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Der neue ELAC Top-Lautsprecher Concentro M 807 (44.000 Euro/Paar) hat einen tollen Trick drauf: die Abstrahlrichtung lässt sich steuern (Montage: F. Borowski)

Test und Firmenbesuch: ELAC Concentro M 807 – richtungsweisender Flaggschiff-Lautsprecher

Auf der High End im vergangenen Mai zeigte der Kieler Lautsprecherhersteller ELAC ein neues Spitzenmodell der Concentro-Serie, welches die Modelle Concentro 2.0 und M.2 ersetzen soll. Mit einem neuen Gehäusedesign und einem komplett neu entwickelten Mittel-Hochton-Modul, das eine Steuerung der Abstrahlung erlaubt, geht ELAC hierbei auch technisch neue Wege. LowBeats hatte die Gelegenheit, die Concentro M 807 ausführlich und in Ruhe im Hörraum bei ELAC testen zu können. Dazu gab es auch noch eine Werksführung mit äußerst interessanten Einblicken, womit wir hier beginnen wollen.

ELAC Concentro M 807 Event
Besuch bei ELAC: Unscheinbar aber sehr Traditionsreich hat das Firmengebäude seinen Sitz im Kieler Wissenschaftspark (Foto: F. Borowski)

Handgemachte Lautsprecher von Fließband

Das Label „Made in Germany“ hatte und und hat noch immer weltweit einen guten Ruf. Doch immer häufiger müssen deutsche Hersteller auf dieses „Qualitätssiegel“ verzichten, weil schlicht zu viel von ihren Produkten gar nicht in Deutschland entsteht. Um das Label aufbringen zu dürfen, müssen folgende zentrale Punkte erfüllt sein:

    • Wesentliche Herstellungsprozesse müssen in Deutschland erfolgen.
    • Ein beträchtlicher Teil der Rohstoffe sollte aus Deutschland kommen.
    • Produkte müssen Qualitätsstandards einhalten und rechtliche Vorgaben befolgen.

Die Herkunft und Herstellung des Produkts müssen nachvollziehbar sein. Unternehmen sind oft verpflichtet, Nachweise zu erbringen, die die Einhaltung der oben genannten Anforderungen belegen. Bei allen ELAC-Lautsprechern ab der Vela-Serie aufwärts ist das der Fall. Die kleineren Modelle werden aus Kostengründen überwiegend in Asien produziert.

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ELAC Concentro M 807 Event
Im Eingangsbereich stellt ELAC einige seiner Produkte aus. Das große ovale Objekt in der Mitte ist der Zugang zum akustisch gut isolierten Hörraum (Foto: F. Borowski)
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Im Konferenzraum hängt ein Firmenschild mit zahlreichen historischen Fotos als Hintergrund (Foto: F. Borowski)
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Ein Kernelement aller größeren ELAC-Lautsprecher ist der sogenannte JET-Hochtöner, über dessen 6. Generation wir hier ausführlich berichtet haben. Dabei handelt es sich um eine Variante des sogenannten Air Motion Transformers von Oscar Heil, wie er auch von diversen anderen Herstellern gebaut wird. Doch ELACs JET-Hochtöner ist in einigen Details einzigartig. Beispielsweise eine spezielle dämpfende Beschichtung, die nur ELAC-JETs aufweisen, sowie andere Merkmale, die wir im genannten Artikel beschrieben haben.

JET6-Report
Erkennungshilfe: Links das Schutzgitter vor einem JET5-Hochtöner, rechts das des JET6 (Fotos: F. Borowski)

ELAC baut den JET-Hochtöner ausschließlich in Kiel und auch für den Bereich Automotiv. Tatsächlich baut ELAC für den Automobilbereich ein Vielfaches der Menge an JET-Hochtönern, als für HiFi-Lautsprecher. Wie viel genau wird nicht verraten, aber es sind ungefähr um den Faktor 10 mehr. Und wie viele JETs baut ELAC insgesamt? Auch das wird nicht verraten. Nur so viel: Ein Mitarbeiter schafft pro Tag – wenn’s gut läuft – um die 150 Hochtöner. Und zwei Mitarbeiter sind ständig damit beschäftigt, die speziellen Hochtönerfolien per Hand und mittels einer speziellen Vorrichtung in Falten zu legen und diese anschließend an einen Roboter zu übergeben, der sie u. a. so verklebt, dass die Ziehharmonikaform stabil bleibt. Es ist also eine Massenproduktion, aber beileibe nicht so gigantisch, wie etwa für iPhones – und mit sehr viel Handarbeit.

