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AFI Flat.DUO kann 1-2 Schallplatten glätten und das Material entspannen. Klingt mystisch, funktioniert aber nachweislich. Wie gut haben wir gehört und gemessen. 1.990 Euro (Foto: R. Vogt)
AFI Flat.DUO kann 1-2 Schallplatten glätten und das Material entspannen. Klingt mystisch, funktioniert aber nachweislich. Wie gut das tatsächlich klappt, haben wir uns angehört und nachgemessen. Der Preis: 1.990 Euro (Foto: R. Vogt)

Vinyl-Klang verbessern: Der AFI Flat.DUO bügelt und entspannt die Platten schonend

Es ist der uralte Traum aller Analog-Freunde: Schallplatten, die aus irgendwelchen hässlichen Gründen verwellt sind und so beim Abspielen vernehmlich leiern, wieder glattzubügeln. Genau dieses Leistungs-Versprechen kommt jetzt vom Ludwigsburger Zubehör-Spezialisten Audio Fidelity Improvement. Dessen neuestes Werk, der AFI Flat.DUO, will die Platten nicht nur bügeln, sondern auch entspannen – und das nach eigener Aussage absolut schonend. „Vinyl entspannen“: Das klingt zunächst nach Wellness und vielleicht sogar etwas esoterisch. Aber es funktioniert. Und die positiven Auswirkungen hat LowBeats ausführlich erleben und sogar messtechnisch belegen können.

AFI Flat.DUO: Bügelvollautomat für bis zu 2 Schallplatten gleichzeitig (Foto: R. Vogt)
AFI Flat.DUO: Bügelvollautomat für bis zu 2 Schallplatten gleichzeitig (Foto: R. Vogt)

Kommen wir zunächst auf das offensichtliche und mechanisch leicht Nachvollziehbare: das Bügeln, also Glätten von welligen Schallplatten. Dazu gibt es seit geraumer Zeit mehrere Maschinen verschiedener Hersteller. Die Firma Audio Fidelity Improvement (kurz AFI) hat seit Jahren einen solchen Apparat im Programm. Der macht die Vinyl wieder flach (das heißt dann dementsprechend „Flat“) – aktuell in der Version Flat.2.

Zwei Platten gleichzeitig glätten: Unten wird die 1. Schallplatte eingelegt, darauf die Zwischenplatte (schwarz), darauf die 2. Schalllatte und obenauf die Deckplatte (Spirale) und dann mit der Schraube fixiert (Foto: R. Vogt)
Zwei Platten gleichzeitig glätten: Unten wird die 1. Schallplatte eingelegt, darauf die Zwischenplatte (schwarz), darüber wiederum die 2. Schalllatte und ganz oben die Deckplatte (Spirale), die dann mit einer Schraube fixiert wird (Foto: R. Vogt)

Im Test hatten wir die AFI Flat.DUO. Wie der Name bereits andeutet, kann diese Variante gleich zwei Schallplatten gleichzeitig bearbeiten. Dazu wird die unterste direkt eingelegt, dann kommt eine Zwischenscheibe (im Bild schwarz) und darauf die zweite Schallplatte. Anschließend wird die Deckscheibe (Spiralmuster) verschraubt. Selbstverständlich lassen sich auch einzelne Platten behandeln.

AFI Flat.Duo: Was liegt das Problem?

Doch warum überhaupt die Behandlung der Platten? Ist doch alles gut, solange die Nadel in der Rille bleibt, oder? Man könnte meinen, beim leichten Berg- und Talfahren passiert ja nicht viel. Naja: Die Abtastwinkel ändern sich zwar kaum, aber durch die konstante Drehzahl des Plattentellers verlängert sich die Wegstrecke der Nadel und so entstehen Gleichlaufschwankungen. Sprich: es leiert. Und selbst bei scheinbar „guten“ Platten hat die Nadel eines Tonabnehmers ziemlich damit zu tun, in der Rille zu bleiben. Schauen wir uns das mal mit dem Makro-Objektiv an.

Jede Bewegung, die nicht zur mikroskopisch kleinen Rillenmodulation und damit der Musik gehört, belastet den Abtaster – solche Verwellungen erzeugen gern subsonische Energie mit riesiger Amplitude. Das geht alles von real nutzbarer Dynamik für die Musik verloren. Oder positiv formuliert: Je ebener die Schallplatten-Oberfläche und je genauer die Zentrierung, desto dynamischer und genauer die Wiedergabe. Wer mal eine geschnittene Lackfolie oder gar eine Metallmatritze gehört hat, der weiß, wie überragend gut analog klingen kann.

