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Chor-Musik vom Feinsten: Der Deep Throat Choir hat mit "In Order To Know You“ ein großes Werk abgeliefert. Es ist unser Album der Woche

Deep Throat Choir „In Order To Know You“ – das Album der Woche

Hier zählt jede Stimme: Das Gesangs-Kollektiv Deep Throat Choir aus London legt ein vielschichtiges Happening aus beeindruckender Stimmvielfalt und buntem Instrumentarium aufs Parkett – eine beglückende Mischung aus Chor- und Vokalkapriolen plus einer stimmigen Mixtur aus Pop, Folk, Jazz – und mehr. Deep Throat Choir „In Order To Know You“ ist unser Album der Woche

Die Auswahl an Musikinstrumenten unserer (Ur-)Vorfahren dürfte nicht allzu üppig gewesen zu sein. Oft bestand das Repertoire aus Knochen, Geweih und Steinen. Oder aus (Busch-) Trommeln und Stimmen – so wie auf der Kanareninsel Gomera, wo man sich in den schroffen Bergen heute noch mit der Pfeifsprache „El Silbo“ verständigt. Die elementare Essenz vokaler Ausdruckskraft fand Luisa Gerstein äußerst spannend, als sie 2013 das weibliche Gesangskollektiv mit dem – in einem ganz anderen Milieu zweideutigem – Bandnamen ins Leben rief. Nicht um des Chor-Geistes allein willen, sondern aus Liebe zu markanten Frauenstimmen, vielschichtigen Rhythmen und anrührenden Melodien.

In ihrer Frühzeit coverten die Frauen aus London gerne mal Liedgut von Kolleginnen wie von Björk oder Amy Winehouse. Nur zu Beginn waren sie zu fünft, der Zuwachs lief dann aber rasant. Der vokale Esprit sprach sich durch Mundpropaganda im Freundes- und Bekanntenkreis herum und so kamen Musikerinnen und solche, die es werden wollten zu einem illustren Vokal-Happening zusammen. Und heute singen, trällern und summen schon mal über zwei Dutzend Frauen gemeinsam.

Das jüngste Album des Vokalensembles vereint die Erfahrungen von acht Jahren – und neuerdings Eigenkompositionen. Die folgen zwei Grundprinzipien: Einer gewissen Strenge im Sinne der Band-/Chor-Gemeinschaft und gleichzeitig dem festen Willen zu interpretatorischer Individualität, die dem Ganzen spannende Facetten an Stimmausdruck verleiht. Hinzu kommt die ebenso wichtige Freiheit der Wahl einer beeindruckenden Vielfalt an Instrumenten wie Cello, Violine, Bass, Synthesizer, Perkussion oder Piano.

„Dieses Album vereint die Magie all der speziellen Stimmen und Musikerinnen, die den Chor ausmachen sowie ein kollaborativer Prozess des Schreibens und des Teilens von Musik und Ideen. Vom Sound her wollte ich weiter und tiefer gehen als es nur Stimmen und Percussion erlauben, um zu sehen welcher Reichtum dadurch mit akustischen und elektronischen Instrumenten entstehen kann. Aber auch um einen Übergang zu schaffen von einem Chor, der Coverversionen singt – hin zu einer Band mit einer gehörigen Menge an Vokalistinnen,“ erklärt Luisa Gerstein.

Die Musik von Deep Throat Choir In Order To Know You

Luisas Konzept geht auf: Das Album geriet zu einer kreativen Spielwiese, einem schön verwobenen Miteinander von Gleichgesinnten, das gleichzeitig eine große Bühne für individuelle Freiräume im Spannungsfeld zwischen Chor, Pop, Folk und Jazz hofiert.

Das Klangbild erfreut auch HiFi-Fans, dank gutem Raumgefühl und Auflösung plus der erfrischenden Vielfalt an akustischen Instrumenten, vor allem aber durch den prächtig leuchtenden Facettenreichtum der Vokaldarbietungen.

Der Opener „Alchemilla“ schiebt das Album schon mal in lässiger, aber behänder Slow-Motion-Manier an, um dann mit „Firefly“ in glühend-jazzige Gefilde abzuheben – mit Power, blitzblanken Bläsern und zackigen Drum-Einsätzen.
„Picturing“ übernimmt diese jazzige Attitüde und bereichert sie zusätzlich mit psychedelischen Elementen plus Saxofontupfern und aufwallenden Streichern.

Auf „Uvas“ locken dann betörend sirenengleiche Stimmen, während sich auf „Lighter“ Solostimmen im Lichte poppiger Synthie-Sounds sonnen. Wunderbar: Das bissig-aufmüpfige „Camille“, das mit mutigen Vokalkapriolen lockt. Und ebenso fein: „Unstitching“ mit seinen dramatisch inszenierten Vocals nebst kammermusikalischen Streichern und Saxofoneinsätzen.  „Field Of Not Knowing“ beschließt das Werk mit sonnigem Folk und Drum-Beats nach guter alter 1990er Jahre Jungle-Groove-Manier.

Unterm Strich also mal was anderes: Ein gelungenes Album für Freunde von Vokalkunst, die nicht ernst oder bieder, sondern erfrischend leger daherkommt.

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Deep Throat Choir „In Order To Know You“ erscheint bei Bella Union als CD, LP oder als Stream sowie MP3-Download (Cover: Amazon)

Videoclip Deep Throat Choir mit „In Order To Know You

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Deep Throat Choir „In Order To Know You“
2022/02
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
Bewertungen
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.