Falls Sie sich wundern, warum wir keine Fotos davon zeigen: Seit ELAC nach ISO 9001 zertifiziert ist und für den Automobilsektor herstellt, darf bei der Hochtöner-Produktion leider nicht mehr fotografiert werden, aber der Prozess wurde früher schon dokumentiert.

Bei unserem Rundgang zeigte ELAC uns auch, wie ihr berühmter, rundum strahlender Bändchenhochtöner 4Pi gefertigt wird. Ja, der wird nach wie vor gebaut und wurde seit seiner Vorstellung in den 1980er Jahren immer weiter verfeinert. Der 4Pi wird als Zusatzhochtöner auf vorhandene Lautsprecher gestellt und einfach parallel an dessen Terminals angeschlossen.

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ELAC Entwickler Skarff Kibach hier mit dem berühmten rundumstrahlenden Hochtöner 4Pi (Foto: F. Borowski)

Ein wirklich interessanter Aspekt bei diesem außergewöhnlichen Treiber betrifft die Folie. Die entstammte seinerzeit aus einem wissenschaftlichen Versuch des Fraunhofer Instituts in Kiel. Die wollten herausfinden, wie dünn man eine Alufolie walzen kann, bevor sie zu instabil wird. Dabei ist eine Rolle Folienmaterial herausgekommen, die noch dünner als die für den JET-Hochtöner eingesetzte ist: 0,2 Mikron. Das ist etwa 400 bis 500 Mal dünner als ein menschliches Haar! Diese damals entstandene Rolle hat ELAC erstanden und die ist bis heute die Grundlage für den 4Pi-Hochtöner. Ist sie leer, wird auch der 4Pi eingestellt. Aber ELAC hat ausgerechnet, dass dieser Vorrat noch einige Jahre halten dürfte.

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Hier hängt ein Solitär: die einzigartige Folie für den 4Pi-Hochtöner. Ist sie verbraucht, wird auch der 4Pi eingestellt (Foto: F. Borowski)

Weiter geht es zur Montagestraße für die Lautsprecherserien, die in Kiel endgefertigt werden. Die Gehäuse werden übrigens nicht in Kiel geschreinert, sondern stammen von diversen Zulieferern aus Europa und Asien. Auch andere Teile stammen von Zulieferern, aber hauptsächlich aus Deutschland. Wie etwa die Membranfolien für den JET und einige Basstreiber. In Kiel kommt dann alles zusammen und wird Modell-weise montiert. Bei unserem Besuch war gerade die Vela FS 408.2 dran.

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In der Messkabine werden fertig montierte Lautsprecher mit den Werten der Referenzen verglichen (Foto: F. Borowski)

Nach erfolgter Montage der Chassis, Terminals und Frequenzweiche und dem Verschließen des Lautsprechers wird in einer kleinen Messkabine überprüft, ob sämtliche Parameter innerhalb der vorgegebenen Toleranzen liegen. Die werden anhand eines Referenzlautsprechers ermittelt, der immer bereitsteht (zweifach sogar), falls mal eine Abweichung gegengeprüft werden muss.

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Von jedem Lautsprecher gibt es zwei Messreferenzen. Hier eine Vela FS 408.2 (Foto: F. Borowski)

Anschließend wird alles sorgfältig verpackt und in alle Welt verschickt. In Kiel gibt es übrigens auch ein recht umfangreiches Lager, aber dort werden nur Bauteile und Leergehäuse für die Fertigung gelagert. Die fertigen Produkte warten in einem viel größeren Außenlager auf ihre Weiterreise.

Soweit unser Schnelldurchgang durch die heiligen Hallen bei ELAC. Kommen wir nun zum Main Act:

Die Technik der Elac Concentro M 807

Die Vorstellung eines neuen Lautsprecher-Topmodells im 99. Jahr des Firmenbestehens erscheint ungewöhnlich. So ein Vorzeigeprojekt enthüllt man doch eher zu einem runden Geburtstag, doch ELAC hat für das nächste Jahr andere Pläne – auf die wir sehr gespannt sind. Die Kieler Firma wird dann der älteste noch existierende deutsche HiFi-Hersteller sein. Okay, das sind sie eigentlich schon jetzt, aber gefeiert wird das natürlich zum Hundertsten.