Das Problem entsteht allerdings schon bei der Herstellung der Schallplatten aus Vinyl, bei dem es sich bekanntlich um einen thermoplastischen Kunststoff handelt. Ein vorgewärmter, etwa Tennisball-großer Rohling von diesem Material wird mit viel Druck und Hitze zwischen zwei Matrizen zur flachen Schallplatte gepresst. Noch heiß entnimmt man die Platte der Presse und steckt sie in eine Maschine, die den Grat – überstehendes Vinyl – abschneidet. Dann kommt sie auf den Stapel zum schnellen Abkühlen und anschließend ab damit die Hülle – fertig. Aber leider, leider: Schnelles Erhitzen und wieder Abkühlen nach dramatischer Verformung bringt erhebliche mechanische Spannungen mit sich.

AFI Flat Duo (Foto: R. Vogt)
Das Gehäuse des AFI Flat.DUO besteht aus Expandiertem Polypropylen, kurz EPP (Foto: R. Vogt)

Daher sind auch viele neue LPs bereits schon wellig. Oder sie sind verspannt und verformen sich kegelförmig. Für Welligkeit muss also keine Platte in der Sonne gelegen haben, aber auch das kommt natürlich vor. Und dann kommt der AFI Flat.DUO ins Spiel: Dessen Konstruktion ist wirklich durchdacht.

Aufbau und Bedienung

Das Gehäuse besteht aus EPP (Expanded Polypropylene). Dieses Material wird geschlossen-porig aufgeschäumt und in Form gebracht. Es ähnelt damit den Lieferboxen professioneller Pizza-Bringdienste. Das wir uns aber nicht falsch verstehen: Es hat nichts mit Styropor (geschäumtes Polystyrol) zu tun: EPP isoliert thermisch ungemein gut und ist dennoch formstabil. Das fühlt sich durchaus hochwertig und vertrauenerweckend an. Und alles, was im Inneren Wärme leiten soll, ist natürlich aus Metall. Durch die gute Isolation braucht der AFI Flat.DUO nur rund 25 Watt Heizleistung und verwendet zur aktiven Kühlung einen kleinen Ventilator, der Raumluft durch das Gehäuse bläst.

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AFI Flat.DUO von unten mit versenkter Kabelführung, Hauptschalter und Kühlventilator (Foto: R. Vogt)
AFI Flat.DUO von unten mit versenkter Kabelführung, Hauptschalter und Kühlventilator (Foto: R. Vogt)
Robuste Scharniere und ein großer Anschlag halten den Deckel beim Bestücken offen (Foto: R. Vogt)
Robuste Scharniere und ein großer Anschlag halten den Deckel beim Bestücken offen (Foto: R. Vogt)
AFI Flat Duo (Foto: R. Vogt)
Das kleine, externe Netzteil des AFI Flat.DUO (Foto: R. Vogt)
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Das ganze Gehäuse wirkt konstruktiv durchdacht und passgenau: Die robusten Scharniere mit großem Anschlag halten den Deckel beim Be- und Entladen zuverlässig geöffnet.

Hinter Glas: Das Bedienpanel des AFI Flat.DUO mit Display und Sensortasten (Foto: R. Vogt)
Hinter Glas: Das Bedienpanel des AFI Flat.DUO mit Display und Sensortasten (Foto: R. Vogt)

Das Bedienpanel besteht aus einer hochwertigen Glasplatte, hinter der sich das Matrixdisplay und vier Sensortasten zur Steuerung befinden: Escape, Cursor rauf und runter plus Enter. Das Menü ist klar strukturiert und gibt im Display klare Hinweise, mit welcher Taste man was ausführen kann. Das Menü spricht viele Sprachen, auch ein gutes Deutsch.

Die Hauptmenüs des AFI Flat.DUO im Display (Foto: R. Vogt)
Die Hauptmenüs des AFI Flat.DUO im Display (Foto: R. Vogt)

Es gibt drei grundsätzliche Modi: 1.) die Temperatur, auf welche die Schallplatte erwärmt wird, 2.) die Haltedauer der Temperatur und 3.) die Geschwindigkeit der Abkühlung zurück auf Raumtemperatur. Alle Modi sind auch manuell beeinflussbar. So kann man etwa für hartnäckige Schallplatten, deren Wellen nicht nach der Standard-Methode (55°C, 30min) komplett verschwunden sind, für einen zweiten Durchgang die Haltedauer der Temperatur verlängern. Des Weiteren gibt es einen Modus für Schellack-Scheiben mit entsprechend geringerer Temperatur (48°C, 15min). Zum dritten und vielleicht entscheidenden Relax-Modus kommen wir später.

