Test: USB-Audio-Interface RME Babyface Pro

RME Babyface Pro TotalMix FX – alles unter Kontrolle

Wie aus dem Vorangehenden erkennbar, bekommt man mit dem Babyface Pro für knapp 740 Euro Technik satt. Dabei waren die bisher aufgezählten Features nur der Einstieg, denn das eigentliche Highlight des Babyface Pro heißt TotalMix FX – und macht seinem Namen in der Tat alle Ehre.

Hinter TotalMix FX verbirgt sich ein äußerst cleveres und flexibles Digital-Mischpult, oder mehr noch eine Signal-Routing-Einrichtung, die es wirklich in sich hat. Das technische Rückgrat für TotalMix FX bildet dabei ein digitaler Signalprozessor, im RME Babyface Pro realisiert mit einem Field Programmable Gate Array (FPGA): Der angeschlossene Computer wird durch TotalMix FX also nicht mit zusätzlicher Rechenarbeit belastet.

Die Bedienung von TotalMix FX erfolgt dabei entweder über die kostenlos downloadbare, gleichnamige Software (erhältlich für Mac OS oder Windows) oder aber – nicht ganz so übersichtlich – über Tipptaster und einen Inkrementalgeber direkt am Gerät.

TotalMix FX
TotalMix FX: Der Signalprozessor im Gerät wird per Software-GUI eingestellt. In der oberen Reihe befinden sich die Eingangskanäle, darunter die Ausspielwege der Software. Die unterste Reihe hingegen repräsentiert die Hardware-Ausgänge. In diesem Beispiel wird ein stereofones Tonsignal aus YouTube auf die Hochpegel-Ausgänge 1 und 2 und parallel dazu auf die Kopfhörer-Ausgänge 3 und 4 geleitet. Alle Kanäle verfügen über eine eigene Pegelanzeige (Screenshot: J. Schröder)

Egal, ob mit Firewire- oder USB-Schnittstelle: TotalMix FX ist von Haus aus in alle externen Audio-Interfaces von RME integriert. Diese gemeinsame Benutzeroberfläche standardisiert die Bedienung erheblich, lediglich die Anzahl der verfügbaren Ein- und Ausgänge verändert sich je nach verfügbarer Hardware des gerade eingesetzten Modells. Auch beim Babyface Pro übernimmt TotalMix FX sämtliche Signal-Zuweisungsvorgänge (Routing) sowie Verstärkungs- und Pegeleinstellungen. Diese Basisanwendungen machen jedoch nur einen Bruchteil des gebotenen Funktionsumfangs aus.

Tatsächlich ist TotalMix FX derart leistungsfähig, dass seine vollständige Beschreibung den Rahmen dieses Tests definitiv sprengen würde. Beschränken wir uns an dieser Stelle also darauf, einige für den HiFi-User besonders nützliche Anwendungen von TotalMix FX zu nennen. Da wäre zunächst mal das Zusammenmischen mehrerer Eingangssignale auf einen Ausgang – was dem klassischen Mischpult-Betrieb entspricht.

Sehr nützlich ist auch das Verteilen eines Eingangssignals auf mehrere Ausgänge (Parallel Split) – mit der Möglichkeit, den Ausgangspegel für jeden Ausgang unterschiedlich einstellen zu können. Eben diese Konfiguration habe ich in Verbindung mit dem nächstgrößeren Audio-Interface von RME, dem Fireface UC, dazu verwendet, simultan aus einer Tonquelle vier hochwertige Kopfhörer-Verstärker für die Headphone-Hörbar der Zeitschrift stereoplay auf der Can Jam 2013 zu speisen.

TotalMix FX for iPad
Die TotalMix FX Software ist auch als App fürs iPad verfügbar – hier die Benutzeroberfläche in der Zoom-Darstellung für leichteren Zugriff. Damit lassen sich alle TotalMix-Optionen auch beim Aufnehmen oder Abspielen mit dem iPad nutzen (Screenshot: J. Schröder)

Ebenso ermöglicht es TotalMix FX, die Tonspuren beliebiger Computer-Software nicht nur analog, sondern via S/P-DIF-Ausgang auch digital auszugeben – praktisch beispielsweise zum Aufzeichnen von Webinaren oder Webradio-Sendungen. Die Nützlichkeit von TotalMix FX wächst also in der Tat mit der Kreativität des Anwenders. Das Schöne daran: Wenn man sich auf solche Standardanwendungen beschränkt, sind diese mit wenigen Mausklicks erledigt.