Betrachten wir die neue Concentro M 807 quasi als Auftakt zum Jubiläumsjahr. Und dieser Lautsprecher hat es wirklich in sich.

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Die neue Concentro M 807 hat ein deutlich weniger avantgardistisches Design als ihre Vorgänger (Foto: F. Borowski)
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Die bisherigen Concentro Topmodelle (Foto: F. Borowski)
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Die M 807 ist mit einer Höhe von 1,34 Metern nicht gerade klein, wirkt aber dank ihrer recht schlanken Silhouette alles andere als riesig. Die passt in viele gängige Wohnräume. Und damit das akustisch auch richtig gut funktioniert, hat sich ELAC etwas besonderes einfallen lassen. Doch zunächst die Basisdaten: Es handelt sich um einen Vier-Wege-Lautsprecher, ausgestattet mit zwei 25er Bässen seitlich in den Gehäusen, zwei Tief-Mitteltönern und einer Mittel-Hochton-Einheit.

Satte 63 Kilo wiegt ein Lautsprecher. Um diesen intakt an den Hörplatz zu bekommen, ist auch die Verpackung gut durchdacht. Beide Speaker stehen fixiert auf einer Euro-Palette. Nach entfernen des Kartons können die einteiligen Speaker gelöst und mittels mitgelieferten Tragegurten, die an der Bodenplatte befestigt werden, von zwei kräftigen Personen heruntergehoben und platziert werden. Die dazugehörigen und sehr edlen Füße mit kegelförmigen Spikes und Untersetzern liegen in einer kleinen Holzschatulle bei.

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Die massive Fußkonstruktion mit den edel schwarzverchromten Kegeln und Untersetzern (Foto: F. Borowski)

Zum Anschluss an den Verstärker stehen speziell für die Concentro gefertigte, schwarzverchromte Bi-Wiring-Terminals bereit. Für Single-Wire-Verbindung liegen hochwertige Kabelbrücken bei.

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Die schwarzverchromten Bi-Wiring-Terminals sind aus eigener Fertigung (Foto: F. Borowski)

Der erste Eindruck der Lautsprecher, die bei ELAC in der Version Hochglanz-Schwarz mit schwarzen Aluteilen zu sehen war, ist beeindruckend und ich finde, dass die Speaker keineswegs pompös oder zu wuchtig wirken. Es gibt die Lautsprecher wahlweise auch in Hochglanz-Weiß. Die metallenen Teile, namentlich die sichtbaren Ringe der Chassiskörbe, können wahlweise in Schwarz oder Silber ausgesucht werden, womit vier Standard-Farbkombinationen verfügbar sind. Wer eine andere Lackierung haben möchte, fragt einfach nach. Da es sich um einen echten Manufaktur-Lautsprecher handelt, ist – gegen Aufpreis natürlich – zumindest jede RAL-Farbe möglich, aber kein Holzfurnier.

Die Technik 

ELAC erklärte uns die Technik der Lautsprecher in jedem Detail. Wer wäre besser dazu in der Lage, als einer der federführenden Endwickler? Skarff Kibach, einer von vier beteiligten Entwicklern an der M 807 und seines Zeichens Akustiker, nahm sich Zeit für uns.

Sämtliche Teile des Gehäuse aus hochdichtem Holz werden dreidimensional in 6-Achsen-CNC-Maschinen präzise gefräst. Zusammengesetzt ergibt das ein Kabinett ohne eine einzige gerade Fläche. Und zwar ein äußerst stabiles, wie der Klopftest offenbart, und wie weiter unten auch in dem Foto des Schnittmusters erkennbar ist.

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Das Schnittmuster der Elac M 807 (Foto: F. Borowski)
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Das Gehäuse ist sehr massiv und aufwändig versteift (Foto: F. Borowski)
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Seitlich sind zwei 25-cm-Basstreiber gegenüberliegend montiert. Die Push-Push-Anordnung verhindert ebenfalls Resonanzen. An der Front sind zwei Tief-Mitteltöner mit den ELAC-typischen Facettenmembranen installiert. Im Zentrum sitzt das neue Prunkstück der Concentro M 807. Von der bisherigen Concentro-Lösung mit einem koaxial aufgebauten Mitteltöner und JET-Hochtöner im Zentrum ist man abgerückt. Stattdessen kommen jetzt sechs kleine, konzentrisch um den JET-Hochtöner angeordnete Mitteltöner mit Facettenmembran zum Einsatz. Dieser Ansatz sorgt effektiv für eine vergrößerte Membranfläche des Mitteltöners, ohne damit die Eigenschaften einer Punktschallquelle aufzugeben. Der Umfang des Treiber-Sextetts und damit seine Richtwirkung entspricht in etwa einer herkömmlichen 20-cm-Membran – ziemlich viel für einen Mitteltöner.

