Mit dem Velodyne Acoustics SPL-X 12 erscheint der erste (von vier) Nachfolgern der legendären DD-Serie (Digital Drive) von Velodyne. Vor 22 Jahren setzten die Amerikaner mit der DD-Serie einen dicken Meilenstein: es waren die ersten Subwoofer mit kompletter Raumeinmessung und digitaler Entzerrung. Das war damals mega-innovativ und wurde bis 2024 in Weiterentwicklung als DD+-Serie produziert. Ein weiterer Knaller damals: Die Chassis besaßen dank Beschleunigungs-Aufnehmer an der Schwingspule eine aktive Membranregelung. Das allein wäre noch nichts Neues, doch der Clou bei den Velodyne-Woofern war, dass die Stärke der Regelung verändert werden konnte und man den Subwoofer von knorrig trocken bis weich einstellen konnte – um ihn damit Chamäleon-artig an jede Box anzupassen.
Es ist also kein Wunder, dass die Velodyne Acoustics Entwickler reichlich Sorgfalt walten lassen mussten, um mit der SPL-X Serie einen würdigen Nachfolger auf die Beine zu stellen. Und es wundert genauso wenig, dass manches neu, manches bewährt ist: Etwa die Größen-Raster mit 10, 12, 15 und 18 Zoll (25, 30, 38 und 45cm) Tieftönern sowie ein komplettes Einmesssystem. Nur ein Aspekt fällt raus: Die aktive Regelung ist dank moderner Chassis-Technologien nicht nur entfallen, sie wäre laut Velodyne-Entwickler Thomas Wolff sogar kontraproduktiv.
Im Gegenzug gibt es ein viel moderneres Einmesssystem und neue (vor allem flexiblere) Features inklusive eines komplett in allen Charakteristika fein einstellbaren Bassmanagements mit Aktivweiche für Lautsprecher, die mit dem Velodyne kombiniert werden. Das kommt vor allem Anwendern in Stereo-Setups zugute. Es blieb beim Konzept eines geschlossenen Gehäuses zu Gunsten der Präzision und Phasenlinearität mit einer bündig sitzenden Frontbespannung und einem sich nach hinten verjüngenden Gehäusegrundrisses. Das vielfach versteifte Gehäuse (38 x 40 x 48cm) aus 38mm HDF in schwarzer Hochglanzoptik hat einen gehörigen Anteil an den 35 Kilogramm Gesamtgewicht des SPL-X 12.
Der gewaltige Tieftöner des Velodyne Acoustics SPL-X 12
Der zweite schwere Brocken ist der neu konstruierte Basstreiber. Von außen sieht man nur die riesige Gummisicke und die ultrasteife, dabei leichte Kohlefaser-Membran mit Staubschutzkalotte. Diese sitzt auf der vierlagig gewickelten Schwingspule mit 102mm Durchmesser. Doch erst der Blick ins verborgene Innere offenbart den Aufwand der mit dem Antrieb und der Kontrolle der Membran getrieben wird.

Das gewaltige Magnetsystem ist fast so groß wie die Membran die vorne die Musik macht. Das ist durchaus ein Problem für konventionelle Bauweisen, weshalb die Gehäuse-Innenversteifungen so konstruiert sind, dass der schwere Magnet an seiner Rückseite nicht nur aufgenommen wird sondern mit Schrauben gesichert eingespannt werden muss.
Erst das Schnittbild verdeutlicht die durchdachte Konstruktion die auf minimalen Luftwiderstand einerseits, und maximale lineare und achsensymmetrische Auslenkung andererseits optimiert ist. Die vergleichsweise riesige Polbohrung verfügt über strömungsoptimierte Ein- und Auslassöffnungen.

Und damit die Membran niemals ins Taumeln gerät wird sie von der sichtbaren Sicke und gleich zwei (statt der üblichen einzelnen) Zentrierspinne in perfekter Kolbenbewegung geführt. Zusätzliche Luftöffnungen im Schwingspulenträger ermöglichen weiteren Druckausgleich und Kühlung.
Durchdacht: Die Elektronik mit Hirn und Power
Ein Blick auf die Rückseite demonstriert, wie durchdacht und komfortabel die Ausstattung der SPL-X-Serie gelungen ist. So stehen alle nur möglichen Anschlussarten bereit: vom parallelen Anschluss zu den Lautsprechern über die Cinch-Ein- und Ausgänge, sowie die bei langen Kabelstrecken klar zu bevorzugenden symmetrischen XLR-Ein- und Ausgänge. Cinch und XLR lassen sich dabei kombiniert verwenden, etwa rein mit Cinch und raus mit XLR und umgekehrt.