Ebenfalls sehr praktisch: Da die Signalverarbeitung von TotalMix im Gerät selbst stattfindet, kann das RME Babyface Pro wie alle anderen RME Interfaces auch ohne Computer im Standalone-Betrieb arbeiten – die jeweils zuletzt gewählten Einstellungen bleiben erhalten. Angenehm auch, dass sich komplette TotalMix FX Setups als Presets abspeichern und bei Bedarf wieder aufrufen lassen (Total Recall). Da die Lautstärke- und Verstärkungseinstellungen mit digitaler Präzision erfolgen, sind die jeweils eingestellten Werte zu 100 Prozent reproduzierbar – was zum Beispiel beim Betrieb von kalibrierten Monitor-Lautsprechern oder für messtechnische Anwendungen äußerst hilfreich ist.

Und was ist mit dem Kürzel FX hinter TotalMix? Das steht für „Effects“ und besagt, das einige Audio-Interfaces von RME via TotalMix FX sogar Klangmanipulationen ermöglichen. Das gilt auch für das Babyface Pro: So bietet es in jedem Ein- und Ausgangskanal einen zuschaltbaren dreibändigen, vollparametrischen Equalizer. Den können HiFi-Aktive beispielsweise dazu nutzen, um flau klingendes Musikmaterial aufzubessern oder aber Lautsprecher- und Kopfhörer-Frequenzgänge zielgerichtet zu entzerren. Die zuschaltbare Hall- und Echo-Sektion hingegen wendet sich eher an Musiker, die ihren Monitormix beim Einspielen von Spuren etwas lebendiger hören wollen.

Dem Jitter keine Chance

Beim Einsatz im Tonstudio ist es unabdingbar, dass simultane Aufnahme/Wiedergabevorgänge nicht nur in Echtzeit, sondern auch möglichst zeitsynchron ablaufen – beispielsweise beim Einspielen von Takes bei gleichzeitigem Abhören von bereits aufgezeichneten Spuren. Allerdings nimmt das anfallende Signal-Processing auf digitaler Ebene stets eine gewisse Zeitspanne in Anspruch.

Diese sogenannte Latenzzeit wird nicht nur von der Leistungsfähigkeit der Hardware – also Computer und Audio-Interface –, sondern auch von der Treiberarchitektur bestimmt. Ein Aushängeschild von RME Interfaces sind die stets mit ihnen erreichbaren, rekordverdächtig kurzen Latenzzeiten – das Babyface Pro macht da keine Ausnahme: Angeschlossen an mein drei Jahre altes MacBook Pro, erzielte es mit dem Sequencer-Programm Ableton Live eine Über-Alles-Latenz von nicht mal 5 Millisekunden bei absolut knackfreiem Betrieb. Ein super Ergebnis.

Für den HiFi-Fan sicherlich noch spannender ist dagegen ein weiteres Merkmal der RME Audio-Interfaces – nämlich ihre besonders jitterarme Arbeitsweise (hier mehr zum Thema Jitter). Schon vor mehr als einem Jahrzehnt entwickelte RME unter dem Markennamen „SteadyClock“ eine digitale Taktgeber- und Synchronisationseinrichtung, die zwei sich üblicherweise gegenseitig ausschließende Forderungen ohne Kompromisse unter einen Hut bringt: Zum einen „lockt“ sie sich schnell und sicher auf von außen eingespeiste Digitalsignale ein – selbst dann, wenn die Abtastfrequenz beispielsweise durch variable Geschwindigkeitskontrolle stark schwankt (Stichwort: Varipitch).

Zum anderen jedoch bewirkt sie eine bereits bei relativ niedrigen Frequenzen sehr hohe Jitter-Unterdrückung – im Falle des RME Babyface Pro von rund 50 Dezibel. Verständlicher ausgedrückt: Der Rest-Jitter nach Durchlauf der SteadyClock-Schaltung fällt rund 320-mal geringer aus als im Eingangssignal. Die Synchronisation von SteadyClock auf das externe Digitalsignal erfolgt dabei nicht wie üblich mit einer analogen PLL-Schaltung, sondern über feinste Festfrequenzschritte, die per digitaler Frequenzsynthese aus einem 200-Megahertz-Referenz-Quartz erzeugt werden (mehr Infos dazu im Test des Mutec MC 3 Wordclock Generator).

Der Klang

Seit mehr als sechs Jahren bin ich stolzer Besitzer eines RME Fireface UC, dem etwas größeren Bruder des Babyface Pro – und freue mich nach wie vor beinahe täglich über die unendlich vielen Möglichkeiten, die es mir dank TotalMix FX eröffnet. Auch in klanglicher Hinsicht hat mein Fireface UC stets „alles richtig“ gemacht – obwohl es durchaus Momente gab, wo es im Vergleich zu anderen D/A-Wandlern objektiv betrachtet den Kürzeren zog.

