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Bokanté + Metropole Orkest - WHAT HEAT: Weltmusik dichtesten Arrangements (Foto: Real World Records)
Bokanté + Metropole Orkest - WHAT HEAT: Weltmusik mit dichtesten Arrangements (Foto: Real World Records)

Bokanté – What Heat: opulent und groovy

Ich schreibe ja nur selten Musikrezensionen auf LowBeats, aber dieses Album hat mich echt umgehauen und das möchte ich gerne mit Euch teilen: Bokanté + Metropole Orkest – What Heat.

Michael League (Snarky Puppy), Malika Tirolien (Foto: York Tillyer)
Michael League (Snarky Puppy), Malika Tirolien (Foto: York Tillyer)

Bokanté, das sagte mir zunächst nichts. Bokanté, das bedeutet „Austausch“ in der kreolischen Muttersprache von Sängerin Malika Tirolien, die das Projekt mit Grammy-Preisträger Michael League von Snarky Puppy vor ein paar Jahren gründete.

What Heat ist das zweite Album nach Strange Circles von 2017. Und die Vorab-MP3 klangen musikalisch und klanglich derart sansationell, dass ich neugirieg wurde.

Bokanté (Foto: York Tillyer)
Die Stamm-Besetzung der Band Bokanté (Foto: York Tillyer)

Auf dem Foto von links: Die Stamm-Band besteht aus Jamey Haddad, Keita Ogawa und André Ferrari (alle drei Percussion), Malika Tirolien (Gesang), Michael League (Gitarre), Bob Lanzetti (Gitarre), Roosevelt Collier (Lap Steel Guitar) und Chris McQueen (Gitarre).

Dieses Ensemble verschmilzt Musik aus vier Kontinenten zu einem völlig neuen, dicht gewebten Stilmix mit ganz eigenem Sound, den man einmal im Ohr hat und schon nach den ersten Takten wiedererkennt: groovy, jazzy mit kreolischen und afrikanischen Einflüssen, perkussiv mit signifikanter Slide-Gitarre, mit Gesang mal in Kreolisch, Französisch oder Englisch.

Michael League, Malika Tirolien und Jules Buckley vom Metropole Orkest (Foto: York Tillyer)
Michael League, Malika Tirolien und Jules Buckley vom Metropole Orkest (Foto: York Tillyer)

Für What Heat haben sich Bokanté mit dem Metropole Orkest zusammengetan, dem ursprünglichen  Tanz- und Unterhaltungsorchester des Senders Radio Hilversum und besteht seit 1945. Heute leitet Jules Buckley diese Formation, die im Grunde aus einer stattlich besetzten Big Band und einem auf Streicher reduzierten Symphonie-Orchester bestehen.

Entsprechend dicht und reich an Klangfarben und Details klingt What Heat. Lautmalerisch würde ich sagen: klingt „PHÄTT!“ Schon der Starttrack „All The Way Home“ bietet neben Ohrwurm-Garantie ein derart komplexes Arrangement und dennoch differenziertes Spektrum, dass daraus auch ein Highend-Anlagen-Demo-Klassiker werden könnte.

Ganz klar, Regallautsprecherchen sind damit komplett überfordert. Die schiere Opulenz des Arrangements erinnert etwas an die Hollywood-Soundtracks eines Hans Zimmer.

Bokanté kann mit Titeln wie „Lè An Gadé-w En Zyé“ aber auch ganz anders, hier zeigt sich die Band auch zarterer Töne mächtig. Das wirkt schon fast Singer-Songwriter-artig, wenngleich mit Streicherteppich und komplexer, aber zurückhaltender Percussion.

Stets wirken afrikanische, amerikanische, arabische und europäische Einflüsse harmonisch zusammen, ohne dem Weltmusik oft anhaftenden, angestaubten Dritte-Welt-Laden-Stereotyp zu entsprechen. Das hier klingt stets dramatischer, satter, jazziger, mit einer Energie und einem Tempo, bei dem man schon beim Zuhören außer Atem gerät. Krass. Geil.

Bokanté + Metropole Orkest - WHAT HEAT: Weltmusik dichtesten Arrangements (Foto: Real World Records)
Bokanté + Metropole Orkest – What Heat: Weltmusik mit dichtesten Arrangements (Foto: Real World Records)

Bokanté and the Metropole Orkest – What Heat erscheint am 28. September im Vertrieb von Indigo und ist erhältlich als Download, CD und Vinyl-LP. Auch auf der Bandcamp-Seite der Band erhältlich, sogar in 24Bit. Weitere Infos direkt bei der Band: bokante.com.

Bokanté + Metropole Orkest What Heat
2018/09
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertungen
Musik
Klang
Reportoirewert

Gesamt

Und noch einen Titel zum Reinhören