UHD-Blu-ray: Ready Player One – Mit Vollgas rückwärts

Ready Player One  – Bild- und Tonqualität BD

Da Spielberg die Szenen in der realen Welt anders filmte als jene in der Virtual Reality (siehe nächstes Kapitel), sind die Bildeindrücke auch dezent anders. So ist zum einen (natürlich) die Farbgebung völlig different. Während Ready Player One die Gegend um die Stacks in tristen Grau- und Blautönen präsentiert, ist es in der OASIS kunterbunt, kontrastreich und äußerst lebhaft. Schon die Blu-ray erreicht in diesen animierten Sequenzen Referenzwerte in Sachen Farbkontraste, Plastizität und Auflösung. Das durchaus sichtbare Korn während der Realszenen lässt die Zweiteilung des Films noch einmal etwas stärker hervortreten und wirkt deshalb passend – auch wenn es Gegner von Filmkörnung auf die Palme bringen wird. Leider ist die Schärfe während einiger Einstellung nur mittelprächtig und ab und an gibt’s schon mal sehr flache, detailarme Gesichter in Randbereichen zu sehen. Dennoch: Ein sehr gutes Blu-ray Bild.

Noch besser macht’s der Ton.

Einmal DeLorean fahren – in der OASIS kein Problem (Warner Home Video)
Einmal DeLorean fahren – in der OASIS kein Problem (Warner Home Video)

Denn Warner macht es (mal wieder) vor. Wie zuletzt bereits öfter, so spendierte man auch Ready Player One bereits für die Blu-ray eine Dolby-Atmos-Fassung – und zwar fürs Deutsche (True HD kodiert) und fürs Englische (Dolby Digital Plus kodiert). Und was SIND das für grandiose Tonspuren.

Bereits auf der regulären Ebene ist die Ortbarkeit sensationell. Räumlichkeit, Direktionalität, Direktheit erreichen absolutes Referenzniveau. Schon in der düsteren Realwelt leben sämtliche Lautsprecher auf und lassen die von metallisch-industriellen Geräuschen geprägte Umgebung im Heimkino erscheinen. Sobald es in die virtuelle Welt geht, weiß man dann gar nicht mehr, wohin man hören soll. Überall finden sich direktionale Geräusche und schließen sich zu einem Ganzen zusammen, das genau das erreicht, was Spielberg vorhatte: Man wird in die Welt hineingezogen. Gegenüber einigen Titeln aus dem Marvel-Universum hat der Ton hier vor allem die entschlossenere Dynamik voraus. Viele Geräusche sind fein und leise, kaum wahrnehmbar und sorgen dennoch für Atmosphäre. Sie werden aber begleitet oder abgelöst oder umgeben von teils brachialen Motorgeräuschen und Explosionen, die zeigen, wie gut akustische Dynamik sein kann, wenn man sie zu nutzen weiß. Ein Beispiel gefällig? Wenn Parzival/Wade den Geistesblitz hat, wie man das Rennen gewinnen kann, tritt Parzival unter noch sanfter Filmmusik in die OASIS ein. Er sitzt in seinem DeLorean und von hinten knattert Art3mis heran – ein Gänsehautmoment (25’44).

IOI-Chef Sorrento will die OASIS um jeden Preis besitzen (Warner Home Video)
IOI-Chef Sorrento will die OASIS um jeden Preis besitzen (Warner Home Video)

Addiert man nun die Heights hinzu, gibt es ausgiebig Anlass für diese, ins Geschehen einzugreifen – und zwar von Beginn an.

Was man hier an Sounds, Geräusch und Effekten abgelegt hat, sucht seinesgleichen. Schon das leichte Rauschen, dass die Atmosphäre der Stacks akustisch begleitet, ertönt auch von oben und wenn die Drohne eines Pizza-Lieferdienstes über die Köpfe hinwegsaust, wähnt man einen ganzen Wespenschwarm über sich (1’48). Die Flaschenzüge, mit denen sich Wade durch die Ebenen bewegt, kommen ebenfalls authentisch von oben – und das sind „nur“ die Effekte in der Realwelt. Sobald die Szenerie in die virtuelle Welt überwechselt, wuscht, saust und braust es von oben. Wirbeleffekte, soghafte Sounds, wenn sich Dimensionstore öffnen, leichte perkussive Elemente und piepsende Computereffekte begleiten das Geschehen und auch die Kämpfe mit den Skorpionen zu Beginn werden sauber dargestellt. Schussgeräusche aus Waffen, die von oben abgefeuert werden, Laserprojektile – es gibt nur selten Momente, in denen es überhaupt still ist. Und, das Schöne an der ganzen Sache: Die Geräusche sind stets korrekt verortet. Es ist nie zu viel oder zu wenig, nie unrealistisch (weil Virtualität eben auch alles darf).

