ende
Marius Dittert
Beim HIFi Studio Wittmann spielten sowohl die neue Octave Jubilee Class A als auch die allerneueste Blumenhofer Genuin FS1. Ein Traum-Gespann

Welt-Premieren von Blumenhofer und Octave beim HiFi Studio Wittmann

Manchmal passiert Großes auch im Kleinen. Das Kleine war in diesem Fall der sympathisch, aber gar nicht große HiFi-Laden von Oliver Wittmann in Stuttgart. Das Große waren zwei Weltpremieren, die vielleicht ein bisschen zufällig, aber womöglich doch von Oliver Wittmann gesteuert, gleichzeitig Mitte Oktober passierten. Aber bleiben wir zunächst beim HiFi-Laden.

Adresse Brucknerstraße 17, 70195 Stuttgart: das kleine, gleichwohl sehr sympathische HiFi Studio Wittman in Stuttgart Botnang (Foto: H. Biermann)

Die Wittmann-Keimzelle im Stuttgarter Süden ist tatsächlich gar nicht groß: zwei mittelgroße Vorführräume, eine Art Lagerraum, Ende. Der Außenposten im Allgäu (zum LowBeats Report geht es hier) und der Auftritt im Netz sind dagegen umso größer. In der Stuttgarter Brucknerstrasse startete der ehemalige Klein & Hummel Service-Techniker Oliver Wittman seine bis heute erfolgreiche Karriere als HiFi-Verkäufer. Und hier waren wir, als Audio und stereoplay noch richtig lebendig und in Stuttgart beheimatet waren, häufig zu Besuch, weil Wittmann immer schon ein Näschen für die besonderen Marken hatte. Aber nun zu den:

Welt-Premieren von Blumenhofer und Octave

“Weltpremiere” ist ja ein großes Wort. Nicht jede ist eine und schon gar nicht ist jede Interessiert. Diese beiden dafür umso mehr. Dass es bei Wittmann gleich eine doppelte wurde, lag an Octave. Deutschlands größte Röhren-Schmiede hatte zur HIGH END 2025 die Jubilee Class A Endstufen vorgestellt. Die beiden Turm-ähnlichen Mono-Blöcke waren zwar technisch/akustisch fertig und dennoch standen sie nur etwas anteilnahmslos in der Display-Ausstellung.

O.Wittmann,-A.Hofmann-+-T.Blumenhofer
Drei HiFi-Granden von links: Oliver Wittmann, Andreas Hofmann, Tom Blumenhofer (Foto: H. Biermann)

Octave-Chef Andreas Hofmann, der ebenfalls bei Wittmann zur Premiere kam, erklärte das so: “Wir hatten halt in unserer Vorführung auf der HIGH END (Anmerkung der Redaktion: von Gauder und Octave) keine Verwendung für sie. So blieb sie vor den Ohren der Öffentlichkeit erst einmal ungespielt…” Da kam der Premieren-Event im Stuttgart wie gelegen…

Octave Jubilee Class A
Ein Statement in Sachen “reiner” Kraft und Verarbeitungsqualität. Leider ist die das Pächen Jubilee Class A mit 74.000 Euro auch nicht eben billig…(Foto: Octave)

Vielleicht einmal ein paar Daten zum leckermäulig machen: Die “kleine” Jubilee folgt dem gleichen Ansatz wie der LowBeats Referenz-Verstärker V70 CA – nämlich einem Röhrenkonzept mit Class-A-Aufbau. UNd zwar – je nach Wunsch – mit den Röhrentypen KT120, KT150 oder KT170. Doch anders als der Verstärrker produziert dieser 65-Kilo-Bolide stattliche 160 Watt in Class A – oder alternativ 280 Watt im HighPower-Modus, in dem die ersten 50 Watt in Class A (also gänzlich ohne Übernahme-Verzerrungen) entstehen.

Auf dem Event vom HiFi Studio Wittman, blieb man allerdings im “reinen” Class-A Betrieb, weil der angeschlossene Lautsprecher so effizient ist, dass auch ein Zehntel der Leistung schon zu ordentlichen Pegeln ausgereicht hätte. Die Rede ist von der Blumenhofer Genuin F1 in der Mk-4-Version

Wittmannn-die-Kette2
Die Vorführkette des Premieren-Events bei Wittmanns: Endstufe Octave Jubilee Class A, Vorstufe Octave Jubilee Preamp, Streamer Soulnote Z-3 und Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1 Mk4 (Foto: H. Biermann)

Diese Version des Lautsprecher ist so neu, dass selbst Tom Blumenhofen sie noch nicht auf seiner Website hat. Dabei gäbe es einiges zu erzählen. Die Genuin FS1 ist eine Konstruktion aus einem 38cm Bass plus Hochtonhorn, also eine äußerst ungewöhnliche 2-Wege Box, weil ein Großteil der Mitten von dem riesigen Tieftöner übertragen werden müssen. “Kein Problem”, sagt Tom Blumenhofer, der aus dem Allgäu für den Premieren-Event ebenfalls angereist war. “In den 1920er Jahren hat man Untersuchen angestellt, welche Treibergröße die fürs Ohr optimale beziehungsweise klanglich angenehmste ist. Ergebnis: der 38er.” Ich kannte diese Untersuchungen nicht und hätte – wäre ich befragt worden – auf ein deutlich kleineres Format getippt. Auf der anderen Seite: Es gibt nur wenig Lautsprecher mit 15 Zoll Bass, die mir nicht gefallen…

