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Test Volvo S90 mit Harman Kardon: Karriere-Gleiter fürs Business

In den von mir getesteten BMWs, etwa im M140i xDrive mit Harman Kardon war der Klangunterschied zwischen Bluetooth und USB dagegen marginal. Im Volvo S90 würde ich dagegen dringend zur Kombination von USB-Verbindung und Apple CarPlay raten. Es klingt noch mal deutlich besser und auch die Bedienung des gesamten Infotainments erklimmt damit ein neues Level.

Doch die Fahrt nach Stuttgart war schnell zu Ende. So harrte ich der nächsten Dienstreise nach Darmstadt. Natürlich wollte ich es allein im Auto auf gut ausgebauten Strecken auch mal richtig fliegen lassen. Zumal ich Playlists wiedergab, die „B58“ (wie der 340 PS 6-Zylinder von BMW) oder „Tiefflug“ hießen. Ja, der Volvo S90 T6 AWD ist ein Wagen für jede Ton- beziehungsweise Gangart. Mit Titeln wie „Highway Star“ von Deep Purple über das Harman-Kardon-System kann man es richtig fliegen lassen. Will sagen: Man könnte. An jenem Freitagabend waren wohl alle notorischen Linksfahrer zwischen Stuttgart und Darmstadt aus ihren Garagen gekrochen. Leider hatten sie entweder keine 310 PS oder sie bekamen ihren Geschwindigkeitsrausch bereits bei 160 Stundenkilometern.

Dennoch fielen mir viele Dinge am Volvo S90 T6 AWD auf. Schon im Komfort-Modus fühlte er sich nicht so schwammig an wie der Kombi V90 T6 AWD. Und im Sportmodus fuhr er ohne Wankbewegungen wie auf Schienen. Dabei filterte seine Luftfederung alles Störende heraus, ohne für ein indirektes Fahrgefühl zu sorgen. Daran hatte auch die perfekt zwischen Komfort und Sportlichkeit abgestimmte Lenkung einen Anteil. Sie bot das nötige Maß an Rückmeldung und Direktheit, das auch noch im Bereich über 220 – sofern ich ihn in diesem Verkehr überhaupt erreichte, Vertrauen in das 4,96 Meter lange Auto schafft.

Es ist schon fast zwei Jahre her, dass ich den Volvo V90 T6 AWD fuhr. Aber ich könnte schwören: Die elegante Limousine lenkte am Kurvenanfang oder beim Spurwechsel agiler ein als der stylische Kombi.

Hessischer Härtetest für Auto und Fahrer

Was soll ich sagen? Selbst bei bodenständigem Tempo verging die Fahrt wie im Fluge und ich erreichte die lockere Runde in der Hotelbar ausgesprochen entspannt. Der Stress kam am nächsten Tag. Von morgens bis Abends saß ich in einem Porsche Panamera, um dessen Burmester High-End-3D-System für den Münchner Verlag zu demonstrieren, der das Auto von einem örtlichen Porsche-Zentrum besorgt hatte.

Am Sonntag war der Andrang so groß, dass ich von morgens um 10 Uhr bis Messeschluss höchstens mal zum Luftholen kurz aus der vor PS und Watt strotzenden Sportlimousine kam. Die Demos auf dem Memory Stick umfassten krasse Trommelimprovisationen von Jim Keltner, DAS Gitarrensolo von Nils Lovgren und das unvermeidliche Hotel California von den Eagles in der Live-Version. Wenn mir das Publikum geeignet erschien, spielte ich David Gilmour Live At Pompeii oder augenzwinkernd „Panamera Flow“ von Bushido.

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Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Dem vorbildlich aufgebauten Harman Kardon System des Volvo S90 stand in Darmstadt ein Härtetest bevor (Foto: S. Schickedanz)
Volvo S90 T6 AWD im Parkhaus
Nach einer kurzweiligen Nachtfahrt traf der Autor im Darmstadtium, der nächsten Station der Dienstreise ein. Immerhin gab es freie Parkplatzwahl (Foto: S. Schickedanz)
An den nächsten zwei Tagen galt es, das Burmester-System im Porsche Panamera einem interessierten Publikum vorzuführen (Foto: S. Schickedanz)
Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Abgesehen von Späßen wie dem Auflegen von „Panamera Flow“ von Bushido war es harte Arbeit auf den Deutschen HiFi Tagen. Ob der Autor danach noch ein Ohr für das erschwingliche Sound-System des Volvo S90 haben würde, war die Frage nach der zweitägigen Pegelorgie im Porsche. (Foto: S. Schickedanz)
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Dabei schwankte ich zwischen Euphorie – weil selbst bei Mörderpegeln mit Drums wie Tritten in die Magengrube das Publikum eine Mega-Resonanz zeigte, aber nichts vom Interieur mitschwang – und Entsetzen: ich fürchtete um mein Gehör. Irgendwann mochte ich die Titel nicht mehr hören.

