Den Velodyne DB-15 aus der neu entwickelten Deep Blue Serie des Subwoofer-Spezialisten gibt es für 1.490 Euro (Foto: R. Vogt)
Den Velodyne DB-15 aus der neu entwickelten Deep Blue Serie des Subwoofer-Spezialisten gibt es für 1.490 Euro (Foto: R. Vogt)

Erster Test Velodyne DB-15: das Flaggschiff der neuen Deep Blue Serie

Kaum eine Marke ist wohl so mit dem Begriff Subwoofer verbunden wie Velodyne. Die Amerikaner haben etliche Meilensteine gesetzt, segeln nun aber unter neuer Flagge. Und die ersten sichtbaren Veränderungen des Besitzerwechsels sind jetzt zu sehen. Es entstand eine bezahlbare Subwoofer-Serie mit dem vielsagenden Namen Deep Blue (DB). LowBeats hatte jetzt das Topmodell im Test: den Velodyne DB-15 mit 38-Zentimeter-Tieftöner.

Velodyne DB-15: Das neue Firmenenblem auf der Stirn (Foto: R. Vogt)
Velodyne DB-15: Das neue Firmen-Emblem auf der Stirn (Foto: R. Vogt)

Zum Thema Velodyne muß ich ein wenig ausholen. Velodyne wurde 1983 von David Hall ins Leben gerufen und war auf clever konstruierte Subwoofer mit aufwändigen Membranregelungen und Einmess-Systemen spezialisiert. Seit Anfang der 2000er Jahre aber kam ein zweites, immer mehr dominierendes Geschäftsfeld mit Radar-Sensoren für autonome Fahrzeuge hinzu. Hall hatte also immer weniger Zeit für seine Subwoofer und verkaufte konsequenter Weise Ende 2019 die Velodyne Subwoofer-Sparte an Mansour Mamaghani vom Hamburger Audio Reference Vertrieb. Mamaghani und Hall kennen sich gut. Seit fast 20 Jahren vertreibt Audio Reference die Velodyne Subwoofer in Deutschland; mit dem Kauf und der Gründung der Velodyne Acoustics GmbH kamen zusätzlich die Produktion und der weltweite Vertrieb hinzu. Eine mächtige Aufgabe: plötzlich Hersteller und Weltvertrieb. Diese Aufgabe allerdings schultert Mamaghani nicht allein, denn Junior-Chef Lorenzo Mamaghani, den ich im Video interviewt habe, hat hier die Leitung übernommen. Das Video dazu am Ende dieses Tests.

Vorwärts Zurück
Velodyne DB-15 mit passgenau eingefügter Stoffabdeckung (Foto: R. Vogt)
Velodyne DB-15 mit passgenau eingefügter Stoffabdeckung (Foto: R. Vogt)
Velodyne DB-15 (Foto: R. Vogt)
Ein Zug an der Schlaufe der Abdeckung legt den imposante 38-Zentimeter-Bass frei (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Nun kommt mit der Deep Blue Serie sein erstes, komplett neu entwickeltes Produkt auf den Markt. Die Entwicklung ist eine deutsch-amerikanische Gemeinschaftstat: die Entwicklung passiert in Hamburg, die Herstellung der Deep Blue Serie übernimmt ein chinesischer Partner mit deutscher Qualitätssicherung vor Ort.

Der Velodyne DB-15 in der Familien-Übersicht

Modell:DB-8DB-10DB-12DB-15
Konzept:Aktiv-SubwooferAktiv-SubwooferAktiv-SubwooferAktiv-Subwoofer
Bestückung:1 x 20 cm1 x 25 cm1 x 30 cm2 x 38 cm
Übertragungsbereich:32 – 180 Hz28 – 180 Hz26 – 140 Hz23 – 120 Hz
Leistung (sinus):300 Watt350 Watt350 Watt450 Watt
Abmessungen (H x B x T)noch nicht verfügbar29,6 x 31,6 x 34,8 cm35,0 x 37,0 x 38,8 cm42,5 x 44,5 x 48,8 cm
Preis:790 Euro990 Euro1.190 Euro1.490 Euro

Neben dem hier getesteten Flaggschiff Velodyne DB-15 gibt es noch die kleineren Modelle DB-12, DB-10 und den Benjamin DB-8. Sie arbeiten, man ahnt es schon, mit einem 15-Zoll-Tieftöner, einem 12er, 10er und einem 8-Zoll-Woofer. Ausstattung und Verarbeitung gleichen sich, nur die Chassis, die Verstärkerleistung und Gehäuseabmessungen differieren entsprechend.

