Aavik I-580 Display und LS-Regler im Detail
Mit dem Vollverstärker Aavik I-580 treibt Michael Børresen seine Strategie zur Signalreinhaltung mit "Tesla-Spulen" auf die Spitze. Das Konzept geht voll auf, hat aber seinen Preis.

Test Aavik I-580: Dieser Vollverstärker macht vieles anders – und klingt überirdisch gut

Die Entwickler der dänischen Edelschmiede Aavik haben einen ungewöhnlichen Entwicklungsansatz: Die Vollverstärker ihrer 80er-Serie sind bis auf die Anzahl der verbauten, Børresen-typischen Tesla-Spulen und Dither-Schaltungen nahezu identisch, liegen aber preislich und klanglich weit auseinander. Wir haben uns dieses skurrile Konzept im Doppeltest des Aavik I-180/I-280 (6.000 / 10.000 Euro) genauer angesehen und waren überrascht. Damit aber warf der Test eine weitere Frage auf: Kann der immerhin 20.000 Euro teure „größte“ Amp der Serie, der Aavik I-580, den überwältigend gut spielenden Bruder I-280 klanglich noch mal eindeutig distanzieren, obwohl er sich vom Aufbau her so wenig unterscheidet? Die Antwort überrascht erneut: ja!

Aavik I-580 und D-280 Stacked
Der I-580, hier auf dem D-280 DAC, in der Frontalansicht (Foto: F. Borowski)

Man muss nicht gut zwischen den Zeilen lesen können, um meine Begeisterung für den Aavik Vollverstärker I-280 im Test vor einem knappen halben Jahr zu erkennen. Ich war ziemlich verblüfft, wie der dänische Amp mit dem ungewöhnlichen Design und Technikkonzept andere mir bekannte Verstärker förmlich zum Frühstück verputzte und auch seinen kleineren und sehr ähnlichen Bruder I-180 distanzieren konnte – obwohl auch zwischen diesen Beiden recht geringe technische Unterschiede bestehen. Danach war klar, dass ich an einem ausführlichen Test des Topmodells kaum vorbeikommen würde.

Tatsächlich steht der I-580 nun schon seit gut drei Monaten in meinem Hörraum und ich habe ihn in dieser Zeit kennen und schätzen gelernt, wie kaum einen anderen Amp. Auch der direkte Vergleich mit dem I-280 war mir noch ein paar Wochen vergönnt. Dazu sind in dieser Zeit meine Referenzlautsprecher Børresen 02 auf die Silver Supreme Edition aufgerüstet worden und ich hatte seit dem die Gelegenheit, meine Stromversorgung mit dem Ansuz Mainz8 X·TC Netzverteiler plus X2 Netzkabeln und Sparkz Harmonizern aufzurüsten. Alles Produkte bzw. Marken der Audio Group Denmark um Michael Børresen und Lars Kristensen.

Bin ich etwa einer Markenphilosophie verfallen? Nun, ein bisschen schon. Als „Fan“ lasse ich mich deswegen aber nicht abstempeln. Marken an sich sind mir ziemlich egal. Sei es bei Automobilen, Kameras oder auch im HiFi. Ich wechsle Marken wie Lady Gaga ihr Outfit und bin rein Ergebnis-orientiert.

Dass ich momentan mit meiner Hauptanlage knietief (nicht bis zum Hals) in Børresen-Equipment stecke, ist auch nur dem Ergebnis geschuldet, denn ich habe nie zuvor eine stimmigere Kette in meinem Hörraum gehabt – eine teurere allerdings auch nicht. Aber Etliches mit illustren Namen wie Krell, Pass, Meridian, Rowland, Wilson Audio (derzeit wieder in meinem zweiten System zu finden), Focal, B&W, KEF und was weiß ich nicht alles. Nie hatte ich auch nur annähernd ein derart stimmiges und natürliches Gesamtbild wie heute.

Die Kette sieht derzeit wie folgt aus:

Vom Router geht es zunächst in einen optischen Wandler und über Glasfaserkabel in den Melco S100 Switch. An diesem hängen der Silent Angel Rhein Z1 als Roon Core und der Trinnov Amethyst als Streaming-Player und Raumklang-Prozessor. Letzterer gibt die Daten nicht über seinen eigenen DAC analog aus, sondern reicht diese digital per S/PDIF weiter an den Aavik I-280 DAC, der mit dem I-580 Vollverstärker verbunden ist. Dieser speist die Børresen 02 SSE Lautsprecher. Zubehöre und Roomtuning-Maßnahmen hier mal außen vor gelassen.

