Linn Kiko DSM Ambiente 1
Unlängst hat Linn die Kiko DSM aus dem Programm genommen. Der nun erfolgte Preisrutsch auf 1.644 Euro macht das smarte Komplettsystem zu einem super Kauftipp (Foto: Linn)

Kauftipp der Woche: Linn Kiko DSM

Die Linn Kiko DSM ist weit mehr als eine wirklich gut gemachte Kompaktanlage. In der Firmenhistorie dokumentiert sie wie kaum eine andere Komponente der Firma das neue Denken der Schotten. Dem Musikfreund kann dieser Umstand egal sein: Als die Kiko auf den Markt kam, war sie die vielleicht genialste Smart-Komplettanlage überhaupt. Und auch am Ende ihrer Laufzeit war sie mit ihrem Verkaufspreis von 3.225 Euro immer noch absolut konkurrenzfähig. Nun fanden wir die smarte Linn-Ikone beim Auditorium in Hamm für gerade einmal 1.644 Euro. Ein Schnäppchen-Highlight.

Als Gilad Tiefenbrunn das Linn Führungszepter von seinem Vater Ivor Tiefenbrunn übernahm, war klar, dass ein Paradigmenwechsel erfolgen würde. Tiefenbrunn Junior hatte nicht nur andere Geräte im Kopf. Neben den Hardcore Linn-Jüngern erkannte er eine neue Zielgruppe, für die auch schnell ein Name gefunden war: die New Audiophiles. Hier verortet der neue Linn Chef junge oder jung gebliebene moderne Menschen, die auf guten Klang, aber auch andere Annehmlichkeiten stehen: zum Beispiel ein smartes Äußeres und eine kinderleichte Bedienung. Die Linn Kiko DSM sollte hier die Türen aufschließen.

Linn Kiko Dark BLue komplett
Der Design-Entwurf wurde mit großem Schwung ausgeführt: Die Gehäuse des Steuergeräts als auch die der Lautsprecher sind überwiegend aus Aluminium. Das sieht gut aus, ist verlässlich stabil und fasst sich gut an (Foto: Linn)

Linn Kiko DSM: ein rundes Paket

Was sie auch tat. Beherzt siedelte Tiefenbrunn Junior die neue Komplettanlage im Bereich der großen Bose Lifestyle-Systeme oder der Top-Komplettanlagen von Sony & Co an. Aber Kiko DSM ist halt eine echte Linn und damit hübscher, wertiger, klug durchdacht und eindeutig auf audiophilen Klang hin gezüchtet.

Punkt Eins: Linn hat hier nicht zwei, sondern gleich vier ihrer vorzüglichen Schaltendstufen eingebaut. Warum? Weil die 2-Wege-Lautsprecher von Kiko DSM aktiv sind: die Hochtonkalotten und die 10 cm Tiefmitteltöner haben also jeweils eine eigene, perfekt abgestimmte Endstufe, die von dem eingebauten DSP kontrolliert werden. Schon das zeigt den Kurs der Schotten.

Linn Kiko Dark BLue DSM
Als smarte Kompaktanlage hat die Linn Kiko DSM natürlich auch smarte Abmessungen: 9,1 x 38,1 x 35,5 cm (H x B x T). Und weil sie mit Schaltendstufen arbeitet, ist sie mit 5,4 Kilo auch nicht sonderlich schwer. Auf der Front finden sich links neben dem Display auch ein Kopfhörer-Ausgang sowie ein Aux-Eingang mit 3,5 mm Klinkenstecker (Foto: Linn)

Den Kontakt zu den Lautsprechern übernehmen zwei beigelegte Vierpol-Speakon Kabel (Länge: 2 Meter), die auf Wunsch vom Händler auf Sonderlänge gebracht werden. Diese Verbindungen aus dem Profi-Bereich sind genial: Man kann nichts verkehrt anschließen (bei der Kiko sind es ja 2 x Plus und 2 x Minus pro Kanal), sie sind absolut robust und dank Kunststoff-Kopf gibt es keine Kurzschlüsse zu befürchten. Fragt man sich doch, warum sie im HiFi nicht viel öfter zum Einsatz kommen…

