Der polnische Röhren-Spezialist Fezz Audio spielt sich mehr und mehr in die vorderen Reihen. Richtete sich sein ursprüngliches Programm wohl eher an Musikfreunde, für die nur die Performance zählt, adressieren seine neuen EVO-Modelle auch jene Menschen, die eine gewisse Ästhetik und Eleganz von High End erwarten. Und nun bringen sie mit dem Fezz Audio Olympia EVO auch noch einen Vollverstärker, der die Leistungs-Schwäche klassischer Röhren-Amps komplett vergessen macht. Wir hatten den Muskelprotz im ausführlichen LowBeats Test.

Was den Fezz Audio Oympia EVO so besonders macht
Zunächst einmal die hohe Leistung. Der Olympia ist das mit Abstand stärkste Pferd im Vollverstärker-Stall von Fezz Audio. 2 x 100 Watt gibt der Hersteller an – was für einen Röhren-Verstärker sehr stattlich, aber angesichts der 2 x 2 Paar KT88 Endröhren im parallelen Gegentakt-Betrieb als sehr realistisch erscheint.

Für die Vorverstärkung und die Phasen-Invertierung nutzen die Fezz-Entwickler die bewährten Doppeltrioden ECC82 und ECC83. An dieser Stelle muss ich einmal einen Stab für die Idee von Fezz Audio brechen: Die Polen wollen den charakteristischen Klang der unterschiedlichen Röhrentypen einfach optimal zur Geltung bringen. Deshalb gibt es unseren Redaktions-Liebling Fezz Mira Ceti mit der 300B, den Luna mit der EL34, den Titania mit KT88 und eben den nochmals stärkeren Olympia, der mit doppelter KT88-Bestückung auch doppelt so viel Leistung an die Lautsprecherklemmen bringt.

Der Rahmen, mit dem diese Idee umgesetzt und die unterschiedlichen Röhren optimal zum Klingen gebracht werden sollen, ist immer stabil, technisch auf höchstem Niveau und seit kurzem (EVO) sogar hübsch. Aber der Reihe nach: Das Gehäuse besteht aus einem Stahlrahmen, in dem präzis gefräste Platten verschraubt sind – eine hohe Qualität, die man in dieser Preisklasse erwarten darf, aber leider nicht immer bekommt… Ganz wesentlich für den guten Klang ist allerdings die eigentliche Profession der Fezz Audio Leute: Unter dem Namen Torody produzieren sie Trafos für Gott und die Welt und haben – wie auch Octave oder Unison Research (die ebenfalls eigene Trafos wickeln) – den Vorteil, die Ausgangstransformatoren perfekt auf ihre Schaltungen anpassen zu können. Ein Vorteil, den man nicht hoch genug schätzen kann.

Fezz Audio selbst spricht beim Olympia vom „Dual-mono-Aufbau“. Natürlich haben wir den Olympia aufgeschraubt und wirklich: Ein zweizügiger Aufbau, wie man ihn sich schöner nicht vorstellen kann. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass sich mit dem neuen EVO-Gesicht nicht nur äußerlich vieles getan hat. Gemessen am „normalen“ Mira Ceti, der jahrelang Redaktionsmitglied war, ist der Olympia erheblich gradliniger und sauberer – vor allem ohne großen Kabelverhau – aufgebaut.

Die Verstärkerzüge sind auf zwei getrennten Platinen untergebracht. Man sieht vergoldete Leiterbahnen, Polypropylen-Kondensatoren von Wima und überhaupt durchweg hochwertige Bauteile.

Kurzum: Das Gehäuse des Olympia ist bis unter das Dach voll mit Bauteilen. Dazu gibt es eine nette Anekdote: Weil die Platinen mit dem mikroprozessorgesteuerten Bias-Stromregler keinen Platz mehr fanden, ließ man sich von Looptrotter (einem der aufgewecktesten Audio-Entwicklungsstudios in Polen) ein komplett analoges (und kleineres) System entwickeln. Nicht ohne Stolz spricht man bei Fezz Audio von einem analogen, automatisierten Bias, der genauso gut funktioniert wie ein Mikroprozessor. Der Musikfreund merkt von all dem nichts: Die Röhren des Olympia laufen immer im besten Zustand; man muss (und kann) nichts nachregeln.
Praxis
Beim Aufbau des Olympia kann man eigentlich nichts verkehrt machen; die Zuordnung der Röhren zu den Sockeln ist dank genauer Beschriftung auch von absoluten Nicht-Kennern zu leisten. Das Wuchten des Verstärkers ins HiFi-Regal ist da schon anspruchsvoller: Immerhin bringt er knapp 25 Kilo auf die Waage.
Anschluss-mäßig zeigt sich der große Fezz-Vollverstärker überschaubar: drei Cinch-Hochpegeleingänge und zwei – Sub-out genannte – Vorstufenausgänge, die ungefiltert sind. Interessant ist der Direct-Zugang: Über ihn ließ sich der Olympia (beziehungsweise seine Endstufe) auch in ein Heimkino-System integrieren, in welchem dann der AV-Prozessor die Lautstärke regelt.

