THorens TD 201 mit AT3600
Der Thorens TD 201 gehört zu den besten und elegantesten Plug&Play Plattenspielern der Einsteigerklasse. Ihn gibt es jetzt für 359 Euro (Foto: H. Biermann)

Kauftipp der Woche: Thorens TD 201

Die deutsche Analog-Schmiede Thorens ist nicht nur einer der ältesten HiFi-Hersteller Deutschlands, sondern auch einer der best-beleumdeten: Unter den noch bezahlbaren Plattenspielern ist ein Thorens immer so etwas wie der Mercedes unter den Laufwerken. Da stellt sich die Frage: Wie günstig kann ein Einsteiger-Modell eigentlich sein, ohne den Qualitätsanspruch zu verraten? Thorens gab zu dem Thema über die letzten Jahre verschiedene Antworten und nicht alle überzeugten. Anders beim Thorens TD 201. Er gilt als der solideste unter den günstigsten Thorens-Drehern.

Es gab eine Anfrage bei LowBeats. Leserin Silke K. aus München suchte einen unkomplizierten und günstigen Einsteiger-Plattenspieler für die seltenen LP-Abende, der aber auch gut ins Wohnzimmer passt. Er sollte also weiß sein. Glücklicherweise hat ja die Farbenvielfalt im analogen Bereich deutlich zugenommen und reflexhaft würde man auf den Weltmarktführer Pro-Ject verweisen, der mit dem Essential III HP ein ambitioniertes Modell im Angebot hat. Der Essential III HP hat nicht nur einen Tonabnehmer vormontiert, sondern auch die entsprechende MM-Phonostufe gleich mit eingebaut.

Gleiches bietet auch der Thorens TD 201. Er wurde 2018 für 450 Euro auf den Markt gebracht und war im Vergleich zur Konkurrenz nicht schlechter, aber halt ein paar 10-Euro-Scheine teurer. Doch nun fanden wir den schicken Plug & Play-Thorens bei hifisound Münster für erfreulich günstige 359 Euro. Und damit schiebt er sich natürlich deutlich nach vorn…

Thorens TD 201 mit Haube
Selbstverständlich gehört eine solide Abdeckhaube zur Ausstattung. Staub auf der Schallplatte ist einer der hartnäckigsten Klang-Störer (Foto: Thorens)

Das Gesamtpaket Thorens TD 201

Der Thorens ist – wie üblich in dieser Klasse – ein Riemen-Laufwerk, dessen geschliffener Riemen mögliche Störeinflüsse des Motors auf den Plattenteller unterdrückt. Antrieb, Plattenteller und Tonarm sitzen auf einer stabilen, brettartigen Basis aus hochglanz-lackiertem MDF. Das sieht lecker aus und fällt auch in edleren Wohnzimmern nicht aus dem Rahmen.

THorens TD 201 von vorn
Die perfekt lackierte Platte aus MDF ist die solide Basis für Lager und Tonarm. Gut zu erkennen: die klassischen Thorens-Schalter für Drehzahl (33 + 45 Umin) sowie für Start/Stop (Foto: H. Biermann)

Die Basisplatte ruht auf vier dämpfenden Füßen, die allerdings optisch ein bisschen mehr versprechen, als sie halten. Heißt: Auch dieser Plattenspieler braucht einen ruhigen Untergrund. Trittschall wird nur bedingt abgefedert. Der Plattenteller ist aus poliertem Aluminium und unterstreicht den eleganten Auftritt des TD 201. Allerdings neigt er ohne Zusatzmaßnahmen zum Klingeln. Deshalb wird er durch die beigelegte, recht feste Gummimatte weitestgehend ruhig gestellt.

THorens TD 201 Gummimatte
Die beigelegte Gummimatte ist ein wesentlicher Teil des Plattentellers. Sie bringt mehr Gewicht und reduziert Resonanzen (Foto: Thorens)

Der Tonarm des TD 201 ist klassengemäß ordentlich. Die Verarbeitung ist recht gut, die Einstellungen in Bezug auf Gewicht und Antiskating lassen sich problemlos ausführen. Da gibt es in dieser Klasse andernorts sehr viel mehr zu mäkeln. Vorn am Tonarm ist ein sogenannter Bajonett-Anschluss, auf den man das Headshell mit vormontiertem Tonabnehmer schraubt.

