Michael Creek dreht eine neue Runde – und er hat sein Klangideal aus 50 Jahren Firmengeschichte nicht aufgegeben. Der Verstärker und Wandler Creek 4040 A tönt wunderbar reich – in Körper, Raum und Drive. Erstaunlich, dass dies so überragend mit einer digitalen Schaltung gelingt.
Jack the Ripper (Lebensdaten unbekannt) hatte einen Lieblingsort in London: Whitechapel. Die Geschichte mit den aufgeschlitzten Frauenleichen kennen wir. Was wir aber nicht wissen, irritierende Überleitung: Just in diesem gruseligen Stadtteil von London wurde Michael Creek geboren.
Wer ist berühmter? Klar, natürlich der Ripper. Aber wenn man einen HiFi-Fan fragt, verbindet er mit Michael Creek die größeren und sicherlich die schöneren Emotionen. Creek war und ist der Held, wenn es um britisches High-End zum erstaunlich günstigen Preis geht. Der erste Verstärker kostete sagenhafte 99 Pfund und erreichte den Fachhandel im Gründungsjahr der Company – 1982. Noch eine Zahl, die einen schweren Anker in die Gegenwart wirft: Damals hieß der Amp CAS4040. Dieser Test beschäftigt sich mit dem brandneuen Produkt von Michael Creek – das heißt 4040 A und liegt wiederum bei 999 Euro. Kleiner Unterschied, wichtig ist jedoch die Botschaft, dass hier jemand an eine legendäre Tat anknüpfen will.
Michael „Mike“ Creek schien verschwunden. Die Firma seines Namens ging wie ein Spielball durch viele Hände. Tannoy war darunter, dann wieder in der Macht von Creek selbst, der legte sich noch die Lautsprechermarke Epos zu. Die wiederum hat sich das Fink-Team aus Essen 2020 einverleibt, im Vertrieb von IDC Klaassen. Jetzt das aktuelle Ende der Geschichte: Das Gute liegt oft so nah unter Brüdern – auch Creek Audio ist mittlerweile im Vertrieb von IDC.

Jetzt aber nicht gleich losgaloppieren und auf die Webseite von IDC gehen. Es könnte enttäuschend sein. Denn unter der Marke Creek erschienen nur drei Produkte: besagter Verstärker, ein passgenauer CD-Player und ein Phono-MM-Modul für den Amp. Ist das die Zukunft? Irgendetwas dazwischen. Ja, es wird neue Produkte geben. Nein, Michael Creek ist recht zufrieden mit dem Gedanken von „small is beautiful“. Groß können alle, Creek weiß, dass es eine Sehnsucht nach dem schmucken, kompakten High-End zum guten Preis gibt, und er liefert.

Creek 4040 A: die Technik
Der neue 4040 A ist 21,5 Zentimeter breit, also Halbformat, seine 2,2 Kilogramm trage ich leichten Sinnes auf einer Handfläche. Klar, hier waltet eine digitale Schaltung. Bei der sich Mike aber die MERUS-Technologie von Infineon gönnt. Klassische Class-D-Verstärker kennen nur zwei Spannungspegel (eben On oder OFF), MERUS werkelt mit mehreren Spannungsstufen und nennt es „multilevel switching“. Die Endstufe schaltet zwischen definierten Versorgungsspannungen, je nachdem, wie stark das Audiosignal ist, vielmehr der Output sein soll. Da arbeitet ein patentierter Infineon-Prozessor mit einer nicht im Detail publizierten Schaltlogik (Angst vor Kopierern) bei niedrigen Ruheströmen und einer wirklich interessanten Energieeffizienz. Also keine Hitze und Wirkungsgrade bis 90 Prozent.