Auch andere Hersteller sind auf diesen Kniff mit der konzentrischen Anordnung gekommen, wie beispielsweise Monitor Audio mit den Concept 50 aus dem Jahr 2022, den wir Ihnen hier vorgestellt hatten. Statt sechs Treibern mit Flachmembranen nutzt ELAC sechs kleine (4 cm) Konus-Facettenmembranen. Die Besonderheit hier ist aber eine andere. Die Treiber können in zwei Gruppen von jeweils drei Treibern über einen Schalter an der Rückseite in fünf Stufen im Pegel und in der Phase verändert werden. Genauer gesagt pro Richtung in zwei Stufen. Von der neutralen Mittenstellung, bei der alle sechs VXe-Mitteltöner mit gleichem Pegels spielen, über die erste Stufe, die drei der Chassis in Pegel und Phase verringert, zur zweiten Stufe, in der drei der Chassis ganz abgeschaltet werden. Dann spielen nur noch die restlichen drei Chassis. Je nach Richtung entweder die Inneren oder die Äußeren. Dadurch kann Einfluss auf den Abstrahlwinkel genommen werden. Anders formuliert: Die Abstrahlung kann entweder breiter mit mehr Abstrahlung in Richtung Seitenwände oder fokussierter in Richtung Hörplatz gelenkt werden.

Dieser Kniff bietet gleich mehrere Vorteile. Erstens können dadurch asymmetrische Aufstellungen bzw. Räume mit unterschiedlicher Wandbeschaffenheit links und rechts der Lautsprecher kompensiert werden. Etwa wenn rechts eine Schrankwand und links eine Fensterfront ist. Und zweitens können Nutzer damit nach persönlichem Geschmack den Klang gezielt entweder fokussierter oder weiträumiger mit mehr Seitenwandreflexionen einstellen. Jeder Lautsprecher hat einen eigenen Schalter mit fünf Stufen, womit bis zu 25 Einstellungsvarianten möglich sind. Rein passiv, ganz ohne DSP.

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Skarff Kibach erklärt das neue VXe-Array (Foto: F. Borowski)

Im Zentrum dieser Anordnung, die sich VXe-Technologie (Variable Coaxial Electric) nennt, sitzt natürlich ELACs JET-Hochtöner der 6. Generation, allerdings aus Platzgründen in der etwas kleineren C-Version (C für Compact). Hier eine ganze Reihe von Bildern der Treiber.

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Hier eine der nur 4 cm durchmessenden Membranen des VXe-Arrays (Foto: F. Borowski)
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Frontansicht des VXe (Foto: F. Borowski)
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Im Zentrum des VXe-Arrays sitzt der JET6-Hochtöner in der kompakten C-Version (Foto: F. Borowski)
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So sieht es dahinter aus (Foto: F. Borowski)
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Und hier die Verschaltung an der Rückseite (Foto: F. Borowski)
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Einer von zwei Tief-Mitteltönern in der M 807 (Foto: F. Borowski)
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Seitenansicht des Tief-Mitteltöners (Foto: F. Borowski)
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Die obere Folie ist die eines JET6 vor dem Falten (Foto: F. Borowski)
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Hier einer der putzigen kleinen Treiber aus dem VXe-Array (Foto: F. Borowski)
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Eine kleine Einschränkung hat die Sache allerdings. Wer denkt, die Richtwirkung lasse sich damit in einem sehr großen Umfang wie ein Laser in eine bestimmte Richtung lenken, irrt sich. Die Pegel/Phasen-Anpassung der sechs kleinen Mitteltöner lässt nur eine Veränderung der Abstrahlung von wenigen Grad zu. Das soll aber deutlich hörbar und in vielen Räumen und Situationen absolut hilfreich sein.