Linn Kiko Speakon Stecker
Die Speakon Kabel in der Bodenplatte der Kiko-Lautsprecher arretiert. Für den perfekten Sitz werden sie einfach festgedreht (Schema: Linn)

Die Aktiv-Ansteuerung als auch die Verbindung machen deutlich: Andere Lautsprecher als die des Sets kann Kiko nicht antreiben. Das aber ist vollkommen in Ordnung. Die Kombination ist optimal. Das Einzige, was man sich noch hätte wünschen können, wäre ein Subbwoofer-Ausgang, um das Linn Kiko DSM auch für größere Räume nutzen zu können. Aber diesen Ausgang verweigerten die schottischen Ingenieure hartnäckig – trotz vieler Nachfragen der Fans. Menschen mit viel Sehnsucht nach Bass werden mit Kiko wohlmöglich nicht hundertprozentig glücklich…

Dafür aber jene, die es besonders einfach haben wollen. Hauptkontakte sind HDMI-Stecker – im HiFi eine Seltenheit. Hier aber darf man Blu-ray-Player, TV-Receiver oder alles andere anschließen, was einem gerade einfällt. Der eingebaute Wandler verträgt Signale bis 24 Bit/192 KHz und spielt so gut wie jedes Format. Naja, fast jedes: DSD kann er nicht und MQA wurde erst Jahre später ersonnen…

Linn Kiko Rückseite
Da kann man einiges anschließen: Zum Beispiel 3 x HDMI (1.4)-Eingänge und 1 x HDMI-Ausgang. Hinzu kommen der Netzwerkanschluss sowie zwei klassische Digitaleingänge (optisch, Cinch) und zwei Analog-Eingänge, einer davon auf der Front. Rechts zu sehen: die Ausgänge der Speakon-Kabel (Foto: Linn)

Weil er ja bei der Konzeption der Linn Kiko DSM die Zielgruppe der New Audiophiles im Kopf hatte, waren für Tiefenbrunn auch folgende Punkte elementar: Eine Vernetzung der Anlage, kinderleichte Bedienung und der Einsatz in fast allen Räumen – eben nicht nur dem Wohnzimmer – müssen möglich sein.

Linn Kiko Dark BLue vertikal
Auch nett: Um es möglichst unauffällig unterzubringen, kann man das Steuergerät der Kiko DSM  auch aufrecht hinstellen (Foto: Linn)

Für einen optimalen Klang ist aber nicht nur die möglichst harmonische Kombination aus Verstärker und Raum wichtig, sondern ebenso der Raum, in dem diese Lautsprecher spielen. Wenn man die Kiko DSM auch für das Schlafzimmer, für das Büro, womöglich auch für die Küche mit ihren vielen glatten (und somit Schall-reflektierenden) Flächen empfehlen möchte, muss man das leidige Thema Raumakustik in den Griff bekommen. Linn gelingt das sehr erfolgreich. Mit der Space Optimisation, die auch der eingebaute Kiko-Prozessor unterstützt.

Linn Space Optimisation

Linns Raumeinmess-System der ersten Generation fand ich wenig überzeugend: recht rudimentär aufgebaut und so richtig funktioniert hatte es bei meinen Tests nie. Mittlerweile jedoch ist Linn bei Version 2.0 und das ist eine komplett andere Ansage. Mit einem Zeichenprogramm gibt der Nutzer seinen Raum ein (kann sogar Rundungen simulieren), die verschiedenen Wandarten (Fenster, Stein, Holz etc), kann die Härtegrade der Wände bestimmen und sogar die Luftfeuchtigkeit angeben. Alles absolut sinnvoll, alles absolut praxis-relevant. Und am Ende bleibt auch noch eine Feinjustage für den persönlichen Geschmack.

