bei den besseren Modellen) zwei Haltestifte statt nur einem spendiert. Die Headshell des TA-CF9 geht mit einem langen Keramikhals und einer raffinierten Edelstahlmuffe in das Saphirrohr über, was eine sehr präzise Passung mit großen beidseitigen Überlappungsflächen gewährleistet. Für endgültigen Halt sorgt ein Spezialkleber, der Keramikpartikel enthält und viele Stunden lang in einem temperaturkontrollierten Ofen aushärten muss. Dann sind Shell und Rohr wirklich wie ein Teil.

Das hintere Ende des Rohrs steckt in einem Spannfutter, das die Verbindung zum Lagerblock darstellt und wie dieser aus titanfarbenem Messing besteht. Vom eigentlichen Lager sieht man nichts. Was fast ein bisschen schade ist. Denn Korf verbaut für die Vertikalbewegung ein hochexotisches Bauteil, das ich noch nie in einem Tonarm verwendet gesehen habe: Ein Free-Flex Pivot des US-Herstellers Riverhawk. Wie der Name schon andeutet, ist das ein Flexlager, das ohne Wälzkörper auskommt, kein Losbrechmoment, keine Reibung und auch kein Spiel kennt, nicht geschmiert werden muss und über eine unbegrenzte Lebensdauer verfügt. Weil seine Beweglichkeit auf feinen, elastischen Metallstreifen beruht, befürchtete ich zunächst eine spür- oder zumindest messbare Federkraft, die bei Tonarmen eher unerwünscht wäre. Die Federrate ist aber so gering, dass ich mit meiner Ortofon-Tonarmwaage keinen Einfluss auf die Auflagekraft finden konnte: Auf Höhe der Plattenoberfläche exakt auf 2,00 g eingestellt, nimmt sie nicht zu, wenn ich die Waage um einen Zentimeter aufbocke und die Messung wiederhole. Sie nimmt eher ganz geringfügig ab, um zwei, drei Hundertstel. Das ist in dieser Größenordnung völlig irrelevant, aber auch unerwartet. Und liegt vermutlich daran, dass Korf die – ohnehin geringe – Federwirkung des Lagers mit einem leicht oberhalb der Drehachse liegenden Schwerpunkt kompensiert.
Für die horizontale Drehbewegung sind zwei Hybridkugellager mit Siliziumnitrid-Kugeln in Stahl-Laufflächen zuständig. Groß dimensioniert, in relativ großem Abstand zueinander und akribisch spielfrei justiert, stellen sie eine sichere Verbindung zum stationären Edelstahlmast des Arms her. Dieser sitzt in der serienmäßigen JIS- oder SME-Basis, und diese Passung ist so genau, dass sie den Arm selbst im geöffneten Zustand wackelfrei, aber vertikal verschiebbar hält. Für Reproduzierbarkeit sorgt dabei eine Gewindestange, die sich auf der Basis abstützt und entweder an einem Rändelrad mit dem Finger oder von oben mit einem 2er Inbus zu verstellen ist. Eine bewährte Lösung, die sehr ähnlich auch zum Beispiel an SME- und älteren Thorens-Armen zu finden ist.
Engagierte Schrauber dürfen sogar am Azimuth herumspielen – auch wenn Korf in seinem Blog ausführlich herleitet, dass damit meist nichts zu gewinnen ist. Als relativ neuer Hersteller will er aber nicht einfach „nö“ sagen, wie sich das etwa Linn, SME oder Rega leisten, deren Arme überwiegend oder vollständig ohne Azimuthjustage auskommen. Also hat er sich eine ultrafeste Klemmung ausgedacht, die sich – anders als so manche andere Azimuthverstellung – auch tatsächlich feinfühlig ausrichten und präzise wieder arretieren lässt. Das Werk verlässt der Arm selbstverständlich akkurat kalibriert, als würde es diese Verstellung gar nicht geben. Und ich habe im Test daran auch nichts geändert.

