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Loreen McKennitt
Die Sängerin Loreen McKennitt ist eine echte Größe im Folk. Mit "Live At Albert Hall" hat sie eine großartige Werkschau ihrer 35 jährigen Karriere abgeliefert – und ein fantastisches Live-Album eingespielt

Loreena McKennitt Live At The Royal Albert Hall – das Album der Woche

Mit ihrem Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall inszeniert Loreena McKennitt eine mitreißende Werkschau ihrer 35-jährigen Karriere. Die begnadete Celtic-Folk-Sängerin legt hier einen tollen Konzertabend hin: atmosphärisch dicht, aber auch klanglich hinreißend. Loreena McKennitt Live At The Royal Albert Hall ist unser Album der Woche.

Als Kind wollte Loreena Tierärztin werden. Kein Wunder, sie wuchs in der sehr ländlich geprägten kanadischen Provinz Manitoba auf. Der Vater war Viehhändler, die Mutter Krankenschwester. Doch es kam anders. Nicht zum Unglück für Millionen begeisterter Anhänger ihres eigenständigen Stilmixes aus Celtic-Folk, Singer-Songwriting und World Music.

Heute pflastern über 15 Millionen Alben den musikalischen Karriereweg von Loreena McKennitt. Zudem heimste die heute 62-Jährige diverse Auszeichnungen in Gold, Platin und Multi-Platin sowie zwei Grammy-Nominierungen ein. Den Juno Award gewann sie obendrein zweimal, den Billboard International Achievement Award immerhin einmal.

Hinter diesen Anerkennungen schillert seit ihrem ersten Album Elemental  aus dem Jahr 1985 ihre nunmehr über die Jahre vollmundig gereifte, vielschichtige Musik. Musik, die durchaus imstande ist, den Geist für eine Weile ruhen zu lassen und dafür die Seele eintauchen zu lassen in ein hell und warm, aber auch pastell schimmerndes Universum aus berührenden und hymnenhaften Melodien und Arrangements.

Die sind auch geprägt von sehr intensiven persönlichen Erfahrungen, im Guten wie im Schlechten. Wie ein Bootsunfall vor über 20 Jahren, bei dem ihr Verlobter und zwei weitere Freunde ums Leben kamen. Um solchen Unglücken vorzubeugen und Angehörigen zu helfen, gründete sie kurz danach die Stiftung „Cook-Rees Memorial Fund for Water Search and Safety“.

Nach diesem einschneidenden Erlebnis ging die Singer-Songwriterin ihren Weg weiter und nahm 1999 Live In Paris And Toronto  auf. Die Einnahmen des Events flossen in ihre Stiftung. Zugleich zeigte die Sängerin mit der glockenklaren Stimme damit bereits vor 20 Jahren, dass sie große, abendfüllende Konzerte formidabel ausrichten kann. Nights From The Alhambra  betörte vor rund zwölf Jahren ebenso und wurde mit einer TV-/DVD-Aufnahme vor wunderbarer, historischer Kulisse für die Nachwelt eingefangen.

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Ein denkwürdiger Abend wurde dank guter Aufnahmetechnik fantastisch gut konserviert: die Folk-Sängerin Loreena McKennitt in der ehrwürdigen Royal Albert Hall zu London

Auf ihrer jüngsten Frühjahrs-/Sommertour durch Europa besuchten nicht weniger als 80.000 Fans ihre Konzerte. Am 13. März 2019 trat McKennitt dabei in der altehrwürdigen, 1871 erbauten Royal Albert Hall in London auf. Witzigerweise spielte die Kanadierin dort bereits 1993: als Opener für einen gewissen Mike Oldfield… Ein schönes Wiedersehen. „Es war eine wundervolle Erfahrung, in der Royal Albert Hall aufzutreten, vor allem mit der Historie, die einem dort zu Füßen liegt. Und es war besonders erfreulich, einige Musiker einzuladen, die bereits auf dem Album Lost Souls mitgewirkt haben und die nun live mit uns spielen sowie diesen wundervollen Moment mit uns teilen konnten. Ich bin glücklich, dass wir dies für die Nachwelt erhalten können“, freut sie sich.

Die Musik von Loreena McKennitt Live At The Royal Albert Hall

Und in der Tat, so einige Musiker schwangen sich an diesem Märzabend mit McKennitt auf zu virtuosen Höhenflügen: wie der Ägypter Hossam Ramzy (Perkussion, leider am 11. September verstorben), Daniel Casares (Flamenco-Gitarre), Ben Grossman (Bodhran, Akkordeon), Ian Harper (Uilleann Pipe, Bombard, türkische Klarinette, Flöten) Ana Alcaide („Nyckelharpa“), Brian Hughes an Gitarre und Oud sowie keltischer Bouzouki, Caroline Lavelle am Cello, Hugh Marsh an der Violine oder Dudley Philips (Bass) sowie Robert Brian an den Drums.

Die Doppel-CD vereint 20 Songs des Abends, sieben debütieren dabei als Live-Aufnahme. Und sechs stammen aus Lost Souls, dem ersten Studioalbum seit 2006. Die Tontechnik beeindruckt übrigens mit feiner Auflösung und Plastizität, schönem Raumgefühl und prickelnder Atmosphäre.

Ein paar Song-Highlights:

„A Hundred Wishes“ beschwingt beinahe feierlich, nicht nur in der jetzigen Vorweihnachtszeit – mit sonorem Cello und Bass nebst Loreenas scheinbar schwebender Stimme. „Ballad Of The Foxhunter“ besticht mit zartem Harfenspiel, eingebettet in ein breit aufgefächertes, sinfonisches Instrumentarium. „The Star Of The County Down“ ist eine hin- und mitreißende Gänsehautnummer, bei der die Post abgeht; Irish-Polka mit energischer Stimmgewalt. „The Bonny Swans“ gibt sich balladesker Elegie hin, schön und gerade noch jenseits einer allzu zuckersüßen Melodienwelt. „The Mystic’s Dream“ lebt durch pulsierende Rhythmen und Trommel-Wirbel, getränkt mit arabischen Einflüssen. „Santiago“ wiederum lässt das Tanzbein zucken, unter anderem dank vehementem Drum-Einsatz.

Ein herrliches Celtic-Folk-Live-Event, das es so schnell vielleicht nicht wieder geben wird. Denn Loreena McKennitt will sich eine längere Auszeit nehmen – auch um sich politisch zu engagieren: in puncto Klimawandel, Datenmissbrauch, Fake News und Auswüchsen des Kapitalismus. Respekt.

Weitere Top-Alben von Loreena McKennitt:

Elemental von 1985, The Visit von 1991 sowie The Mask And Mirror von 1994 und Lost Souls aus dem Jahr 2018. Dazu die Live-Alben Live In Paris And Toronto von 1999 sowie Nights From The Alhambra  (2007)

Loreena McKennitt Live At The Royal Albert Hall Cover
Loreena McKennitt Live At The Royal Albert Hall erscheint auf ihrem eigenen Label Quinlan Road als Doppel-CD, MP3-Download oder Stream, z.B. bei amazon.de (Cover: Amazon)
Loreena McKennitt
Live At The Royal Albert Hall
 
2019/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
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