Die Kette: Links am Bildrand sind der Melco S100 Switch und der Silent Angel Rhein Z1 als Roon Core zu sehen. In der Mitte der Aavik I-580 (oben) und der D-280 DAC. Zuspieler: Trinnov Amethyst, Lautsprecher: Børresen 02 SSE (Foto: F. Borowski)

Wie jeder hörerfahrene HiFi-Fan weiß, hat praktisch jedes noch so kleine Glied in einer Wiedergabekette Einfluss auf den Klang. Nur nicht alle in gleichem Ausmaß. Lautsprecher und Raumakustik machen den Löwenanteil aus, danach kommt die analoge Elektronik (hier der Verstärker), erst dann die digitalen Komponenten sowie Maßnahmen für die Stromversorgung (Netzteile, -Kabel, -Leisten…), Lautsprecher- und Interconnect-Kabel, und zuletzt Details wie spezielle Gerätefüße – mal so als grobe Einteilung. Manche mögen die Gewichtung etwas anders sehen.

Sanfte Überleitung zum Testkandidaten… Der I-580 – übrigens ein rein analoges Exemplar – hat definitiv einen ziemlichen großen Anteil am Gesamtergebnis. Er muss genug Leistung für die angeschlossenen Lautsprecher bereitstellen und nicht zuletzt stabil an allen Lasten arbeiten. Die Aavik Verstärker sind, wie auch die Komponenten der Marke Ansuz, allesamt in einer Konsequenz aufeinander abgestimmt, wie ich sonst nicht kenne. Aber wie viele andere High-End-Hersteller haben schon vom Rack über Zubehör und Elektronik bis zu den Lautsprechern alles in Eigenregie entwickelt?

Aavik I-580 – die Unterschiede zu den kleineren Modellen

Wer mehr über die Besonderheiten der Aavik-Verstärker wissen möchte – speziell über die geheimnisvollen Tesla-Spulen und andere Maßnahmen zur Signalreinhaltung – dem lege ich noch einmal den Test des I-180/I-280 ans Herz. Beschränken wir uns hier auf die Abweichungen des Topmodells I-580.

Wie oben schon erwähnt, gibt es in Bezug auf die Schaltung, nur wenige Unterschiede. Hauptsächlich zeichnet sich der I-580 durch eine deutlich größere Anzahl sogenannter Tesla-Spulen aus, die in verschiedenen Varianten überall im Gerät verbaut sind und vor allem den Zweck haben, jegliche elektromagnetische Interferenzen vom Signalweg fern zu halten.

Tesla-Spulen gibt es sowohl in Form handgewickelter „Active Tesla“ Drahtspulen auf drei Extra-Platinen (108 Stück), in quadratischer Form als Leiterbahnen auf den Signalplatinen (Active Square Tesla Coils: 240 Stück), sowie zur Unterdrückung der Antennenwirkung um die internen Verbindungskabel gewickelt (Anti Aerial Resonance Coils: 4 Stück). Auch an dieser Stelle noch mal der Hinweis, dass die Bezeichnung „Tesla-Spule“ lediglich eine Reminiszenz an den großen Erfinder ist und nichts mit dessen Tesla Trafo-Spulen zu tun hat. Darüber hinaus bedient sich der I-580 elf spezieller Dither-Schaltkreise.

Aavik I-580 Innenansicht Details
Das Topmodell der Serie besitzt ein Innen-Chassis aus Kupfer und verfügt über eine sehr große Anzahl verschiedenster Tesla-Spulen (Foto: Aavik)

Die eigentliche Schaltung und damit auch die Werte wie die reichlich vorhandene Ausgangsleistung (2 x 300W an 8 Ohm, 2 x 600W 4 Ohm) sind im Kern identisch mit den kleineren Geschwistermodellen. Zusätzlich sind, so sagt Entwicklungs-Chef Michael Børresen, im I-580 bessere Op-Amps und eisenfreie Hochfrequenz-Filter im Netzteil verbaut.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das interne „Sub-Chassis“ aus Kupfer im Inneren des I-580. Es handelt sich dabei aber bewusst nicht um einen rundum geschlossenen Faradayschen Käfig. Sinn und Zweck des inneren Kupfergehäuses ist es, elektromagnetische Störungen von der Schaltung fernzuhalten. Dazu darf es kein Käfig sein, denn der würde die von der eigenen Schaltung produzierte elektromagnetische Strahlung wieder zurück reflektieren. Außerdem, so erklärt Børresen, laufen die MOSFETs dank der geringeren Induktivität des Kupfers kühler.