Sehr häufig dagegen habe ich Tonabnehmer getauscht und justiert. Sogar viel häufiger, als es für so einen Test eigentlich nötig gewesen wäre. Der TA-CF9 hat so profunden Einfluss auf die Fähigkeiten darin montierter Tonabnehmer, dass ich gar nicht anders konnte, als mich wild durch meine Sammlung aus neuen Testsystemen und betagteren Klassikern zu hören. Der Wechsel geht schnell und problemlos. Der Arm wird dazu am besten ausgebaut: Fünfpolstecker unten abziehen, Klemmung öffnen, Arm nach oben rausziehen, fertig. Dann das System im Keramikheadshell fixieren und die angenehm leichtgängigen, dauerelastischen Steckhülsen der Anschlusskäbelchen anbringen. Den korrekten Überhang zeigt uns eine mitgelieferte Aufsteck-Lehre aus Kunststoff, die man einfach an den Edelstahlkragen hinterm Headshell klippst. Beim Anziehen der Schrauben sollte man bedenken, dass Keramik nicht besonders elastisch ist und im Extremfall – bei brachialem Krafteinsatz – auch brechen kann. Die seidige, absolut plane Montagefläche hält das System aber schon bei geringem Andruck unverrückbar fest. Das ideale Anzugsdrehmoment variiert mit dem System, lässt sich aber leicht nach Gehör ermitteln.

Die Auflagekraft stellt man ganz klassisch gemäß Tonarmwaage am Gewinde-Gegengewicht ein. Auch hier: titanfarben gefinishtes Messing, auf einer Achse aus Edelstahl. Für besonders schwere Abtaster lässt sich das Gegengewicht mit einem aufsteckbaren Zusatzstück verlängern. Nötig war das zum Beispiel beim Ortofon Status, das dank massivem Titangehäuse rund elf Gramm wiegt. Das Antiskating arbeitet magnetisch und ist mit einem skalierten Drehknopf bequem einstellbar. Verkabelt wird der Arm über den bewährten SME- (alias Tiffany-) Fünfpolstecker, den jeder Kabelanbieter im Programm hat. Auf ein Beipackkabel verzichtet Korf, er bietet aber ein eigenes Kabel namens TC-125 II an, das man für sehr faire 105 Euro einfach mitbestellen kann. Wer die Preise hochwertiger SME-Stecker kennt und womöglich schon einmal versucht hat, ein Kabel damit zu konfektionieren, ahnt, dass an dem Korf-Kabel nicht viel verdient sein kann. Beim Leitermaterial handelt es sich um Mogami W3106, ein hochflexibles, sehr niederkapazitives Mikrofonkabel mit symmetrischen Signalleitern.
Dass ich beim Einstöpseln immer mal wieder fluchen musste, hat nicht mit dem Kabel selbst zu tun, sondern mit dessen Gegenstück am Armsockel, das nicht tief genug versenkt ist. Die SME-Verbindung lässt sich normalerweise auch blind und an schlecht zugänglichen Stellen gut einstöpseln, weil sie sich mit einer Führungsnut selbst korrekt ausrichtet, bevor die eigentlichen Kontakte sich vermählen. Beim TA-CF9 fehlt der überstehende Außenzylinder samt Nut, der zudem für einen stabileren Sitz sorgt. Man muss also jedes Mal eine Weile rumstochern, bis die (tonarmseitigen) Pins und ihre (kabelseitigen) Kontakthülsen sauber ineinandergleiten. Und hat auch dann einen elektrisch zwar tadellosen, mechanisch aber etwas wackeligen Sitz. Gerade auf Subchassis-Spielern, wo das Kabel ja ständig mit Arm und Teller mitschaukeln muss, wäre eine definierte und arretierbare Passung segensreich.
Mit Saphirrohr, Edelstahlmuffe und Keramikheadshell bringt es der TA-CF9 auf eine effektive Masse von 29 Gramm. Das liest sich schwer, fühlt sich am Finger beim Auflegen aber keineswegs so an. Wie weiter oben schon erwähnt, habe ich mit dem Arm auch einige wirklich weiche MMs gehört, die absolut problemlos funktioniert haben. Die Überlegenheit des TA-CF9 zeigt sich aber besonders deutlich mit MCs. Was wenig überraschend ist, weil diese Systeme prinzipbedingt mehr mechanische Energie in die Headshell und damit den Arm einleiten. Was immer ein Arm an Schwingungsmoden parat hat, wird damit also besonders gründlich angeregt: Torsions- und Biegeschwingungen des Armrohrs, ein ganzes Bouquet an möglichen Beiträgen vom Headshell, das der Unruhequelle schließlich am nächsten ist. Aber auch Kugellager zeigen je nach Qualität ausgeprägte Resonanzen, die sich ausgerechnet im klanglich besonders sensiblen Brillanzbereich manifestieren. Ganz ähnlich das Gegengewicht mit seinem Ausleger. Beim Korf TA-CF9 herrscht Ruhe. Ich habe bislang mit keinem Arm gearbeitet, der den montierten Tonabnehmer mehr sich selbst sein lässt, ihm bessere, ungestörtere Arbeitsbedingungen schafft als dieser österreichische Neunzöller (der zum gleichen Preis auch als Zehnzöller erhältlich ist).
