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Teufel Motiv XL Test
Der Teufel Motiv XL ist ein Schwergewicht unter den Mobil-Boxen. Sein Preis: 700 Euro (Foto: S. Schickedanz)

Test WLAN-Lautsprecher Teufel Motiv XL: Akku suchen, Bass finden

Man kennt das: Mobile Wireless-Box ausgepackt, Einschalttaste gedrückt, läuft. Beim Teufel Motiv XL kommt schon beim Auspacken eine ziemlich ungewöhnliche Note ins Spiel. Da steht dieser massive Klotz, 13 Kilo schwer, direkt vor dir. Doch statt einfach Start zu drücken, sucht man erstmal das Herzstück: das separat eingepackte Akku-Modul. Die seltsame Mulde auf der Rückseite ergibt erst im zweiten Moment Sinn – und bevor du Musik hörst, lernst du gleich, wie Reparaturfreundlichkeit und Nachhaltigkeit hier gedacht wird: Akkus sind wechselbar, ohne Werkzeug. Und das fühlt sich spätestens im Alltag ziemlich schlau an.

Mobilität? Ja, theoretisch tragbar. Aber das Gewicht und die fehlenden Henkel sorgen dafür, dass man den XL eher im Haus und Garten oder zur Party mitnimmt, aber ganz sicher nicht achtlos schultert. Stattdessen macht er optisch und haptisch klar, dass hier eine Wohnzimmer-Anlage mit Komplettausstattung antreten will. Und für den Dienst innerhalb der Wohnung hat er sogar ein integriertes Netzteil für reibungslosen Dauerbetrieb.

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Der Akku lässt sich ohne Werkzeug tauschen (Foto: S. Schickedanz)
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Er liefert Strom für bis zu 13 Stunden Spielzeit bei mittlerer Lautstärke (Foto: S. Schickedanz)

Teufel Motiv XL: Aufbau und Design

Der Motiv XL steht selbstbewusst auf vier Gummifüßen, die massive, durch Inbusschrauben mit der Rückwand verbundene Schale mit den Griffmulden links und rechts lassen keine Zweifel: Das ist Premium statt kurzlebigem „Gadget“. Im Inneren: ein zentral platzierter 20-cm-Kevlar-Tieftöner, zwei 8-cm-Kevlar-Mitteltöner sowie zwei 30 mm-Hochtöner. Die Gesamtleistung der Endstufen gibt der Hersteller mit strammen 210 Watt an. Beim Klang stellt sich der XL also als kompletter 2.1-Kandidat mit echten HiFi-Ambitionen auf.

Der Wechselakku mit 5.000 mAh lässt sich ohne Werkzeug tauschen und spendiert bis zu rund 13 Stunden Laufzeit. Das sehe ich als ein klares Statement gegen den Wegwerfwahn und für schlichtes Nachrüsten bei nachlassender Kapazität. Es bringt aber auch Vorteile bei ausgedehnten Partys, weil man den Akku im Handumdrehen wechseln und weiterfeiern kann. Das verschraubte Gehäuse suggeriert Reparaturfreundlichkeit und knüpft an den klugen Nachhaltigkeitsansatz, den Teufel bereits mit dem kürzlich getesteten MYND an den Tag legte.

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Ein 20er-Tieftöner in Wok-Form bildet das Fundament des 2.1-Systems (Foto: S. Schickedanz)
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Die Membran der Mitteltöner besteht aus Kevlar (Foto: S. Schickedanz)
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Anschlüsse und Schnittstellen: Das Rundum-sorglos-Paket

Vorn dabei ist der Teufel Motiv XL in Sachen Konnektivität: WLAN mit Support für AirPlay 2, Google Cast, Spotify Connect, TIDAL Connect, TuneIn sowie die Roon-Zertifizierung für Musik-Nerds und Multiroom-Freunde. Bluetooth mit AAC-Unterstützung für Apple-Affine ist ebenfalls dabei, aber kein aptX. Für schnelle Gast-Zuspielungen reicht das aber locker. Für audiophile Ansprüche steht ja auch noch WLAN zur Verfügung. Klassische Analog-Eingänge? Gibt’s ebenfalls: Line-In (3,5-mm-Klinke) und ein per Crossfader regelbarer Mikrofon/Kombi-Eingang für Karaoke oder Durchsagen bei Events. Der USB-Anschluss ist nur als Powerbank nutzbar, spielt also keine Musik vom Stick.