Der spannende Moment kam am Sonntagabend, als ich mich wieder in den Volvo setzte und das Sound-System aktivierte. Zufrieden stellte ich zwei Dinge fest: Ich war trotz der extremen Dauerpegel im Porsche noch nicht taub und das Volvo-Sound-System machte weiter Spaß. Chapeau!

Natürlich konnte es in der Attacke nicht mit dem Zuffenhausener Watt-Monster respektive Dynamik-Wunder mithalten. Der Punkt war: Nach zwei Tagen Messe-Demos war mir das auch ganz recht so. Ich genoss den ausgewogenen, relaxten Klang.

Am nächsten Tag ging es auf Abschiedstour Richtung Köln. Auf der überraschend freien, wie immer kurvenreichen A3 konnte der Volvo S90 T6 AWA noch einmal alle Register in Sachen Fahrdynamik und Kurvenvergnügen ziehen. Dabei kam richtig Fahrspaß auf, der Volvo S90 T6 AWD lag wie ein Brett und auch die Bremsen überzeugten durch bemerkenswerte Verzögerung, Standfestigkeit und einen für diese Fahrzeugkategorie überraschend klar definierten Druckpunkt. Einen kurzen Stau sah ich als Einladung, noch einmal die verschiedenen Einstellungen des Harman Kardon Sound-Systems durchzugehen. Dazu zählt Quantum-Logic Surround, was bei einigen Stücken ganz gut kommt, obwohl ich grundsätzlich auch im Volvo S90 puristisches Stereo bevorzugte.

Sehr schön finde ich die Umsetzung von Volvo. Man kann die Intensität des Surround-Effekts mit einem Schieberegler auf dem an einen Tesla erinnernden Hochkant-Touchscreen anpassen. Dazu gibt es noch eine Menge nutzerfreundlich umgesetzte Möglichkeiten, den Klang zu individualisieren. Als da wären Dreiband-Equalizer und einige per Touch abrufbare EQ-Presets – Dinge, die Puristen nicht brauchen – vor allem, wenn ein Audio-System so homogen abgestimmt und so breitbandig ist. Sehr wohl machte ich von der schaltbaren Optimierung des Klangfokus auf den Fahrersitz Gebrauch: diese Einstellung verbesserte die Abbildung und machte den Klang noch präziser.

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Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Das Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90 hat einen 3-Band-Equalizer und zahlreiche EQ-Presets. Die ausgewogene Abstimmung macht allerdings keine Manipulationen erforderlich (Foto: S. Schickedanz)
Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Wer mag, kann im Volvo S90 mit Harman Kardon auch Surround-Effekte zuschalten. Quantum-Logic, ein semantischer Algorithmus, errechnet Raumklang aus normalen Stereo-Aufnahmen. Schön gelöst hat Harman die Dosierbarkeit des Klangeffekts (Foto: S. Schickedanz)
Die Mittel- und Hochtöner des Harman Kardon High Performance Sound Pro Systems sitzen im Volvo S90 vorbildlich dicht zusammen und weit oben in der Tür. Außerdem verwendet Volvo 3-Wege-Systeme in den Vordertüren, die von einem Fresh-Air-Subwoofer im Kofferraum unterstützt werden (Foto: S. Schickedanz)
Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Lediglich beim Center setzt der Rotstift an. Hier muss es ein 10-cm-Breiband-Chassis richten. Im deutlich kostspieligeren Premium-System von Bowers & Wilkins gibt es dagegen sogar einen Nautilus-Hochtöner für den Center-Kanal. Das spürt man in der Abbildung (Foto: S. Schickedanz)
Harman Kardon High Performance Sound Pro im Volvo S90
Volvo bietet einen CD-Player für die Mittelkonsole an, der auch MP3 und WMA wiedergibt (Foto: S. Schickedanz)
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Zum Kolonnenfahren beziehungsweise zur Bewältigung von Tempolimits bewährte sich Pilot Assist. Das Fahrerassistenzsystem unterstützt den Fahrer bis 130 km/h beim Halten von Geschwindigkeit, übernimmt das Abstandhalten, Bremsen, Beschleunigen und hilft bei der Spurführung. Sogar für die ingesamt eher enttäuschende Volvo-Sprachsteuerung fand ich eine sinnvolle Verwendung, die gleich noch einen anderen Kritikpunkt ausmerzte. Die Regelung der Innentemperatur über den Touch-Screen empfand ich als äußert lästig. Aber wenn es etwas gibt, wo der Assistent überzeugte und mein eigenes Auto passen muss, dann war es die Temperaturregelung mittels Sprache. Ebenfalls positiv erwähnt sei, dass Volvo immerhin zur Steuerung der Musikwiedergabe – auch am verbundenen Smartphone – richtige Tasten unter dem Touchscreen platziert hat. Das spart den bisweilen umständlichen, der Konzentration auf das Verkehrsgeschehen abträglichen Weg durch die Menüs. Noch ein Schmankerl für alle, die diesen Business-Liner geschäftlich nutzen: Die Volvo On Call App unterstützt bei der Führung eines Fahrtenbuchs.

