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IMAX Digital und Dolby Cinema
IMAX Digital und Dolby Cinema, das sind aktuell die besten Kinoformate. So macht Kino wieder richtig Spaß (Foto: R. Vogt)

Dolby Cinema & IMAX: Kino ist wieder geil

Zugegeben, dank eines sehr guten eigenen (Heim-) Kinos bin ich in den vergangenen Jahren nur noch sehr selten ins Kino gegangen. Zu groß waren stets der Ärger über miese Bild- und oder Tonqualität zu Ticketpreisen, für die ich auch die Blu-ray Disc hätte kaufen können, um den Film zu Hause in besserer Qualität genießen zu können. Doch so langsam besinnt sich die Kinowelt wieder auf das, was Sie gegenüber dem Pantoffelkino einst auszeichnete: Qualität und Erlebnis bei Bild- und Tonwiedergabe. IMAX und Dolby Cinema treten an, wieder Spaß am Kino zu vermitteln.

IMAX im ZKM Karlsruhe
Das IMAX in Karlsruhe ist Bestandteil des Filmpalast am ZKM (Foto: R. Vogt)

Da ich lange Jahre in Speyer wohnte, war ich in Sachen Bildqualität recht verwöhnt, denn im dortigen Technikmuseum gab es sogar zwei IMAX-Kinos, dem highendigsten Filmformat, das es jemals gab. Dabei läuft ein 70mm-Film im horizontalen Vistavision-Format vor der Linse durch, wodurch die IMAX-Projektion gut fünfmal schärfer und kontrastreicher ist als beim gewöhnlichen 35mm-Kino. Leider bedarf es für diese Qualität aber auch eines in IMAX gedrehten Films – und da gab es primär Dokumentationen, keine Spielfilme. Das hat sich mit der Digitalisierung der IMAX-Kinos geändert. In Nordamerika und Asien laufen seit Jahren für das IMAX-Digital-Format aufbereitete Versionen der großen Spielfilmproduktionen mit zunehmenden Erfolg. Derzeit haben wir in Deutschland leider nur zwei digitale IMAX-Kinos, eins in Berlin und eins in Karlsruhe. Ein drittes ist mit der Umrüstung des IMAX des Technikmuseums in Sinsheim gerade im Bau (Stand 02/2016).

Riesenformat IMAX

Nun konnte ich mir im IMAX in Karlsruhe im Januar Star Wars: Das Erwachen der Macht anschauen. Leider zeigen die Karlsruher im IMAX fast nur deutsch synchronisierte Fassungen, wie auch in diesem Falle. Egal, die Gesellschaft war angenehm und die Spannung auf meinen ersten Eindruck von digitaler IMAX-Projektion groß. In Karlsruhe ist, wie auch künftig in Sinsheim, eine Doppelprojektion mit IMAX-DLP-Projektoren mit Laserlichtquellen und Infitec-3D-Technik im Einsatz. Von rund zwei mal 60.000 Lumen und 4K-Auflösung kann man was erwarten, erst recht für knapp 20 Euro Ticketpreis! (Sinsheim 11,50-15,50 €).

IMAX Eingang - InfiTec-3D-Brillen
Eingang zum IMAX am ZKM. Der freundliche Herr verteilt die InfiTec 3D-Brillen (Foto: R. Vogt)

Mit einem Sitzplatz ziemlich genau in der Mitte der Bestuhlung konnte es losgehen. Die Trailer zeigten schnell, das System kann was: kristallklare Bildschärfe, gigantischer Kontrast mit super Helligkeit. Auch der Sound, wie schon in analogen Zeiten im IMAX, knackig, kraftvoll und verzerrungsarm. Das imposanteste aber war die 3D-Performance. Die arbeitet mit den edlen, passiven Filterbrillen des deutschen Unternehmens Infitec. Dabei verwenden die beiden Projektoren minimal unterschiedlich farbige Laser für die drei Grundfarben, also jeder Projektor arbeitet jeweils mit einem minimal anderen Rot, Grün und Blau. Die Brille filtert für jedes Auge die Laser-Farben je eines Projektors aus. Dabei geht subjektiv praktisch kein Licht verloren. Das verblüffende aber ist das geringe Übersprechen. Beeindruckend: Einige Trailer im Vorprogramm liefen in 3D, andere in 2D, wobei die Projektoren im 3D-Betrieb weiter liefen. Als Folge blieb das linke Auge dunkel, um nicht zu sagen schwarz. Da gab es auch nicht den Hauch eines Geisterbildes. Perfekt! Das Beste, was ich in Sachen 3D-Separation je gesehen habe.

