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Eric Clapton Live in 12 Bars
Auf "LIve in 12 bars" blickt Eric Clapton zurück auf ein bewegtes Leben

Eric Clapton: Life In 12 Bars – die CD der Woche

Schon wieder ein begnadeter Saiten-Springer: Noch mehr als der äußerst umtriebige und hoch kreative Ry Cooder (siehe LowBeats CD der Woche 21) steht Eric Patrick Clapton ganz oben im Olymp der prägenden Blues- und Rockgitarristen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Schließlich heimste der „Gitarrengott“ 17 Grammys ein und wurde 38 mal dafür nominiert. Zudem besitzt der 73-Jährige die dreifache Mitgliedschaft in der Rock and Roll Hall of Fame. Man darf also gespannt sein, auf sein neuestes Werk: Eric Clapton Life In 12 Bars.

Clapton wuchs in der südenglischen Grafschaft Surrey auf – ohne Vater, bei den Großeltern, die seine extrem junge Mutter ihm gegenüber als Schwester ausgaben. Schwierige Zeiten. Und nicht die besten Voraussetzungen, „normale“ Verhältnisse zum weiblichen Geschlecht zu finden. Die Musik half, wie bei vielen großen Kreativen; mit 18 zupfte Clapton bereits seine Gitarre bei den Yardbirds, mit denen er zwei Jahre später den Hit „For Your Love“ landete.

Der Beginn einer außergewöhnlichen, reichen und für viele Kollegen im wahrsten Wortsinne vorbildlichen Musikkarriere – die nun mit dem Ouevre Eric Clapton Life In 12 Bars als Soundtrack-Doppel-CD für den 2017 veröffentlichten, gleichnamigen Biografie-Film, erscheint – und Ende Juni auf DVD-/Blu-ray zu haben ist. Die Musik spannt einen 50-Jahre-Bogen mit Hits – und einigen raren, bislang nicht veröffentlichten Stücken oder Songversionen. Dazu später mehr. Claptons musikalisches Schaffen ist riesig und umfasst zahlreiche Kollaborationen, von denen viele auf Eric Clapton Life In 12 Bars dokumentiert sind: The Yardbirds, John Mayall & The Bluesbreakers, Cream, Blind Faith, Derek and the Dominos, The Beatles, mit denen er „While My Guitar Gently Weeps“ aufnahm sowie für Solo-Alben der Fab Four musizierte. Hinzu kommen Aretha Franklin und Muddy Waters – bis natürlich seine eigene, riesige Sammlung an Solo-Songs.

Eric Clapton Live in 12 bars
Freunde: Eric Clapton (rechts) mit Beatle George Harrison

Die Idee einen Biografie-Film zu drehen, lag schon länger in der Luft, so Clapton bei der Pressekonferenz zu dem Streifen. „Ich wollte keine Doku über mich, die nach meinem Tod erscheinen würde.“ Den letzten Abschnitt am Film mag er am liebsten, „weil ich da wieder lächeln konnte.“ Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Lili Fini Zanuck („Miss Daisy und ihr Chauffeur“) ergänzte: „Ich wollte den Film wie eine Zeitreise angehen.“

Und auf dieser „journey“ namens Eric Clapton Life In 12 Bars melden sich Musiker-Freunde zu Wort, die ihn teils über ein halbes Jahrhundert begleitet haben, einige davon sind bereits verstorben: BB King, Jimi, Hendrix oder George Harrison von den Beatles. Clapton öffnete seine privaten Archive, aus denen Heimvideos, Backstage-Takes, Fotos, Brief oder Tagebuchsequenzen ihren Weg in den Film fanden.

Über Claptons Leben und Werk ließen sich auch Bücher füllen. Aber keines bliebe wohl so authentisch, nah an der Person Clapton, wie seine Autobiografie von 2007. Im Rückblick beleuchtet sie auch einen einschneidenden, prägenden Lebensabschnitt in den 80ern, in dem ein Mann in den Vierzigern am Scheideweg steht, auch musikalisch.

„Irgendwie hatte ich das unglaubliche Gefühl, zum ersten Mal etwas wirklich Reales zu erleben. Bis zu diesem Augenblick hatte mein Leben nur aus einer Reihe von nicht gerade bedeutsamen Episoden bestanden. In der Realität schien ich mich nur dann zu befinden, wenn ich musikalisch herausgefordert wurde. Alles andere, das Trinken, die Tourneen, selbst mein Leben mit Pattie (Boyd), das alles kam mir irgendwie künstlich vor. Als das Baby schließlich da war, gaben sie es mir zum Halten. Ich war total fasziniert und ungeheuer stolz, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wie man ein Baby hielt,“ erinnert sich Mister „Slowhand“ an die Geburt seines Sohnes Conor im August 1986 in seiner Autobiografie „Eric Clapton, Mein Leben“, Kiepenheuer & Witsch, 2007.

Damals war Clapton 41.

Fünf Jahre später dann der Schock.

„Am Abend des 19. März 1991 ging ich zur Galleria, dem Wohnblock an der East 57th Street, um Conor abzuholen und mit ihm zum Zirkus nach Long Island zu fahren. Es war das erste Mal, dass ich allein mit ihm ausging, und ich war entsprechend nervös und aufgeregt. Der Abend war großartig. Conor redete die ganze Zeit und war besonders von den Elefanten begeistert. Zum ersten Mal erkannte ich, was es bedeutete, ein Kind zu haben und Vater zu sein. Ich weiß noch, wie ich Lori dann erzählte, dass ich mich von jetzt an, wenn Conor bei mir zu Hause zu Besuch war, ganz allein um ihn kümmern wolle.“ Am nächsten Vormittag kam der Anruf der Mutter Lori del Santo, dass Conor tot sei. Gestürzt. Beim Spielen hinaus gelaufen durch ein offenes, bodentiefes Fenster. Im 53. Stock eines New Yorker Hochhauses.

