Man muss sich einfach mehr im Angelsächsischen umschauen. Trilogy hat mir bis vor Kurzem gar nichts gesagt, im Vereinigten Königreich indes sind die Verstärker-Spezialisten hoch angesehen. Das liegt vor allem am Chef und Mastermind Nic Poulson, der vor seiner Triology-Zeit auch mal IsoTek gegründet hatte. Seine Anteile an den Filterprofis hat er längst verkauft, aber aus dieser Zeit blieb ihm das Wissen um die richtige Strom-Filterung im Highend. Alle Verstärker von Trilogy sind „Handmade in Great Britain“ und allein deshalb gar nicht so günstig. Den erschwinglichsten Zugang zur Verstärkerwelt des Mr. Poulson, den Vollverstärker Triology 921 für 8.000 Euro, hatten wir nun im Test. Es war eine Freude.
Es gibt Leute, die haben eigentlich genug zu tun und halsen sich trotzdem noch jede Menge Arbeit auf. Die Rede ist in diesem Fall nicht von Nic Poulson, sondern vom Mike Husar, der in Bredstedt mit Ohrenschmaus den nördlichsten deutschen, audiophilen Horchposten betreibt. Bredstedt? Ist das nicht der Ort wo sich Hase und Igel…? Ich weiß: Ich tue den Bredstedtern Unrecht und Husar verweise auf ein gewaltiges Einzugsgebiet für seinen Ohrenschmaus-Laden: „Selbst die Dänen kommen vorbei und wir haben echt gut zu tun.“ Warum also macht der Mann dann dazu noch einen eigenen Vertrieb (EarAudio)? Antwort: Er ist Überzeugungstäter und hat lauter Marken im Portfolio, die nach seiner Aussage unbedingt angeboten gehören. Dazu gehören die Kabel von HiDiamond, die Lautsprecher von Neat Acoustics und eben die Verstärker von Trilogy, die an vielen Stellen durchaus etwas anderes sind als die meisten Mitbewerber am Markt. So auch der 921.
Die Besonderheiten des Trilogy 921
Heute schon fast ungewöhnlich: Der 921 ist nur Vollverstärker. Will man auch noch einen Phono-Zweig oder einen Kopfhörer-Amp, wird man auf den 906i (Phono, 1.950 Euro) und/oder auf den 931i (KH-Amp, 2.150 Euro verwiesen). Beide übrigens die günstigsten Produkte aus dem Trilogy-Katalog. Will man einen DAC oder Streamer, muss man gleich ganz woanders schauen. Das Digitale lässt Nic Poulson – da ähnelt er Dan D’agostino – gern komplett außenvor.
Umso mehr lebt er die Verstärker-Designs: Eine der Spezialitäten von Poulson ist der Verzicht auf eine Spannungsvorverstärkung. Die komplette Verstärkung erfolgt in der Verstärkerstufe. Prinzipiell stellt diese Reduktion eine höhere klangliche Ausbeute in Aussicht, stellt aber auch höhere Anforderungen an die Qualität der einzelnen Bauteile dieser Sektion. Ebenfalls ein Steckenpferd von Poulson ist eine möglichst geringe Gegenkopplung: wenn es gut läuft, verzichtet er vollkommen darauf. Voraussetzung dafür aber sind rauscharme, breitbandige Schaltungen. Also: Im Vorfeld alles perfekt machen, dann muss im Nachhinein nur noch wenig korrigiert werden…

Der 921 ist quasi in Dual-mono aufgebaut – ohne allerdings symmetrische Züge zu entwickeln: Es fehlen sowohl XLR-Ein- wie auch -Ausgänge.
Die Leistung entsteht in jeweils zwei Transistoren pro Seite. Beide sitzen auf den soliden Seitenwangen, die gleichzeitig Kühlkörper sind. Mit 70 Watt gibt Poulson die Leistungsstärke seines 921 an – an 8 Ohm. Komischerweise sinkt die Leistung an niedrigeren Impedanzen deutlich, gerade so, als hätten wir es hier mit einer Röhre zu tun.

Prinzipiell ist der 921 ein diskret (also mit Einzelbausteinen) aufgebautert Vollverstärker. Einzige Ausnahme ist der IC, der die Lautstärke regelt. Auf die Frage, warum hier stattdessen nicht Batterien von Festwiderständen werkeln, zuckt Poulson mit den Schultern: „Dann wäre der 921 aber noch einmal deutlich teurer geworden. Die IC-Lösung ist rauscharm, sehr präzise auch in den untersten Pegelständen und halt vergleichsweise günstig.“

Das Gehäuse ist gut gemacht. Sein Gewicht von 11 Kilo verweist auf eine höhere Solidität und wenn man mal auf den 921 klopft, hört man, dass Poulson hier auch ein Akustik-Konzept umsetzt – wesentlich für einen überlegenen Klang. Unterstrichen wird der Eindruck durch die Pulverbeschichtung, die der Oberfläche des Trilogy etwas Weiches verleiht. Kühlkörper sind übrigens keine zu sehen – diese Funktion übernimmt das gesamte Gehäuse.

