Aavik C-580 und P-580
Die neue Vor-/Endstufenkombination von Aavik bietet interessante technische Ansätze. (Foto: Aavik)

Aavik C280/P280 + C580/P580: neue Vor-/End-Kombis der Edel-Dänen

Unter dem Dach der Audio Group Denmark versammeln sich die Marken Børresen (Lautsprecher), Aavik (Elektronik) und Ansuz (Kabel/Zubehör). Die Dänen haben in nur wenigen Jahren ein ansehnliches High-End-Imperium geschaffen. Es handelt sich hierbei aber nicht um ein Konsortium von Investoren, das eine wertvolle Marke nach der Anderen aufkauft. Alle Marken sind Eigenschöpfungen und alle Produkte Eigenentwicklungen. So auch die nun neu vorgestellten Vor-/End-Kombis Aavik C280/P280 + C580/P580.

Aavik Acoustics, unter der Ägide von Michael Børresen, Lars Kristensen und jüngst auch Flemming Rasmussen (dem Gründer von Gryphon), baut nun sein Angebot an hochklassigen und mit sehr außergewöhnlicher Technik versehenen Komponenten der 280- und 580-Serie weiter aus. Wer die Marke noch nicht kennt und einen Eindruck von diesen außergewöhnlichen Produkten bekommen möchte, liest am besten unseren Doppeltest der Vollverstärker I-180/280 und den Einzeltest des I-580. Da gibt es viel Ungewöhnliches zu entdecken.

Aavik C-580
Die Vorstufe C-580 mit der charakteristischen Titanverstrebung im Deckel. (Foto: Aavik)

Die Besonderheiten der neuen Vor-/End-Kombis Aavik C280/P280 + C580/P580

Die Verstärkerlinie wird um eine getrennte Vor-/Endstufenkombination ergänzt, die in zwei Qualitätsstufen erhältlich sein wird:

Vorverstärker C-280 = 12.000 Euro
Endverstärker P-280 = 12.000 Euro
Vorverstärker C-580 = 25.000 Euro
Endverstärker P-580 = 25.000 Euro

Ein „Einsteigermodell“ 180, wie bei den Vollverstärkern verfügbar, gibt es hier also nicht. Aber eine (optionale) analoge Frequenzweiche für die Vorstufen, die mit 4.000 Euro zu Buche schlägt.

Die neu vorgestellten Vor-/End-Kombis Aavik C280/P280 + C580/P580 sind äußerlich von den anderen Komponenten der Serie kaum zu unterscheiden und nutzen das gleiche Gehäuse aus NBCM (Natural Based Composite Material). Auch bei der Unterscheidung der Modelle 280 und 580 gibt es viele Parallelen zu den bisherigen Modellen. So verfügen die 580er Vor- und Endstufe auch hier gegenüber den 280ern zusätzlich über ein inneres Kupferchassis, sowie Titanelemente im Gehäusedeckel, Gerätefüße aus Titan und eine deutlich größere Anzahl an „Tesla“-Spulen im Inneren.

Aavik C-280 PSU und Tesla-Modul
Das Bild zeigt das Resonant Mode Netzteil und davor die Tesla-Spulen des C-280 Vorverstärkers (Foto: Aavik)

Aavik hat aber die Technik der Vollverstärker nicht komplett 1:1 übernommen und auf zwei Gehäuse verteilt. In einigen klangkritischen Bereichen wurde zusätzlicher Aufwand betrieben, um das ohnehin schon fantastisch niedrige Signalrauschen noch weiter zu minimieren. Einerseits ergeben sich diesbezüglich laut Børresen-Philosophie schon Vorteile durch die Aufteilung der Vor-/Endstufe in zwei Gehäuse und die damit verbundene Verdoppelung der Tesla-Spulen. Anderseits hat sich Chefentwickler Michael Børresen für die 580er-Modelle noch einen ungewöhnlichen Schaltungskniff erdacht.

Licht statt klickende Relais

Das Eingangsbord des C-580 arbeitet nicht wie üblich mit C-MOS oder Relais-basierter Eingangsumschaltung, sondern mit so genannten LDR (Light Dependent Resistor). Diese kommen auch in der Endstufe P-580 zur GAIN-Anpassung zum Einsatz.