Linn Space Optimisation
Das Programm ist einfach zu bedienen und mittlerweile echt ausgereift (Schema: Linn)

Jenseits der üblichen Einmess-Systeme von Audessey, DIRAC, Lyngdorf & Co. ist die Space Optimisation von Linn das Programm, das am leichtesten zu verstehen ist und mit wenig Aufwand die besten Ergebnisse liefert.

Hörtest Linn Kiko DSM

Nach vollzogener Einmessung, die vergleichsweise einfach ist, rechnet der Prozessor die störenden Raummoden heraus und optimiert den Klang selbst in schaurig klingenden Räumen. Wir hatten die Kiko mal auf eine Küche optimiert; das klingt erstaunlich gut.

Unter „normalen“ Umständen klingt das System natürlich noch besser – nämlich wunderbar offen, feinsinnig , impuls- und spielfreudig. Der letzte Druck im Tiefbass geht der Kiko trotz aufwändiger Aktiv-Entzerrung natürlich ab – was will man von Lautsprechern mit so kleinen Tieftönern erwarten?

Dennoch ist auch hier die bekannte Linn-Lebendigkeit wiederkennen. Es macht einfach Spaß, mit diesem kleinen Komplettsystem Musik zu hören, weil die Detail-Auflösung so gut, die Panorama-Darstellung so ausladend und die Impulsivität der Wiedergabe so authentisch ist. Für das große Wohnzimmer gibt es natürlich bessere Alternativen. Aber für den Schreibtisch, für das Schlafzimmer oder für das das Sideboard eines maximal 20 qm großen Hörraums ist das Linn Kiko DSM immer noch eine superbe Lösung für stylischen Wohlklang. Oder wie schrieb LowBeats Autor Bernhard Rietschel damals im Audio-Test: „Schnell bekommt der Old Audiophile den Eindruck, dass sein junger Kollege zwar den ganzen neumodischen Spaß bekommt, dafür aber irgendwie nicht genug gelitten hat – und dann noch nicht mal die prophezeiten Klang-Kompromisse machen muss.“ Genau das ist Kiko.

Fazit Linn Kiko DSM

Die Linn Kiko DSM ist immer noch eine wunderbar smarte Komplettanlage, die sich klanglich locker dem meisten stellen kann, was in dieser Größenordnung auf dem Markt ist. Und weil zu ihrer Einführung weitsichtig geplant wurde, reicht auch ihre Ausstattung heute noch für fast alle Belange.

Nun fällt der Preis auf schlanke 1,644 Euro und aus einem „Kann man machen“ wird ein „Muss man fast machen“. Denn neben der tollen Optik, dem überzeugenden Klang und der umfassenden Ausstattung gibt es ja noch diesen einen klaren Pluspunkt namens Space Optimisation 2.0. Besser (beziehungsweise günstiger) kann man als nicht raumakustisch versierter Musikfreund die Anlage nicht an den Raum anpassen.

Als die Kiko DSM auf den Markt kam, bot Linn sie in sechs schmucken Farben an. Diese Vielfalt kann das Auditorium zum Sonderkurs heute nicht mehr bieten. Aber von den klassischen Ausführungen „White“ und „Dark Blue“, so Geschäftsführer Sebastian Schwarte, „haben wir jeweils noch etliche auf Lager.“ Das ist doch eine schöne Botschaft.

Kauftipp der Woche:
Linn Kiko DSM
2020/08
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Angenehm frischer, offener und lebendiger Klang
Modernes Konzept, 3 HDMI-Eingänge
Dank Space Optimisation perfekt auf die Raumakustik einstellbar
Kein Subwoofer-Ausgang, kein Bluetooth

Angebot:
Auditorium GmbH
Feidikstr. 93
59065 Hamm
Telefon: 02381 9339 70
www.auditorium.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt)
Linn Kiko DSM: 1.664 Euro

Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.