Welche Schallplatten lassen sich behandeln?

Fast alle Vinyl-Scheiben. Fast, weil es Ausnahmen gibt. Picture-Discs etwa könnten sich aufspalten, weil sie aus laminierten Schichten bestehen. Das Risiko sollte man nicht eingehen. Farbige, transparente oder bunte Scheiben sind kein Problem, außer wenn sie Metallglitter beinhalten.

Genial gelöst: zentrale Befestigungsschraube mit Drehmomentbegrenzung (Foto: R. Vogt)
Genial gelöst: zentrale Befestigungsschraube mit Drehmomentbegrenzung (Foto: R. Vogt)

Die Dicke oder Pressqualität spielen keine Rolle beziehungsweise die zu erhitzende und abzukühlende Masse an Vinyl spielt kaum eine Rolle. Der Flat.DUO misst die Temperaturen sehr fein und zudem in Echtzeit und stellt sich daher automatisch auf die Beladung ein. Ich habe das auch beim Testen mehrfach mit einem Infrarot-Thermometer geprüft: Temperaturmessung und -regelung scheinen wirklich perfekt zu arbeiten.

Wirkung und Resultate

Wie gut verschwinden Wellen? Je höher und länger die Welle in der Schallplatte, desto zuverlässiger verschwanden die Unebenheiten im Test. Es gab jedoch eine Gesetzmäßigkeit, wie ich feststellte und die mir Markus Dittert vom Vertrieb (HiFi Wittmann in Stuttgart) auch prompt bestätigte: je neuer die Scheibe, desto besser die Glättung. Je älter die Platte, umso widerspenstiger blieb das Problem, weil sich das Vinyl im Laufe von Jahrzehnten eben auch von selbst verhärtet. Dann braucht es entweder mehrere Durchgänge oder einen mit längerer Warmphase.

Was womöglich nie mehr zur perfekten Flunder wird, sind alte Scheiben mit kleinen, kurzen Wellen. Bei einer alten Partyscheibe von 1978 mit Jimi Hendrix Cover habe ich alles versucht: die kurzen Wellen blieben einfach. Das, so bestätige mir Herr Dittert ebenfalls, eben das sind genau die Fälle, in denen man maximal eine Milderung der Unebenheit erreichen kann, mehr nicht: Kurze Wellen, die seit Jahrzehnten quasi eingefroren sind, bleiben wahrscheinlich auf ewig.

Tempered Vinyl klingt besser – Physik, kein Voodoo

Das Versprechen des AFI Flat.DUO klingt zunächst nach Highend-Voodoo: Nach dem „Tempern“ klingt jede Schallplatte besser! Kann das sein? Wenn ja: Warum? Im Modus „Relax“ wird das Vinyl auf nur 52°C erwärmt und auf dieser Temperatur für 60 Minuten gehalten. Dann folgt eine mehrstündige (!) Abkühlphase. Wie lange genau, hängt von der Zahl und Materialstärke der eingelegten Schallplatten ab. Diese Abkühlung erfolgt in dem hochgradig isolierenden EPP-Gehäuse rein passiv und schon von daher extrem gleichmäßig. Man entnimmt die Platte(n) erst wenn sie wieder nahezu die Raumtemperatur erreicht haben. Bei dieser Art der thermischen Behandlung von Materialien spricht man von Tempern. Das ist technisch ein bewährtes Verfahren. Diese Art der thermischen Materialentspannung wird (in anderem Maßstab) beispielsweise in der industriellen Metallbearbeitung eingesetzt.

Und was soll da nun klanglich passieren? Damit sich das Verfahren im Test sinnvoll und wiederholbar klanglich vergleichen lässt, hat mir Audio Trade drei Alben in dreifacher Ausführung zur Verfügung gestellt. In einem ersten Schritt habe ich zunächst geprüft, ob sich die gleichen Scheiben desselben Albums auch wirklich identisch anhören. Dem war so. Dann wurde ein Exemplar getempered. Und tatsächlich: Das behandelte Exemplar klang nachvollziehbar differenzierter und dynamischer. Der Unterschied war nicht riesig, aber immerhin so deutlich, dass wir das behandelte Exemplar im Blindtest eindeutig heraushören konnten. Und zwar bereits in der Leerrille.