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Aavik I-580 und Darkz
Die optionalen Darkz Gerätefüße – hier in der Titanversion unter dem DAC – dienen zur „mechanischen Erdung“ und sind erstaunlich wirksam. Der Verstärker (oben) ist hier nur mit Titankugeln vom DAC separiert. Die liegen in den Vertiefungen der Adapterstücke und sorgen für einen standsicheren und perfekt ausgerichteten Stapel (Foto: F. Borowski)
Anzuz Darkz Titanium + Balls
Die Ansuz Darkz Titanium Gerätefüße (800 Euro/Stk.) mit separat zu erwerbenden Titankugeln. Die Kugeln werden in die runden Vertiefungen gelegt und nehmen so Verbindung mit der „Kugelrinne“ an der Unterseite der Aavik-Gerätefüße auf. (Foto: F. Borowski)
Ansuz Darkz Titanium unter Gerät 2
Zwischen den drei Lagen der Darkz sind ebenfalls drei Titankugeln pro Etage eingebettet (Foto: F. Borowski)
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Die sofort sichtbare Abweichung des I-580 von seinen kleineren Brüdern ist die X-förmige Titanverstrebung im Gehäusedeckel, die vermutlich an das Design des hauseigenen Ansuz Titan-Racks angelehnt ist. Zudem sind  die Gerätefüße und die Endkappen an den Ecken, die die Gehäuseverschraubung verdecken und als Adapter für das Aavik-Darkz-System fungieren, beim 580er aus Titan statt Alu.

Das pieksauber schwarz lackierte Außengehäuse besteht auch beim Topmodell aus NBCM – Natural Based Composite Material. Also kein aus dem Vollen gefrästes Aluminium, aber CNC-gefräster Verbundwerkstoff, der leicht, stabil, resonanzarm, handfreundlich und zudem nachhaltiger ist.

Aavik I-580 Titanverstrebung
Das in den Deckel eingelassene Titan-Kreuz des I-580 dient zur strukturellen Verstärkung – und sieht gut aus (Foto: F. Borowski)

Ich will hier kein Blatt vor den Mund nehmen: Der zusätzliche technische Aufwand im I-580 kann den enormen Aufpreis zum I-280 – schlicht eine Verdoppelung des Preises – schwerlich rechtfertigen. Wahrscheinlich ist diese Entscheidung einfach dem Umstand geschuldet, dass sich die Produkte der Audio Group Denmark rein strategisch an eine besonders solvente und wenig preiskritische Klientel richtet, die sich vornehmlich in Asien und Übersee tummelt. 

Wenn es funktioniert, hat es für die Firmengruppe erhebliche Vorteile. Zum Beispiel, dass mit geringen Stückzahlen (und entsprechend geringerem Aufwand) gutes Geld verdient und gleichzeitig eine hohe Exklusivität der Marke aufgebaut wird, was auf wohlhabende Kreise nur umso attraktiver wirkt. Auf der anderen Seite fallen viele potenzielle und wirklich HiFi-begeisterte, aber normal verdienende Kunden damit leider durch das Raster. Ein anderes Kriterium für die Preisfindung ist natürlich, ob sich eine Komponente klanglich mit anderen in ihrer Preisklasse messen kann. Und das gelingt dem Aavik I-580 fraglos.

Der Aavik I-580 in der Praxis

Ein Ausstattungswunder ist der I-580 nicht. Aber all seine Möglichkeiten sind sehr praxisgerecht und sollten für die meisten Anwendungen locker ausreichen. Selbst für mich als Tester mit häufig wechselnden Mitspielern ist der Funktionsumfang völlig ausreichend.

Funktionen, Anschlüsse, Bedienung: alles identisch zu seinen kleineren Geschwistern. Der I-580 hat nur Cinch Ein- und Ausgänge, kein XLR. 5x Line-IN, 1x Pre-OUT. That’s it. Die soliden Lautsprecherterminals sitzen auch hier weit außen zu den Gehäuseseiten, was den Anschluss erleichtert und Konflikte der LS-Kabel mit den Interconnects vermeidet.

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Aavik i180 Anschlüsse
Die Anschlüsse des I-580 entsprechen denen des hier gezeigten I-280: 5x Line-In, 1x Pre Out, plus Lautsprecherterminals, die vernünftigerweise ganz weit außen platziert wurden (Foto: F. Borowski)
Aavik I-580 Terminals
Die Lautsprecherterminals sitzen weit außen und kommen so nicht mit den Interconnects in Konflikt (Foto: F. Borowski)
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Über Trigger-Anschlüsse können weitere Komponenten, wie der im Test benutzte Aavik D-280 DAC, zusammen mit dem Verstärker ein- und ausgeschaltet werden. Die Bedienung erfolgt über drei Tasten und den großen Lautstärkeregler an der Front, oder über die mitgelieferte Apple Fernbedienung. Eine Systemfernbedienung im passenden Design ist in der Entwicklung, denn mit den Apple Remotes (jedem Gerät der Serie liegt eine bei) kann immer nur ein Aavik-Gerät zur Zeit gesteuert werden. 

Das rote LED-Matrix-Display hatte ich ja schon im Test der kleineren Modelle hinreichend gewürdigt. Ich schätze dessen perfekte Ablesbarkeit, die praxisgerechten Dimmstufen und allgemein den „analogen“ und das Auge nicht ablenkenden Touch dieser Anzeige.

Aavik I-580 Display und LS-Regler im Detail
Die rote LED-Matrixanzeige und der verchromte, konkave Pegelregler in der Nahansicht (Foto: F. Borowski)

Und der Klang? Hammer! (Thor-mäßig)

Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber trotz fast identischer Ausgangsstufe macht der I-580 im Bass noch mal einen nachvollziehbaren Sprung über den I-280 hinaus, der seinerseits in diesem Punkt den I-180 mühelos distanziert. Alles nur wegen der deutlich höheren Anzahl an Tesla-Spulen? Mr. Spock hat darauf die passende Erwiderung: Faszinierend!

Tonal ändert sich erwartungsgemäß mit dem I-580 so gut wie nichts. Wie seine kleineren Brüder ist er ein Paradebeispiel für einen höchst transparenten, dynamischen Vertreter der Solid-State-Spezies, Untergattung Schaltverstärker. Die Unflätigkeiten primitiverer Class-D-Schaltungen sind ihm dabei aber völlig fremd. Der Aavik I-580 klingt niemals harsch oder artifiziell. Auch und insbesondere bei niedrigeren Pegeln gibt es keinerlei Verflachung des Klangbildes zu beanstanden. Im Gegenteil.

Aavik I-580 on Rack
Die Geräte der neuen Aavik-Serie sind mit knapp 40,0 x 40,0 cm Grundfläche zwar nicht winzig, aber längst nicht so gigantomanisch, wie manch andere Verstärker dieser Preis- und Leistungsklasse (Foto: F. Borowski)

Sein besonderes Talent auch bei niedrigen Pegeln mitreißend spielen zu können, verdankt der I-580 mit Sicherheit zu einem großen Teil seiner unbeschreiblichen Rauscharmut. Der dadurch extrem „schwarze“ Hintergrund bietet die ideale Leinwand, um selbst allerfeinste Details in perfektem Kontrast erscheinen zu lassen. Seien es winzige Hintergrundgeräusche in klassischen oder anderen Live-Aufnahmen, räumliche Effekte oder verspielte Geräuschkulissen in elektronischer Musik. Dabei steht alles so frei und plastisch zwischen den Lautsprechern, wie es technisch mit heutigen Mitteln in einem Stereo-System nur möglich ist.

Zum Teil liegt das sicherlich auch an dem idealen Zusammenspiel mit den Børresen 02 SSE Lautsprechern, die diese Qualitäten noch mal zu verstärken scheinen. Nie war Musik hören mit niedrigen oder gemäßigten Pegeln für mich so schön, wie mit dieser Kombi. 

Weil mich der I-580 so euphorisiert hat, ließ sich der (eher skeptische) LowBeats Chefredakteur parallel einen 580er ins LowBeats Headquarter nach München schicken, um ihn dort einige Wochen auszutesten und mit den Verstärker-Referenzen vergleichen zu können. Hier ist seine Erfahrung:

„Auf den ersten Eindruck klingt der Aavik I-580 eher unspektakulär. Doch schon auf den zweiten Eindruck macht er mit einem höchst beeindruckenden Bassbereich auf sich aufmerksam. Selbst im Vergleich zu den großen SPL-Monoblöcken m1000 hatte man mit ihm den Eindruck, er könne jederzeit mehr nachliefern. Die Bässe selbst kamen rabenschwarz und ungemein habhaft. Von der Kraftentfaltung her erinnert mich der I-580 an die großen Devialet-Verstärker, die den Bassbereich ähnlich souverän im Griff haben.

