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Ein heller, aber noch recht unbekannter Stern am highendigen Himmel: Børresen Acoustics. LowBeats war vor Ort

Zu Besuch bei Børresen Acoustics: Formel-1-Rennstall für Lautsprecher

Hobbys haben grundsätzlich immer etwas mit Leidenschaft zu tun, mit Faszination für eine Sache, Hingabe, bestimmt auch Neugier und ganz allgemein mit Entdeckungslust. Kosten können dabei schon mal in den Hintergrund treten. Unseren geschätzten LowBeats Lesern brauche ich das sicherlich nicht zu erklären. Gerade im Bereich HiFi findet man aber manchmal auch Personen, die ihre Leidenschaft quasi wie Spitzensport betreiben und die aktiv die Grenzen des Machbaren ausloten. So wie die Macher von Børresen Acoustics.

Die Norddeutschen HiFi-Tage im Februar 2019. Auf meiner Entdeckungstour landete ich in einen Raum mit kleinen, sehr schicken Zwei-Wege-Lautsprechern, die ich bis dato nicht kannte – auch wenn sie mir äußerlich irgendwie ein wenig bekannt vorkamen. Noch mal kurz draußen auf das Schild geguckt: Børresen Acoustics aus Dänemark. … Okay. Gerade war der beste Platz im Stereodreieck frei und ich gönnte mir ein paar Minuten des intensiven Lauschens. Schnell war es um mich geschehen. Aber ebenso schnell warf es mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, als ich den Preis der vorgeführten Lautsprecher Børresen 01 von rund 28.000 Euro genannt bekam: Oh nooo!!

LowBeats @ Borresen Acoustics
Die kompakten Zweiwege-Lautsprecher Børresen 01. Preis: Je nach Ausstattung und Finish zwischen 25.500 und 31.200 Euro (Foto: Borresen)

Bevor ich ihnen nun lang und breit von den Qualitäten dieser Lautsprecher erzähle und warum sie so teuer sind – das wird gegebenenfalls in einem separaten Test geschehen – möchte ich das Pferd hier komplett anders aufzäumen. Nach dem (natürlich viel zu kurzen) Höreindruck auf der Messe kam ich mit Frits Dalmose, dem Sales Director von Børresen Acoustics ins Gespräch und fand schnell heraus, woher mein Déjà vu-Gefühl beim Anblick der Speaker kam. Der Entwickler Michael Børresen ist nämlich niemand geringerer, als der frühere Kopf hinter den super-exklusiven Lautsprechern von Raidho. Das erklärt schon mal einiges. Aber was hinter der „Solo-Karriere“ unter dem Namen Børresen Acoustics steckt, ist im Prinzip recht einfach: Meinungsverschiedenheiten. Daher entschied sich Børresen, zusammen mit ein paar Kollegen, eigene Wege zu gehen, um mehr Freiheiten bei der Umsetzung neuer Ideen zu haben.

Neulich bei Børresen Acoustics, Tag Eins

Nach ein wenig Fachsimpelei mit Dalmose, was ein paar faszinierende Details nicht nur zu den Lautsprechern zutage förderte, kam in mir die Lust auf, mehr über die Macher dahinter zu erfahren. Und so ergab es sich, dass wir einen Firmenbesuch in Dänemark verabredeten. Für mich als Kieler ist das keine Weltreise. Richtung Norden und dann immer geradeaus.

Das Unternehmen hat zwei Firmensitze. In einem kleinen Vorort nördlich der schönen Stadt Aarhus an der Ostsee befindet sich die Marketing-Zentrale mit Hörräumen. Der eigentliche Hauptsitz und die Fertigung haben ihren Sitz jedoch etwa 100 km weiter nördlich in Aalborg. Hier werden nicht nur die Børresen Lautsprecher entwickelt und gebaut, sondern auch Elektronik (Vor-, Voll-, Endverstärker) unter dem Markennamen Aavik Acoustics, sowie Zubehör (Kabel, Racks, Gerätefüße, Stromverteilung etc.) unter dem Namen Ansuz Acoustics. Alle drei Marken entstammen im Wesentlichen dem Schöpfungsdrang von Michael Børresen. Und jedes einzelne dieser Produkte hat es faustdick hinter den Ohren.

Frits Dalmose empfing mich zusammen mit Vertriebsmitarbeiter Morten Thyrrestrup am ersten Tag meines Dänemark-Trips in den Hörräumen in Aarhus, um mir dort erst mal einen Überblick zu verschaffen, was genau die Philosophie der Macher hinter den drei genannten Marken ist. Das Programm dafür war ziemlich umfangreich und begann mit einem Blindtest. Hinter einem Vorhang hatte Dalmose eine Kette mit für mich nicht sichtbaren Komponenten installiert und spielte kurz etwas Musik zum kennenlernen.

