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Test: ZeroUno DAC – Hören auf neuem Niveau

Doch damit ist das Werk noch nicht getan. Insgesamt vier Ringkern-Transformatoren versorgen die komplexe Schaltungstechnik des ZeroUno, zwei davon kümmern sich um die Digital- und die Analogsektion, während zwei weitere Trafos für die Röhren-Ausgangsstufe zuständig sind. Analog- und Digitalsektion sind dann wieder in zwei Gruppen aufgeteilt, eine enthält Vorregler, die zweite dient als Isolator gegenüber der Netz-Wechselspannung.

Kombiniert wird das Ganze schließlich mit nicht weniger als 13 spannungsstabilisierenden Stufen, die teilweise, um Rauschen zu vermindern, diskret aufgebaut sind. 60 Prozent des Designaufwands, so Canever, steckten alleine in der Stromversorgung, die zudem Induktivitäten sowie Folien-Polymer-Kapazitäten anstatt üblicher Elektrolyte zur Filterung benutze.

DSD im ZeroUno DAC derzeit noch als DoP

Um den Jitter anzugehen, ist der ZeroUno DAC mit einer 100-Megahertz-Masterclock ausgestattet, zwei weitere Präzisions-Oszillatoren kümmern sich getrennt um das Timing – sprich die Samplingfrequenzen –, von PCM und DSD; hier sind ja 44 Kilohertz bis 384 Kilohertz relevant, DSD dagegen läuft mit 2,8 bis drei Megahertz (DSD 64), während DSD128 mit bis zu 6,1 Megahertz getaktet ist.

DSD akzeptiert der DAC derzeit noch im DoP-Verfahren (DSD over PCM), XMOS-ASIO-Treiber für nativen DSD-Betrieb sollen demnächst zur Verfügung stehen und werden dann via Software-Update nachgerüstet.

Größte Aufmerksamkeit widmete der Designer natürlich der USB-Schnittstelle, es ist ja keinesfalls verwegen zu behaupten, dass sie heutzutage eine der wichtigsten Audio-Schnittstellen überhaupt ist.

Abgesehen von der Hard- und Firmware (benutzt wird der XMOS-Chip) besitzt der USB-Eingang des ZeroUno DAC seine eigene Stromversorgung, die mithilfe eines „Supercaps“ getunt wird; solche extrem hochkapazitiven Kondensatoren sind auch als kurzzeitiger Batterieersatz bekannt, hier dient ein Ein-Farad-Supercap als zusätzlicher Puffer.

Zwischenübertrager nach dem DAC

Einen von Canevers offenbar entscheidenden Tricks (der freilich ins Geld geht) finden wir unmittelbar nach dem Sabre-Wandler: Ein Zwischenübertrager mit amorphem Kern, gefertigt vom schwedischen Trafospezialisten Lundahl, verbindet den DAC mit der Ausgangsstufe.

Das spare Bauteile, so der Italiener, und ermögliche einen „sauberen“ und kurzen Signalweg. Allerdings müsse der Trafo natürlich von allerfeinster Qualität sein und auch im Tiefton-Frequenzgang nicht „nachgeben“!

Die folgende Röhren-Ausgangsstufe soll eine unübliche Schaltungstechnik aufweisen und als gegenkopplungsloser Buffer arbeiten; die sichtbar minimalistische Röhrenschaltung bezieht ihre Energie von einem sehr aufwändigen, eigenen Netzteil, in dem spezielle Gleichrichter sitzen (sie produzieren keine hochfrequenten Schaltstörungen), außerdem kommen gleich zwei Siebspulen zum Einsatz.

Die Verwendung anderer 6SN7-Varianten anstatt der CV181 (die mehr Heizstrom benötigt) ist möglich, aber nicht ratsam: eine subjektiv bessere 6SN7 ist nämlich kaum zu finden.

