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Konstanin Wecker mit dem Ensemble der Bayerischen Philharmonie
Konstatin Wecker nahm seinen "Weltenbrand" auf – mit tatkräftiger Unterstützung der Bayerischen Philharmonie. Es wurde ein großes Werk (Foto: T.Karsten)

Konstantin Wecker Weltenbrand – das Album der Woche

Der Liedermacher Konstantin Wecker entzündet mit der Bayerischen Philharmonie ein kammermusikalisch-poetisches Großereignis. Das entfaltet musikalische Kraft und politische Haltung. Es rührt sensibel an. Eine wunderbare Werkschau in packendem Live-Klang. Konstantin Wecker Weltenbrand ist unser Album der Woche.

Der Münchner Song-Poet verzauberte und polarisierte als musikalischer Mahner schon seit über 40 Jahren. Manch einem ging er damit schon mal auf den – Wecker. Auch heute noch, denn manche seiner zu Notenpapier gebrachten Stücke handeln von den gleichen aktuellen Themen. Intoleranz, Auswüchse des Kapitalismus, Faschismus. Und noch ein paar mehr. „Ich hätte nie gedacht, dass wir an einen Punkt kommen, an dem unsere gewonnene Demokratie zu verfallen droht,“ so Wecker.

Wecker kommt damit der Realität – leider – wohl sehr nahe. Weltenbrand ist damit auch durchaus (Zünd-)stoff, der die Welt entflammen könnte: Zum Guten. Wenn noch viele mehr die lyrischen, mit beherztem Bariton vorgetragenen Stücke hören und beherzigen würden. Nach wie vor lässt sich seine Zielgruppe gehäuft bei den weltoffenen, reflektierenden, emphatischen Zuhörern verorten. Das dürften gerne mehr sein. Allzu viele Zeitgenossen erkennen nicht die Unterschiede zwischen Informationen und Wissen, Meinung und Urteilsvermögen. Sekundärer Analphabetismus – trotz oder wegen so vieler Informationsquellen wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Wecker kämpft als Komponist, Pianist, Professor und Mitglied der renommierten Münchner Literatengruppe „Turmschreiber“ mit seinen 72 Lenzen mit Herz und Verstand. Und nun sogar mit großer musikalischer Besetzung: Nach kleinen orchestralen Ausflügen in der Vergangenheit nun mit großer musikalischer Besetzung: Das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter der Leitung von Mark Mast und der kreative Geist von Pianist und Arrangeur Jo Barnickel entfalten ein fein gewebtes, schillerndes Gewand für Weckers prächtiges Liedgut. Wecker-Leuchten der besonderen Art. Die fein inszenierten Stücke passen beeindruckend zu seinen eindringlichen bis heiteren, gern auch mit Pathos und Dramatik gesegneten Stücken.

Die Musik von Konstanin Wecker Weltenbrand

Die Live-Aufnahmen sind beeindruckend raumgreifend, farbecht, grundtonstark und fein aufgelöst, dabei insgesamt sehr stimmig. Für Mikrofonierung, Ton und Technik zeichnen Steven Linke sowie Peter Brandt und Sven Raff von „Remote Recording Network“ verantwortlich.

Das Kammer-Ensemble umfasst zwölf Musiker aus neun Nationen, die souverän mit der Wecker-Band, bestehend aus dem Pianisten Jo Barnickel, der Cellistin Fany Kammerlander und dem Gitarristen Severin Trogbacher verschmelzen. Der Bösendorfer bebt, das Cello schwebt, der Song-Poet streut gerne kleine Anekdoten ein, die zum Nachdenken anregen: Dem drohenden „Weltenbrand“, wie ihn schon ein Wagner im „Ring der Nibelungen“ aufgegriffen hat, zu entfliehen, dem Treiben manch Mächtiger Einhalt zu gebieten. Eben auch mit Musik. Und Poesie. „Ich bin überzeugt, dass die von dem begeistert aufspielenden Streicher-, Holz- und Blechbläser-Ensemble vorgetragenen Lieder zur Heilung der geschundenen Welt beitragen. Denn diese Songs können die Poesie noch tiefer ins Herz tragen und dorthin bringen, wo sie eigentlich herkommen, aus den tiefsten Tiefen des Seins.“

Der Meister im Kreis des Ensembles der Bayerischen Philharmonie (Foto: T. Karsten)

Das Orchester und Band nebst Wecker bringen die Tragweite der Stücke schön zur Geltung, teils à la Brecht-Weillschem Sprechtheater, heiteren Streichersätzen im Tenor italienischer Klassik, aber auch jazzig, mit flirrenden Piano-Passagen, üppiger Perkussion und von E-Gitarren getragenen Rock-Einlagen, die ohne Sülzerei wie bei mancher Rock-Sinfonie daherkommen. Zudem streut Wecker Filmkompositionen wie „Kir Royal“ ein.

Auch die wunderbar erträgliche Leichtigkeit des Seins sonnt sich, in Stücken wie dem sinnlichen „Vom Schwimmen in Seen und Flüssen“. Und Songs wie „Nur dafür lasst uns leben“ schwingen sich dank Streicher-Einheiten zu hymnischen Höhen auf. Zudem vertonte Wecker pointiert Werke von Erich Kästner („Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn“), Erich Mühsam („Der Gefangene“) sowie sogar von Bertolt Brecht („An die Nachgeborenen“). Obendrein schrieb er Noten für Gedichte von Rainer Maria Rilke („Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“, „Wunderliches Wort: Die Zeit vertreiben!“ und Johann Wolfgang von Goethe „An den Mond“.

Wenn schon der „Herrgott“ zu resignieren scheint, Wecker tut es nicht. Der Dichter träumt weiter. Und ist dabei kein Träumer. Konstantin bleibt eine feste Konstante in der deutschsprachigen Musikwelt. Helle Freude, schöner Wecker-Funken.

Video-Clip Probe/Interview:

Tourdaten Konstantin Wecker mit der Bayerischen Philharmonie „Weltenbrand“:

07.10.2019 Berlin Philharmonie
14.10.2019 Köln Philharmonie
17.10.2019 Hamburg Laeiszhalle
29.10.2019 München Philharmonie
30.10.2019 München Philharmonie
04.11.2019 Düsseldorf Tonhalle
08.11.2019 Freiburg Konzerthaus
10.11.2019 Wuppertal Stadthalle
14.11.2019 Dresden Kulturpalast
25.11.2019 Dortmund Konzerthaus
26.11.2019 Essen Philharmonie
27.11.2019 Hannover Kuppelsaal
01.12.2019 A – Wien Konzerthaus
09.12.2019 CH – Bern Kursaal
10.12.2019 CH – Luzern KKL
27.12.2019 Nürnberg Meistersinger Saal
28.12.2019 Erfurt Alte Oper
30.12.2019 Mainz Halle 45
01.05.2020 Karlsruhe Schwarzwaldhalle

Konstantin Wecker Weltenbrand erscheint am 11.10.2019 auf Sturm & Klang / Alive als Doppel-CD, Dreifach-LP oder als Stream sowie MP3-Download, z.B. bei amazon.de (Cover: Amazon)

 

Konstantin Wecker
Weltenbrand
2019/10
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
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Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt