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Portugal.The Man
Man nennt sie auch die Silver-Shadow-Killer: John Gourley und seine Band Portugal. The Man, die selbstredend nicht aus Portugal kommt. (Die Punktzahlen auf den Tafeln sind übrigens Tischnummern und nicht die LowBeats Noten (Foto: M. Heriot)

Portugal. The Man Woodstock – die CD der KW 23

Schon lange dabei, stets geschätzt, aber nie so richtig groß rausgekommen: Die amerikanische Band Portugal. The Man musiziert, obwohl aus Alaska stammend, stets ein bisschen zwischen Baum und Borke. Wie schade es wäre, wenn sie nicht mehr da wäre, zeigt ihr neues Album  Portugal. The Man Woodstock, die LowBeats CD der KW 23.

„Der schöne Rolls Royce“, werden Freunde gediegener Automobilbaukunst beim Blick auf das Cover jetzt erst mal hadern. Aber: Ein bisschen Symbolik muss schon mal drin sein in Zeiten von fake news, photogeshoppten Trugbildern und einem Establishment, dass sich selbst zum Anti-Establishment emporlügt.

Gegen elf reibt sich das geneigte Publikum so langsam den Schlaf aus den Augen, abends um 20 Uhr schweben per Hubschrauber die Headliner-Acts des Abends auf dem Festivalgelände ein – und irgendwo auf halber Strecke dazwischen stehen bei den großen Open-Airs solche Bands wie Portugal. The Man auf der Bühne.

Dort, in der Grauzone zwischen „ach ja, die gibt‘s ja auch noch“ und „wer sind die denn?“, zwischen Chartplatzierungen um 68 (The Satanic Satanist, 2009) und 97 (In The Mountain In The Cloud, 2011) in der deutschen Hitparade musiziert dieses Ensemble aus Alaska nun schon seit weit über zehn Jahren: mal etwas näher am großen Durchbruch (wie 2013 mit Evil Friends), dann wieder knapp davor, bei Festivalveranstaltern in Vergessenheit und bei Plattenlabels in Ungnade zu geraten.

Nun gibt es mit Portugal. The Man Woodstock ein neues Album, und das mindeste, was sich darüber sagen lässt, ist die Erkenntnis: schön, dass es diese Gruppe noch gibt – man würde sie vermissen, wenn sie nicht mehr da wäre.

Portugal. The Man Woodstock, Platte Nummer 8, nimmt eine Sonderstellung im Band-Oeuvre ein. Veröffentlichte man in der Anfangsphase der Karriere ohne mit der Wimper zu zucken Jahr für Jahr eine neue Disc, so liegen zwischen dem Vorgänger und Woodstock nahezu vier Jahre – für PTM-Verhältnisse eine halbe Ewigkeit. What the hell has happened?

Tüchtig hatten Frontmann John Gourley und seine Kollegen ab Herbst 2013 an neuen Songs geschraubt, verfeinerten hier ein wenig, stürzten sich dort auf eine neue Komposition – und saßen irgendwann auf einem Berg voller Material, aus dem sich partout kein Album herausschälen mochte.

Schonend brachte man der Plattenfirma bei, dass das geplante Werk (Arbeitstitel: „Gloomin + Doomin“) so nicht zu realisieren sei – und entschied sich für einen kompletten Neustart.

Ein kleiner Papierschnipsel half dabei, den richtigen Weg einzuschlagen: Gourley entdeckte bei einem Besuch im väterlichen Haus den Abriss eines Woodstock-Tickets von 1969.

Die darauffolgenden Gespräche mit dem Daddy über die Mutter aller Festivals legte in Johns Kopf die Erkenntnis frei, dass man heute wie damals einer Welt beim Zerbröckeln zusehen – und darüber sprechen und musizieren muss.

Portugal. The Man Woodstock. das Logo
Das Logo von Portugal. The Man

Das Thema für Portugal. The Man Woodstock war gefunden. Stilistisch hat Woodstock, das Album, mit Woodstock, dem Festival, nicht nennenswert viel zu tun; die Band ist weder zu Cocker’schem Blues, Westcoast-Folk Marke Crosby, Stills, Nash & Young oder krautigem Psychedelic-Rock im Stil von Grateful Dead konvertiert.

„Number One“ eröffnet den Songreigen allerdings mit einer Verbeugung vor dem legendären Festival und einem Sample von „Freedom“ aus der Feder des 2013 verstorbenen Woodstock-Veteranen Richie Havens.

Drum herum gibt es indes auf Portugal. The Man Woodstock den typischen Mix aus „biggen“ Beats, trockenen Gitarren zwischen Alternative Rock und Retro-Bluesrock und eigenartiger Elektronik, der den PTM-Sound selbst in der wahrlich farbenprächtigen Musikszene der 2000er-Jahre so untypisch macht.

„Eiernde“ Synthies und die Flower-Power-Stimme von Sängerin Zoe Manville, die aber immer mal wieder elektronisch verfremdet wird, prägen auch „Easy Tiger“, und wieder drischt Schlagzeuger Jason Sechrist einen fast dancerockig giftigen Groove.

„Live In The Moment“ (wie wahr) zieht das Tempo nochmals etwas an – wer jetzt noch im Schlafsack döst, dürfte nun doch mal neugierig Richtung Bühne schlendern.

Aber da fehlt noch der Soul auf Portugal. The Man Woodstock, mögen Bandkenner jetzt einwenden, doch keine Bange: „Feel It Still“ sorgt mit knorrig trötenden Bläsern und einem twistenden Groove zwischen Motown und Quickstep für viel Bewegung.

Etwas Rap („Mr. Lonely“ feat. Fat Lip) und eine Prise trippiger Folk („Tidal  Wave“) machen diesen Sound fortan rund und PTM zu jener Band, die die Lücke zwischen den saitenlastigen Bandprojekten von Dan Auerbach (The Black Keys, The Arcs) und dancefloor-orientierten Crossover-Formationen wie Gnarls Barkley auf ideale Weise schließt – und bei der auch Fans von amerikanischen Neo-Folk-Acts wie den Fleet Foxes oder Iron And Wine hinhören sollten.

 

 

Cover Art Portugal. The Man Woodstock
Auffälliges Cover mit brennendem RR Silver Shadow: Portugal. The Man Woodstock (Cover: Amazon)

Portugal. The Man Woodstock erscheint bei Atlantic Records im Vertrieb von Warner Music und ist erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP und MP3-Download.

Portugal. The Man Woodstock
2017/06
Test-Ergebnis: 4,0
SEHR GUT
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