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Acousence dac-pre reference UX/pow-amp 4
Die Vor-End-Kombi Kombination Acousence dac-pre reference UX/pow-amp 4 kommt direkt aus dem Studio und ist genau nach unserem Geschmack... Der Preis: 25.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Vor-/ Endstufen-Kombination Acousence dac-pre reference UX/pow-amp 4: Passion x 4

Wenn die Studioprofis nicht an die Leine genommen werden – dann kommt oftmals Großes dabei heraus: viel Substanz in Gedankenarbeit und Signalwegen – und ein Klang für ultimative Wahrheiten. Der Test der Vor-/Endstufen-Kombination Acousence dac-pre reference UX & pow-amp 4.

Wir sind nicht in der katholischen Kirche – aber auch bei Acousence gibt es so etwas wie eine Dreieinigkeit. Das eine geht ohne das andere nicht, nur gemeinsam ist man eine Instanz. Als da wären: ein Tonstudio, ein Label, eine High-End-Manufaktur. Das ist ohne Vergleich in der Branche. Allenfalls Linn wollte mal in dieser Liga mitspielen, hat sich jetzt aber auf sein Kerngeschäft zurückgezogen und der hauseigenen Musikproduktion entsagt.

Dennoch verkündet uns der Name – seien wir ehrlich – wenig bis nichts: „Acousence – the acoustic experience“. Was daran liegt, dass Ralf Koschnicke bewusst nicht die katholische Kirche sein will. Alles fliegt etwas unter dem Radar, aber ehrlich und vor allem von Professionalität getrieben. Somit wundert es nicht, dass die Komponenten nach Studio-Equipment aussehen. Nur, dass hier die Griffe und die Schrauben-Öffnungen für das 19-Zoll-Rack im Studio fehlen. Ein professioneller Designer wird an diesen Komponenten noch nicht einmal vorbeigegangen sein. Was kein Nachteil sein muss – hier ist alles auf das Endergebnis abgestimmt, eben die Klangpotenz.

Noch ein Wissenshintergrund für diese edle Kargheit: Ralf Koschnicke ist kein Elektrotechniker, kein Pschychoakustiker – er ist lupenreiner Physiker. Da denkt man in anderen Kategorien. Doch wie kommt ein Physiker zu einem eigenen Tonstudio und einem eigenen Label? Das ist auch schnell geklärt: Koschnicke ist ebenso Musiker. Kein Pianist, kein Cellist, kein Gitarren-Gott. Sondern der Mann ganz hinten rechts im Orchester – an der Tuba. Das kann man als Marotte abtun – doch Ralf Koschnicke hat auch Kammermusik mit dem Instrument, sogar ein Konzert für vier Tuben auf seinem Label veröffentlicht. Als Produzent und Tonmeister, nicht als Solist; wie seine HiFi-Komponenten, so ist auch Ralf Koschnicke frei von Eitelkeit.
Aber die Aufnahmen waren in doppeltem Sinn epochal.

Vor über 25 Jahren wollte Koschnicke wissen, was in der digitalen Aufnahmetechnik geht, wo die physikalischen Grenzen liegen und wo die Denkgrenzen. Eine Bergbesteigung – bei der Acousence nur in der Kombi von Aufnahme und Technik eigene Lösungen finden konnte. Was die GmbH zum Pionier bei 24/192 PCM und dem Transfer auch auf Schallplatte erhob. Anspieltipp, wer es mal so richtig krachen lassen will: der Live-Mitschnitt von Acousence mit Mahlers Fünfter Symphonie unter Jonathan Darlington, erster Satz. Klar spielen die Duisburger Philharmoniker nicht unter den Top-Ten-Orchestern dieser Welt. Aber der schiere dynamische Überwältigungseffekt hätte auch Gustav Mahler gefallen.

Im Gespräch mit Koschnicke wird schnell klar, dass dieser Mann ein Überzeugungstäter ist. Die Idee, einen Vollverstärker zu bauen, will ihm nicht kommen: „Vor- und Endstufe sind einfach zu unterschiedliche Geräte, als dass man sie in ein Gehäuse baut. Bei Acousence gibt es ergo nur Vor- und Endstufen-Kombination.“

Acousence dac-pre reference UX & pow-amp 4: die Technik

Wir haben das Maximalgedeck bestellt: die Vierfach-Endstufe pow-amp 4 und die Vorstufe mit DAC. Korschnickes „Arfi-DAC Topologie“ ist da ein Frontalangriff auf alte Denkweisen, das ist im Kern ein klassisches Delta-Sigma-Protokoll, aufgeteilt auf mehrere Chips. In der Einstiegsvariante sind es vier an der Zahl, wir haben die „Reference“-Ausbaustufe mit acht Wandlern. Allesamt von Acousence aufgebohrt, mit eigener Software angesteuert und in eine selbst entwickelte Stromversorgung plus Übertrager integriert. Über die Details muss das Firmengeheimnis Grenzen setzen.

Acousence-Mastermind Koschnicke wird aber geradezu redselig bei einem anderen Detail: Der USB-Eingang ist galvanisch entkoppelt. Man achte auf das „UX“ im Namen (steht aber nicht auf der Frontplatte): Das sieht aus wie ein massiver Alu-Fortsatz, die US-Amerikaner würden „Bullet“ sagen, die Hülse ragt über die Anschlüsse im Rücken hinaus – ein „double-decoupled USB“. Denn – bislang – galt für Ralf Koschnicke: „Die USB-Schnittstelle für Audio ist die denkbar schlechteste aller möglichen Schnittstellen“. Schlecht, weil sie ein Einfallstor für Hochfrequenzstörungen von Streamern, Computern oder dem Heimnetz ist. Den Acousence ddUSB“ stellt man sich am besten als definierten Mix von nichtleitenden und leitenden Kontakten vor – nur die reinen Signale kommen in der Verarbeitung im Inneren des Gehäuses an. Nicht nur an dieser Stelle hat der Studio-Profi alles richtig gemacht: Musik über den entkoppelten USB-Eingang zugespielt klang überwältigend klar.

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Der galvanisch getrennte ddUSB-Eingang (double-decoupled USB) trägt viel zum guten Digitalklang bei – baut allerdings auch gut zwei Zentimeter tiefer als der Rest der Buchsen (Foto: H. Biermann)

Wer mit Ralf Koschnicke spricht und die entsprechenden Fragen stellt, der erfährt auch schnell, dass der Physiker kein Freund von Sonys DSD-Format war und ist. Sein mobiles Tonstudio ist auf PCM fixiert, seine Veröffentlichungen ebenso – nur einmal ist ihm eine SACD gegen den Strich in den Katalog gerutscht, ansonsten nur Downloads in PCM-HighRes. Aber der Vorverstärker/DAC würde nun mal einen Teil der potenziellen Käufer ausschließen. So gibt es am beschriebenen USB-Port nicht nur PCM bis zu sagenhaften 32Bit/768kHz, sondern auch 256fs DSD. Wie auch bei den Eingängen freie Wahl erlaubt ist. Ich kann den Vorverstärker mit zwei oder vier analogen Cinch-Ports bestellen, mit XLR oder einem integrierten Phono-Zugang (MM oder MC), der auf der Rückseite auch kalibrierbar ist. Geht alles, kostet aber extra, zumeist um 390 Euro. Aber ein zusätzlicher per Übertrager symmetrierter Analogeingang mit XLR erreicht 690 Euro. Unser „Reference“-Modell legt die Latte auf 11.990 Euro und arbeitet neben den acht Wandlersignalen auch mit einer hauseigen geschaffenen Femto-Clock-II.

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Das Bild zeigt die „Femto-Clock“ Taktgenerierung und -verteilung (Foto: Acousence)

So eigen Acousence mit seiner hauseigenen Digital-Philosophie umgeht, so konsequent vertraut Koschnicke einer stringenten, analogen Führung der Signale – alles fließt symmetrisch, kombiniert mit einer rein analogen Lautstärkeregelung über Goldkontakt-Relais. Der Blick in das Innenleben zeigt den Aufwand, die Verkapselung der einzelnen Bauteile, die Hand- und Gedankenarbeit.