Die Grundeinstellung für die obere Grenzfrequenz und Lautstärke sind direkt mit Drehreglern einstellbar. Das große Display zeigt die Werte in blauen Ziffern an. Ein- und Ausschalten kann man den Velodyne manuell, mittels 12V-Trigger-Spannung oder automatisch per Musiksignal. Die Triggerspannung gibt er auch weiter, etwa an einen weiteren Subwoofer. Und die Empfindlichkeit des Einschaltens per Musiksignal lässt sich weiträumig einstellen.

Zusätzlich gibt es eine 5V-Stromversorgung per USB-Buchse für einen Funkempfänger. Die liefert mit einem Ampere reichlich Energie. Mit dem Velodyne Acoustics WiConnect System 2 wird damit eine drahtlose Anbindung für SPL-X Subwoofer möglich.
Kommandozentrale: Die Velodyne AutoEQ App

Wie schon bei der DD-Serie vor 22 Jahren liegt auch den SPL-X Subwoofern ein Mikrofon mit kleinem Stativ bei. Dies wird aber nicht mehr an den Subwoofer, sondern an ein Smartphone oder Tablet angeschlossen. Entsprechend kommt das lange Kabel mit einem USB-C-Stecker. Man kann auch ein anderes, womöglich geeichtes Mikro verwenden. Im Test habe ich mein MiniDSP UMIK-1 vorgezogen.

Die Kommandozentrale aber ist die Velodyne AutoEQ App. Die gab es zum Zeitpunkt des Tests nur für iOS (Apple iPhone oder iPad), Android ist aber in Arbeit. Subwoofer und App kommunizieren via Bluetooth. Es lassen sich alle Filter maximal flexibel einstellen: Subsonic, Hochpass und Tiefpass, also die Grenzfrequenzen für Subwoofer und Lautsprecher, erlauben Flankensteilheiten (Slope) von 12, 24, 36 oder 48dB pro Oktave und sind sehr fein dosierbar. Zum perfekt übergangslosen Anpassen des Woofers an die Lautsprecher lassen sich neben den Filtern und Pegel unabhängig von einander Phase und Delay einstellen. Die App erlaubt auch die Art der Einschaltung per Taste, 12V Trigger oder Musiksignal zu definieren. Genial dabei: Man kann einstellen, ab welcher Lautstärkeschwelle der Subwoofer aufwachen soll und wie lange er nach dem Unterschreiten der Schwelle warten soll, um sich schlafen zu legen. Warum ich einen Subwoofer wann immer möglich mit der Triggerleitung schalten würde und welches Zubehör es dafür gibt, können Sie im Artikel Steckdose mit verzögerter Einschaltung: Sicherung bleibt drin nachlesen.
AutoEQ: Die automatische Raumkorrektur
Eine gewaltige Weiterentwicklung und ein Sprung von der DD- zur SPL-X-Serie ist die neue Einmessung. Die alte Technik funktionierte semi-automatisch und man musste schon ziemlich genau wissen, wie die Filter des Equalizers einzustellen sind. Das kann die App nun superfein und komplett automatisch. Man geht auf AutoEQ und stellt zunächst das Mikrofon in der Nähe des Subwoofers auf. Dann erfolgt eine Nahfeldmessung. Die beinhaltet die Charakteristika des Produkts, aber praktisch keine Raumeinflüsse. Anschließend kommt eine Messung am Hörplatz und schon wird die Korrektur Computer berechnet. Fertig! Die Einmess-Automatik hat im Test wiederholgenau gepasst. Kleine Falle: Ich musste, damit der Woofer komplett korrigiert wird, zuvor die Subsonic und Tiefpassfilter abschalten und diese danach wieder aktivieren. Das soll wohl künftig selbsttätig im Hintergrund geschehen.