Blumenhofer Genuin FS1 Mk4
Die neue Blumenhofer Genuin FS1 Mk4 ist am neuen Horn erkennbar. Es ist – zumindest in diesem Fall – aus Vollholz und ergänzt den Mittelhochtöner nahezu ideal. So richtig ist sie noch nicht auf dem Markt, wird aber wohl 34.800 Euro kosten (Foto: H. Biermann)

Das Neue an der 4. Generation der FS1 ist das Hochtonhorn mit neuer Geometrie. Es ergänzt die Eigenheiten des großen Kompressionstreibers (ein für Blumenhofer exklusiv gefertigter Treiber mit 75 Millimeter Titanmembran) nahezu ideal. Blumenhofer: ” An einem Standardhorn sieht dessen Frequenzgang bescheiden aus, aber mit der neuen Geometrie des FS1-Horns läuft er schnurgerade bis 21 KHz. Auch die Titan-Resonanz, die bei den älteren Modellen immer noch leicht durchzuhören war, ist jetzt verschwunden…”

Blumenhofer + Octave bei Wittmann
Wie bei fast allen gehobenen Blumenhofer-Modellen kann man den Hochtöner in der Tiefe verschieben, um ein möglichst Phasen-kohärentes Klangbild am Hörplatz zu erlangen (Foto: H. Biermann)

Und weil er gerade gut in Schwung war, holte Blumenhofer gleich noch zum Thema Hornmaterial aus und warum diese oder jene Baumart besser oder schlechter für den Klang sei. Aber diesen Aspekt möchte ich hier nicht vertiefen, denn die FS1 wie sie beim Premieren-Event stand, klang schlicht überragend…

Neben den schon erwähnten Lautsprechern und Verstärkern – auch das gehört zur Wahrheit – waren zwei weitere Komponenten nicht ganz unwesentlich für den guten Ton: zum einen der wuchtigen Streamer Z-3 von Soulnote, sicherlich ganz weit oben im Qualitätsregal einsortiert, sowie die Grounding-Komponente Telos Foundation Ground Core, die wir vor kurzem im LowBeats Test hatten und der ich seitdem komplett erlegen bin. Grounding ist ja meiner Meinung nach in jeder Kette Pflicht

Marius-Dittert,-Oliver-Wittmann
Marius Dittert (links) ist alter Freund und Ex-Kollege aus Stereoplay-Zeiten. Seit zwei Jahren macht er sich um das Marketing und um den Verkauf bei Wittmann in Stuttgart verdient (Foto: H. Biermann)

Durchs Programm führten Marius Dittert und Oliver Wittman, die sich musikalisch die Bälle zuwarfen. Gespielt wurden überwiegend gut bekannte, meist “audiophile” Aufnahmen, die jeder im Auditorium kannte. Und so wurde der Zuhörerschar schnell deutlich, dass die Kette wirklich außergewöhnlich gut und auf den Punkt spielte. Ich denke, es ging den meisten wie mir: Selten so schon entspannt und gleichermaßen so mitreißend Musik gehört. Wie plastisch hier ein Kontrabass gezeichnet, wie treffgenau die Stimme von Anette Asvik nachgebildet oder der Hieb einer Snare-Drum in den Vorführraum gedroschen wurde – alles absolut authentisch und leichtfüßig. Und zwar, weil die Musik so unangestrengt dynamisch zelebriert wurde, wie man es sonst nur von größeren PA-Systemen kennt – ohne aber deren tonale Einfärbungen im Gepäck zu haben. Gut, wenn man weiß, dass Tom Blumenhofer einen Großteil seines Geldes mit Beschallung verdient hat… Die Kette des Premieren-Event jedenfalls hielt alle für lange auf den Sitzen. Und was mich am meisten (bei einem so großen Tieftöner plus Hochtonhorn) verblüffte: Das Klangbild lösten sich völlig mühelos von den Lautsprechern, hatte eine wunderbare Tiefe und eine sehr glaubhafte Höhe.

Weil die Kette so außergewöhnlich gut spielte, drängte sie sich für verschiedene Exprimente auf. Zum Beispiel: Welche Einspielung des selbsten Stück klingt besser. Oder: Tonband versus Streaming mit ebenfalls demselben Stück. Der Vergleich ging übrigens eindeutig zu Gunsten der Tonbandmaschine aus: mehr Wärme, mehr Dynamik. Und dass, obwohl Streaming-mäßig großes Gedeck aufgefahren war…

Woran der packende Klangeindruck nun genau lag? An den überlegenen Verstärken, den genialen Lautsprechern oder einfach nur an der klugen Kombination vieler außergewöhnliche Bausteine? Das bleibt offen. Allerdings hatte ich die Genuin FS1 in besonders schwerem Verdacht, noch ein bisschen mehr als die anderen Kompenenten zu diesem Erlebnis beigetragen zu haben. Und es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass sie bald zur Heldin eines eigenen LowBeats Tests wird…

Im Beitrag erwähnt:

Test Telos Foundation Grounding Core: die audiophile Form der Ableitung
Test Octave V70 Class A: Röhrenvollverstärker mit dem feinen Ton

Mehr vom HiFi Studio Wittmann:

Hören ohne Gegenkopplung: Deutsch-Schweizerische Coop beim HiFi Studio Wittmann
The Art of Horn: das HiFi Studio Wittmann im Allgäu

Autor: Holger Biermann

Avatar-Foto
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.