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Acousence ist eine sehr kleine Manufaktur. Dafür ist hier alles blitzsauber gemacht (Foto: Acousence)

Das Spiel setzt sich fort, natürlich, bis in die Endstufe. Es gibt derer drei im Katalog. Wir haben uns für das Top-Modell mit vier Kanälen (Name: pow-amp 4) entschieden. Ergibt das Sinn? Ich gehe aus der Vorstufe ja mit zwei XLR-Strippen heraus, warum dann vier Leistungsstufen? Drei Antworten sind offensichtlich: Weil es Acousence kann, weil wir mal maximal Gas geben wollen – und weil viele Fans nicht nur die Vorzüge von Bi-Wiring, sondern erst recht jene von Bi-Amping schätzen.

Jetzt wird es interessant. Denn so stark Ralf Koschnicke beim Vorverstärker die analogen Werte anpreist: Die Endstufe ist keine Class-A-Schaltung, auch keine Class-A/B, sondern ein Produkt der Pulsweitenmodulation. Die Vorschnellen vermuten jetzt: „Ohje, ein Digital-Amp“ – und liegen falsch.

Das Arbeitsprinzip verlangt Händchen, Erfahrung, Wissen – wenn nicht sogar so etwas wie Weisheit. Hier kommt wieder der lebensnahe Vorteil bei Studioaufnahmen ins audiophile Spiel. Wer eigenständig D/A-Wandler zu erschaffen versteht, dem traut man auch die audiophile Pulsweitenmodulation zu. Ein analoges Audiosignal wird mit einer hochfrequenten Trägerschwingung verglichen – das ist typischerweise ein Dreieck- oder Sägezahn-Signal. Daraus entsteht ein PWM-Signal. Die Pulsbreite bestimmt die Amplitude, und das Signal selbst steuert die Transistoren. Dabei gibt es nur ein „Entweder -oder”: an oder aus, 0 oder 100 Prozent. Deshalb nennt man so etwas auch einen Schaltverstärker (nix digital, nicht verwechseln). „Am Ende“, sagt Koschnicke, „sind mir halt die Transienten wichtig. Werden sie optimal wiedergegeben, klingt es richtig. So kam ich zu diesen Endstufen.“

Im Fazit strömt viel Spannung an die Lautsprecher, bei wenig aufgenommener Energie. Komplex wird der Aufbau, weil es auf den Filter vor dem Ausgang ankommt. Hier hat Acousence eine jahrelange Expertise – abermals getrieben vom Bessermachen-Willen des Firmengründers. Die Trägerfrequenz muss entschwinden, nur die reine Musik soll die Membranen erreichen. Jetzt kommt der Clou im Clou: Ralf Koschnicke wertet seinen Ausgangsfilter mit einer Impedanzanpassung an die Last, eben die Lautsprecher, auf. Dafür gibt es übergroße schwarze Schalter auf der Rückseite, das zeigt die Profi-Qualität, damit könnte man auch ein Kraftwerk am Niederrhein zuverlässig steuern. Bei den Lautsprecherklemmen selbst werden ebenso wenig Kompromisse gemacht – das ist Profistoff von Mundorf: massig, griffig, vergoldet in den Kontakten. Der kleine silberne Schalter neben der Impedanzwahl kann verwirren. In der Mittelstellung ist er deaktiviert, darüber und darunter lässt er die Feineinstellung der Ohmzahl zu, eben über und unter sechs Ohm.

Acousence-pow-amp4-Impedanz Anpassung
An jedem der vier Lautsprecher-Ausgänge findet sich auch eine Impedanz-Anpassung: per Kipp- plus Drehschalter. Anpassbar zwischen 4 – 13 Ohm. Aber selbst für Lautsprecher mit 2 oder 16 Ohm ist dieser Anpassungsbereich ausreichend (Foto: H. Biermann)

An dieser Stelle bin ich fasziniert. Eine digitale Endstufe reagiert wegen des Filters im Ausgang zwangsweise mit der Impedanz des Schallwandlers, weshalb eine Anpassung an dieser Stelle absolut sinnvoll ist. Allerdings ist die Impedanz eines Lautsprechers nur in den seltensten Fällen linear, sodass eine genaue Anpassung gar nicht möglich ist. Fairerweise muss ich sagen, dass die klanglichen Unterschiede bei den verschiedenen Schalterstellungen relativ gering ausfielen. Am besten funktioniert das Konzept mit Impedanz-linearen Schallwandlern, also Progressive Audio, MCS, viele Monitor Audio- oder Dynaudio-Modelle. Da lohnt es, die Messungen von LowBeats genauer anzuschauen. Auch die FinkTeam Borg, mittlerweile in der Episode 2, verläuft erfreulich linear in der Impedanz und ist so ein exzellenter Spielpartner. Wir kommen auf diese Kombination später noch zu sprechen, starteten aber im kleinen LowBeats Hörraum mit der Dynaudio Contour 20 BE in der einfachen „Single-Wire“ Ansteuerungsform.

