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Revox A77 MK I
Die Revox A77 MK I von 1967 im Detail: Mit dem Einschaltknebel wird auch die Geschwindigkeit gewählt – 3,75 oder 7,5 inches per second (respektive 9,5 cm oder 19 cm/sek.); (Foto: Catawiki)

Dream Machines! Revox A77 MKI von 1967

Eine Bandmaschine war das HiFi-Teil, das in den 1960er und bis in die 1980er-Jahre jeder Musikfan haben wollte, was aber nur für wenige ins Budget passte. Nicht mal das lang ersehnte Konfirmationsgeld (für die Protestanten unter uns) reichte aus, um sich eines der angesagten Tonbandgeräte leisten zu können. Eine der besten Maschinen aller Zeiten ist die Revox A77 die in ihren vier Revisionsstufen von 1967 bis 1977 gebaut wurde. Das Ur-Modell, eine  Revox A77 MK I , aus dem Erstvorstellungsjahr 1967, war im April bei Catawiki, dem Online-Marktplatz für besondere Objekte, im überholten Zustand zu haben. Ein Bieter ersteigerte die Maschine schließlich für 901 Euro.

Revox A77 MKI – ein Rückblick

15 Kilogramm schwer und seinerzeit rund 1500 D-Mark teuer (1969), war die A77 eine heftige Investition. Wer das jetzt „gefühlt“ günstig findet, für den hier ein Vergleich: Ein VW-Käfer 1200 kostete zu dieser Zeit 4485 D-Mark, das monatliche Durchschnittseinkommen lag bei rund 1000 D-Mark. Kein Wunder, dass sich die meisten Bewunderer der Schweizer-Ingenieurskunst nur die Nase an der Schaufensterscheibe ihres Radio- und Fernsehgeschäfts plattdrücken konnten, um das Objekt der Begierde wenigstens mal im Original zu sehen. Und doch wurden in ihrer zehn Jahre währenden Produktion mit vier Revisionsstufen mehr als 360.000 Exemplare hergestellt. Auch LowBeats-Ton- und Messmeister Jürgen Schröder, der seine Leidenschaft für HiFi mit dem Uher Report 4400 Stereo entdeckte, wusste schon als Jungspund, dass die A77 „die beste Maschine auf dem Markt“ war. Nur haben konnte auch er sie – zunächst – nicht. Dazu später mehr.

Musikhören gehörte in den 1960ern und 1970ern zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung der Jugend. Kein Wunder, dass da etwa der NDR eine seiner ersten Jugendmusiksendungen „Musik für junge Leute“ nannte. Die lief gerade mal eine Stunde ­– am Tag. Sonst dominierten „Glückwünsche und Musik“, „Schlager, Lieder & Chansons“ oder der „Landfunk“.  Für „Junge Leute“ war es demnach bundesweit Pflicht, Musiksendungen aus dem Radio mitzuschneiden und Moderatoren (ja, Thomas Gottschalk, wir blicken auf dich!), die während eines Stücks dazwischen quatschten, wurden verflucht. Sinn und Zweck eines Tonbands (oder Kassettenrecorders) war es, Musik zu besitzen, die man sich als Schallplatte nicht leisten konnte, oder aber die es im Handel nicht gab. Den Zeigefinger an der Pausentaste, wartete man gespannt auf den nächsten Titel, um bloß nicht den Anfang, oder das Ende zu verpassen. Dazwischen immer der bange Blick auf die VU-Meter, dass es ja nicht verzerrte oder rauschte.

Nicht jeder wohnte in einer Großstadt, aber Musik über den Äther war eben auch in Pinneberg oder Rosenheim zu empfangen. Klar gehörte da auch ein HiFi-Receiver dazu, aber zur allergrößten Not ging es auch mit einem externen Mikrofon. Klanglich bei Weitem nicht optimal, aber hey, man hatte „sein Lieblingsstück“ (wenn Mutti nicht aus der Küche rief, oder der Moderator …). Die A77 war zudem auf Wunsch auch mit eingebautem Verstärker und Lautsprechern lieferbar – praktisch. Was hat denn die A77 so besonders gemacht?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Bandmaschinen setzte Revox schon bei der Revox A77 MK I nicht auf eine reparaturanfällige Kombinationen aus Filzscheiben-Rutschkupplungen in den Wickeltellern und Andruckfilzen für den Kontakt zum Band, sondern auf drei Motoren. Je einen Wickelmotor links und rechts, sowie einen Tonwellenmotor für den Antrieb (übrigens vom deutschen Zulieferer Papst). Darüber hinaus kam die Revox A77 auch mit großen 26,5 cm Durchmesser-Spulen klar, was mal eben die Spielzeit gegenüber den herkömmlichen 18er-Spulen verdoppelte. Als Geschwindigkeiten standen 9,5 cm/s und 19 cm/s zur Verfügung. Ein Novum für den Heimeinsatz war zudem, dass die A77 als Dreikopftonbandmaschine über die sogenannte Hinterbandkontrolle verfügte. Das heißt, dass die Qualität der Aufnahme noch während der Aufzeichnung überprüft (abgehört) werden konnte. Ein in der gesamten Produktionslaufzeit niemals verändertes Druckgusschassis sorgte zudem für absolute Verwindungssteifheit. LowBeats Tonmeister Jürgen Schröder, der erst als gestandener Toningenieur an eine A77 gelangte ist noch heute ob der Qualitäten, die in der Maschine schlummern, begeistert: „Durch gezielten Bauteiletausch und sorgfältiges Einmessen lässt sich aus den 77ern von Revox noch jede Menge Rauschabstand und Klang herausholen. Speziell ältere A-Modelle besitzen aufgrund ihrer eher zahmen Einstellung noch reichlich Spielraum.“