Mit seinem Song „Tears In Heaven“ versuchte Clapton den Tod seines Sohnes zu verarbeiten mit den Worten „Wenn wir uns treffen, im Himmel, da bei Dir, wirst Du mich erkennen, beim Namen rufen, so wie hier?“

Womit wir wieder bei Eric Clapton Life In 12 Bars sind. Der Song nimmt auf dem Soundtrack – und zwar nur auf der CD-Ausgabe die Positon des letzten Tracks, Nummer 32, ein. Ein Dokument, das Clapton als Balladen-Schreiber fernab des Blues zeigt. 1993 ausgezeichnet, unter anderem mit drei Grammys und dem „MTV Video Music Award“.

Die Musik von Eric Clapton Life In 12 Bars

Den Start der musikalischen Zeitreise bilden beinahe historische Cover-Versionen von Big Bill Broonzy und Muddy Waters – sehr rootige, charakterstarke Klassik-Blues-Nummern.

Es folgen zweit Takes mit John Mayall & The Bluesbreakers, zackig-fetzig, mit rotzigen Bläsern und schwitzender Gitarre (Steppin’ Out“). „All Your Love“ kommt in coolem Flow mit Santana-Touch. Sieben formidable Nummern mit dem Cream-Team, darunter „Sunshine Of Your Love“ und „Strange Brew“ setzen den Reigen auf Eric Clapton Life In 12 Bars fort. Darunter: Die rare, ausufernde 17-Minuten-Version von „Spoonful“, mitgeschnitten bei der „Goodbye“-US-Tour 1968 im „L.A. Forum“, übrigens in für damalige Zeiten ganz gutem Sound.

Aus der Zeit mit Blind Faith stammt „Presence Of The Lord“, wiederum sieben Stücke aus der Ära mit Derek & The Dominos, mit dabei: Eine spannende, fein ziseliert akustisch geprägte, Version von „High“, die ursprünglich in den „Olympic Studios“ für deren zweites Album 1971 eingespielt wurde und 1975 überarbeitet auf Claptons Soloalbum „There’s One In Every Crowd“ landete. „Little Wing“, schön räumlich mit mehrstimmigen Vocals eingefangen, wiederum geht als Hommage an Jimi Hendrix durch, live mitgeschnitten im „Fillmore East“ am 24. Oktober 1970. Von seinem Freund George Harrison folgt „My Sweet Lord“.

Aus dem Jahr 1974 stammen zwei bislang nicht veröffentlichte Solostücke: Mit „I Shot The Sheriff“. zielte der junge Eric mit dem Bob-Marley-Klassiker auf den US-Rassismus – und bleibt dabei nach wie vor aktuell. Leider. Marleys Musik stieg durch das Cover fortan stärker in der Publikumsgunst. Hier glänzt der Song in voller Länge mit ausgiebigem Orgel-Geflirre, eingespielt während der Sessions zu „461 Ocean Boulevard“ – mit knapp sieben Minuten Laufzeit. Chuck Berry’s Rock&Roll-Hit „Little Queenie“ nahmen die Tour-Toningenieure 1974 in der „Long Beach Arena“ auf.

Schließlich bietet Eric Clapton Life In 12 Bars zwei seltene Takes von „After Midnight“ (zackig mit Background-Chor) und dem locker-poppigem „Let It Rain“, die während der Takes für sein 70er Solo-Debüt-Album entstanden sind – Parallel-Mixe, an denen Eric damals in London arbeitete.

Cover Art Eric Clapton Live in 12 bars
Das große Werk ist als Bluray natürlich noch eindrucksvoller: Eric Clapton Live in 12 Bars. Die Bluray erscheint am 29 Juni 2018

Fazit Eric Clapton Life In 12 Bars

Insofern ergibt sich ein differenziertes Gesamtbild: Während Fans die meisten Songs natürlich kennen und besitzen oder sogar die eine oder andere besser klingende Gold-CD von Claptons Alben im Schrank stehen haben, strahlt der Soundtrack seine individuelle Wertigkeit durch seine große kreative und historische Bandbreite aus. Vor allem aber durch die wenigen, aber feinen, bislang nicht in dieser Form hörbaren raren Tracks. Und da es sich bei Eric Clapton Life In 12 Bars um Filmmusik handelt, sollte man sich auch die bewegten Bilder nicht entgehen lassen: Letztes Jahr feierte der Streifen auf dem „Toronto International Film Festival“ Premiere und heimste gute Kritiken ein – „eine fesselnde Hommage“ titelte zum Beispiel The Guardian.

Cover Art Eric Clapton Live in 12 bars
Eric Clapton Live in 12 Bars (Cover: Amazon)

 

Der Soundtrack Eric Clapton Life In 12 Bars erscheint bei Universal Music als Doppel-CD, 4-LP-Set, MP3-Download oder Stream z.B. bei amazon.de.

Pressekonferenz zum Film:

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Eric Clapton Live in 12 Bars
2018/06
Test-Ergebnis: 4,1
SEHR GUT
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