Das haben wir häufig gehört. Nicht alle Hersteller konnten ihre Versprechen auch in guten Klang übersetzen. Doch die digitalen Verstärker erleben gerade einen Schub. Sie werden besser – angetrieben von den gewaltigen Umsatzzahlen im Segment Automotive, den Klanginstallationen für die Straße. MERUS hat hier einen Stein im Brett, vielmehr etliche Modelle im Rennen
Die gute und gesicherte Nachricht: MERUS ist erschwinglich. Sonst müsste Michael Creek einen ganz anderen Preis aufrufen. Zumal er noch ein paar Raketen mehr zündet – weit über die Erwartungshaltung an einen so kleinen Vollverstärker hinaus. Erstaunlich: Auf der Rückseite gibt es auch einen XLR-Eingang – eine echte Überraschung in dieser Preisklasse. Dazu zwei Cinch-Paare und – jetzt kommt es – ein ausgewachsenes D/A-Board mit einem ES9018K2M Sabre DAC. Den kann ich optisch wie koaxial ansteuern, aber auch direkt aus meinem Mac oder PC heraus per USB. Das ist weit über die Gegenwart gedacht. Die SABRE32-Referenzarchitektur ist – der Name sagt es – auf 32 Bit getaktet. Samplingraten von 384 Kilohertz PCM / DSD64 & DSD128 sind damit möglich.
Praxis
Da wäre noch etwas auf dem 4040A-Rücken: ein Port für eine zuschraubbare Antenne. Aha – Bluetooth geht auch, aptX HD ist hier natürlich Pflicht. Klasse, dass Michael Creek an der Front auch eine Muffe für 6,3er Kopfhörer-Stecker anbietet. Tipp hier: Das Umschalten gelingt simpel, schnell, elegant. Aber ich kann mich auch in der Tiefe einer Steuersoftware verlieren. Über das super-scharfe, monochrome OELD-Display (vier mal zwei Zentimeter) kann ich dessen Helligkeit vorgeben: Bass, Höhen, Balance, einen Equalizer noch hinzu.
Das ist alles ebenso schlau wie smart reduziert. Nur – wer soll sich davon angezogen fühlen?

Da wäre der traditionelle Creek-Fan, der sich mit dem 4040 A eine Zweitkombi für seinen Zweitwohnsitz zulegt. Dann der moderne Mensch mit Bluetooth-Obsession im reduzierten Wohnumfeld. Aber auch der junge Mixing-Creator mit Spieltrieb – das professionelle Equipment schließe ich per XLR an. Alles Weitere per USB, tags an die Kompaktboxen, nachts an die Kopfhörer. Großartig.

Die Verarbeitung ist weit besser als das, was im vergangenen Jahrtausend von der Ur-Creek-Company über den Ärmelkanal drang. Keine scharfen Ecken, das Rund dominiert, hohe Anfassqualität bei den Drehknöpfen. Alles wirkt pragmatisch und zielführend. Naturgemäß und angesichts des Preises wird in England entwickelt, aber in China gefertigt. Ich störe mich nicht daran.
Sprachen wir schon über seine Watt-Ausbeute? Das sind 55 Watt an acht Ohm – da darf man auch in Standboxen denken. Wir haben beides probiert: die große Standbox (Q Acoustics 5050) oder bescheiden große Kompaktboxen (Epos ES-7N). Ich kann die eine, wie die andere aus vollem Herzen empfehlen.
Ein kleiner Minuspunkt ergab sich beim Einsatz des 4040 A als Schreibtisch-Vollverstärkers. Weil man in dieser Situation doch recht nah an Amp und Lautsprecher sitzt, lässt der Creek ein leichtes, aber vernehmliches Rauschen hören. Wir fragten beim Entwickler nach und der bestätigte unserer Erfahrung. Michael Creek: „Stimmt, aber das ist bei dieser Art von Schaltung unumgänglich. Und so laut ist es ja nicht…“ Da hat er wohl Recht.
Hörtest
Der Creek ist eher Sprinter als Langstreckenläufer. Er liebt den agilen, schnellen Klang, der auf einem strammen Bass basiert. Da ist das frische Album von Lorde, nämlich „Virgin“, genau das Richtige. Die beiden verstehen sich gut, die Musikerin und der Vollverstärker. Das ist von Lorde sehr minimalistisch komponiert, kein Bombast, sehr reduziert auch im Mix. Harmonisch muss es nicht sein, die Bässe haben einen Schleier, die Schlaginstrumente sind auf Kante gebürstet. „Man of the Year“ beginnt als erwartbare Ballade, dann orchestrale Synthesizer – da muss ein Verstärker Innenspannung, Eleganz und Potenz auf drei Minuten zeigen. Beim 4040 A kommt noch die Qualität des Wandlers hinzu, denn wir streamen von Qobuz mit 24 Bit und 44,1 Kilohertz.

Wir haben zunächst die Epos ES-7N angeschlossen Das ist ein Dream-Team, alles im Fluss, stark in der plastischen Abbildung, Lorde steht mitten in der Achse. Sie lächelt aber nicht, alles ist ernst auf ihrem neuen Album. Auch der Creek gönnt sich keine falsche Leichtigkeit – gerade die Präsenz der oberen Bässe markiert ihn als Spross der britischen Abstimmung.