Hör-Eindruck
Ein Highlight unter den probierten Systemen war das Gold Bug, ein in Japan gefertigtes Kleinserien-MC des Altmeisters Joseph Szall. Der hier zum selten verwendeten Paroc- beziehungsweise Paratrace-Plus-Schliff greift – einem Nadeltyp, den ich noch von einem vor einigen Jahren verschollenen Garrott-System bestens in Erinnerung habe. Da hing der Diamant allerdings nicht an einem Borträger samt MC-Generator. Und war auch nicht in feinstes Ebenholz und Bronze eingekleidet. Klanglich eine herrliche Kombination aus sauberer Abtastung, intuitiver Musikalität und kraftvollem Körper, die mich an bestimmte Koetsu-MCs denken ließ.
Das Gold Bug klang schon in meinem Linn Ekos, wo ich es ein paar Stunden einspielen ließ, auffallend stimmig und un-technisch. Mit dem Wechsel auf den Korf-Arm bekam ich noch mehr Details, eine herrlich frische, unangestrengte Dynamik, zugleich aber opulent aufblühende Klangfarben, die die Performance auf meinem Ekos fast schon ein wenig graustichig und körnig wirken ließ. Das muss man als Tonarm auch erst einmal hinbekommen. Am Laufwerk – Linn LP12 versus SME 10 – hat das übrigens nicht gelegen: Die beiden Spieler verwende ich seit Jahrzehnten und kenne sie als zwar nicht identische, aber in Summe doch ebenbürtige Partner.
Weiter ging’s auf dem Korf TA-CF9 mit einer Rarität aus der audiophilen Vergangenheit um 1999 herum: Mit dem Ortofon Status erfüllte sich der damalige deutsche Vertrieb der Dänen den Wunsch nach einer landesspezifischen, klanglich an die tatsächlichen oder vermeintlichen Vorlieben der hiesigen Kundschaft angepassten Sonderversion des Ortofon MC-7500. Mit gefrästem Titan-Body, diamantbeschichtetem, konischem Alu-Nadelträger, Ortofons damals feinstem OrtoLine-100-Diamanten, extrem niederohmigen Spulen und entsprechend winziger Ausgangsspannung kostete der Spaß, der (kein Witz!) im doppelten Boden einer ledernen Mini-Doktortasche ausgeliefert wurde, 6000 D-Mark. Dank Übertrager bekomme ich die dürftigen 0,13 Millivolt, die hier bei 5cm/s herauskommen, praktisch rauschfrei verstärkt – und erhalte im Korf-Arm einen Klang, der auch bald drei Jahrzehnte später nicht billiger, sondern eher teurer geworden ist.
Kate Bushs Live-Vierfachalbum Before The Dawn donnert mit einer Dynamik in den Hörraum, die eigentlich Livekonzerten vorbehalten ist. Besonders eindrucksvoll: die seidig-offenen Höhen und der urgewaltige Bass. Das Status hat kaum Betriebsstunden, weil es in vielen Spielern und Armen ein bisschen zu genau und auch gerne etwas hell klingt. Im Korf-Arm nicht. Da wirkt es rund, voll und reich, und der OrtoLine 100 mit seiner tief in die Rille ausgedehnten Kontaktzone mutiert vom launischen Justage-Endboss zum schnurrend-unkomplizierten Kuschelkätzchen.

