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Die besten Compilations 2018 Teil 1 – Chris Cornell
Die besten Compilations 2018: in Teil 1 besprechen wir gelungene Sets von Chris Cornell, The Cranberries, John Lennon und Tom Petty (Foto: C. Dick)

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – helle Feuer brennen kurz

Süßer die Kassen nie klingeln: Stets brav zur Weihnachtszeit holen die großen Musikanbieter Pretiosen aus ihren Archivkellern. Das sind dann kostbare Re-Issues oder einfach nur Bekanntes neu zusammengestellt und häufig ergänzt um seltene Aufnahmen. Vieles ist fragwürdig, manches enthält aber auch echte Schmakerl für die Fans. In den besten Compilations 2018 Teil 1 widmen wir uns jenen Musikern, die leider viel zu früh gestorben sind: herausragende Musiker mit reich tönendem Erbe. In der Musikhistorie haben sich ja so einige kreative Stars viel zu früh von der Bühne verabschiedet: Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Jeff Buckley, Amy Winhouse, Freddie Mercury – um nur einige zu nennen. Hinzu kommen die unten stehenden, von denen wir bemerkenswerte Compilations/Sets fanden:

Chris Cornell

The Cranberries

John Lennon

Tom Petty

Die besten Compilations 2018 Teil 1: Chris Cornell

Chris Cornell (Ltd.Deluxe-4CD-Edition) A & M Records (Universal Music)
Auch erhältlich als CD oder Doppel-LP sowie limitierte Super Deluxe-Edition (4 CDs, 1 DVD, 7 LPs, 66-Seiten-Hardcover-Buch)

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – Chris Cornell
Eine jener besten Compilations 2018 Teil 1: Chris Cornell (Foto: C. Dick)

Wer an Grunge denkt, dem schwirren sofort bahnbrechende Songs von Nirvana oder Pearl Jam durch den Kopf. Oder von Soundgarden, verortet in Seattle: Mastermind und Sänger Chris Cornell schuf elektrisierende Stücke auf Alben wie „Superunknown“ (1994), bewies aber auch in Bands wie Temple Of The Dog oder Audioslave mit rauer Bärenstimme Exzellenz. Dennoch wirkt der Mann mit der durchdringenden Rock-Soul-Stimme wie ein tragischer Held der neueren Rock-Historie, geplagt von Depressionen und Suchteskapaden. Am 17. Mai 2017 nahm er sich in einem Tour-Hotelzimmer mit 52 das Leben.

Und er hinterließ ein reich, rockendes Vermächtnis: Neben eigenständigen Vokaleinsätzen feierte er auch dank seines ausgefeilten Songwritings zu Recht Triumphe. Die 4CD-Box vereint Highlights und Unbekanntes aus seinem Musikerleben. Seine Frau Vicky Cornell kuratierte das 64-Song-Werk, eng abgestimmt mit Bandkollegen und Freunden. Als Produzent holte sie Chris’ langjährigen Kumpel Brendan O’Brien ins Studio. Jeff Ament (Green River, Mother Love Bone, Pearl Jam) zeichnet für Design und Packaging des Deluxe-Box-Set verantwortlich. Darunter finden sich feine Live-Takes und elf rare Songs wie „When Bad Does Good“.

Die 4-CD-Box kommt mit 54-seitigem Booklet, die Solo-CD vereint immerhin noch 17 ausgewählte Songs, zwei davon bis dato unveröffentlicht und kommt mit einem 24-seitigem Booklet. „Seit dem Tod von Chris habe ich all meine Energie darauf verwendet, seine Musik und seinen Nachlass den Fans aus aller Welt zugänglich zu machen“, kommentiert Vicky. „Ich hatte das Gefühl, dass es eine ganz besondere Kollektion geben sollte, die alle Facetten von ihm vereint – Chris als Freund, Ehemann, Vater, als Innovator und Musiker, der Risiken eingeht, als Dichter und Künstler. Seine Stimme hat so viele Menschen auf dieser Welt berührt und bewegt – seine Stimme war seine Vision, und in seinen Texten fand er seinen Frieden.“

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – Chris Cornell

 

Die besten Compilations 2018 Teil 1: The Cranberries

Everybody Else Is Doing it, So Why Can’t We? Island (Universal Music) 4CD-Box-Set

 

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – The Cranberries
(Foto: C. Dick)

Am 15. Januar 2018 fand eine Reinigungskraft in Zimmer 2005 des Londoner Hilton Hotel Park Lane eine leblose Frau mit langärmeliger Weste und Pyjama-Hose in der Badewanne. Dolores O’Riordan ertrank laut Polizeibericht alkoholisiert. Welch menschliche Tragödie. Und was für ein Verlust für die irische Rockmusik. Denn bereits das Debüt der Cranberries zeigte 1993 die überwältigende Kreativität und Stimmeskraft von Sängerin und Band.

„Es war eine nette Band und sie brauchten einen  Plan“, erinnerte sich Sängerin Dolores O’Riordan an das erste Treffen mit Mike Hogan und Co im irischen Limerick. Der Plan ging 1993 mit dem 6-Millionen-Seller-Debpüt auf, das die Band mit ihrer „25th Anniversary“-Ausgabe posthum opulent feiert. Geplant hatten es Noel Hogan, Mike Hogan und Fergal Lawler noch zusammen mit Dolores. Sie blieben bei dem Plan.