 

Rückseite des Velodyne DB-15 mit klassischen Subwoofer-Features (Foto: R. Vogt)
Rückseite des Velodyne DB-15 mit klassischen Subwoofer-Features (Foto: R. Vogt)

Die Ausstattung gleicht sich bei allen Modellen. Es gibt Cinch-Eingänge klassisch für Stereo sowie einen ungefilterten Eingang, der mit LFE beschriftet und dafür gedacht ist, ein externes Bassmanagement oder eine Aktivweiche zu verwenden. Das LFE-Signal kann auch zu einem zweiten Subwoofer durchgeschleift werden. Lautsprecherklemmen erlauben bei klassischen Stereoverstärkern einen parallelen Anschluss zu den Lautsprechern. Die Klemmen wirken simpel und wie aus der Zeit gefallen. Das ist ästhetisch zwar fragwürdig, technisch aber okay, denn die hochohmigen Anschlüsse bekommen zwar die Spannung wie die Lautsprecher und damit das Audiosignal, ziehen aber praktisch keine Leistung ab.

Drei Regler kontrollieren die Lautstärke und Übergangsfrequenz sowie – ganz wichtig – die stufenlos regelbare Phasenlage. Ein Kippschalter kennt die Stellungen für Dauer-Standby, Dauer-An und durch das Musiksignal gesteuertes (automatisches) Ein- und Ausschalten. Der Netzanschluss hat einen Hauptschalter und verzichtet auf den separaten Schutzleiter. Das ist für Subwoofer enorm praktisch, da dieser Punkt in aller Regel Brummstörungen vermeiden hilft.

Die Besonderheiten des Velodyne DB-15

Der mächtige Tieftöner hat einen akustisch wirksamen Membran-Durchmesser (Sickenmitte zu Sickenmitte) von 32 Zentimetern und ist straff aufgehängt. Acht Imbusschrauben halten seinen Korb in der 5,2 cm dicken MDF-Schallwand fest verankert. Angetrieben wird die Membran von einem doppelten Magnetsystem, in dem eine vierlagige Schwingspule von 7,5 cm Durchmesser arbeitet. Die nötige Energie liefert eine Class-D-Endstufe, die 450 Watt Dauerleistung abzugeben vermag und bei Impulen die 1-Kilowatt-Marke knacken soll.

Saubere Folienfurnier-Verarbeitung, auch an den Radien und Stoßkanten (Foto: R. Vogt)
Saubere Folienfurnier-Verarbeitung, auch an den Radien und Stoßkanten (Foto: R. Vogt)

Das wie mattglänzend schwarz lackiertes Holz wirkende Folienfurnier ist auch an allen Nähten, Kanten und Radien sauber verarbeitet. Als Farbauswahl gibt es wie beim berühmten Ford Model-T nur eine: Schwarz. Aber das ist OK. Nicht ganz so hübsch finde ich, dass weder die Lackierung noch die Folierung bis hinter die abnehmbare Stoffabdeckung reichen, die daher bei den meisten Nutzern wohl drauf bleiben wird.

Vier große, dicke Gummifüße entkoppeln den Woofer (Foto: R. Vogt)
Vier große, dicke Gummifüße entkoppeln den Subwoofer vom Boden (Foto: R. Vogt)

Robust wirkende Gummifüße stemmen den Deep Blue ein paar Zentimeter in die Höhe. Das dicke Gummi entkoppelt den Woofer zwar ganz gut vom Fußboden und schont empfindliches Parkett, aber es ist zu weich: Bei starken Membran-Auslenkungen beginnt das Gehäuse, sich in der Horizontalen zu bewegen. Kein Unfall, aber dieser Punkt kostet etwas Präzision. Ich empfehle daher, eine weniger nachgiebige Unterlage zur Entkopplung unter das Gehäuse zu bringen.

Messungen, Praxis und Hörtest

Der gemessene Frequenzgang reicht – wie in den technischen Daten versprochen – bis knapp unter 20 Hertz. Unterhalb von 32 Hertz setzt ganz offenbar die elektronische Gehäusekompensation massiv ein, denn darunter gibt es einen kleinen Knick im Frequenzgang, die Gruppenlaufzeit schnellt in die Höhe und das Ausschwingverhalten ändert sich. Auch die Verzerrungen, insbesondere die erste Harmonische (k2) steigt abrupt an, wenn es richtig laut wird. Oberhalb 32 Hertz zeigt der Velodyne DB-15 vorbildliches, präzises und zeitrichtiges Verhalten – genau so, wie es sich für eine geschlossene Konstruktion gehört.

Vorwärts Zurück
Velodyne DB-15 Frequenzgänge für LFE (rot) und drei Reglerstellungen (Foto: R. Vogt)
Velodyne DB-15 Frequenzgänge für LFE (rot) und drei Reglerstellungen (Foto: R. Vogt)
Der akustische Phasengang bei Frequenzregler Mittelstellung bei ca. 80Hz (Foto: R. Vogt)
Der akustische Phasengang bei Frequenzregler Mittelstellung bei ca. 80Hz (Foto: R. Vogt)
Die Gruppenlaufzeit (schwarze Linie) und das Ausschwingverhalten. (Foto: R. Vogt)
Die Gruppenlaufzeit (schwarze Linie) und das Ausschwingverhalten. (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

In der Praxis bereitete der Deep Blue keinerlei Probleme oder Überraschungen. Der Würfel von kaum einem Zehntel Kubikmeter ist auch auf empfindlichem Parket mit seinen Gummifüßen gefahrlos aufzustellen. Alle Regler bieten weite, praxisgerechte Einstellbarkeit und die Standby-Automatik reagiert erfreulich flott, sobald ein Signal anliegt. Aber genau so wichtig: Der DB-15 schaltet bei leisen Passagen nicht gleich ab. Da kenne ich etliche Modelle, die beim Leise-Musikhören oder -Filmschauen gern einmal den Dienst versagen, weil ihnen die Elektronik signalisiert, dass kein Signal mehr käme..

