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Bonnie Prince Billy I Made A Place
Bonnie Prince Billy wandelt wieder auf Solo-Spuren. Mit I Made A Place schuf er unser Album der Woche (Foto: Domino)

Bonnie Prince Billy I Made A Place – das Album der Woche

Will Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy zählt zu den konstanten Größen im Alternative-/Neo-Folk-Universum. Die letzten Jahre ging er viele Teamworks ein – nun reitet er wieder solo durch die Americana-Prärie. Und das kompositorisch sowie melodiös unerhört sattelfest. Bonnie Prince Billy I Made A Place ist unser Album der Woche

Sein Rauschebart zählt seit Jahren ebenso zu seinen Markenzeichen wie die wandlungsfähige samtene bis knackig klare Stimme und seine Fähigkeit, sanfte Songs mit Tiefgang zu schreiben. Bereits seit rund 20 Jahren beschallt er die Musikwelt mit dieser kongenialen, teils vintage angehauchten Alternative-Folk-/Countrymischung, die mit dem wunderbaren Album I See A Darkness damals ihren Anfang nahm. Davor debütierte er als Singer-Songwriter mit seinen Greatest Palace Music und arbeitete als Schauspieler („Thousand Pieces of Gold“, „Matewan“).

In den letzten Jahren gab Oldham seinem Drang nach, Stücke mit Musiker-KollegInnen zu schreiben oder Coverversionen zu veröffentlichen – unter diesen Arbeiten finden sich Namen wie Bryce Dessner (The National), Mekons, die Bitchin Bajas, Susanna Wallumrød oder Merle Haggard.

Die Zeiten ändern sich, auch im Musikbusiness. Und so besann sich der Sänger aus Kentucky nach acht Jahren seit dem letzten Solowerk Wolfroy Goes To Town wieder auf seine eigenen Fähigkeiten und Wurzeln. „In den letzten Jahren hat sich die gesamte Welt von Musikaufnahmen in der Art wie diese Musik konzipiert, aufgenommen, veröffentlicht und vertrieben wird, atomisiert. Ich habe versucht, den Atem anzuhalten und den Sturm vorüberziehen zu lassen, aber dieser Sturm ist nach wie vor da und seine Zerstörung ist unsere neue Landschaft.“ Und weiter: „Was anderes sollte eine Person tun als das, was sie weiß und fühlt. Für mich bedeutet das Songs aufzunehmen, die für ein intimes Zuhören bestimmt sind und um Erfahrungen mit wunderbaren Fremden zu machen, die etwas Spirituelles und Musikalisches teilen.“ Aber: „Als ich anfing, diese Songs zu schreiben, dachte ich, dass ich sie niemals fertigstellen, aufnehmen oder veröffentlichen könnte.“

Doch es kam glücklicherweise anders. Und so hören wir auf Bonnie Prince Billy I Made A Place kleine und große Geschichten über Hoffnungen, von Menschen, die wir lieben und die aus unserem Leben wieder verschwinden. Von Dingen, die wir mühsam aufbauen und die wir beim Verlassen dieser Welt zurücklassen müssen. Eine Welt, die immer stärker bedroht zu sein scheint – von unserem Handeln.

Eigentlich klar, dass bei diesen Themen keine Tanznummern oder Freude-Schöner-Götterfunken-Melodien entstehen. Aber doch Kompositionen, die quasi zwischen den Notenzeilen Energie entfalten – durch Elegie, Melancholie, aber auch heller, verhalten-sonniger Rhyhtmen. Dafür sorgen neben Gitarre(n) und Drums auch eine behutsam agierende Bläsersektion.

Die Musik von Bonnie Prince Billy I Made A Place

Zum Klang gibt es an dieser Stelle nichts Weltbewegendes zu sagen – das Album klingt ordentlich, mit einer gehörigen Portion Homogenität und Ausgewogenheit im Grundcharakter.

Das Spektrum der Songs schillert da schon vielfältiger und facettenreicher. „Die Arrangements und die Produktion des Albums wird von den Musikern dominiert. Danny Kiely zupfte den Bass, so wie er es bereits auf Wolfroy Goes To Town tat. Der mächtige Mike Hyman bedient das Schlagzeug, Nathan Salsburg die Lead-Gitarren, Joan Shelley singt und Jacob Duncan brachte viel Energie mit Saxofon, Flöte und Klarinette ins Spiel.“ Hinzu kommen Wills Harmonium, das Studio-Piano und eine Hammond-Orgel.

Das Album besteht aus zwei Teilen – der erste ist groß, fröhlich und dicht; der zweite Part ist eher offen, hinterfragend und bittersüß. Das Album ist intensiv vom 50. US-Staat inspiriert. Einige Songs sind von verschiedenen Hawaiianischen Musikern beeinflusst, hauptsächlich von Johnny Lum Ho und Edith Kanaka´ole, aber auch von Jake Xerxes Fussel und beispielsweise von der genannten Susanna Wallumrød. Akustisch macht sich das nicht in platter Hula-Hula-Manier breit, sondern sehr dezent in gechillten Grundstrukturen von Songs. Und so kondensieren diese Ideen in klugen Americana-Arrangements, heiteren Country-Ausritten oder rootig-folkigen Weisen, auch mal psychedelisch oder jazzig angehaucht. „New Memory Box“ beschwingt als fröhlicher Country-Ausflug mit changierender, beinahe jodelnder Stimme und Square-Dance-Feeling. „Dream Awhile“ betört mit Flöte und wärmendem Waltzer-Rhythmus, als hätte Emmylolu Harris die Finger im Spiel. „Look Backward On Your Future“ wird von Wills samtener Stimm-Seite getragen, begleitet von der Akustikgitarre. Der Titelsong berauscht sehr relaxt mit psychedelischem Touch, während „Nothing Is Busted“ einen röchelnden Orgel-Teppich ausrollt, auf dem ein schräges Harmonium tanzt. „Thick Air“ wiederum gibt den Jazz-Meister – jedoch sehr dezent und chillig, perfekt fürs Sofa-Räkeln.

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Bonnie Prince Billy
I Made A Place
2019/11
Test-Ergebnis: 4,1
SEHR GUT
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