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Das Müncher Tollwood im Winter: die besten CDs zum Schluss
Das LowBeats Team wünscht allen Lesern eine besinnliche Weihnacht und viel Zeit zum LowBeats-Lesen (Foto: H. Magerstaedt)

Die besten CDs zum Schluss – Merry Christmas!

In KW 33 startete unsere Musik-Rubrik „CD der Woche“ – davor und auch parallel zu unserem jeweiligen musikalische Highlight der Woche tat und tut sich aber natürlich noch einiges mehr in der Musikszene. Bis auf die Zeit „zwischen den Jahren“ – da hält die Branche ein wenig Winterschlaf. LowBeats Musikautor Christof Hammer nutzt dieses Zeitfenster für einen Blick auf fünf weitere großartige und essenzielle CDs, die ebenfalls im Jahr 2016 erschienen sind. Und zwar nicht in Form einer „Jahres-Best-of-Hitparade“ (weshalb die Auflistung unnummeriert erfolgt und an dieser Stelle auch nicht die großen Werke dieses Jahres wie David Bowies opus magnum „*“, das Radiohead-Psychopop-Panoptikum A Moon Shaped Pool oder Hopelessness, das Meisterwerk der elektronischen Kammermusik von Anhoni auftauchen sollen) – sondern als Zwischenruf getreu dem Motto: Die besten CDs zum Schluss. Und zwar:

Seite 1    Bon Iver 22, A Million Michael Kiwanuka Love & Hate; (1)
Seite 2    Van Morrison Keep Me Singing; Drangsal Harieschaim; Frightened Rabbit Painting Of A Panic Attack (2)

Und damit verbunden wünschen wir unseren Lesern eine schöne, besinnliche Weihnachtszeit und uns, dass wir auf LowBeats auch in den nächsten Tagen viel Besuch bekommen. Es wird nämlich auch im neuen Jahr einige interessante Veröffentlichungen bei uns geben…

 

Die besten CDs zum Schluss (1)

Bon Iver 22, A Million

Die besten CDs zum Schluss Bon Ivor "22,A Million"
Bon Iver 22, A Million (Cover: Amazon)

Die erste aus der Serie Die besten CDs zum Schluss ist eine der merkwürdigsten Discs des Jahres und zugleich eine der schönsten. Justin Vernon ist nicht nur der momentan vielleicht größte Querdenker der amerikanischen Musikszene, sondern auch eine Art Synästhet. Wer sein drittes Album hört, lauscht einem Musiker, der nicht in Noten zu denken scheint, sondern in Ziffern, Buchstaben und Zeichen – und daraus eine ganz eigene Parallelwelt voll bizarrer Klangfarben und psychedelischer Atmosphären erschafft. Die Kompositionen auf 22, A Million heißen hier etwa „10 dETHhbREasT“, „666ʇ“ oder auch „715 – CRKS“. In Musik übersetzt, entsteht so ein Album fern jeder popmusikalischen Konvention: halb frei improvisierte Stimmungsskizze, halb autistisch wirkende, strengen Gesetzmäßigkeiten gehorchende mathematische Matrix. Via Vocoder und Filtern verwandelte der 35-jährige aus Wisconsin seine schon für sich genommen eigenartige Falsettstimme mit chirurgischer Präzision in eine einzige vokale Merkwürdigkeit, addierte digitale Morsesignale hinzu und schuf so Soundscapes zwischen Kunst und Chaos, nutzte Klang als Mittel zur Katharsis – das erregende Gegenteil von schnödem Pop.

Das Beste zum Schluss: Bon Ivor

Bon Iver 22, A Million erscheint bei Jagjaguwar/Cargo und ist erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP, MP3-Download und Hörkassette

 

Michael Kiwanuka Love & Hate

Die besten CDs zum Schluss VMichael Kawanuke: "Love & Hate"
Michael Kiwanuka Love & Hate (Cover: Amazon)

Dass Michael Kiwanuka sich auf klassischen Sixties-Soul in der Tradition von Altvorderen wie Bill Withers oder Otis Redding versteht, steht seit seinem 2012er-Debüt „Home Again“ außer Frage. Aber „nur“ als Soul Man sah sich der Brite mit ugandischen Wurzeln schon damals nicht. Auf Love & Hate ignoriert Kiwanuka jedwede Black-Music-Klischees noch stärker als auf seinem folk-getönten Debüt. Lediglich in „One More Night“ geben knorrige Bläser den Ton an; ansonsten dominieren psychedelische Gitarren und fein dosierte Streicher- und Pianosounds die Songs, die gleich mehrmals die sieben-Minutengrenze streifen bzw. überschreiten. Und „Cold Little Heart“ driftet über zehn so komplexe wie kurzweilige Minuten hinweg in fast Pink-Floyd-artige Art-Rock-Gefilde. Während manche Kollegen das Genre Retro-Soul clever zu einem geschmeidigen, gut verkäuflichen musikalisches Möbelstück degradieren, setzt Kiwanuka für Love & Hate weit mehr auf feine Zwischentönen unerwartete Arrangement-Kombinationen und ausgefeiltes Songwriting als auf schicke Vintage-Patina – passend für die besten CDs zum Schluss.

Das Beste zum Schluss: Michael Kawanuka

Michael Kiwanuka Love & Hate ist erschienen bei Polydor/Universal und erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP und MP3-Download.


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