ende
Tiwayo „Desert Dream“
Tiwayo „Desert Dream“: Heimelige Singer-Songwriter-Musik, die exzellent aufgenommen wurde (Foto: T. Delavet)

Das audiophile Album: Tiwayo „Desert Dream“

Rémi Tyo alias Tiwayo spannt mit seinem neuesten Werk einen gelungenen Bogen zwischen Singer-Songwriter und Soul-Folk. Zudem klingt Tiwayo „Desert Dream“ ganz hervorragend: eine klassische audiophile Empfehlung der Musikredaktion.

Viel Lob gab es um das Debütalbum „The Gypsy Soul Of Tiwayo“ von 2019 für den junge Franzosen. So vom französischen „Rolling Stone“ („ein kleines Soul-Genie“) – oder schlichtweg durch die Tatsache, dass er schon vorher mit Promis wie Norah Jones, Seal, Marcus Miller oder MC Solar getourt ist.

Anlässlich des Hamburger Reeperbahn Festivals schwärmte auch Starproduzent Tony Visconti (David Bowie, Thin Lizzy, Manic Street Preachers) von dem Musiker: „Ich mochte vor allem Tiwayo. Ich fand ihn authentisch, voller Soul. Wenn er mit seinen Backgroundsängerinnen singt, ist es, also ob man in einer Kirche ist.“

Nun gut. Was wissen wir über den 30-jährigen Pariser? Rémi Tyo wuchs in der Banlieu der Megametropole auf, in der Vorstadt. Früh inhalierte er verschiedene Musikströmungen wie 60er- und 70er Jahre Soul, Rock, dazu Blues, Gospel und Reggae sowie den Südstaaten-Sound der USA. Aber auch zuhause spielte die Musik. „Vieles davon stammt von meinen Eltern. Mein Vater war seit Mitte der 50er Jahre Jazzfan.“

Seinen Spitz- und Künstlernamen fand er während eines Roadtrips im Süden der USA. „T.Y.O.“ steht für „The Young Old“ – der junge Alte, der als Fan schwarzer Musik unterwegs war zu den Wurzeln des Blues. „Ich bin ein paar Mal nach New Orleans zurückgekehrt, nur um die Atmosphäre zu spüren. Musik ist dort Teil der Kultur und vor Ort ist sie einfach anders. Außerdem ist es gut, manchmal ein Fremder zu sein, weil man dann einen anderen Blick hat.“

Aus all dem schuf Rémi einen samtig-sensiblen Mix, der auch unter der Singer-Songwriter-Flagge segeln könnte. Doch obwohl er bislang nicht allzu lange im Musikbusiness verweilt, zog es ihn auf Abstand, seine Stücke sollten reduzierter, fragiler, noch persönlicher werden –und das sollte sein „Desert Dream“ verwirklichen.

Die Musik von Tiwayo „Desert Dream“

Zunächst ein paar Takte zur Aufnahme. Tiwayo hat die Stücke nicht nur komponiert, aufgenommen und produziert. Nein, der 30-Jährige hat das Album auch noch höchstselbst gemixt und lediglich das Mastering Manu Schlindwein in Köln anvertraut.

Immerhin debütierte Tiwayo ja 2019 auf dem für Qualität und Wohlklang geschätzten Blue-Note-Label. Diese aktuelle, sozusagen Selfmade-Aufnahme glänzt ebenso auf hohem Niveau mit toller tonaler Farbpracht, Körperhaftigkeit, schönem Raumambiente und Feindynamik. Chapeau!

Gitarre, Bass, Drums und Vocals steuert der Pariser selbst bei, auch bei den Background-Vocals mischt er im Team von Gladys Germany und Annaelle Solet mit. Das Schlagzeug bediente zusätzlich Erwan Morisse, die Keyboardtasten drückte Eli Frot.

Tiwayo „Desert Dream“ Cover
Tiwayo: „Desert Dream“ erscheint bei Yotanka / Pias, Believe als CD, LP oder als Stream und Download, z.B. bei qobuz.de (Cover: Qobuz)

Die zehn Stücke verströmen große Gelassenheit, Wärme und kraftvolle Melancholie, wie das anrührende „Daughter Of The Stars“ oder „Shelter Me“. Auch „My Love, My Brother“ oder „Lost In The Sun“ funkeln mit Tiwayos angeraut-samtigen Stimme trotz schnellerer Gangart dunkelorange wie der Sonnenuntergang in der Wüste. Schöne Sache.

Tiwayo „Desert Dream“
2023/05
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

Autor: Claus Dick

Avatar-Foto
Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.