Die Filter überträgt die AutoEQ in den parametrischen Equalizier, wo man diese weiterbearbeitet werden könnte, oder gar ganz eigene Filter setzt. All das lässt sich in verschiedenen Presets speichern und wieder laden. Flexibler geht es nicht. Das ist wirklich professionell und dennoch durch die Automatik für den weniger technischen Anwender perfekt beherrschbar.
Der Klang: Trocken, präzise
Der Velodyne Acoustics SPL-X12 zeigt klaren Charakter. Man erkennt es schon auf dem Messschrieb oben: Die Serie ist nicht auf Tiefstbass getrimmt, sondern eher auf Präzision. Was ich gut finde. 25-200Hz (±3dB) stehen im Datenblatt und ab 15Hz mit ±10dB Toleranz. Das kann ich bestätigen, die Orgel (16Hz!) am Beginn von Also sprach Zarathustra in der Aufnahme des National Youth Orchestra of Great Britain war gut zu hören (nicht nur die Obertöne…) trieb aber nicht den Staub aus dem Teppich. Nein, die Stärke des SPL-X 12 liegt ganz klar in sauberstem Bass mit stets federndem Swing bei typischen Musikfrequenzen statt subsonischer Ausnahmen.

Was an Tiefstbass zurückhaltend wirkt, liefert dafür spätestens ab 30 Hertz eine Dynamik und Sauberkeit in der Wiedergabe, die selten ist. Wie präzise ein Subwoofer arbeitet, merkt man schnell, wenn die Lautsprecher abgeschaltet sind. Beim Velodyne gab es selbst bei Extremlautstärken nichts – bis auf einen sauberen Tiefton – kein Klappern, keine Strömungsgeräusche, keine Oberwellen von Gehäusevibrationen, nix. Genau so soll das sein.

Fazit: Velodyne Acoustics SPL-X 12 – Highend-Bass mit Vollausstattung
Velodynes Acoustics Top-Serie spielt wieder in der Oberliga moderner Subwoofer. Nur wenige Subwoofer spielen so sauber und auch bei hohen Pegeln ohne Nebengeräusche wie der Velodyne Acoustics SPL-X 12. Durch die gute Kontrolle, riesige Dynamik und große Linearität kann er vor allem bei Musik mit unwiderstehlichem Groove glänzen und hat auch für Movie-Effekte mächtig Reserven. Wer es noch tiefer und lauter braucht, der nimmt halt die SPL-X 15 oder besser die SPL-X 18 Variante…
Dank der aufwändigen Elektronik kann der SPL-X 12 nicht nur alle Signalarten verarbeiten, auch weil er eine komplette Aktiv-Frequenzweiche für Lautsprecher besitzt, lassen sich in Stereo-Anlagen geniale, flexible Kombinationen schaffen. Alle Filter (Subsonic, Tiefpass, Hochpass, 8-Band Parametrischer Equalizer) sind per App weiträumig (12/24/36/48dB/Oktave) und extrem fein (PEQ 1Hz genau) einstellbar. Auch die in die App integrierte automatische Raumkorrektur namens AutoEQ funktioniert exakt und zuverlässig. Wer sich ein wenig auskennt, bekommt einen Velodyne Acoustics SPL-X Woofer an jede Anlage akustisch nahtlos integriert. Kaum ein Subwoofer lässt sich derart flexibel und fein auf Umgebung, Akustik und Komfort einstellen. Perfekt!
Velodyne SPL-X12 | 2025/11 |
![]() | |
Überragend | |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Staubtrockener Bass, Pegelfest |
| | Ein/Ausgänge XLR, Cinch, Trigger |
| | Clevere AutoEQ Einmessung |
| | Flexible Aktivweiche für Lautsprecher |
Vertrieb:
Velodyne Acoustics GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.velodyneacoustics.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Velodyne Acoustics SPL-X 10: 2.999 Euro
Velodyne Acoustics SPL-X 12: 3.999 Euro
Velodyne Acoustics SPL-X 15: 4.999 Euro
Velodyne Acoustics SPL-X 18: 6.999 Euro
| Velodyne Acoustics SPL-X 12 | |
|---|---|
| Chassis: | 12-Zoll (30cm) Karbonfasermembran |
| Antrieb: | 102mm 4-Lagen-Schwingspule, 3-fach Ferritmagnet |
| Aufhängung: | Doppel-Zentrierspinne |
| Verstärker: | Class-D MOSFET Endstufe |
| Leistung: | 1.200W Leistung, 1.700W kurzzeitig |
| Frequenzgang: | 15-280Hz ±10dB, 25-200Hz ±3dB |
| Filter: | 8x PEQ (AutoEQ & manuell), Subsonic, Tiefpass, Hochpass (Lautsprecher) |
| Ein/Ausgänge: | 2x XLR, 2x Cinch, 2x Lautsprecherklemmen, Trigger, |
| Maße (BxHxT): | 38x40x48cm |
| Gewicht: | 35kg |
| Alle technischen Daten | |
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