Und wenn die Flügeltür des DeLorean zuschwingt, darf man schon mal eine Gänsehaut bekommen und ins Träumen kommen. Aber auch nur, um kurze Zeit später von der Startsirene des Rennens jäh aufgeweckt zu werden, die von oben fast genauso laut ertönt wie aus allen anderen Richtungen. Auch für die Effekte während des Rennens gilt das – selten waren Heights dermaßen dynamisch und laut eingebunden. Richtig krass wird es dann noch mal nach etwas über einer Dreiviertelstunde, wenn die bewaffneten Schergen durch das Dach eindringen und es oberhalb vom Zuhörer einfach wegsprengen – bis hin zum grenzgenialen „Rückwärts“-Sog ist das eine formidable Abfolge von 3D-Soundeffekten (ab 47’30). Ohne zu viel zu verraten und jetzt jede einzelne Szene aufzuzählen (von denen es hunderte gäbe) – dieser Atmos-Soundtrack rockt!

Bild- und Tonqualität UHD

Tanz über dem Abgrund (Warner Home Video)
Tanz über dem Abgrund (Warner Home Video)

Wer Steven Spielberg kennt, weiß, dass er vornehmlich und gerne und aus Tradition analog filmt. Ausnahmen bestätigen die Regel – so war BFG – Big Friendly Giant aufgrund seiner Vielzahl an visuellen Effekten der erste volldigital gefilmte Streifen von Spielberg. Bei Ready Player One geht der Regisseur einen vermeintlich inkonsequenten Weg, der am Ende aber logisch ist. Die Realszenen ließ er von seinem angestammten Kameramann Janusz Kaminski analog filmen und nutzte dafür eine Panavision-Panaflex-Millennium-XL2-Kamera. Der komplette Rest, der in der virtuellen Welt spielt, gelangte über eine Arri-Alexa-Plus-Kamera digital und mit 2.8K am Ausgang auf die Festplatte. Von dem vereinten Material wurde allerdings nur ein 2K Digital Intermediate erstellt. Für die UHD wurde also auch hier hochskaliert und nicht nativ umgesetzt.

Enthalten ist natürlich auch ein erweiterter Farbraum im Rahmen von Rec.2020 sowie beide aktuellen HDR-Formate HDR10 und Dolby Vision.

Die höhere Auflösung, die durchs Hochskalieren erreicht wurde, lässt sich im laufenden Bild nur schwer erkennen. Close-ups von ruhigen Einstellungen in der virtuellen Welt zeigen die etwas definierteren Linien und klareren Abgrenzungen. Die Körnung der Realszenen wird glücklicherweise nicht schlimmer, sondern eher besser – denn durch die leichte Abdunklung fällt das Korn nicht mehr so auf.

Gegenüber der BD liefert die UHD – egal, mit welcher HDR-Variante – das sattere, kontrastreichere und farbstärkere Bild. Gerade in den VR-Szenen wird das sichtbar – selbst wenn man es hier nicht maßlos übertrieben hat, mit den noch bunteren Farben. Die ohnehin schon kräftige Colorierung erhält einfach noch mehr Punch, ohne zu überstrahlen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Universen in OASIS dermaßen kontrastreich und fantastisch wiedergegeben, dass es eine Augenweide ist.

Dolby Vision reduziert dabei gegenüber HDR10 einen ganz leichten Hauch von Grün und bietet das neutralere Bild – sichtbar allerdings nur, wenn man die Screenshots runterlädt und in schnellem Wechsel anschaut. Während regulärer Mischhelligkeiten liegt DV zudem vorn, was die Kontrastintensivierung angeht. Es wirkt alles noch mal eine Spur knackiger und satter als per HDR10. Lediglich in dunklen Szenen drohen Details ein wenig stärker abzusaufen als bei der HDR10-Variante – insgesamt haben beide etwas für sich und kommen punktgleich ins Ziel.