THorens TD 201 Tonarmlager
Der Tonarm ist kardanisch gelagert, das Antiskating wird praktischerweise über einen Drehknopf eingestellt (Foto: H. Biermann)

Beim Tonabnehmer handelt es sich um das Audio Technica AT3600. Dieser MM-Abtaster ist trotz seines recht günstigen Preises von etwa 20 Euro eine Besonderheit. Nicht etwa, dass er besonders fein auflösen würde – dem stehen nicht nur der günstige Preis, sondern auch sein konischer Nadelschliff entgegen. Nein. Das AT 3600 gilt als nahezu unverwüstbar. Angeblich ist es sogar zum Scratchen geeignet –was ich jetzt dem TD 201 Besitzer nicht unbedingt ans Herz legen möchte – das schafft ja auch der arme Motor nicht. Aber es zeigt einen der Vorzüge dieses Abtasters: Man kann damit auch die LPs hören, die man als Jugendlicher echt schlecht behandelt hat und die von Kratzern übersäht sind.

Audio Technica AT3600
Das AT 3600 ist im Headshell des Thorens TD 201 vormontiert. Es ist klanglich ausgewogen, vielleicht sogar einen Hauch langweilig, aber schier unverwüstlich – worauf auch das empfohlene Auflagegewicht von 3,5 Gramm (!) hinweist (Foto: Audio Technica)

Die eingebaute Phono-MM-Stufe arbeitet mit einem platzsparenden IC und ist für Tonabnehmer wie dem AT3600 gemacht; dynamische Einbußen waren nicht festzustellen. Bietet aber womöglich der angeschlossene Verstärker eine bessere Phonostufe, kann man die im TD 201 einfach abschalten.

THorens TD 201 Anschlüsse
Die Rückseite des TD 201 zeigt nicht nur die klassischen Ausgänge, sondern auch den Schalter, mit dem man die MM-Vorstufe (Pre-Amp on/off) ein- oder ausschaltet sowie den Zugang zum ausgelagerten Netzteil (Foto: Thorens)

Klanglich wird sein Auftritt natürlich vom eingebauten AT3600 dominiert. Das vergleichsweise einfache MM-System spielt insgesamt recht ausgewogen und zeigt keinerlei Präferenzen für unterschiedliche Musik-Stilrichtungen. Es ist einfach angenehm, mit diesem Abtaster zu hören – vor allem, weil er auch tiefe Kratzer eher mal verzeiht als ein hochgezüchtetes High-End-System.

Erwartungsgemäß sind hier Präzision und Dynamik nicht sonderlich ausgeprägt – das darf man in dieser Klasse nicht erwarten. Aber wir haben bei LowBeats etliche Plattenspieler der Einsteigerklasse ausprobiert und dann gar nicht erst die Testmaschine angeworfen – so wenig erbaulich war deren Auftritt. Der TD 201 liegt klanglich, aber auch vom Gesamteindruck her weit über diesen Mitbewerbern und vermittelt zudem das Gefühl, als würde er seinen Besitzen die Abspiel-Freude über eine lange Zeit machen.

Fazit Thorens TD 201

In weiten Teilen wird Thorens seinem hohen Qualitäts-Anspruch gerecht. Die Konstruktion des TD 201 ist gut und chic gemacht, der Plattenspieler an sich schnell und problemlos aufgebaut. Anspruchsvolle Hörer werden sich vielleicht etwas mehr Präzision und Dynamik wünschen und mit dem Umbau auf einen anderen, dann besseren Tonabnehmer liebäugeln.

Doch das ist Unfug. Der Thorens TD 201 ist ein in sich rundes Angebot. Es richtet sich an Musikfreunde, die optisch anspruchsvoll sind und nur ab und an mal ihre LPs genießen wollen – ohne dafür einen allzu großen Aufwand betreiben zu müssen. Denn der elegante 201er ist ein Plug&Play-Plattenspieler wie er im Buche steht. Ein ordentlicher, nahezu unverwüstlicher Tonabnehmer gehört ebenso zum Paket wie auch die eingebaute Phonostufe, die den problemlosen Anschluss an jedweden Verstärker erlaubt. Man muss sich einfach keine Gedanken machen. Einfach Platte auflegen und hören.

Der Thorens 201 ist noch im aktuellen Thorens-Programm und wird da hoffentlich auch noch einige Zeit verbleiben. Umso erstaunlicher ist, dass Hifisound Münster aktuell einen Preisnachlass von über 20% gewährt. Das ist zwar nicht die Welt, aber es ist genau so viel, dass sich der Thorens TD 201 leicht vor die Konkurrenz schiebt…

Kauftipp der Woche:
Thorens TD 201
2020/07
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Ausgewogen-satter Klang.
Nahezu unverwüstlicher Tonabnehmer eingebaut
Ordentlich (abschaltbare) Phono-MM-Stufe integriert
Etwas Trittschall-anfällig

Angebot:
hifisound Münster
Jüdefelderstraße 35
48163 Münster
Telefon: 0251/478 28
Hifisound Münster

Aktionspreis (zeitlich begrenzt)
Thorens TD 201: 359 Euro

Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.