Solche Spielchen kenne ich schon. Der Fischköpfige Admiral Ackbar aus Star Wars würde sagen: „Das ist eine Falle!“ Das Gehörte klang sehr ordentlich, allerdings nicht spektakulär. Da ich den Raum und die gesamten Umstände nicht kannte, hätte das alles sein können. Vielleicht die kleine Børresen 01 (was allerdings etwas enttäuschend gewesen wäre), oder auch irgend ein Standlautsprecher. Also vermied ich es, mich bei der Frage, was da wohl spielte, festzulegen. Als der Vorhang beiseite gezogen wurde kam dann auch etwas erwartet Unerwartetes ans Licht: günstige Kompaktlautsprecher (unter 1.000 Euro) von Audiovector mit Streaming-Vollverstärker und CD-Player von Primare. Nur das Drumherum – Netzverteilung, Kabel, Rack und Gerätepucks – waren von Børresens Marke Ansuz Acoustics.

Dalmose und Thyrrestrup wollten mir zunächst mit den Zubehörprodukten einen Eindruck davon verschaffen, wie sehr sich Feintuning auf den Klang selbst günstiger(er) HiFi-Produkte auswirkt. Als altem HiFi-Hasen ist mir das natürlich nicht neu, aber in den kommenden ca. zwei Stunden erforschten wir dennoch erst mal Schritt-für-Schritt, welch gewaltige klangliche Fortschritte die Kette durch bessere Netzkabel, andere Stromverteiler, Ethernetkabel für Streaming und vor allem auch durch die erstaunlichen Gerätefüße namens Darkz von Ansuz Acoustics machte. Und das alles an der relativ günstigen Kette mit Einsteigerlautsprechern.

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Mit dieser Kette, bestehend aus Primare Elektronik, System Audio Lautsprechern und Ansuz Zubehör, begann ein spannender Hörtest-Tag (Foto: F. Borowski)

Zunächst  ging es ausschließlich um die Ansuz-Zubehörprodukte, wie die aufwendigen aber filterlosen Stromverteiler, Netzkabel, Digitalkabel und das Ansuz Titan Rack. Frits Dalmose kümmert sich um den Kabeltausch. Die Klangunterschiede waren jedes Mal klar nachvollziehbar. Und das Beste: Am Ende klang die Kette um Größenordnungen musikalischer, als zu Beginn…

Frits Dalmose erklärt die Besonderheiten der unterschiedlichen Ansuz Kabelserien (Foto: F. Borowski)

Mehrere Aussagen kann ich aus diesem Parcours bezogen auf die Firmen-Philosophie von Børresen Acoustics mitnehmen: Erstens: Bei Børresen steht Materialforschung und deren Auswirkung auf den Klang sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Zweitens: An dämpfende Materialen für Racks und Gerätefüße glauben die Dänen nicht, eher an eine Resonanzkontrolle. Drittens: Netzfilterung kommt für die Ansuz-Produkte nicht in Frage. Egal, wie man es macht, das würde nur Dynamik rauben, sagt Dalmose und bestätigt damit meine eigenen Erfahrungen. Vielmehr konzentriert man sich auf bestmögliche Masseverteilung, Vermeidung von Antennenwirkung bei Kabeln und andere Punkte für eine optimale Netzversorgung.

Im Anschluss an diese Tests wechselten wir dann in den zweiten, etwas größeren Hörraum, in dem endlich auch der eigentliche Grund für meinen Besuch zu finden war: die Børresen Lautsprecher. (Übrigens, die Hörräume waren alles andere als Spektakulär. Weder besonders groß, noch besonders exklusiv eingerichtet, noch mit massenhaft Roomtuning versehen. Die Speaker sollen bewusst unter typischer Wohnraumakustik ihre Qualitäten zutage fördern.)

Mit perfektem Timing traf nun auch der Meister himself ein, der zuvor noch im Werk in Aalborg zu tun hatte.

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Michael Børresen neben einer seiner Schöpfungen, dem derzeit zweitgrößten Lautsprecher des Herstellers mit der einprägsamen Modellbezeichnung „03“ (Foto: F. Borowski)

Michael Børresen, der privat leidenschaftlicher Naturliebhaber und Fliegenfischer ist, wirkt weder wie ein verpeilter Wissenschaftler, noch wie der verschrobene HiFi-Esoteriker, sondern ist ein absolut bodenständiger und sympathischer Typ, mit dem man über Gott und die Welt sprechen kann. Vor allem wurde er nie müde, meine neugierigen und bisweilen vielleicht etwas bohrenden Fragen zu den Geheimnissen seiner Produkte zu beantworten. Und zwar stets absolut pointiert und sachgerecht, wobei immer seine Leidenschaft für die Materie mitschwang.