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(52’08: Blu-ray): Die BD ist ziemlich hell und fade im direkten Vergleich mit der UHD. Ihr geht vor allem im Gesicht durchaus Detailtiefe verloren. Farben wirken zudem noch ausgewaschener (Foto: Timo Wolters)
(52’08: Blu-ray): Die BD ist ziemlich hell und fade im direkten Vergleich mit der UHD. Ihr geht vor allem im Gesicht durchaus Detailtiefe verloren. Farben wirken zudem noch ausgewaschener (Foto: Timo Wolters)
(HDR10): Deutlich erkennbar dunkelt die UHD etwas ab, sorgt gleichzeitig aber für wesentlich mehr Plastizität im Gesicht. Strukturen sind besser zu erkennen und Farben sind (trotz der tristen Realwelt) intensiver (Foto: Timo Wolters)
(HDR10): Deutlich erkennbar dunkelt die UHD etwas ab, sorgt gleichzeitig aber für wesentlich mehr Plastizität im Gesicht. Strukturen sind besser zu erkennen und Farben sind (trotz der tristen Realwelt) intensiver (Foto: Timo Wolters)
(Dolby Vision): DV liefert die noch etwas steileren Kontrastflanken und dazu die noch neutraleren Farben, die den noch dezent vorhanden Grünton der HDR10-Variante zugunsten eines satteren Schwarz und natürlicheren Hauttons ablösen. Insgesamt zwar das „härteste“ der drei Bilder, aber auch das eindrücklichste (Foto: Timo Wolters)
(Dolby Vision): DV liefert die noch etwas steileren Kontrastflanken und dazu die noch neutraleren Farben, die den noch dezent vorhanden Grünton der HDR10-Variante zugunsten eines satteren Schwarz und natürlicheren Hauttons ablösen. Insgesamt zwar das „härteste“ der drei Bilder, aber auch das eindrücklichste (Foto: Timo Wolters)
(80’29): Nicht dass die Blu-ray keine Farben könnte. In der Virtual Reality macht sie durchaus was her (Foto: Timo Wolters)
(80’29): Nicht, dass die Blu-ray keine Farben könnte. In der Virtual Reality macht sie durchaus was her (Foto: Timo Wolters)
Die UHD (hier HDR10) ist dennoch intensiver, zeigt das kräftigere Rot-Orange. Die starke Abdunklung ist zum Teil der mangelnden Dynamik der Kamera geschuldet. Im laufenden Film sieht man im Himmel oben mehr Details (Foto: Timo Wolters)
Die UHD (hier HDR10) ist dennoch intensiver, zeigt das kräftigere Rot-Orange. Die starke Abdunklung ist zum Teil der mangelnden Dynamik der Kamera geschuldet. Im laufenden Film sieht man im Himmel oben mehr Details (Foto: Timo Wolters)
(80’27: Blu-ray): Eine der kontrastschwächsten und flauesten Szenen des Films überhaupt. Die BD hat auf den hellen Gesichtern kaum Zeichnung und auch das Korn ist hier sehr deutlich zu sehen (Foto: T. Wolters)
(80’27: Blu-ray): Eine der kontrastschwächsten und flauesten Szenen des Films überhaupt. Die BD hat auf den hellen Gesichtern kaum Zeichnung und auch das Korn ist hier sehr deutlich zu sehen (Foto: Timo Wolters)
(HDR10): Per HDR10 ist auf den Gesichtern schon deutlich mehr „los“. Auch das rote Haar wirkt kräftiger und die Tafel im Hintergrund bietet die noch besser erkennbaren Schriften (Foto: Timo Wolters)
(HDR10): Per HDR10 ist auf den Gesichtern schon deutlich mehr „los“. Auch das rote Haar wirkt kräftiger und die Tafel im Hintergrund bietet die noch besser erkennbaren Schriften (Foto: Timo Wolters)
(Dolby Vision): Auch hier liefert DV wieder die neutralsten Bildwerte und mindert eine ganz leichte Grün-Tendenz der HDR10-Variante nochmals ab. Die etwas dunkleren Hintergründe und Haarumrandungen lassen im direkten Vergleich zu HDR10 noch mehr Kontrast zu (Foto: Timo Wolters)
(Dolby Vision): Auch hier liefert DV wieder die neutralsten Bildwerte und mindert eine ganz leichte Grün-Tendenz der HDR10-Variante nochmals ab. Die etwas dunkleren Hintergründe und Haarumrandungen lassen im direkten Vergleich zu HDR10 noch mehr Kontrast zu (Foto: Timo Wolters)
Die Nahaufnahme zeigt noch mehr, was die Totale schon andeutete: Die Blu-ray ist gut, gegenüber der UHD aber schwächer (Foto: Timo Wolters)
Die Nahaufnahme zeigt noch mehr, was die Totale schon andeutete: Die Blu-ray ist gut, gegenüber der UHD aber schwächer (Foto: Timo Wolters)
Deutlich wird über die UHD, dass das Muster auf dem Gesicht regelrecht erhaben ist. Die Farbdifferenzierung ist besser und vielfältiger und die Feinheit der Linien klarer (Foto: Timo Wolters)
Deutlich wird über die UHD, dass das Muster auf dem Gesicht regelrecht erhaben ist. Die Farbdifferenzierung ist besser und vielfältiger und die Feinheit der Linien klarer (Foto: Timo Wolters)
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Beim Sound tut sich (fast) nichts. Denn auch die UHD wartet mit den Dolby-Atmos-Spuren auf, die schon die Blu-ray liefert. Allerdings erhält die englische Fassung nun auch die verlustfreie True-HD-Kodierung.