Wie bei vielen Röhren-Verstärkern bietet auch der Olympia Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Lautsprecher. Ich habe an verschiedensten Röhren-Amps jeder Konfiguration ausprobiert und kann keine Empfehlung geben. Außer jene: Was am Ende besser klingt, muss man selber an seinen Lautsprechern ausprobieren. Ist ja aber schnell gemacht…

Beim Test des Kopfhörer-Verstärkers EVO hatte ich alle drei Zusatz-Module (Phono, BT; DAC) ausgiebig getestet, weshalb ich beim Olympia mich auf das Bluetooth-Modul beschränkte. Denn die Qualität des Verstärkers ist so hoch, dass ich weder das Phono- noch das DAC-Modul als angemessen empfunden würde. Aber bei Bluetooth mache ich eine Ausnahme, da ist mein Anspruch nicht ganz so hoch und ich nutze BT viel und gern…
Die Erweiterung der verschiedenen Fezz-Komponenten um diese drei Module ist klug, aber auch ein Ärgernis, weil man die Module nur am Modul selbst (also auf der Rückseite) aktivieren oder ausschalten kann. Beim Kopfhörerverstärker war das noch eben machbar, aber bei einem so hochbauenden Vollverstärker mit ordentlich Röhren-Abwärme ist das schon schwierig…

Hörtest
Wer sich für eine Röhre entscheidet, tut dies bewusst. Denn Röhrenelektronik – und hier vor allem die Verstärker – faszinieren oftmals mit einer schönen „Wärme“ sowie einer Feinheit im Mittelhochtonbereich, den Transistor-Verstärker in der Regel nicht bieten (können). Aber auch innerhalb der Röhren-Zunft gibt es große Unterschiede. Da gibt es zum einen die klassische Röhren-Fraktion, die alles in schöne Klangfarben gießt, aber häufig recht leistungsarm daherkommt. Und es gibt einen „deutschen Weg“, vor allem präsentiert von Octave und Westend Audio, die versuchen, Röhren-Auflösung mit viel Präzision zu verbinden. In welche Richtung LowBeats tendiert, wird schnell deutlich, wenn man sich unsere beiden Referenz-Verstärker jenseits der 10.000 Euro-Marke ansieht: Octave V70 CA und Westend Audio Monaco II.
Der hier getestete Fezz Audio Olympia bewegt sich zwischen den Enden. Tendenziell gehört er eher zu den klassisch etwas „wärmer“ klingenden Röhren und zeigt doch – wenn gefordert – ganz untypisch viel Energie und Bass-Punch. Hier zeigt sich der Vorzug acht Röhren.
Nehmen wir als ersten Vergleich den PrimaLuna EVO 200, auch er war lange ein Gast im Hörraum. Der PrimaLuna ist eine klassische Konstruktion mit nur zwei KT88 im Push-/Pull-Betrieb pro Seite – so, wie es die meisten Röhren-Verstärker dieser Klasse aufweisen.
Das Stück „Rölmo“ von Melo X ist zum Testen wie gemalt: Es verlangt vom Verstärker wie auch vom Lautsprecher auf der Stelle ALLES. Es beginnt mit einem kernig angeblasenen, wunderbar plastisch eingefangenen Saxofon, zu dem sich schnell ein Schlagzeug mit hart geschlagener Snare gesellt. Eine Gitarre lässt das Ganze cool grooven und dann kommt dieser hammermäßig tiefe Synthie-Bass, der alles unterlegt und dem System schnell die Grenzen aufzeigt. Über den Olympia klang das Stück verführerisch: Das Saxofon körperhaft voll, aber vielleicht nicht ganz mit der Schärfe eines Transistors, die Snare erfreulich knackig und die Tiefbässe mit einer Kraft und einem Durchzug, wie ich es von klassischen Röhren nicht gewohnt bin – großartig.