Die Philosophie von Børresen Acoustics

Børresen sieht sich selbst nicht als Erfinder, sondern eher als aufmerksamen Beobachter von Natur und Technik. Wo er geht und steht sieht er Möglichkeiten, existierendes Wissen und anderswo eingesetzte Prinzipien für seine Zwecke zu applizieren. Also für den bestmöglichen Klang. Auch macht er keinen Hehl daraus, dass das Design bzw. die Form seiner Lautsprecher eine Referenz an Franco Serblin (Sonus faber) ist, aber mit eigenständigem skandinavischem Finish. Heißt: gradliniger, mit weniger Chi-Chi.

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Der Aavik Vollverstärker U-150 (Foto: F. Borowski)

Ein strikt wissenschaftliches Vorgehen ist für Børresen absolut selbstverständlich. Aber bei alledem steht die Theorie nicht über dem klanglichen Ergebnis. Lassen Sie mich das am Beispiel der Ansuz Gerätefüße namens „Darkz“ erläutern: Børresen arbeitet intensiv mit der Universität in Aarhus zusammen. Die betreibt, ähnlich wie das deutsche Fraunhofer Institut, viel Grundlagenforschung, die direkt in kommerzielle Anwendungen fließen kann. Unternehmen können die Dienste der Uni in Anspruch nehmen. Børresen investiert viel Geld in die dortige Materialforschung und hat so Zugang zu dem viele Millionen Euro teuren Teilchenbeschleuniger der Universität. Damit können mehrlagige Oberflächenbeschichtungen durch Sputtern mit teils ziemlich exotischen Materialien erzeugt werden.

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In dieser Multi-Million-Dollar-Maschine entstehen die exotischen Oberflächenbeschichtungen der Darkz Gerätefüße (Foto: Børresen Acoustics)
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Durch Sputtern werden Atome aus einem Festkörper durch Beschuss mit energiereichen Ionen (vorwiegend Edelgasionen) herausgelöst (Foto: Børresen Acoustics)
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Auf so einem Gestell werden die Darkz zur Beschichtung in den Teilchenbeschleuniger geschoben (Foto: Børresen Acoustics)
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Immer wenn die Forscher eine vielversprechende neue Oberflächenbeschichtung erzeugen konnten, klingelt bei Børresen das Telefon, der umgehend mit einem Satz unbehandelter Darkz aus unterschiedlichen Basismaterialien anrückt, die dann im Teilchenbeschleuniger mit Schichten aus beispielsweise Diamant (Karbon), Zirkonium, Wolfram und diversen anderen Elementen versehen werden. Da es in diesem Fall keinerlei theoretisches oder praktisches Wissen über die klangliche Wirkung solcher Materialbeschichtungen gibt, hängt alles von den anschließenden Hörtests ab.

Bewährt sich eine Materialkombination, stehen die Chancen gut, dass daraus ein kaufbares Produkt wird. Dessen Serienfertigung in überschaubaren Stückzahlen erfolgt dann wieder in der Uni Aarhus. Ist das klangliche Ergebnis nicht überzeugend, bleibt es bei dem Versuch. Bei einer derartig aufwendigen Vorgehensweise und kostspieligen Fertigung wird dann auch etwas verständlicher, warum die Darkz je nach Trägermaterial und Beschichtung bis knapp 1.000 Euro pro Stück (!) kosten. Die Darkz finden Verwendung als Geräteuntersetzer, in den Ansuz Titan-Racks, als Kabelträger, und natürlich in den Füßen der Børresen Lautsprecher.

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Geräteuntersetzer Darkz. Die zur Resonanzkontrolle eingesetzten Füße bestehen aus drei Scheiben, die mit Kugeln aus Keramik oder Titan voneinander getrennt sind. Das Material der teils mehrlagigen Oberflächenbeschichtungen aus dem Teilchenbeschleuniger hat großen Einfluss auf den Klang und treibt den Preis in teils schwindelerregende Höhen (Foto: F. Borowski)

Überall dort, wo die Theorie genauere Vorhersagen zulässt, geht Børresen weniger nach dem Prinzip Versuch und Irrtum vor und kann gezielter auf bestimmte Eigenschaften hin entwickeln. Das wohl faszinierendste Beispiel ist der Magnetantrieb der Børresen-Treiber. Dabei handelt es sich um die weltweit ersten dynamischen Treiber, die komplett ohne Eisen im Kern auskommen.

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