Nicht so ganz verstanden habe ich die Bildgestaltung von J.J. Abrams, der zum einen Star Wars auf analogem Film gedreht hat und zum anderen wohl den einen oder anderen Weichzeichner im Colorgrading verwendete. Zeigten die Trailer noch, wie scharf und plastisch IMAX sein kann, war der eigentliche Film ein (kleiner) Rückschritt. Auch auf die (teils künstliche) Filmkörnung hätte ich gerne verzichten können. Trotzdem: Das 3D-Bild hat die vierfache Auflösung vom normalen Digitalkino (kann 3D nur in 2K-Auflösung!) und trotz Synchronfassung hat der Film Spaß gemacht.

Einen Wermutstropfen gab es dann doch: Der Speckle-Effekt. Durch die Verwendung von Lasern entstand auf der Leinwand eine Lichtgranulation, die zudem alle Farben aufwies und sich überdies mit dem Filmkorn multiplizierte. Durch das statische Speckle-Muster blieb man sich trotz fantastisch losgelöster 3D-Wiedergabe der Leinwand als Barriere gewahr. Ärgerlich, aber praktisch der einzige Kritikpunkt am Kino selbst. In Summe: Sensationell, das gibt’s im Heimkino so schnell nicht.

Edelformat Dolby Cinema

JT Dolby Cinema
Das Dolby Cinema von JT im holländischen Hilversum war das erste in Europa (Foto: R. Vogt)

Leider gibt es in Deutschland noch kein Dolby Cinema (Stand 02/2016). Bei unseren holländischen Nachbarn in Hilversum gibt es aber eines im JT Kinokomplex. Und dorthin hatte Dolby während der ISE Messe in Amsterdam zur Vorpremiere von „Deadpool“ eingeladen. Dolby baut sein Dolby Cinema nach eigenen Normen, wenngleich sich die weitgehend an die Standards der DCI (Digital Cinema Initiative, der „normale“ Digital-Kino-Standard) anlehnen. Dolby Cinema nutzt stets Dolby Atmos als Tonstandard und Projektoren mit Laserlichtquellen sowie, wenn der Film entsprechend gemastert ist, auch HDR (High Dynamic Range) für mehr Kontrast. Das ist soweit alles noch recht normal, was aber weiter geht als alle bisherigen Zusatzstandards, etwa THX, sind die geforderten optischen und akustischen Maßnahmen.

Alles Akustische soll optisch verschwinden, es sind im Dolby Cinema keinerlei Lautsprecher oder sonstige Technik zu sehen. Die Lautsprecher mit fein auflösenden Bändchenhochtönern sind allesamt hinter akustisch transparenten Wandbespannungen verborgen. Die bekommt man nur kurz zu sehen, wenn sie im im Werbetrailer für das Kino kurz beleuchtet werden, genau wie die Gruppen von Subwoofern für Front- und Surround-Lautsprecher plus LFE-Basseffekt-Kanal. Der Saal ist wie im IMAX sehr steil Hörsaal-artig ansteigend und wir saßen ziemlich genau in der Mitte der Mitte. Damit fiel dann auch während des Films die in vielen Atmos-Kinos etwas seltsame räumliche Abbildung kaum noch ins Gewicht, denn die Lautsprecher befinden sich dort alle knapp unter oder an der Decke. Man sitzt somit akustisch oft nicht mitten im Geschehen, sondern darunter. Auf unseren Sitzen hatten wir in Hilversum aber eher das Gefühl, mittendrin zu sitzen, das war gut. Überhaupt: Die Klangqualität war in der Tat sensationell und mit das Beste, was ich in einem Kino bislang gehört habe, insbesondere was die Feindynamik und Auflösung angeht. Im Bass gab es mächtig Druck, aber – typisch für Großbeschallungsanlagen – wenig echten Tiefbass. Gefühlt war unter 50 Hertz Schluss. Schade, aber normal. Trotzdem: Dynamik satt!