In so fern ist der DB-15 praxisgerecht ausgelegt. Wie auch der Phasenregler. Sollte man kein digitales Bassmanagement à la AV-Receiver verwenden, dann gelingt das per Phasenregler zur Anpassung der Übergänge zwischen Subwoofer und Lautsprechern sehr gut: Im Setup für den Hörtest klappte es schon nach wenigen Versuchen perfekt.

Klanglich hat der Velodyne DB-15 etwas Erhabenes – man hört, dass hier mehr Luft bewegt wird als mit den üblichen 20er oder 25er Bässen. der Normal-Liga. Aber auch jene, die bisher bereits mit großen Lautsprechern gehört haben, werden überrascht sein, was ein auf Tiefgang entzerrter Subwoofer mit der Membranfläche eines DB-15 noch alles aus der Musik herausholt. Der Zuhörer wird, das ist eine unmittelbare und sehr eindrückliche Erfahrung, mit der untersten Oktave der Musik konfrontiert!

Der große Velodyne-Woofer spielt sauber und praktisch übergangslos bis unter 20 Hertz. Er macht das mit der velodyne-typischen Balance aus weich, dennoch trocken und kontrolliert. Seine Bässe kommen voluminös, aber nicht dickbackig und vor allem ohne jedes Störgeräusch, das den Einsatz des Woofers verraten würde. Nur, wenn man im Tiefstbass an die Pegelgrenzen des DB-15 stößt, gibt es irgendwann disharmonische Anteile – die aber immer noch unauffällig bleiben. Da reagieren geschlossene Subwoofer einfach gutmütiger als die verbreiteten Bassreflex-Varianten, die dafür oft 3 – 4 dB mehr Pegel machen.

Und trotzdem reicht es für das große Kino. Ich hatte anfangs Bedenken, dass ein so vergleichsweise kompakter und stringent auf Tiefgang gezüchteter Subwoofer womöglich früh die Pegelfahne hissen würde. Nichtsda. Es war schon erstaunlich laut, was da bereits im Normalbetrieb herauskam. Natürlich machte ich auch noch den Versuch mit einem Hochpassfilter (bei 30 Hertz) an meiner Trinnov-Vorstufe: der Schalldruckzuwachs lag locker im Bereich von 4– 5 Dezibel. Es wären also Reserven vorhanden…

Fazit: Deep Blue – Velodyne Tugenden weiter entwickelt.

Überhaupt in dieser Preisklasse einen Subwoofer mit 38 Zentimeter Bass anzubieten, ist ja schon eine Besonderheit. Gemessen daran ist der Velodyne DB-15 vergleichsweise kompakt. Er spielt angenehm satt und tief ohne aufzudicken und macht praktisch keine Nebengeräusche, die ihn orten ließen. Alles in allem spielt der Velodyne DB-15 – soweit man das bei einem Subwoofer sagen kann – wunderbar musikalisch.

Die Deep Blue Serie ist der Versuch, mit der Chassis-Technik und dem Gehäusekaufbau der deutlich teureren DD+ Serie eine preisgünstige Alternative zu schaffen. Eine Alternative, die zwar auf die Membranregelung und Einmessung der DD+ Serie verzichtet, die Kern-Tugenden der Top-Serie dennoch beherrscht: Nämlich einen so tiefen und so sauberen Bass zu produzieren, dass der Subwoofer auch ein auf sauberste Wiedergabe getrimmtes Stereo-Lautsprecherset bereichert.

Das ist fraglos geglückt. Wer maximalen Pegel braucht oder eine Raumkorrektur benötigt, muss extern filtern; dann wird es noch einmal lauter und womöglich noch besser. Aber auch schon im „normalen“ Einsatz beschert der DB-15 dem Musik- und Filmhörer ein bis zwei Oktaven mehr im Bass. Ein Erlebnis.

Es gab einige Bedenken als Velodyne nach Hamburg verkauft wurde. Doch wenn die erste Neuentwicklung unter Leitung von Lorenzo Mamaghani (eben diese Deep Blue Serie) ein Omen sein soll, dann sieht es gut mit der Zukunft aus…

Im Gespräch mit Lorenzo Mamaghani von Velodyne Acoustics GmbH

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Velodyne DB-15
2021/03
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Spielt sehr tief und dabei sauber
LFE-Eingang mit Durchschleifbuchse
Echter Phasenregler
Gummifüße recht weich

Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Velodyne DB-15: 1.490 Euro


Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.