Ready Player One – Bonus

Der Gigant aus dem All hilft aus (Warner Home Video)
Der Gigant aus dem All hilft aus (Warner Home Video)

Im Bonusmaterial von Ready Player One gibt es (natürlich) keinen Audiokommentar – wäre ja auch was ganz Neues bei Spielberg.

Dafür ist der Rest des Extramaterials (das dann komplett auf der beiliegenden Blu-ray zu finden ist) reichhaltig und wirklich gut gelungen.

Begonnen wird mit dem knappen Featurette „Die 80er als Inspiration“. In diesem dürfen die Filmbeteiligten ihre Liebe zum im Film genutzten Jahrzehnt kundtun. Außerdem werden hier viele genutzte Filmzitate offenbart – also lieber erst nach dem Film schauen.

In „Spielwende: Der Code wird entschlüsselt“ kommen wir zum Haupt-Featurette. Das läuft knapp eine Stunde und taucht tief in die Entstehungsgeschichte des Films ein – vom Schreiben des Drehbuchs über das Casting und die Visualisierung der beiden im Film zu sehenden Welten.

In „Effekte einer schönen neuen Welt.“ bekommen wir gut 25 Minuten lang Einblick in die komplexen visuellen Effekte von Ready Player One. „Level up: Der Sound für die Zukunft“ kümmert sich um das spezielle Sounddesign, das wirklich außergewöhnlich gut gelungen ist. „High Score: Endgame“ schildert die Arbeit von Komponist Alan Silvestri und „Das großartige Abenteuer von Ernie & Tye“ lässt Drehbuchautor Cline und Darsteller Sheridan im Rahmen der Filmpremiere in Austin noch einmal über den Film referieren.

Fazit Ready Player One

Spielbergs Ready Player One hat seine kleineren inhaltlichen Probleme und verliert sich manchmal etwas zu sehr in seiner virtuellen Welt. Was der Regisseur in dieser aber abfeiert und zelebriert, ist Unterhaltungskino in Perfektion. Visuell gesehen ist das großartig inszeniert und die in die Hunderte gehenden Popkultur-Zitate erfreuen das Herz des leidenschaftlichen Film-/Musik- und Gamingfans. Etwas weniger Süße am Ende verbunden mit noch deutlicher ausformulierter Kritik und Ready Player One wäre noch besser geworden.

Technisch liefert die UHD das etwas sattere, jedoch nicht zwingend drastisch besser aufgelöste Bild. Der fantastische Atmos-Sound ist verlustfrei schon über die Blu-ray zu bekommen. Er wird wohl auf längere Zeit als Referenz für kommende Titel herhalten müssen.

Timo Wolters, blu-ray-rezensionen.net

Ready Player One
2018/09
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertungen
Film
Bild BD
Bild UHD
Ton DE (Atmos)
Ton EN (Atmos)

Gesamt

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn, Lena Waithe, T.J. Miller, Simon Pegg, Mark Rylance, Philip Zhao, Win Morisaki
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de // Dolby Atmos (Dolby Digital Plus): en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de // Dolby Atmos (True-HD-Kern): en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 140
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
FSK: 12

Unter anderem hier erhältlich:

Trailer zu Ready Player One

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Autor: Special Guest