Praxis
Der 921 ist kein Röhrengerät, nimmt sich aber nach dem Einschalten eine kleine Warmup-Phase. Recht so: Kein Verstärker spielt aus der kalten Hose gut. Es gibt eine Fernbedienung, die nicht ganz dem noblen Anspruch des 921 gerecht wird. Dafür verzückt sie mit so Nettigkeiten wie der Anzeige von Datum und Uhrzeit oder sogar Kühlkörpertemperatur…

Ebenfalls Teil der Praxis ist natürlich das Zusammenspiel mit den Lautsprechern und das oben bereits erwähnte Phänomen, dass sich der 921 an höher-ohmigen Boxen offenkundig wohler fühlt. Im Hörtest war das nicht eindeutig nachvollziehbar – wenn überhaupt, vielleicht zu erahnen. Wir haben die meisten Hörtests an der Dynaudio Heritage Special durchgeführt. Es ist unsere Kompaktboxen-Referenz mit durchschnittlich 5 Ohm Impedanz. Aber auch an Lautsprechern mit Impedanzen deutlich unter 4 Ohm (davon gibt es am Markt immer weniger), konnte ich keine Einbußen feststellen. Auf der anderen Seite spielte der 921 an einer LS 3/5a mit ihren 12 Ohm auch nicht in einer anderen Welt. Also: Nicht so ernst nehmen, dieses Thema.

Hörtest
Nach Lektüre der britischen Presse zum Thema Trilogy 921 hatte ich zunächst die Sorge, einen komplett ausgewogenen Vollverstärker ohne erkennbaren Charakter (was ja auch ein großes Vermögen wäre) vor mir zu haben. Aber schon nach den ersten Takten machte der 921 deutlich, dass er keineswegs nur auf vornehme (und spaßfreie) Neutralität setzt. Beim Hörtest-Klassiker „Roxanne“ von den Flying Pickets nagelte der 921 die Stimme von Brian Hibbard derart genau in den Hörraum, zeichnete die Umrisse auch nach hinten derart präzise, dass die seltene Illusion von einem weiteren Menschen in den kleinen Hörraum entstand. Dass die Stimme von Hibbard dabei wunderschön schlackenfrei und artikuliert kam, war ein Weiteres…

Der Cambridge Audio Edge A, einen Vollverstärker-Maschine von fast einem halben Zentner Gewicht, ist seit jeher unser Gradmesser in der verstärker-Oberklasse. Sein Klang ist im besten Sinne unaufgeregt-neutral, mit einem kleinen Spitzer „Wärme“ in der Wiedergabe. Er steht für den neuen britischen Sound. Der Trilogy 921 ist ein Vertreter der alten Schule. Schon weil er im Grundton etwas schlanker tönt, wirkt der 921 schneller, agiler. Vor allem aber, weil der Trilogy auch in den Mitten eine viel größere Handlungsschnelligkeit bietet. Bei Percussion klingt der 921 eindeutig lebensechter.
Auffällig ist die Abbildung des Trilogy: Der Edge A zieht das Klangbild in der Breite weiter auf. Das macht zunächst etwas mehr her. Der 921 setzt dagegen eine Linse davor: Das Klangbild wirkt dadurch etwas kleiner, doch die Proportionen werden um einiges schärfer und plastischer dargestellt – beeindruckend.
Der Cambridge ist zwar doppelt so schwer wie der 921, erwies sich aber klanglich als zu leichtgewichtig. Wie also schlug sich der Trilogy gegen unsere Vollverstärker-Referenz, den Octave V70 CA? Sehr ordentlich. Auch der Octave ist ja ausgesprochen lebendig und abbildungsstark. Doch die deutsche Röhre hat die noch feinere Mittenauflösung auf der Habenseite. Sie ist ja aber auch noch einmal um 3.000 Euro teurer. Und so groß sind die Unterschiede nicht…
Fazit Trilogy 921
Man kann die Argumentation von Mike Husar durchaus verstehen: Es wäre echt schade, wenn der 921 und seine größeren Brüder in Deutschland nicht angeboten würden. Der 921 ist ein klug konstruierter und blitzsauber in Großbritannien erstellter Vollverstärker, der allerdings auch nicht anderes sein möchte als eben genau das: ein blitzsauber gemachter Vollverstärker ohne jede Erweiterungs-Möglichkeit – also ohne Phono-, DAC- oder Streaming-Einschub.
Auch klanglich ist der Brite eine Bereicherung. Etwas schlanker im Bass und mit sehr klaren Mitten würde ich ihn als klassischen Vertreter des früheren britischen Sounds einordnen. Gleichermaßen gut wie sympathisch.
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Lebendiger Klang mit etwas schlankem Oberbass und herrlich genauen Mitten |
| | Kompakte, aber extrem scharfe Abbildung |
| | Akustisch neutrales Gehäuse ohne Kühlkörper |
| | Keine Erweiterungs-Möglichkeiten, weniger Leistung bei niederohmigen Boxen |
Vertrieb:
EarAudio
Wittenburger Ring 20
25821 Bredstedt
www.earaudio.de
Preis (Hersteller-Empfehlung)
Trilogy 921: 8.000 Euro
Technische Daten
| Trilogy 921 | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | Transistor-Vollverstärker in A/B-Technik |
| Leistung (8 Ohm): | 2 x 75 Watt |
| Eingänge: | 5 x Hochpegel (Cinch) |
| Besonderheiten: | nur eine Verstärkerstufe, geringe Gegenkopplung |
| Leistungsaufnahme: | Standby: 1 Watt, maximal: 300 Watt |
| Farben: | Alu Silber, Stealth Schwarz |
| Abmessungen mit Haube (B x H x T): | 46,5 x 10,6 x 35,0 cm |
| Gewicht: | 11,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
Erster Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Octave V70 Class A: Röhrenvollverstärker mit dem feinen Ton
Test Dynaudio Heritage Special: in der Tradition der großen Sondermodelle
Test Kompaktbox Harwood LS 3/5a: der BBC-Klassiker für unter 1.000 Euro