Die Bedienung überzeugt: ein clever platziertes Rad für Lautstärke und Bassanpassung oben auf dem Gehäuse, sensibel ausgeleuchtete Tasten und kleine Energiespar-Kniffe via Doppelklick. Das fühlt sich „durchdacht alltagstauglich“ an – nicht wie Spielerei.

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Der Port des Bassreflex-Gehäuses sitzt über den Anschlüssen auf der Rückseite (Foto: S. Schickedanz)
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Der Mikrofon-Eingang für 6,3-mm-Klinke oder XLR hat einen Crossfader (Foto: S. Schickedanz)
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Einrichtung und App: Mühelos, aber mit Minimalismus

Die Teufel Home App macht es für Einsteiger praktisch idiotensicher: Kein WLAN-Passwort nötig, in Minutenschnelle ist die Kiste im Netz. Presets oder ein parametrischer EQ fehlen jedoch, Bass- und Höhenregler müssen zur Abstimmung genügen.

Und Achtung: Der Motiv XL ist nicht kompatibel mit alten Raumfeld- oder Teufel-Streaming-Produkten, aber mit Google Home spielt der Multiroom-Lautsprecher sehr wohl zusammen. Das muss man bedenken, wenn man Ausbau-Absichten in Richtung Multiroom-Audio hegt. Man kann den Motiv XL aus der Teufel Home App aber gemeinsam mit den bereits von LowBeats getesteten WLAN-Speakern Teufel Motiv Home, Teufel Stereo M 2 und Stereo  L 2 steuern. Einige Impressionen der Einrichtung:

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Die Steuerung des Motiv XL erfolgt über die Teufel Home App. Hier einige Screenshots (Foto: S. Schickedanz)
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Pogrammauswahl von TuneIn-Radio (Foto: S. Schickedanz)
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Die Wiedergabesteuerung bei AirPlay beschränkt sich in der App auf Start und Stop (Foto: S. Schickedanz)
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Es gibt neben Dynamore zur Klangbeeinflussung nur eine Höhen- und Bass-Regelung (Foto: S. Schickedanz)
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Hörtest

Schon nach dem Anschalten fällt auf: Der Motiv XL ist sofort startklar, Standby heißt wirklich „sofort da“. Man kann ihn sogar via Bluetooth aufwecken, wenn man ihn im Ruhezustand im Bluetooth-Menü des Smart Devices erneut auswählt. Und dann der Bass – hier liefert der XL schon ab geringen Pegeln ordentlich Druck, bleibt aber wunderbar kontrolliert. Bei „Ratchets“ von Hedegaard schiebt der Kick elektronisch trocken und tief ins Zimmer. Aber der Subwoofer des 2.1-Systems bleibt differenziert sauber, kein wummerndes Dröhnen – vorausgesetzt, der Speaker steht etwas weg von der Wand und vor allem nicht in einer Raumecke. Die Basskontrolle bleibt auch bei höheren Lautstärken präzise: Der Lautsprecher setzt elektronische Impulse blitzsauber um, ohne zu verschmieren. „Urgent (Live)“ von Foreigner offenbart: Auch akustische Drums klingen natürlich, Snare-Schläge und Becken sind knackig, Stimmen sitzen klar im Raum. Kein Klangbrei, sondern eine deutliche Zeichnung der einzelnen Instrumente.