Revox A77 MK I
Die Revox A77 MK I wurde nur von 1967 bis 1969 gebaut. Insgesamt gibt es von dem Modell vier Revisionsstufen die bis 1977 hergestellt wurden. Mehr als 360.000 Einheiten produzierten die Schweizer von dem Modell (Foto: Catawiki)

Nach über 50 Jahren seit der ersten A77 nagt zudem der Zahn der Zeit an manchen Bauteilen. Abgesehen vom normalen Verschleiß mechanischer Komponenten, bereiten die Entstörkondensatoren der Schweizer Firma RIFA die größten Sorgen. Auch wenn es noch A77 MK I geben soll, die mit der Originalbestückung laufen, ist es ratsam, diese zu tauschen.

Wir baten Michael Gieser vom Revox Online-Shop um Rat und fragten ihn, worauf man beim Kauf einer A77 achten sollte: „Es gibt wenige Schwachstellen der Revox A77. Die Bandmaschine ist sehr robust und aufgrund der einfachen Technik, sehr langlebig. Dennoch gibt es viele fehlerhafte und falsch gewartete Bandmaschinen. Falsches oder fehlendes Sinterlageröl, das mal eben günstig über die Bucht besorgt wurde, zerstört das Sinterlager der Tonmotoren. Die Motoren sind dann unwiederbringlich kaputt. Es gibt auch Bandmaschinen, die verschlissen sind. Die Tonköpfe, die Bandführung aber auch Motoren, Trimmer und Schalter neigen dann zu Fehlfunktionen. Eine der Schwachstellen, wenn man das als Schwachstelle bezeichnen möchte, ist die fehlende Laufwerkslogik, die fehlende Abfrage, ob die Spulmotoren den Stillstand erreicht haben. Die Wickeleigenschaften sind nicht so gut wie bei der späteren Revox B77. Beim Kauf ist der erste Eindruck wichtig. Stimmt der erste Eindruck nicht, drehen Sie gleich wieder um. Ist die erste Hürde überwunden, gucken Sie sich den Kopfspiegel an. Dieser sollte nicht größer als 5 mm sein. Neue Tonköpfe kosten über 700,00 € das Stück plus Einbau, plus Einmessung. Wenn die Maschine aber technisch in Ordnung ist, kann Sie auch heute noch mit hervorragenden Klangeigenschaften glänzen. Man möchte kaum glauben, wie die A77 aufspielen kann.“

Revox A77 MK I
Als die Revox A77 im Jahr 1967 erstmals auf den Markt kam, war sie ein Überflieger. Nicht nur technisch, auch preislich war das Tonbandgerät anspruchsvoll: 1500 D-Mark waren für die Bandmaschine im letzten Jahr des Ur-Modells (1969) auf den Tisch des Fachhändlers zu legen. Alle Fotos zu diesem Artikel zeigen Orginalabildungen der zu ersteigernden Revox A77 MK I von 1967 (Foto: Catawiki)

Die Revox A77 MK I war und ist definitiv ein Meilenstein der Tonbandgeräte im HiFi-Segment. Ihre „Gene“ aus dem Profi-Bereich machten sie zwar teuer in der Anschaffung, aber im Grunde war sie eine Investition für das Leben. Oder wie Revox es in einer Anzeige der US-amerikanischen HiFi-Stereo-Review von 1975 beschrieb: „Gebaut für die Ewigkeit.“ Kann man so stehen lassen.

Wie im Einstieg bereits beschrieben, war eine der ersten Revox A77 MK I von 1967 im April 2023 beim Online-Marktplatz Catawiki im Angebot. Eine Bandmaschine mit Seltenheitswert, zudem noch top restauriert, wie uns Catawiki mitteilte. So sind etwa die berühmt-berüchtigten RIFA-Entstörkondensatoren durch neue, hochwertige Exemplare ersetzt worden. Technisch ist das Gerät nahezu im Neuzustand, wie uns der zuständige Experte von Catawiki, Ariel Cabello, versicherte. Ein Bieter aus Deutschland bekam bei einem Höchstgebot von 901 Euro schließlich den Zuschlag.

Autor: Andrew Weber