Der EVO 200 spielt im Vergleich zum Olympia spürbar Energie-ärmer: das Saxofon weniger kraftvoll, die Snare mit weniger Kick und die Tiefbässe ohne die eindrucksvolle Kontrolle des Olympia: durchaus fein, aber mit angezogener Handbremse. Liegt das nur an der Leistung? Nein. Ebenfalls lang im Haus hatten wir den Cayin CS-150, der sich mit seiner KT150-Power leistungsmäßig sogar noch vor den Fezz schiebt – was auch gerade mit „Rölmo“ gut zu hören ist. Denn die Synthie-Bässe bekamen auch mit dem Cayin einen großartigen Schub. Allerdings schien mir der Olympia Becken oder Gitarrensaiten noch diesen Hauch feiner ausschwingen zu lassen und das Saxofon noch einen Tick authentischer im Hörraum erklingen ließ.

Weil er oben schon erwähnt wurde, musste natürlich auch der Octave V70 CA noch gegen den Fezz antreten. Und er hatte anfangs schlechte Karten: Weil ich vor dem Vergleich schon Stunden mit dem Olympia EVO gehört hatte, war ich komplett auf seine gleichermaßen schöne wie kraftvolle Spielweise eingeschwungen – da wirkte der Octave zunächst einmal etwas sehr kernig und präzise. Man könnte sagen: Das ist Geschmackssache – was allerdings dem Ocatve nicht ganz gerecht würde, denn er arbeitet einfach noch mehr Details aus den Aufnahmen – gerade bei dynamischer Musik. Da schnalzte der Stick noch besser auf der Snare, da war das Saxofon noch greifbarer…
Dieses Mehr an Information macht natürlich auch bei Stimmen oder Streichern mehr Spaß. Aber hier könnte das etwas „schönere“ Klangbild des Fezz mehr Liebhaber finden. Und weil der Olympia eh so viele klangliche Talente vereint und auch preislich durchaus attraktiv ist, kommen wir nicht umhin, hier eine ganz dicke Empfehlung auszusprechen.
Fazit Fezz Audio Olympia
Der Olympia ist der letzte in einer langen Reihe von Fezz-Verstärkern, die wir im Test hatten. Und vielleicht erreicht er wirklich nicht ganz die Zartheit der 300B-Röhre (vor allem in den Mira Ceti Monos). Aber ich kann festhalten: Leistung hat ihre Vorzüge. Derartig souverän, wie der Olympia auch durchaus kritische Boxen treibt, so stabil, wie er auch in den unteren Lagen durchzieht (gleichzeitig aber die Sanftheit einer guten KT88-Schaltung beibehält), ist aller Ehren wert. Unter Seinesgleichen ist der Olympia nicht nur einer der schönsten – sondern auch einer der besten.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Tendenziell warmer, kräftiger und feiner Klang |
| | Hohe Leistung (2 x 100 Watt), hauseigene Transformatoren, automatischer Bias |
| | Top-Verarbeitung, sieben Farben stehen zur Auswahl, 3 Zusatz-Module |
| | Zusatz-Module nur von hinten zu bedienen, Abdeckung bietet kaum Schutz |
Vertrieb:
Audium
Catostr. 7b
812109 Berlin
www.audium.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Fezz Audio Olympia EVO Silber / Schwarz: 5.490 Euro
Fezz Audio Olympia EVO Farben: 5.590 Euro
Fazz Audio Zusatz-Module: 299 Euro
Technische Daten
| Fezz Audio Olympia | |
|---|---|
| Konzept: | Röhren-Verstärker, Push-Pull |
| Röhrenbestückung: | 8x KT88, 2x 12AX7, 2x 12AU7 |
| Leistung: | 2 x 100 Watt |
| Eingänge: | 3x Cinch + 1x Direct-In |
| optionale Module: | Phono MM, Bluetooth, DAC |
| Ausgänge: | 2 x Sub Out |
| Stromverbrauch: | mindestens 350 Watt |
| Abmessungen (B x H x T): | 42 x 38 x 20 cm |
| Gewicht: | 24 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
Doppeltest Röhrenverstärker: PrimaLuna EVO 100 & 200
Test Vollverstärker Cayin CS-150A: 2 x 100 Röhrenwatt
Test Octave V70 Class A: Röhrenvollverstärker mit dem feinen Ton
Test Dynaudio Heritage Special: in der Tradition der großen Sondermodelle
Mehr von Fezz Audio:
Test Kopfhörer-/Vorverstärker Fezz Audio OVO EVO: besonderer Feinklang dank Röhre
Test Fezz Audio EVO: die Mira Ceti Monos und die Vorverstärker Sagita / Sagita Prestige
Fezz Audio Mira Ceti im Test: Günstiger 300B-Röhren-Amp
Fest Fezz Audio Lybra: Single-Ended Röhren-Amp mit doppelter 300B
Kauftipp Fezz Audio Titania: 2 x 45 satte Röhrenwatt





