Band
Auf den Spuren der Altvorderen tun sich immer mal wieder junge Talente hervor: Wie der Flamenco-Gitarrist Alejandro Valdés mit seiner Band Palo De Agua und dem Debut-Album „Calles Del Olvido“ (Foto: H. Pausa)

De Agua „Calles Del Olvido“ – unser Album der Woche

Der Sommer verzieht sich verhuscht in südlichere Gefilde, doch von dort aus Kuba, lodern uns noch sonnige Rhythmen entgegen, die locker den Herbst und Winter befeuern können. Alejandro Valdés ist einer dieser jüngeren virtuosen Musiker von der Insel. Vor fünf Jahren gründete er seine Band und etablierte seinen „New Cuban Flamenco“. Nun veröffentlicht das Ensemble sein Album-Debüt: „Das Ergebnis dessen, wie wir Kubaner den Flamenco über mehr als vier Generationen hinweg entwickelt haben, plus all meiner Erfahrung als Kubanischer Flamenco-Musiker“, sagt der Gitarrist mit den dunkelblonden Mähnenhaaren. Und weil wir seine Begeisterung teilen, ist De Agua „Calles Del Olvido“ unser Album der Woche.

Auf der Karibikinsel heimste die Gruppe den Nationalpreis „Cuerda Viva“ in der Kategorie „Beste Flamenco-Gruppe“ ein. Die DNA ihres Sounds nährt sich aus historischen Quellen, der Verbundenheit zu spanischen Wurzeln. Aber auch aus der Kreativität und Prägung der Nachfahren plus moderner Ideen und Einflüssen. Eine sehr eigenständige Mischung, die hier acht MusikerInnen in neun Stücken wunderbar emotional und ästhetisch inszenieren – mit einem ganzen Arsenal an Klangerzeugungsaggregaten wie Shaker, Flöte, Dudelsack (mit keltischer Note), Elektrobass, Violine, Cajón (Kistentrommel), Darbuka (Bechertrommel), Congas oder Batá-Drums (zweifellige Sanduhrtrommel). Darin wiegen sich Chöre, Solo-Vocals und Klatschsalven in schwelgerischen Rhythmen.

Das Ensemble spielt übrigens bei dem jungen Label Cugate Clásicos Latinos, das „Memo“ Rhein 2019 gründete. Wer das ist? Kein wirklich Unbekannter, guckt man genauer hin: Hanspeter Rhein betrieb in München das Jazzlokal „Memoland“ und managte die Spider Murphy Gang nebst Münchener Freiheit. 1981 schob er das legendäre „Alabama“ ins TV-Rampenlicht. Und schließlich organisierte er Konzerte mit Karat sowie den Puhdys und bereitete in Berlin den Weg zur Privatisierung des „VEB Deutsche Schallplatten“. Mit dem Label Clasicos Latinos möchte der umtriebige Musik-Mann „das reiche Erbe der Musik Lateinamerikas bewahren sowie neuen, frischen Talenten einen Karrierestart außerhalb ihrer Herkunftsländer zu ermöglichen.“ Mit im Boot ist der befreundete Raúl Gutiérrez, Gründer der Latin-Jazz-Gruppe Irazu und früheres Mitglied der Afro Cuban Allstars, die mit dem Buena Vista Social Club auf Tour waren. Und so schließt sich der Kreis auf wundersame Weise.

Label
Ein Blick auf die Website zeigt, wo hier der Hase langläuft: das Label Cugate Clásicos Latinos

Die Musik von De Agua „Calles Del Olvido“

Für die Aufnahmen gingen Valdés und seine KollegInnen in das Studio von „República Records“ in der Hauptstadt, wo man offenkundig sehr achtsam und „audiophil“ mit den Aufnahmen umging. „Calles Del Olvido“ beeindruckt vor allem bei den ruhigeren Stücken mit schönen Klangfarben, Körper und dennoch feinem Detailreichtum.

Und los geht’s Der Opener „Mucho Calor“ stürmt wild und versprüht mit einer emsig wieselnden Violine, mehrstimmigen Vocals und pfeilschneller Saiten-Springerei schon einmal Power pur. Den Siebenminüter „Vengo“ dominiert die Sologitarre von Valdés, ein schillernd-markantes Instrumentalvergnügen, das sich später zum Percussion- und Handclap-Happening aufschwingt.

„Parte De Mé“ geht als chilliger Sundowner durch, Flötentöne, versöhnliche Solo-Vocals, beschwingter Rhythmus – was auch für den nachfolgenden Titelsong gilt. „Te Dejé De Querer“ tönt als eher traditionelles Flamenco-Stück – schöner Flow, feine Percussion-Einlagen inklusive. „Rumba Pa Ti“ bringt Hüften und Tanzbein in schöne nervöse Unruhe – eine zackige Nummer, garniert mit feinem Fingerpicking. Schließlich vereint „Presagio“ nochmal beinahe alles, was die Band draufhat, slow bis vehement, Chöre, Percussion, schöne Gitarrenläufe, fein getupfte Violine…

Unterm Strich eine sehr sonnige Sache, die locker bis nächsten Sommer Energie liefert.

De Agua „Calles Del Olvido“ Cover
De Agua „Calles Del Olvido“ erscheint bei Cugate Clásicos Latinos / Memo Media; Naxos als CD sowie als Stream (Cover: Amazon)

Video-Clips Alejandro Valdés Y Palo De Agua und „Buscaré

De Agua „Calles Del Olvido“
2021/08
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

 

 

 

Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.