Raphael-Farshid-Guenther
Premierenbesuch im Dolby Cinema (von links): Günther Holzhofer, Farshid Shahlawandian, Raphael Vogt (Foto: R. Vogt)

Optisch ist das Dolby Cinema eine pechschwarze Höhle. Wenn man eintritt, gibt es nur wenig Diffuslicht von der Decke, die Stufen sind beleuchtet und die Kontur der Wände sowie die der Leinwand werden in tiefem Blau illuminiert. Das erinnert etwas an den Look des SciFi-Klassikers „Tron“. Während des Films wird es dann wirklich finster … und zwar so finster, wie ich das in noch keinem kommerziellen Kino erlebt habe, denn sogar die Lichter der Treppenstufen und der Notausgänge werden abgeschaltet. Dafür konnte das JT-Kino eine Sondergenehmigung der Feuerwehr erwirken, wie der Theaterleiter erklärte. Bei einem Alarm schalten sie sich natürlich unverzüglich wieder ein.

Und die 4K-DLP-Laserprojektion sah sensationell aus. Ein erstes Lästern darüber, dass sie in solch einem Highend-Kino die Leinwand nicht maskieren können, verstummte während des Films schnell, denn das extrem tiefe Schwarz des Projektors und das fehlende Streulicht des komplett schwarzen Saals ließen die freien Bereiche der 1,85:1-Leinwand währen des CinemaScope-Films praktisch unsichtbar. Hier kann man dank Megakontrast tatsächlich auf das Cache verzichten. Cool. Selbst der Kino-Eingang ist schon kontraststeigernd, denn der zirkelt in einem gebogenen Gang so weit herum, dass von außen kein Licht eintritt, selbst wenn jemand während der Vorstellung die Tür öffnet. Ein Trick, den auch das Karlsruher IMAX anwendet. Einige Trailer im Vorprogramm zeigten, was HDR-Kontrast heute kann: Spitzlichter und Farbsättigung, die bislang nicht erreichbar waren. Schade, der Film Deadpool schien davon keinen Gebrauch zu machen. Trotzdem sah er schlicht sensationell knackig scharf, farblich satt und wunderbar plastisch aus. Und noch etwas scheinen die Jungs von Dolby gut im Griff zu haben. Trotz Laser-Licht konnte ich keinen Speckle-Effekt erkennen. Toll.

So macht Kino wieder Spaß

Wer sich für Filme und Kinos begeistern kann, sollte sich diese neuen Formate einmal anschauen, um zu sehen, womit die großen Kinder spielen. Gerade IMAX gibt es in und um Deutschland herum schon acht Stück und Dolby Cinema vereinzelt in den Niederlanden, Österreich und Spanien. Wer glaubt, mit einem Flachbildfernseher und ein bisschen Surround Kino zu erleben, dem werden dort die Maßstäbe zurechtgerückt. Toll, zu sehen, was da noch geht.

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Technische Infos und Spielpläne für: Dolby-Cinema und IMAX

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IMAX im ZKM Karlsruhe
Das IMAX in Karlsruhe ist Bestandteil des Filmpalast am ZKM (Foto: R. Vogt)
IMAX Eingang - InfiTec-3D-Brillen
Eingang zum IMAX am ZKM. Der freundliche Herr verteilt die InfiTec 3D-Brillen (Foto: R. Vogt)
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JT Dolby Cinema
Das Dolby Cinema von JT im holländischen Hilversum war das erste in Europa (Foto: R. Vogt)
Deadpool im Dolby Cinema
Dolby lud zur Vorpremiere von Deadpool ins Dolby Cinema in Hilversum (Foto: R. Vogt)
Raphael-Farshid-Guenther
Premierenbesuch im Dolby Cinema (von links): Branchen-Kenner Günther Holzhofer, unser Hörraum-Akustiker Farshid Shahlawandian, Raphael Vogt (Foto: R. Vogt)
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