Analog Magik Messplatte 1kHz Spektrum: Nach dem Tempern mit Relax Modus circa 3 dB geringeres Rauschen (Foto: R. Vogt)
Analog Magik Messplatte 1kHz Spektrum: Nach dem Tempern mit Relax Modus circa 3 dB geringeres Rauschen (Foto: R. Vogt)

Derart inspiriert habe ich dann eine unserer Messplatten von Analog Magik getempered. Dazu habe ich vor dem Tempern Messungen gemacht und diese nach dem Tempern wiederholt. Und nun zeigten auch die Messwerte, dass das Grundgeräusch der Schallplatte um zirka 3 Dezibel gesunken war. Beim ohnehin eher bescheidenen Störabstand einer Schallplatte sind 3 Dezibel weniger Rauschen und damit 3 Dezibel mehr nutzbare Dynamik ein riesiger Gewinn. Auch AFI forscht noch daran, was da genau auf mikroskopischer Ebene passiert.

Richtig ist, dass das Tempern die Oberfläche härtet. Weil Vinyl so viel weicher ist als der Diamant, ist wohl jene Platte klanglich im Vorteil, die den Diamant exakter führt – einfach, weil ihr Vinyl härter ist. Eine weitere Vermutung ist, dass die mechanische Entspannung der Scheibe zu weniger Mikrofonie-Effekten führt. Fakt ist: Nach dem Tempern klangen alle damit behandelten Platten ruhiger und damit plastischer. Der tonale Charakter oder räumliche Abbildung bleiben unberührt. Aber durch die spürbare Entschlackung wirkten die Aufnahmen etwas differenzierter, detailreicher, lebendiger.

AFI Flat.DUO: glättet und tempert auch 2 Schallplatten gleichzeitig (Foto: R. Vogt)
AFI Flat.DUO: glättet und tempert auch zwei Schallplatten gleichzeitig (Foto: R. Vogt)

Noch ein Aspekt spricht für die Theorie, dass das Härten der Vinyl-Oberfläche wohl eine Hauptrolle bei der nachvollziehbaren klanglichen Verbesserung spielt: Der Effekt ist bei frischen Pressungen signifikant größer als bei alten Schallplatten, deren Vinyl ja im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls aushärtet. An dieser Stelle scheint sich auch die Weisheit gestandener Vinyl-Veteranen zu bestätigen, dass alte Platten besser klingen als neue Pressungen. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt beim Tempern mit AFIs “Relax” Modus: gebügelt und perfekt plan werden die Scheiben trotz geringerer Temperatur durch die lange Wärmephase auch gleich.

Fazit AFI Flat.DUO: besserer Klang für Vinyl

Schallplatten sind empfindlich und robust zugleich. Vinyl kann Musik von verblüffender Qualität jahrzehntelang erhalten. Aber Lagerung und schon der Herstellungsprozess können den Spaß mit Wellen und anderen Verformungen verderben. Der AFI Flat.DUO kann bis zu zwei Schallplatten gleichzeitig wieder in plane Form bringen und das Leben des teuren Abtasters deutlich erleichtern. Das geht mit Vinyl und sogar Schellack.

Unerwartet, aber keineswegs zu vernachlässigen sind die klanglichen Verbesserungen, die das Tempern im „Relax“-Modus mit sich bringen. Insbesondere bei neueren Pressungen lässt sich durch die schonende und langsam wirkende thermische Behandlung das Grundgeräusch der Schallplatte spürbar senken und damit klangliche Details und Dynamik freilegen, die zuvor in der Rille verborgen waren. Rund 3 Dezibel ließen sich im Versuch gewinnen.

Die Hardware des AFI Flat.DUO wirkt clever und durchdacht. Das beginnt mit dem hochgradig isolierenden Gehäuse aus EPP das für die sehr langen Zeitkonstanten beim Tempern zuständig ist und ebenso den Energieverbrauch minimiert: nur maximal rund 25 Watt beim Heizvorgang. Die Bedienung ist quasi selbsterklärend mit dem mehrzeiligen Display. Geringe Stückzahlen und „Made in Germany“ fordern zwar ihren Preis, aber die Wirkung und der klangliche Gewinn sind in jedem Fall größer und nachvollziehbarer als vieles andere Highend-Zubehör, das ich kenne. Von meiner Seite daher eine ausdrückliche Empfehlung.

AFI Flat.DUO
2025/09
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Schonendes, wirkungsvolles „Bügeln“
Tempern (Relax Modus) verbessert Klang
Zwei Scheiben gleichzeitig
Handhabung durchdacht und einfach

Vertrieb:
HiFi-Studio Wittmann
Brucknerstraße 17
70195 Stuttgart
www.afi-record-flattener.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
AFI Flat.DUO: 2.000 Euro

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Autor: Raphael Vogt

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Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.