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Werden bei beiden CONCENTRO-Lautsprechern die zu den Außenseiten weisenden Schalterstellungen gewählt, verändert sich die Richtcharakteristik und wird zudem asymmetrisch. Zu den Außenseiten wird nun mehr Schallenergie abgestrahlt und es erhöht sich der Diffusschallanteil am Hörplatz. Im Ergebnis stehen eine erweiterte projizierte Bühne und ein Plus an Atmosphäre. Wählt man hingegen bei beiden CONCENTRO-Lautsprechern die zur Innenseite weisenden Schalterstellungen, wird zu den Innenseiten mehr Schallenergie abgestrahlt und es entsteht eine projizierte Bühne mit erweiterter Tiefenstaffelung und erhöhter Plastizität (Grafik: ELAC)
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Hier im Vergleich dazu die Abstrahlung bei zentralerer Schalterposition (Grafik: ELAC)
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Hörtest: Großes Kino

Im akustisch optimierten ELAC Testraum konnte ich die Concentro M 807 einige Tage nach der Informationsveranstaltung noch einmal allein und in Ruhe hören. Dazu sind ein paar Informationen zum Hörraum nützlich. Dieser ist rechteckig geschnitten, mit knapp 50 m² recht groß und mit einigen Roomtuning-Elementen versehen, darunter befinden sich auch an den Seitenwänden installierte Diffusoren. Die Gestalter haben versucht, eine wohnraumänliche Akustik mit mittlerer Nachhallzeit zu erreichen.

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Das Setup im ELAC-Hörraum mit Elektronik von T+A. An den „Schogetten“-artigen Diffusoren an der Wand lässt sich schnell erkennen, dass der Erbauer des LowBeats Hörraums, Farshid Shalawandian von RTFS, auch hier Hand angelegt hat (Foto: F. Borowski)

Die Lautsprecher standen in gleichmäßigem Abstand zu den Rück- und Seitenwänden. Aus diesem Grund dürfte der Effekt bei der Umschaltung der Abbildungsbreite nach außen auch nicht so groß sein, wie in Wohnräumen mit asymmetrischer Aufstellung und weniger akustischer Diffusion an den Wänden. Trotzdem war es schon am Veranstaltungstag mit mehreren Pressevetretern und Händlern vor Ort gut nachvollziehbar. Nun hatte ich aber noch einmal Gelegenheit und genug Zeit, um das Gehörte ohne Ablenkungen am Sweet Spot nachvollziehen zu können.

Zunächst zu den allgemeinen Eigenschaften. Die M 807 überzeugen mit einem mächtigen und zugleich gut konturierten Bassvermögen. Bei der Größe und insgesamt vier 25er-Bässen in einem derart soliden Gehäuse war das auch zu erwarten. Tatsächlich erweist sich die Abbildung der neuen Concentro – vor allem in einem Raum dieser Größe – als kinohaft groß und weit. Sehr erfreulich aber, dass auch die Feinauflösung und vor allem die akustische Mitte mit dem VXe-Array klar fokussiert und plastisch zwischen den Lautsprechern erscheint. Für kleinere Räume ist die M 807 weniger geeignet, denn schon der Abhörabstand sollte möglichst nicht unter 3 Meter betragen. Nahfeld ist nicht ihr Ding. Ab ca. 35 m² fühlen sich die M 807 heimisch.

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Der Zauberschalter: Fünf Einstellungen sind möglich (Foto: F. Borowski)
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Skarff machte beim Hörtest die Laufarbeit und schaltete die VXe-Einheiten um (Foto: F. Borowski)
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Die tatsächliche Größe der Abbildung, also wie groß die Musiker und Instrumente zwischen den Lautsprechern wahrgenommen werden, ändert sich nicht, wenn die Abstrahlung über die rückseitigen Schalter auf sehr breit eingestellt wird. Das Klangbild wird dadurch nur noch mal merklich weiträumiger und hat mehr Konzertsaal-Atmosphäre.