Wer ist Jess Gillam? Eigentlich eine Saxofonistin und „Member of the Order of the British Empire“ noch dazu. Auf der Insel ein Star der Klassik-Vermittlung, nun ein neues Album für die Decca. Etwas hallend abgemischt, aber wunderbar stilbrechend. Debussys „Clair de lune“ für Kammerensemble, natürlich Klavier, aber eben auch ein Saxofon als Stimmführer. Hier ein Scarlatti, da ein Telemann, zum Ausstieg die Consolation Nr. 3 von Franz Liszt – kein Tempo über 100 Herzschläge. Genau hier will ich hören, wieviel innere Ruhe ein moderner Digital-Verstärker erreichen kann.

Es ist eindrucksvoll. Große Bögen, starker emotionaler Zusammenhalt – und immer wieder die langen Atemphrasierungen von Jess Gillam. „Calm down“ würden die Briten philosophieren. Der Creek zeigt sich entspannt, tendenziell warm – so überhaupt nicht im Klischee eines Digital-Amps.
„What Are You Doing the Rest of Your Life?“ Das ist ein wunderbarer Song des großen Michel Legrand (1932-2019, drei Oskars, fünf Grammys). Giovanni Ceccarelli (Klavier) und Ferruccio Spinetti (Bass) haben ihm ein Jazz-Album gewidmet. Die Gegenwelt der harten Künstlichkeit von Lorde und des Nachhalls von Jess Gillam. Hier sitzen wir direkt in der ersten Reihe des Jazz-Clubs. Der Creek 4040 A lässt die Kontrabass-Saiten schnarren. Das löst sich wie der Pfeil vom gespannten Bogen – der Flügel tastet sich in den Raum. Mit geschlossenen Augen hätte ich auf einen lupenreinen Class-A/B-Verstärker getippt. Vielleicht noch mit einer Röhrenstufe unter der Haube. Diese Körperhaftigkeit – toll. Jedes Instrument erscheint in authentischen „Körpermaßen“ – ein Kontrabass im Hörraum, in Griffweite – das ist die ganz hohe Abbildungskunst.

Genau in diesem Punkt macht er einen Vergleich-Mitspieler zwar nicht nass, aber er lässt abermals über seine Werte staunen. Der Cambridge Audio EXA100 hat nominell mehr Watt unter der Haube, aber er düpiert den neuen Creek nicht. Der wirkt einen Hauch offener, noch mehr auf den Punkt. Für mich klar der liebenswertere Verstärker. Was ein subjektiver Aspekt ist. Aber genau in dieser Welt ist Michael Creek aufgewachsen und noch immer unterwegs.
Fazit Creek 4040 A
Man staunt über die Finessen – und wie Michael Creek sein Klangideal über die Jahrzehnte bewahrt hat. Als ob 50 Jahre Firmengeschichte vergangen wären, ohne dass „Mike“ seine DNA oder gar seinen Glauben in die ergreifenden Momente der Musik verloren hätte. Nichts von der vermeintlichen Härte eines Digital-Verstärkers, das wirkt elegant aber auf einen starken Bass gebaut. Der D/A-Wandler, der XLR-Eingang, die Phono-Option, der großartige Kopfhörer-Verstärker – das ist als Kombi superb. Neu ist, dass Michael Creek jetzt in den Jagdgründen von Pro-Jects Box-Design, also im IKEA-HiFi unterwegs ist. Ich sagte es bereits: Ich will ihn haben. Ein reiner Lustkauf, weil er einfach so sexy ist…
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Sauberes, dennoch emotionsgetriebenes Klangbild |
| | Exzellenter integrierter DAC, gute (optionale) Phonostufe) |
| | Hoch kompakte Bauform |
| | Nicht komplett rauscharm |
Vertrieb:
IDC Klaassen
Am Brambusch 22
44536 Lünen
www.idc-klaassen.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Creek Audio 4040 A: 1.000 Euro
Die technischen Daten
| Creek 4040 A | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | DAC-Vollverstärker (digital) |
| Leistung: | 2 x 110 Watt (4 Ohm), 2 x 55 Watt (8 Ohm) |
| Analog-Eingänge: | 1 x Phono MM/MC (optional), 1 x Line (RCA), 1 x XLR (symmetrisch) |
| Digital-Eingänge: | 1x koaxial, 1x optisch, 1x USB 2.0 |
| Analog-Ausgänge (variabel): | 1 x RCA, 1 x XLR (symmetrisch) |
| Besonderheiten: | Kopfhörerausgang: 6,3 mm Stereo |
| Abmessungen (B x H x T): | 215 x 6,0 x 25,5 cm |
| Gewicht: | 2,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
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