Anstatt moderner, extrem rauscharmer Metallfilm-Widerstände setzt der ZeroUno DAC am Ausgang übrigens auf altertümliche Kohlemasse-Typen – Eingeweihte behaupten, dass solche Widerstände deutlich schöner klingen …

Aber zurück ins Digitalgeschäft, zum Setup-Menü des Wandlers. Der hält hier sinnvolle Einstellmöglichkeiten bereit, Balance und Phase wurden schon erwähnt. Hinzu kommen abschaltbares Oversampling, wählbare Filtersteilheiten, ein ebenfalls abschaltbarer Jitterfilter sowie einstellbare Auflösung zwischen sechs und neun Bit am DAC.

Wem das alles zu viel ist, der verlässt sich auf die Werkseinstellung, die nach einem Reset auch wieder zur Verfügung steht. Und wenn Sie mich fragen: belassen Sie es dabei!

Fazit: Der ZeroUno DAC wirft alte Klang-Maßstäbe über den Haufen.

Aber jetzt habe ich Sie lange genug auf die Folter gespannt. Wie klingt er? Zunächst einmal: verblüffend groß, nein: schon riesig räumlich. Ich habe noch nie einen DAC gehört, der imstande ist, so viele handfeste Informationen weit links und rechts außerhalb der Lautsprecherebene und unmittelbar „hinter“ den Lautsprechern anzuordnen.

Die Bühne wird so ungeheuer breit, bewahrt aber ihre Geschlossenheit. Das ist Raumklang wie mit der 3D-Brille gehört, ein Erlebnis auf einer neuen, mir bis dato unbekannten Ebene. Steckt tatsächlich noch so viel Potential in der „perfekten“ Digitaltechnik? Ja, so sieht es jetzt aus.

Doch das ist womöglich nicht einmal der entscheidende Faktor beim ZeroUno. Nein, denn mich fasziniert seine Tonalität noch viel mehr. Die „Natürlichkeit“, sie ist nämlich da.

Und führt hier zu einem ausgeprägt „glatten“, artefaktfreien Ton, der in sich unglaubliche Transparenz besitzt und deshalb feinste Details auf völlig entspannte Art hörbar werden lässt.

Stimmwiedergabe wird so zu einem Erlebnis, denn der Ton – nein, jeder Ton –, besitzt mehr Ausprägung, mehr innere Energie und gesteigerte emotionale Intensität. Hier ist tatsächlich eine neue, gehobenere Ebene der Reproduktion erreicht, die mit guten Hi-Res-Files übrigens nochmals deutlich zulegen kann.

Und womöglich ist es die Crux dieses völlig außergewöhnlichen DACs, dass er auch Dinge ans Tageslicht zerrt, die man so genau gar nicht wissen wollte. Tendenziell besitzt der ZeroUno-Klang dennoch einen warmen Einschlag, ein klares Statement, wie ich finde. Das bei längerem, durchweg faszinierendem Hören aber schnell zur Überzeugung führt, dass nun endlich alles seine Richtigkeit hat.

Ist der User doch schon längst im Genießermodus, weil ihm, nicht zu vergessen, auch exemplarisch gute Dynamik und ein tiefschwarzer, völlig störungsfreier Hintergrund das Hören nochmals versüßen.

Das Fazit kann in diesem Fall nur lauten: unbedingt anhören. Denn der ZeroUno DAC hängt die Messlatte jetzt in Gefilde, die bis dato unerreichbar schienen. Glückwunsch zu diesem unglaublich guten Erstlingswerk!

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Im Beitrag erwähnt:
Jitter entmystifiziert: Fakten über „zappelnde Bits“

Canever Audio ZeroUno DAC
2016/07
Test-Ergebnis: 4,9
Überragend
Bewertung

Gesamt

Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Traumklang
Praxisgerechtes Setup
Pegelsteller vorhanden
Balanceregler vorhanden

Vertrieb:
Friends of Audio
64347 Griesheim
Friends of Audio

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Canever Audio ZeroUno DAC 5.450 Euro