Die Umschaltung kann übrigens im laufenden Betrieb erfolgen, nur nicht per Fernbedienung oder App. Die satt klickenden Schalter erfordern ein wenig Fußarbeit. Das Zentrum bleibt stets stabil und gut fokussiert. Die wenigen Grad an veränderter Abstrahlung reichen aus, um das gesamte Klangbild entweder großräumiger und weiter aufzufächern oder eben deutlich mehr in die Mitte gerückt zu erleben. Denn trotz der Diffusoren an den Seitenwänden des ELAC-Hörraums gibt es natürlich Reflexionen. Weniger Reflexionen von den Seitenwänden bedeutet mehr Konzentration auf die Bühne, was erreicht wird, indem die Schalter beider Lautsprecher auf die jeweilige Innenposition gestellt werden. Genau hier bietet sich Besitzern eine bei Passivlautsprechern selten erlebte Möglichkeit zur räumlichen Anpassung, ohne den natürlichen, sehr dynamischen und ansprechenden Grundcharakter des Lautsprechers zu verändern. Genau das war ja das Ziel. Mission accomplished!

Meine persönliche Lieblingseinstellung im ELAC-Raum war übrigens die mittlere Schalterposition, in der alle sechs Mitteltöner mit gleichem Pegel und gleicher Phase spielen. In dem symmetrisch geschnittenen ELAC-Hörraum mit kontrollierter Nachhallzeit wirkte das für mich bei allen Musikarten, egal ob großes Live-Konzert oder Solist im Studio, dynamisch und räumlich am ausgewogensten. Dennoch machte es Spaß, den jeweiligen räumlichen Charakter der Aufnahme per Schalter gezielt in die eine oder andere Richtung manipulieren zu können.

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Ansicht von oben (Foto: F. Borowski)

Was im ELAC-Hörraum indes nicht funktionierte – völlig erwartungsgemäß – war eine ungleiche Schalterstellung. Also beispielsweise den linken Lautsprecher nach außen, den Rechten nach innen oder neutral fokussiert. Klar. Dieser Kniff ist ja auch nur dann sinnvoll, wenn der Raum und die Aufstellung unsymmetrisch sind. That’s the trick!

Auch sonst gefallen die neuen ELAC-Flaggschiffe mit Eigenschaften, die in dieser Preisklasse auch erwartet werden dürfen. Dazu gehört das sich stets gut von den Gehäusen ablösende Klangbild ohne jegliche Resonanzen, bis hin zu den zarten Höhen mit brillanter Auflösung, für die der JET-Hochtöner so berühmt ist. Da zwickt nichts in den Ohren.

Fazit Elac Concentro M 807

Ich gebe zu, dass mir die vorherigen großen Concentro-Lautsprecher vor allem optisch nie so recht gefallen haben. Das haben wohl auch andere so gesehen, denn ein so umfassendes Neudesign macht man nicht mit einem Erfolgsmodell. Die neuen Concentro M 807 sehen für meinen Geschmack um Welten gefälliger aus.

Entscheidender ist aber, dass auch die neue konzentrische Mittel-Hochton-Einheit ein echter Fortschritt ist. Konnte man bei den früheren Concentros mit dem nach vorne oder hinten verstellbaren VX-JET (Variable X-JET) nur allgemein ein breiteres oder engeres Klangbild einstellen, lässt sich die Richtwirkung mit dem neuen VXe-Array viel gezielter steuern. Das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

Der Traditionshersteller ELAC bleibt sich treu und überzeugt mal wieder mit einer tollen Innovation. Bleibt abzuwarten, wann das Konzept des VXe auch in günstigeren Preisklassen zu finden ist. Die Concentro M 807 für 44.000 Euro sind ja nur der Anfang.


ELAC
CONCENTRO M 807
2025/11
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Großer Klang mit sattem Bass und toller Räumlichkeit
Abstrahlcharakteristik steuerbar (in Grenzen)
Auch für unsymmetrisch geschnittene Räume anpassbar
Großartige Verarbeitung

Vertrieb:
ELAC Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
www.elac.de

Paarpreise (Hersteller-Empfehlung):
ELAC Concentro M 807: 44.000 Euro

Technische Daten

ELAC CONCENTRO M 807
Konzept:4-Wege Bassreflex
Anschlüsse:Bi-Wiring
Wirkungsgrad (2,83V/1m):88 Dezibel
Impedanz:4 Ω (3,1 Ω Min. bei 350 Hz)
Empf. Verstärkerleistung:

80 – 600 W / Kanal

Ausführungen:Hochglanz Weiß oder Schwarz, RAL Sonderfarben auf Anfrage
Abmessungen (H x B x T):134 x 46,1 x 59,5 cm
Gewicht:
62 Kilo pro Box
Alle technischen Daten
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Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.