Apropos Geschäftsreisen: Als hätte es noch eines Beweises für die Langstreckentauglichkeit des Volvo S90 T6 AWD bedurft, bekam ich bei Sixt nicht wie gebucht einen E-Klasse-Mercedes oder 5er-BMW. Der nette Mitarbeiter wollte mir wegen der weiten Strecke eine Freude machen und übergab mir ein süddeutsches SUV-Coupé. Dessen kurzerer Radstand machte in Verbindung mit der ungewohnt hohen Sitzposition und der Abwesenheit von Luftfederung den Ritt zu einem ziemlichen Herumgehoppel. Allerdings offenbarte der ungewollte Vergleich auch eine kleine Schwäche des Volvo S90: Der SUV-Koloss ließ sich besser rangieren als der Volvo, den ich schon zuvor nicht als sonderlich übersichtlich empfand, wobei ich ihm bis zu diesem Moment zugute hielt, dass er auch viel größer als mein Kompakt-Sportler war.

Fazit Volvo S90 T6 AWD mit Harman Kardon

Limousinen wie der Volvo S90 T6 AWD sind eine bedrohte Art. Kürzlich las ich irgendwo, dass VW wegen des SUV-Booms den seit Anfang der Siebzigerjahre gebauten Passat 2022 einstellen will. Und zu meiner großen Verwunderung stelle ich fest, dass aus den USA gerade schon die nächste Eskalationsstufe in Form eines irrwitzigen Pickup-Trends zu uns herüberschwappt. Die Dinger sind noch sinnfreier – sofern man nicht regelmäßig Baumaterialien oder -Maschinen transportieren muss –, noch viel größer, noch weniger für Partnerschutz geeignet und brauchen mit ihrem hohen Gewicht und der Stirnfläche eines Scheunentors selbstredend noch mehr Sprit als SUVs. In solchen Zeiten braucht es Vorbilder wie den Volvo S90 T6 AWD mehr denn je.

Beide hochwertigen Anlagen-Optionen für den Volvo S90 respektive V90 haben fünf Sterne. Doch bei LowBeats mit seinen relativen Einstufungen bezieht sich die Wertung immer auf den Preis des Sound-Systems. Absolut gesehen liegt bei der großen Baureihe der Schweden das B&W Premium Sound System – es ist Teil des Infotainmentsystems Sensus Connect für 3.950 Euro – klar über dem für 930 Euro erhältlichen Harman Kardon, das ebenfalls in Verbindung mit dem Sensus-System angeboten wird. Es bietet den volleren Bass, mehr Dynamik und Auflösung. Vor allem aber erzielt Bowers & Wilkins mit seinen Kevlar-Mitteltönern und den Nautilus-Hochtönern mit Aluminium-Kalotten jenen Flair bei Stimmen und Naturinstrumenten, den Audiophile so sehr schätzen. Obendrein bildet die ebenfalls unter Regie des Harman-Konzerns entwickelte B&W-Lösung noch tiefer, stabiler und plastischer ab.

Doch die Harman Kardon Lautsprecher bieten für vergleichsweise kleines Geld alle Basics, die für bewusstes Hören mit einem geübten Gehör zählen. Das verdanken sie nicht nur der Expertise der Verantwortlichen bei Volvo und Harman, sondern auch dem versierten Umgang mit den ausgeklügelten Algorithmen von Schwedischen Unternehmen Dirac (im Test des Volvo V60 findet sich eine nähere Erläuterung zu Dirac Unison). Zudem profitiert Harman davon, dass bei Volvo die Interieur-Designer den Sound-Ingenieuren keinen Strich durch die Rechnung machen. Außer Rolls-Royce fallen mir so schnell keine Autos ein, wo die Mittel- und Hochtöner so dicht beieinander sitzen wie in den aktuellen Volvos.

Mehr zu Volvo:
Test Volvo V90 T6 AWD mit Bowers & Wilkins
Fahrbericht: Im Volvo V90 Cross Country zum Volvo Ocean Race
Fahrbericht Volvo XC60 mit Bowers & Wilkins

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Volvo S90 T6 AWD mit Harman Kardon High Performance Sound Pro
2019/02
Überragend
Bewertung
Auto
Anlage
Spassfaktor

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Natürliche Stimmwiedergabe, gute Auflösung und tiefer, trockener Bass
Harman Kardon Sound System Teil des günstigen Sensus-Infotainment-Pakets
Sehr gute Traktion, hohe Fahrstabilität, harmonisch abgestimmte Luftfederung
Da man aus dieser Limousine ungern aussteigen möchte, könnte der Tank etwas größer sein

Preis (Herstellerempfehlung):
Volvo S90 T6 AWD ab 58.350 Euro, Harman Kardon High Perfomance Sound Pro als Teil des Infotainment-Systems Sensus Connect für 930 Euro.

Vertrieb:
Volvo Cars Deutschland
Köln
www.volvocars.com