Acousence-Kombi im LowBeats Hörraum
Der Acousence dac-pre reference UX mit Endstufe pow-amp 4 neben der 10.000 Euro-Referenz Octave V70 CA (li.) (Foto: H. Biermann)

Hörtest

So ein Set-up nimmt man im Rausch, nicht langsam beginnend mit Säuselmusik. Also fett, laut und ultradynamisch. Keine Angst: Wir steigen vom Exzess auch wieder in ruhigere Gefilde. Die Kultband „Feine Sahne Fischfilet“ neigt bei ihrem neuen Album zum Lügen: „Wir kommen in Frieden“. Von wegen. Das ist Punkrock mit Schweiß und Spaß, die Gitarren schrammeln und doch scheint das Fischfilet feiner auf Nebentöne zu achten als bislang. Ein Ausflug in das Fitnessstudio bei 24 Bit. Der Titelsong eröffnet das Album – mit Blechbläser-Chor. Da wippt man nicht sanft mit dem Fuß, da wackelt der Kopf und nicht selten gerät die Elektronik ins unangenehme Pressen. Nicht das Acousence-Doppel. Meine Güte, das ist im besten Sinne unerbittlich. Zweifel sind angebracht, ob die Jungs von Feine Sahne Fischfilet selbst je ihre Musik mit mehr Dynamik und Sprengkraft gehört haben …

Cover - Feine Sahne Fischfilet
Feine Sahne Fischfilet: Beim Vinyl wird die Nadel beben. Wir haben uns für den High-End-Stream entschieden. Offiziell lautet die Klangsignatur „High Energy Melody-PunkRock mit Trompete“. Stimmt aber nur bedingt. Die Herren können auf ihrem neuen Album auch traurig, poetisch, langsam steigernd. Für Freunde des Hochpegeltests ein Fest (Cover: jpc)

Einen Gang zurück auf dem Album mit dem schönen Titel „Jungs und Kokain“. Links die geradezu poetisch schwebende E-Gitarre, rechts die gedoppelte Singstimme. Das ist mehr Blues als harter Rock. Aber der Basslauf und das Schlagzeug schreien nach Stabilität. Ein Wort fällt bei Feine Sahne Fischfilet in den Musikkritiken wahrscheinlich nie. Ich sage es dennoch: Meine Güte, ist das schön. Die schiere Größe des Klangbilds, dieses Live-Dabei-Gefühl, trotz eines Studioalbums. Die Herren sind wahrscheinlich nur deshalb so laut, weil sie viele Herzen erobern wollen. Jeder (seltene) Wechsel der Tonart ist ein Griff an die Lungen, es drückt in das Hörsofa. Dieses Gefühl und dieses Wissen von „Alles-ist-da“ ist wunderbar – aber auch im Vergleich zu unserer Verstärker-Referenz der 10.000 Euro-Klasse, dem Ocatve V70 CA? Ein uneingeschränktes JA. Der Octave klingt griffiger, vielleicht sogar einen Hauch schneller. Aber dieses aufgeräumte Saubere der Acousence-Kombi setzt in unseren Köpfen fest und will nach mehr.

Wir wechseln den Hörraum und fühlen zunächst dem integrierten D/A-Wandler auf den Zahn. Bei Digitalem vertrauen wir seit drei Jahren unserer Referenz, dem Merason DAC 1 MK II. Der Schweizer DAC ist traumhaft dynamisch, putzt alles blitzblank und lupenrein auf – das ist stets eine Erlebnisreise. Doch der interne DAC der Acousence-Vorstufe ist nur etwas zurückhaltender, nicht schlechter und legt den Mix aus Körperlichkeit und Feinheit noch etwas höher. Da denkt man sofort an alte Tage und holt eine CD mit Ewigkeitswert heraus: „Tricycle“ von Flim & The BB’s. Der musikalische Wert ist begrenzt, nettes Klaviersolo, dann ein Vulkanausbruch des Schlagzeugs. Damit hatten in der Frühphase der CD die Händler jedes Portemonnaie der Kunden wundersam und brachial geöffnet.