An der Nadel selbst hat sich nichts verändert. Wohl aber an deren Arbeitsbedingungen: Klar hilft die hohe Effektivmasse des Arms dem eher hart aufgehängten Edel-MC. Aber vielleicht hat der hochauflösende Ortofon-Generator in früheren Versuchen eben auch nicht nur Primärsignale frisch von der Platte eingesammelt, sondern auch das Resonanzeigenleben des jeweiligen Tonarms weitergemeldet. Es kommt mir danach auch mit weiteren Abtastern immer wieder so vor, als legten die Noten kleine, kratzige Schmutzmäntelchen ab, um sich dann wie frisch aus dem Ei gepellt, glänzend und rein, in der Hörraumluft zu Klangbildern zusammenzufinden. Welchen Tonabnehmer man verwendet, ist ausdrücklich nicht egal. Aber bei jedem erfährt man sofort und vollumfänglich, was er kann: Audio-Technicas neues AT-33xMLD wirkt lebendiger und packender als das oben erwähnte Ortofon MC X20, das allerdings nur die Hälfte kostet. Auch der Schritt vom xMLD zum 100 Euro teureren xMLB, das sich einzig durch seinen Bor-Nadelträger unterscheidet, ist kristallklar: Bor klingt an dieser Stelle einfach neutraler, klingelt im Brillanzbereich weniger, öffnet dafür aber noch üppigere Oberton-Firmamente. Die 100 Euro Differenz sind angesichts des Tonarmpreises ohnehin ein Trinkgeld, und auch der absolute Preis mit 699 respektive 799 Euro ist sicher am unteren Ende dessen, was typischerweise in einen solchen Arm geschraubt wird. Aber man kann mit beiden Systemen problemlos alt werden, weil sie im TA-CF9 geradezu absurd über sich hinauswachsen.
Ein weiteres Album: Die majestätischen Feedback-Wände von The Texas-Jerusalem Crossroads, dem einzigen Album von Lift To Experience, lösten mit Engelsstimme und Gitarrenchören über den Korf-Arm fast schmerzhafte Dauer-Gänsehaut aus – außergewöhnlich.

Einen Vergleich auf demselben Laufwerk habe ich natürlich auch gemacht: mit dem SME3500, einem statisch balancierten Neunzöller mit konischem Magnesiumrohr und den Lagern des SME Model V, der zu den Standard-Führungskräften auf meinem Model 10 gehört. Dessen dekadente Perfektion in Design und Verarbeitung erreicht der Korf Audio zwar nicht. Aber erstens gibt es diese größeren SMEs aktuell praktisch nicht einzeln zu kaufen (erst recht nicht nagelneu), und zweitens, nun ja, gibt es da noch den Klang: Der TA-CF9 klingt direkter, lauter, unglaublich strukturiert und ansatzlos dynamisch. Der SME dagegen etwas runder, braver – nicht viel schlechter, aber einfach etwas mehr nach Reproduktion. Ich kann damit auch in Zukunft happy Musik hören. Aber wenn ich Geld in dieser Größenordnung für ein Upgrade übrighätte, würde ich dieses umgehend nach Klosterneuburg in Niederösterreich transferieren, ohne auch nur einen Millimeter mit der Wimper zu zucken…
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Enorme Sauberkeit, Neutralität und Dynamik |
| | Universell für fast jeden Tonabnehmer einsetzbar |
| | Angenehmes Handling mit gutem Lift und präzisen, reproduzierbaren Einstellmöglichkeiten |
| | Zu kurze Tonarmstecker-Aufnahme für erschwert das Einstecken des Anschlusskabels |
Vertrieb:
Korf Audio
Urberweg 34
A-3400 Klosterneuburg
www.korfaudio.com
[email protected]
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Korf Audio TA-CF9: 5.200 Euro
Technische Daten
| Korf Audio TA-CF9 | |
|---|---|
| Konzept: | Drehtonarm mit festem Headshell |
| Effektive Länge: | 229 Millimeter |
| Versatz-Winkel: | 22° |
| Effektive Masse: | 28 Gramm |
| Tonarm-Material: | Monokristalliner Saphier |
| Headshell-Material: | Aluminiumoxyd-Keramik |
| Empf. Tonabnehmer-Masse: | 5 – 15 Gramm |
| Kabel-Anschluss: | 5 Pin MDIN, Stecker |
| Alle technischen Daten | |
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