Bass braucht Raum

Allerdings braucht es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was bei einem derartigen Schalldruck und Tiefgang in einem kleinen oder Mittelgroßen Zimmer mit Betonwänden passiert. In meinem Wohnzimmer wirken Dachschrägen, Trockenbauwände und eine große Grundfläche Dröhn-Neigungen wirkungsvoll entgegen. Aber in klassisch-kubisch-kleinen Zimmern? Hier würde man sich für normale Räume eine differenzierte Raumanpassung für den Bass wünschen. Aber Teufel betreibt ja eine umfassende Marktforschung (siehe LowBeats-Interview mit Sascha Mallah). Womöglich wünscht sich die Gemeinde ja so viel Bass-Potenz…

Der Mittelton bleibt erfreulich neutral für ein All-in-One-System dieser Prägung, Für Stimmenliebhaber bietet „Swimming Pools“ (Trevor Horn, „Echoes“) von Tori Amos große Bühne: Die Stimme steht frei, bleibt natürlich und angenehm direkt, Nebengeräusche und feine Hallfahnen werden hörbar. Auch bei gehobenen Pegeln bleibt die Stimmabbildung klar, der XL verzichtet auf künstliche Wärme, setzt aber nie Schärfe obendrauf. Das klingt locker, modern, und bringt gerade Pop und akustische Musik richtig nach vorn.

Die Dynamore-Funktion schafft extra Breite, besonders bei breiter produzierten Tracks. Sie bringt mehr räumliche Tiefe, ohne dass Stimmen ins Leere gezogen werden oder das Stereobild auseinanderreißt. Für eine Partybox im Wohnzimmer ist das sehr gelungen. Die Bühne wird tatsächlich breiter, ohne den Charakter zu verbiegen.

Pegel? Kein Problem. Der Motiv XL beschallt locker eine große Runde, bleibt auch bei kritischem Material voll da. Wer will, kann damit ohne Partyboxen oder große Stereo-Anlage auf jeder privaten Feier oder kleinen Eventfläche auftrumpfen.

Fazit Teufel Motiv XL

Das neue Motiv XL bietet nicht einfach Musik zum Mitnehmen, sondern eher die richtige Lösung für alle, die Wert auf einen erwachsenen Klang, Vielseitigkeit und Zukunftsfähigkeit legen. Das klassische HiFi-Gefühl kommt durch den massiven, aber balancierten Bass und die erwachsenen Höhen locker auf – der Wechselakku, die solide Verarbeitung und der gelungene Alltagskomfort setzen Akzente im Wettbewerb. Wer ein Schwergewicht für Musik, Haus und Garten sucht, aber nicht zuerst an den Park denkt, findet hier das vermutlich durchdachteste aktuell erhältliche All-in-One-System für Anspruchsvolle. Ein System, das auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist und trotz seines Kaufpreises von 700 Euro erfreulich günstig ist.

Teufel Motiv XL
2026/02
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Spritzige Höhen, saubere, klare Mitten und ein richtig sattes Bassfundament
Wechselbarer Akku, Mikrofoneingang mit Crossfader
Unterstützt Bluetooth, AirPlay 2 und Google Cast
Hohes Gewicht, seitliche Tragemulden und fehlender Wasser/Staub-Schutz dämpfen Mobilität

Vertrieb:
Lautsprecher Teufel
Bikini Berlin,
Budapester Str. 38-50
https://teufel.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Teufel Motiv XL: 700 Euro

Die technischen Daten

TEUFEL Motiv XL
Technisches Konzept:WLAN-Lautsprecher
Besonderheiten:Akkuwechsel ohne Werkzeug
Lautsprecher:2 x 30 mm HT; 2 x 80 mm MT, 1 x 200 TT
Frequenzgang:35 – 35.000 Hz
Maximaler Schalldruck:109 dB/1m
Bedienung:
Am Gerät und App
Akku:5.000 mAh
Abmessungen (BxHxT)
56 x 27.9 x 25.3 cm
Gewicht:12,9 kg
Alle technischen Daten

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Autor: Stefan Schickedanz

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Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.