Die hier und da auftauchenden Aussagen über den eher sachlichen, etwas unbeteiligten RME Klang kann ich zwar nicht in jedem Falle nachvollziehen, aber ganz leugnen lassen sie sich nicht – was in erster Linie mal für die D/A-Wandler-Sektion gilt. Umso gespannter war ich daher auf den Hörtest des Babyface Pro, da die hier eingesetzten Wandler-Chips den aktuellen Entwicklungsstand repräsentieren.

Tatsächlich stellte sich der Aha-Effekt schon beim ersten Funktions-Check ein: So zeigte der Kopfhörerausgang des RME Babyface Pro mit meinem Sennheiser HD 800 S nicht nur deutlich mehr Durchzug und Transparenz als der des Fireface UC, auch wirkte das Klangbild insgesamt um einiges lebendiger – nicht zuletzt wegen der definierteren Wiedergabe von Transienten.
In den vergangenen acht Wochen habe ich das Babyface Pro für Tonträger-Mastering ebenso eingesetzt wir für Live-Mitschnitte – und war jedes Mal angetan von seiner glasklaren Performance.

Die größte Überraschung war dann jedoch der finale „Soundcheck“ im LowBeats Hörraum: Als DAC-Preamp vorgespannt vor die formidablen 8300er-Monoblöcke von Audiolab, musste das Babyface Pro seine „Reifeprüfung“ an den exklusiven, sich für den LowBeats Test gerade einspielenden Standlautsprechern B&W 802 D3 ablegen.

Das gelang ihm mit Bravour und bescherte mir in der Tat den bislang schönsten Hörabend im LowBeats Hörraum. Auch hier zeigte sich: Lebendigkeit, Transparenz, saubere Durchzeichnung und stabiler Fokus sind die primären Stärken des Babyface Pro – nicht minder beindruckend ist jedoch seine Fähigkeit, den dreidimensionalen Charakter von Klängen sehr realistisch und mit feinsten Texturen im virtuellen, akustischen Raum darzustellen – wie beispielsweise beim wunderschön-verträumten Chariad Remix von White Canvas, erschienen beim deutschen Jazz-Label Ozella Music.

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Kleiner Tip fürs audiophile Tuning: Stromversorgt über die DC-Buchse mit einem externen Standard-12-Volt-Schaltnetzteil bekamen beispielsweise Snare-Drums noch etwas mehr Druck und Body  – auch der Hochtonbereich klang minimal gelöster als im ohnehin schon überzeugenden „USB-Bus-powered“-Betrieb.
Ich bin eigentlich kein Freund von markigen Sprüchen, aber in diesem Falle wage ich mal die Behauptung: Es dürfte ausgesprochen schwierig werden, einen D/A-Wandler in der 1.000-Euro-Region zu finden, der besser klingt als das RME Babyface Pro.

Fazit: Hoher Nutzwert – bestechender Klang

Produkte mit einem derartigen Funktionsumfang wie das RME Babyface Pro im knappen Rahmen zu beschreiben, bedeutet stets eine Herausforderung. Einige Dinge wie seine MIDI-Fähigkeiten oder die kostenlos erhältliche Zusatzsoftware Digicheck zum Überprüfen von digitalem Tonmaterial habe ich daher bewusst außenvorgelassen – sie hätten den Rahmen dieses Tests definitiv gesprengt.

Wer sich ausschließlich auf die Wiedergabe von Musik konzentriert, erhält fürs gleiche Geld sicherlich auch weniger komplexe DAC-Preamps – ob diese allerdings besser „Musik machen“, ist angesichts der herausragenden Klangqualität des RME Babyface Pro jedoch mehr als fraglich. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Egal, ob er die gebotenen Möglichkeiten nutzt oder nicht – auch dem weniger Tontechnik-ambitionierten HiFi-Fan kann ich das Babyface Pro wegen seiner hervorragenden „Basisqualitäten“ als ADDAC- und Kopfhörer-Preamp nur wärmstens ans Herz legen. Dass es dabei keine native DSD-Wiedergabe erlaubt, kann ich persönlich jedenfalls leicht verschmerzen.

 

RME Babyface Pro
2016/06
Test-Ergebnis: 4,9
überragend
Bewertung

Bewertungen:

Klang:
Praxis:
Verarbeitung:

Gesamt:

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Exzellente Klangeigenschaften
Enorm vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Sehr gute, leistungsfähige Kopfhörer-Ausgänge
Kompakte und robuste Bauweise

Vertrieb:
Hörzone GmbH
Balanstraße 34
D-81669 München
Telefon: 089 721 10 06
www.hoerzone.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
RME Babyface Pro: 740 Euro

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Autor: Jürgen Schröder

Toningenieur, R&D-Spezialist und das (mess-)technische Gewissen von LowBeats. Kümmert sich am liebsten um Wissens-Themen, Musik und den spannenden Bereich zwischen Studio und HiFi.