LDR kennt im Prinzip jeder. Es ist im Grundsatz nichts exotisches, sondern einfach nur lichtempfindliche Fotowiderstände, wie sie auch in jedem billigen Bewegungsmelder zu finden sind. In den Aaviks werden diese aber nicht von äußeren Lichteinflüssen getriggert. Es handelt sich stattdessen um spezielle Bauteile mit einer entsprechenden Lichtquelle, vermutlich LED. Der Ansatz ist mir zumindest in Audiokomponenten so noch nicht untergekommen, erscheint aber durchaus sinnvoll. Aavik verspricht damit jedenfalls ein deutlich gesenktes Signalrauschen in besonders kritischen Bereichen der Schaltung.

Aavik P-580 GAIN-Stufe
Der GAIN-Pegel in der Endstufe P580 wird – wie die Eingänge in der Vorstufe – über besonders rauscharme LDRs und ein Widerstandsnetzwerk geschaltet, statt über C-MOS oder Relais. (Foto: Aavik)

Eine weitere Besonderheit gibt es in Form einer optionalen Frequenzweiche (4.000 Euro) für beide Vorstufen. Diese arbeitet rein analog, was in einem komplett analogen Vor-/Endstufen-Paket natürlich auch sinnvoll ist, um unnötige Wandlungen und vor allem Latenzen durch DSP-Signalverarbeitung komplett zu vermeiden. Es gibt andere Hersteller wie SPL, die ebenfalls für bestimmte Anwendungen auf analoge Frequenzweichen setzen. Die Aavik-Weiche ermöglicht nicht nur eine zeitperfekte Ansteuerung von Subwoofern bzw. die Möglichkeit zur Nutzung eines 2.1-Setups mit Tief- und Hochpass-Filterung. Die Weiche kann auch als analoge Raumkorrektur zur Beseitigung der schlimmsten Raummode dienen.

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Aavik C-580 Mainboard und Weichenmodul
Hier ist ein Teil der Hauptplatine des C-580 mit der optionalen analogen Frequenzweiche zu sehen. (Foto: Aavik)
Aavik C-580 Weiche
Die Platine der analogen Frequenzweiche für die neuen Vor-/End-Kombis Aavik C280/P280 + C580/P580 (Foto: Aavik)
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Die Verstärkerschaltung der Endstufen basiert wie bei den Vollverstärkern auf den patentierten UMAC-Modulen, die über Resonant Mode Netzteile versorgt werden.

Die UMAC-Technologie zielt vor allem auf zwei Bereiche des modulierten Verstärkerdesigns ab. Erstens wird die PWM-Erzeugung mit Sinuswellenmodulation und nicht mit der sonst üblichen Dreiecksmodulation erzeugt. Der Vorteil ist, dass Sinuswellen weit weniger hochfrequentes Rauschen erzeugen als Dreiecke, keine scharfen Ecken haben und daher weit weniger induktive Filterung am Ausgang erfordern. Die geringere Induktivität am Ausgang verleiht den Verstärkern laut Aavik zudem einen viel höheren Dämpfungsfaktor und damit eine deutlich bessere Lautsprecherkontrolle. Zweitens soll eine „duale Mixed-Mode-Rückkopplung“ Dämpfungseigenschaften erzeugen, die sonst nur für allerbeste Linearverstärker charakteristisch seien.

Für das Resonant Mode Netzteil verspricht Aavik eine wesentlich bessere Leistungsverteilung und einen großen dynamischen Headroom. Im Gegensatz zu den Rechtecksignalen, die von herkömmlichen Schaltnetzteilen verwendet werden, sind die Aavik-Resonanznetzteile so konzipiert, dass sie hauptsächlich mit Sinuswellen betrieben werden. Wird mehr Leistung benötigt, erhöht sich die Betriebsfrequenz, was wiederum den Vorteil habe, dass sich die Leistungsdichte ebenfalls erhöht, so Aavik in seiner Beschreibung. Dies sorge für eine höhere Spitzenleistung, wenn die Musik danach verlangt.

Klar ist, dass Aavik mit diesen neuen Vor- und Endverstärkern erneut seinen Ruf untermauert, gerne ausgetretene Pfade zu verlassen und Kompromissen eine klare Absage zu erteilen. – Was sich entsprechend in den Preisen widerspiegelt. Ein hochinteressantes Konzept, das insbesondere im C-580 und P-580 mit den darin verbauten LDR-Schaltern noch für Gesprächsstoff sorgen dürfte.

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.