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Best-Ofs gabs schon einige, aber Best Of R.E.M. At The BBC ist brillant

Best Of R.E.M. At The BBC – das Album der Woche

Beim Namen R.E.M. muss man eigentlich gar nichts weiteres sagen: Die Band um Sänger und Frontmann Michael Stipe zählt einfach zu den ganz Großen des (Alternative-)Rocks. Zuletzt machten sie mit opulenten Anniversary-Box-Sets von Top-Alben wie Automatic For The People auf sich aufmerksam (LowBeats Album der Woche Weihnachten 2017). Nun öffnete die BBC ihre heiligen Archive, aus denen einige hochkarätige Sessions und Songversionen aufblitzen: Das Ergebnis ist ein opulentes 8CD-/1-DVD-Werk, dessen Essenz es parallel auch auf zwei CDs respektive LPs geschafft hat. Der etwas kryptische Name: Best Of R.E.M. At The BBC.

Best Of R.E.M. At The BBC M. Stipe
Michael Stipe – die charismatische Stimme von R.E.M.

„Ihr Auftritt in Glastonbury 1999 war unfassbar: Die Band galoppierte durch ein Set, das eigentlich nur aus Hits bestand. Sie waren ein mehr als würdiger Headliner, der Auftritt ein absoluter Triumphzug und für mich einer der besten Glastonbury-Momente aller Zeiten,“ jubelte die renommierte BBC-Moderatorin und DJ Jo Whiley über das R.E.M.-Event vor rund 19 Jahren, das die BBC damals aufzeichnete.

Nicht nur das: Der britische Rundfunk begleitete Bill Berry, Peter Buck, Mike Mills und Michael Stipe – ihres Zeichens Mitglieder der Rock And Roll Hall Of Fame – über viele Jahre hinweg. Denn das US-Quartett aus Athens/Georgia spielte bereits 1984 eine wilde Performance – in der Rock City Nottingham, welche die Radiologen einfingen.

Das Deluxe-Box-Set von Best Of R.E.M. At The BBC vereint rund 130 meist klasse Tracks aus einer 30-jährigen Karrierespanne von R.E.M.: Studio-Sessions, TV-Auftritte sowie Live-Sendungen aus den Archiven der BBC. Darunter die „Peel Sessions“, „Later… With Jools Holland“ sowie „Live Lounge“.

Auch Sendungen von „Nottingham Rock City“ (1984), „Milton Keynes‘ The National Bowl“ (1995) sowie „Glastonbury’s Pyramid Stage“ (1999) Darunter geniale Versionen von Hits wie „Losing My Religion“, „Everybody Hurts“, „Man On The Moon“ oder „The One I Love“.

Die Cover-Texte liefern dazu vielfältige Hintergrundinformationen aus den Zeitläufen, darunter eben auch Erinnerungen von damaligen BBC-Reportern und Team-Mitarbeitern der Band. „Michael hat mir mal erzählt, dass er in Farben hört.

Das war einer der Abende, an denen man das Gefühl hatte, nur seine Hand ausstrecken zu müssen, um die Musik zu berühren, die sich herrlich grün durch den Raum rankte,“ so BBC-Produzent Mark Hagen über einen Live-Auftritt bei „Top Of The Pops“ im Jahr 2001.

Best Of R.E.M. At The BBC Cover1
Farben sind wichtig (Foto: C. Dick)

Die DVD des Deluxe-Sets deckt ebenso die Zeitspanne von 1984 bis 2003 mit insgesamt 33 Kapiteln ab, startend mit dem Film „Accelerating Backwards“. Die einstündige Retrospektive über die BBC-Auftritte von R.E.M. – also Best Of R.E.M. At The BBC in Ton und Bild quasi, gab’s bislang nur in Großbritannien.

Mit dabei: gewitzte Interview-Szenen mit Peter Buck, Mike Mills und Michael Stipe. Eine komplette Folge von „Later … With Jools Holland“ von 1998 zu Ehren der Band ergänzt die DVD bravourös neben weiteren Sessions, zum Beispiel von „Top Of The Pops“.

Die Musik von Best Of R.E.M. At The BBC

Tontechnisch zählen die Ingenieure von der BBC eher zu den besseren auf dieser Welt.

Insofern wundert es nicht, dass die Klangqualität vieler Songs von Best Of R.E.M. At The BBC weitgehend prima bis brillant ausfällt: Raumgefühl, Klangfarben und Auflösung stimmen vielerorts sehr, was zum Beispiel bei der Nicky Campbell Session „Into The Night On BBC Radio 1″, erstausgestrahlt am 13. März 1991, fein rüberkommt.

Songs wie „World Leader Pretend“, „Radio Song“ oder „Losing My Religion“ besitzen farbige Strahlkraft, Körperhaftigkeit, tolle Auflösung und eine schön ausgeleuchtete Raumtiefe.

Best Of R.E.M. At The BBC Cover3
(Foto: C. Dick)

Während die John-Peel-Sessions von 1998 mit Stücken wie „Lotus“ oder „Electrolite“ klanglich nicht mithalten können, begeistern wiederum Takes bei „Later … With Jools Holland“ 1998 mit Stücken wie „Country Feedback“.

Live-Aufnahmen, vor allem jüngeren Datums (Live from St. James‘ Church 2004), überzeugen durch feine Atmosphäre und Druck. Während ältere Bühnen-Stücke wie beim erwähnten „Nottingham Rock City“ (1984) eher leicht harsch und hallig tönen – künstlerisch aber überzeugen.

Best Of R.E.M. At The BBC LP-Set
Best Of R.E.M. At The BBC gibt es auch analog (Foto: C. Dick)

Insofern empfiehlt sich die Deluxe-Edition in jedem Fall für Fans, während der fein eingekochte CD-/LP-Zweier auch für Neueinsteiger von R.E.M. Gourmetqualität besitzen. So oder so: Eine traumhafte R.E.M.-Phase.

Best Of R.E.M. At The BBC
Best Of R.E.M. At The BBC (Cover: Amazon)

R.E.M. Best Of R.E.M. At The BBC erscheint bei Concord / Universal als 8-CD-/1-DVD-Box Deluxe Edition, Doppel-CD, Doppel-LP sowie digital (Stream, Donwload), z.B. bei amazon.de.

Best Of R.E.M. At The BBC
2018/10
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
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Musik
Klang
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