Cover - Tricycle
Tricycle: Dass es diese Musik noch gibt. Die haben wir so viel gespielt – da müssten alle Bits aus der CD gekratzt sein. Wenig Musik, aber ein dynamisches Erweckungserlebnis. Die große Show, der eine Verstärkerelektronik standhalten und die sie liefern muss (Cover: jpc)

Aber der Track funktioniert noch. In unserem großen Hörraum steht als Verstärker-Referenz die Vor/Mono-Kombination von Canor – Hyperion P1 an zwei Virtus M1. Da liegen wir im Gewicht beim Fünffachen des Acousence und im Preisvergleich 5.000 Euro höher – also bei 30.000 Euro. Ich habe schon viel gehört und erachte – wie die gesamte LowBeats Redaktion – die Slowaken als die ernsthafteste, noch bezahlbare Röhrengroßelektronik auf dem Weltmarkt. Die spielte mit Volumen, riesiger Präsenz der Instrumente; die erdige Kraft dieser Röhren-Kraftwerke dürfte nur von wenigen, sehr viel teureren Verstärkern überflügelt werden. Doch den punktgenauen „Peng“, die nochmals feinere und irgendwie geschmeidigere Abbildung einzelner Töne, die kamen mit der Acousence-Kombi. Erstaunlich, wie groß die Charakterunterschiede in der höchsten Verstärkerklasse sein können. Dazu abermals der Extrakick des D/A-Wandlers bei Acousence – als ob auf der Silberscheibe plötzlich ein, zwei Bit mehr an Informationen hineingezaubert worden wären…

Nun gut, wir haben die Botschaft verstanden: Peng trifft auf Hochleistung. Aber vermag das Acousence-Duo auch so etwas Banales wie Musik zu machen? Nicht lachen, die Frage begegnet uns häufig. Perfektion und Messwerte sind schön, aber kein Garant für Herzblut. Da gibt es eine Neuaufnahme von Ausnahmerang. Denn Paul McCartney war im Studio höchst nervös. Ungewöhnlich für einen 82-jährigen, alten Hasen. Denn Barbara Streisand wollte den Macca-Song mit dem Komponisten selbst aufnehmen.

Cover - My Valetine
My Valentine: Barbara Streisand kann nicht anders. So süß, so dicklich mit Orchester. Aber die Dame kann noch singen – und Sir Paul McCartney ist persönlich zu ihr ins Studio geschwebt. Etwas fürs Herz. Und ein harter Test, ob eben auch die Elektronik ein Herz hat (Cover: jpc)

Die Originalversion von 2012 ist schlauer, feiner. Akustische Gitarre (Eric Clapton im Studio, im Video Johnny Depp) plus Klavier (Diana Krall). Bei Ms. Streisand wird es amerikanisch, mit Orchester darunter, viel Zuckerguss, soviel, dass man Schlittschuh darauf laufen könnte. Aber die Stars schaffen Atmosphäre. Die beiden Acousence halten mit – und vermeiden Kitsch. Die pure Klangschönheit verwirrt: Wie können solche – vermeintlichen – unbestechlichen Kraftwerke, so viel Samt in ihrer Seele haben? Aber sie haben und becircen den Zuhörer auf eine selten überzeugende Art.

Zum Schluss aktivierten wir den eigentlich Clou der pow-amp 4 und verkabelten unsere Lautsprecher-Referenz FinkTeam Borg Episode 2 mit einem weiteren Kabel pro Kanal – echtes Bi-Amping also. Die Borg Episode 2 ist für einen solche Ansteuerung ideal, weil sie nur 2 Wege (Hoch- und Tiefmittelton) hat und beide Wege strikt von einandergetrennt sind. Das klangliche Ergebnis bestätigte alle Vorurteile dieses – sehr aufwändigen – Verfahrens. Es bringt nochmals mehr Feinheiten in die Mitten – alles scheint noch ein Tick plastischer zu sein – mit nochmals mehr Grip im Bass. Ob ich dieses Mehr an Information und klanglicher Schönheit mit einer zweiten Endstufe erkaufen wollte? Wahrscheinlich nicht. Aber bei einem so cleveren Konzept wie dem pow-amp 4, wo man diese Vorzüge für vergleichsweise wenig Aufpreis bekommt, nehme ich es umso lieber…

Fazit Acousence dac-pre reference UX & pow-amp 4

Diese Kombination ist ein bisschen wie LowBeats selbst: Hie und da etwas ungeschliffen, aber im Grunde einen grundehrliche, klug gemachte Verstärker-Elektronik, die an verschiedenen Punkten – Stichwort entkoppelter USB-Eingang oder leistungsstarke, verzerrungsarme 4-Kanal-Endstufe – einfach hervorragend in unseren Hörraum passt. Hörbar spürt man hier hohe Studioqualität, Erfahrung an den Mikrofonen und viel Wissen um die Schaltungen. Der D/A-Wandler in der Vorstufe ist ein großer Wurf: Wie viel mehr an Informationen dieser aus den Aufnahmen holt, ist erstaunlich – selbst bei alten 16-Bit-Aufnahmen. Aber auch die Quattro-Endstufe liefert großformatig. Da ist Grandezza, weite, genaue Räumlichkeit und wieder eine Informationsdichte, nach der sich manche Konkurrenten nur sehnen können. Was daraus folgt? LowBeats hat eine neue Verstärker-Referenz.

Acousence
pre-dac Reference UX / pow-amp 4
2025/07
Test-Ergebnis: 4,5
Referenz
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Der Klang ist stark, groß, extrafein + enorm verzerrungsarm – die Endstufen fahren ohne Limit
Überragend guter, integrierter DAC
4 Endstufen in der pow-amp 4 erlauben Bi-Amping
Studiotechnik-Optik mit leichten Schwächen

Vertrieb:
AUDIO-TRADE Hi-Fi Vertriebsgesellschaft mbH
Wallufer Straße 2
65343 Eltville am Rhein
www.audiotra.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Acousence dac-pre reference UX: 11.990 Euro
Zusätzlicher Cinch-Eingang: 390 Euro
Zusätzlicher XLR-Eingang: 690 Euro
Acousence pow-amp 4: 12.990 Euro
Acousence pow-amp (2-Kanal mit 2 x 230 Watt / 4 Ohm): 9.990 Euro

Technische Daten pre-dac

Acousence dac-pre reference UX
Technisches Konzept:Transistor-Vorverstärker, AB-Technik
Integrierter DAC:8-fach kaskadiert
Digitale Eingänge:optisch SPDIF (Toslink) symmetrisch 110 Ω (AES/EBU) auf XLR, galvanisch getrennt, unsymmetrisch 75 Ω (SPDIF) auf BNC-Buchse
Analoge Eingänge:2 oder 4 analoge Eingänge, Pegel bis ca. +11 dBu
optional:Phono-MM, Cinch, Impedanz 47 kOhm, Kapazität 47 pF
Besonderheit:Analoge vollsymmetrische Lautstärkeregelung per 4-Ebenen-Motor-Poti
Abmessungen BxHxT:450 x 5,7 x 31,5 cm
Gewicht:9,1 Kilogramm
Alle technischen Daten

Technische Daten pow-amp 4

Acousence pow-amp 4
Technisches Konzept:PWM Leistungsverstärker mit 4 Endstufen
Leistung pro Ausgang (2 Ohm / 4 Ohm / 8 Ohm) :250 Watt / 110 Watt / 75 Watt
Analoge Eingänge:XLR
Besonderheit:Anpassung an die Lautsprecher-Impedanz
Abmessungen B x H x T:45,0 x 14,6 x 31,5 cm
Gewicht:13,9 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Kompaktbox Dynaudio Contour 20 Black Edition: die schwarze Scharfe
Erster Test: Standbox FinkTeam Borg Episode 2
Test Merason DAC-1 Mk II – es lebe der König
Test Octave V70 Class A: Röhrenvollverstärker mit dem feinen Ton
Test Vor-/Endstufen-Kombination Canor Hyperion P1 + Virtus M1

Autor: Andreas Günther

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Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.