Die vier CDs vereinen nun das Original-Album mit seinen energiestrotzenden Songs mit gälischem Touch, übrigens remastert in den Abbey Road Studios und produziert von Stephen Street (The Smiths). Dazu gesellen sich Rohdiamanten aus der Vor-Ära des Albums mit ersten Live-Aufnahmen. Mit dabei ist auch die Debüt-EP von 1991, zudem rare Outtakes und Demos sowie Live-Songs, die unter anderen auch den späteren Grunge-Hit „Zombie“ vereinen. Obendrein gibt’s Mitschnitte früher Radioauftritte. Nicht nur für Fans der irischen Rockmusik ein Schmankerl.

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – The Cranberries

 

Die besten Compilations 2018 Teil 1: John Lennon

Imagine (The Ultimate Collection) Universal Music
CD, Doppel-LP. Auch erhältlich als 2 CD-Version oder als Limited Super Deluxe Edition (4 CDs, Blu-ray-Audio)

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – John Lennon
Unter den besten Compilations 2018 Teil 1 vielleicht die schönste: John Lennon Imagine gibt es auch auf Doppel-LP

Was wäre wenn…: der Ex-Beatle verfasste seine hoffnungsfrohe Hymne auf eine gute, zukünftige Welt nur mit Stimme und (Steinway-)Flügel. Zum Song und Albumtitelgeber „Imagine“ braucht man keine großen Worte verlieren. 1971 eingespielt und auf dem originalen Album mit zehn Songs repräsentiert, kommt das Werk unter dem Logo „Ultimate Collection“ mit einem Füllhorn an zusätzlichem Material – alternative Versionen und Extras, in diversen Formaten wie „Raw-Studio“, „Mono“, „5.1 Surround Sound“ oder „Quadrasonic Mix“. Beinahe 150 Songversionen umfasst das bombastische „Limited Super Deluxe Boxset auf CDs, Blu-ray und DVD). Dazu ergänzt ein 120-Seiten-Booklet (!) das Werk mit zig Informationen und Interview-Auszügen. Futter für Hardcore-Fans, die die Entstehung des Albums minutiös musikhistorisch nachvollziehen möchten, von den Sessions im Tittenhurst Park bis zum Teamwork mit Phil Spector. Gelungen.

Für einfach „nur“ begeisterte Hörer des Klassikers, überzeugt jedoch schon die Doppel-CD mit den  „ultimative“ Versionen, „remixed“ von den original Masterbändern. Recht homogen bis knackig, mit räumlich schön platzierten und gut aufgelösten Streichern und prägnanten Gitarren bezaubert das Album nach wie vor. Und nicht nur der Track „Gimme Some Truth“ scheint in Zeiten von Fakenews aktueller und wachrüttelnder denn je.

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – John Lennon

Die besten Compilations 2018 Teil 1: Tom Petty

An American Treasure, Reprise / Warner
Deluxe Edition (4 CDs), auch erhältlich als Doppel-CD oder 6-LP-Box

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – Tom Petty
(Foto: C. Dick)

Gut ein Jahr nachdem Tom Petty am 2. Oktober 2017 an Herzversagen in Santa Monica/L.A. verstarb, lebt der kongeniale Rockmusiker durch sein Werk wieder auf – mit einem fein ausgewählten Querschnitt seiner Musikerkarriere, vereint auf vier CDs, das ihn auch mit seiner legendären Formation The Heartbreakers zeigt. Toms Tochter Adria, Ehefrau Dana, die ehemaligen Heartbreaker-Kollegen Benmont Tench, Mike Campbell und der Studio-Partner Ryan Ulyate wählten die Sammlung von bislang unveröffentlichten Songs aus – Studio-, Live-Aufnahmen und alternativen Versionen von Petty-Songs.

Ein paar Beispiele der gelungenen Box zeigt stellvertretend ihre Klasse. Schon der frühe Song „Surrender“, hier mit einem Outtake aus dem Jahr 1976, knackt und wippt in klar-sauberem Klangbild. Gewitztes Einsprengsel danach: Ein Radio Promotion-Spot bewirbt die Band Mitte der 70er mit „…brandnew Rock’n’Roll…“. Eine famose Live-Version aus den Capitol Studios in Hollywood vom 11. November 1977 erhebt den späteren Hit „Breakdown“. „The Best Of Everything“ von 1985 brilliert dann als alternative Version. Der letzte von über 60 Songs beschließt das Rock-Opus mit der Live-Version von „Hungry No More“, aufgenommen im Live House Of Blues in Boston 2016. Dass die Zusammenstellung Band-Mate und Gitarrist Mike Campbell – jüngst auf Tour mit Fleetwood Mac – übernahm, merkt man ihr an: große Klasse mit viel Gespür für Tiefgang und Eloquenz. Es wäre so gewesen, als ob Tom neben ihm saß als er das Material unter hunderten Stunden von Demos und Live-Aufnahmen durchforstete.

Die besten Compilations 2018 Teil 1 – Tom PettyWeitere gelungene Box-Sets:
Die besten Compilations 2018 Teil 2: Phil Collins, Bob Dylan, Fleetwood Mac/ Lindsey Buckingham, The Kinks, The Rolling Stones
Udo Lindenberg Das Vermächtnis der Nachtigall

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