Die herausragende Charaktereigenheit des großen Aavik aber ist seine „Ruhe“. Keiner der im Vergleich angeschlossenen Amps – sei es Vollverstärker oder Vor-Endstufen-Kombination, sei es Röhre oder Transistor – war mit einer solchen, fast schon stoischen Spielruhe gesegnet. Das heißt nicht, dass der Däne auch nur im Ansatz langweilig oder langsam klänge. Es fehlt nur so manche Nervosität anderer Komponenten, die man allerdings erst wahrnimmt, wenn man einen Verstärker wie den Aavik I-580 daneben stellt. Er klingt, als hätte er das ganz große Stromfilter-Gedeck vorgeschaltet: extrem sauber, wunderbar klar, mit ungewöhnlicher Raumtiefe, aber halt nicht hyper-lebendig.

Gegenüber den Vor-/Endstufen-Kombinationen von SPL (Director2 + m1000) und Cambridge Audio (Edge NQ + Edge M) konnte der I-580 mit dieser Spielweise durchaus punkten; sowohl der Aavik als auch die beiden Kombis hatten in den verschiedenen Hörrunden ihre Befürworter – das darf man bei der Qualität dieser Mitbewerber durchaus als dickes Lob werten. Beim Vergleich mit der LowBeats Vollverstärker-Referenz, dem Monaco von Westend Audio, allerdings gingen die meisten Sympathiepunkte an den Monaco. Nicht, dass sich die stattliche Röhre mit den schier unendlichen Kraftreserven des I-580 hätte messen können. Aber der Münchener Edel-Amp spielte noch etwas lockerer und feinsinniger, aber auch kernig-lebendiger.

Fairerweise muss ich festhalten, dass wir die meisten Vergleiche an der Impedanz-kritischen Standbox Gauder RC-9 gemacht haben. An der schwäbischen Nobelbox läuft der Monaco gemeinhin zu Hochform auf. Es kann sein, dass der I-580 auf die Impedanzen der RC-9 etwas sensibler reagiert. In Kombination mit den Børresen-Speakern, so habe ich es auf Messen gehört und so beschreibt es Kollege Borowski glaubhaft, ist der I-580 jedoch eine echte Offenbarung.“

Ansuz-Zubehör fächerte das Klangspektrum noch weiter auf

Für den Test in der Kieler LowBeats Dependence kam die oben bereits beschrieben Kette zum Einsatz. Im Verlauf des mehrmonatigen Parcours kam noch eine Ansuz X-TC Netzleiste, ein weiteres Netzkabel Ansuz X2 (eines war bereits vorhanden) und zwei Ansuz Sparkz TC2 Harmonizer zum Einstecken in die freien Steckdosen der Netzleiste hinzu. Die Børresen-Mannen haben es einfach gut drauf, einem die Vorzüge ihrer (ebenfalls sehr kostspieligen) Zubehörprodukte schmackhaft zu machen. Wobei bislang nie zu viel versprochen wurde.

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Ansuz Mainz8 mit X2 und Sparkz
Die 8-fach Netzleiste Mainz8 TC (mit Tesla-Spulen) kostet 1.500 Euro. (Basisversion ohne TC 1.000€.) Der Netzverteiler konnte sich im Klang deutlich von der ebenfalls sehr gelungenen iFi-Netzleiste absetzen (Foto: F. Borowski)
Ansuz Sparkz TC2
Sparkz Harmonizer von Ansuz. Hier die 1.000 Euro teure TC2-Version mit Tesla-Spulen. Die Standardversion ohne TC kostet 400 Euro (Foto: F. Borowski)
Ansuz Netzkabel X2
Das Ansuz Netzkabel X2 ist das Einsteigermodell. Kostenpunkt: 720 Euro der Meter (Foto: F. Borowski)
Ansuz Mainz8 TC
Wegen der sternförmigen Erdung sollte die Hauptkomponente (meist der Verstärker) an der markierten Dose angeschlossen werden. (Foto: F. Borowski)
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Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle noch kurz berichten, dass der Ansuz-Stromverteiler gegenüber der zuletzt eingesetzten iFi Audio PowerStation-Netzleiste einen unüberhörbaren und eindeutigen positiven Unterschied brachte. Im Vergleich zu anderen, teils sogar noch deutlich teureren Netzprodukten, die ich bisher hören konnte, sogar so viel, dass ich die Ansuz Mainz8 X-TC mit ihren 1.500 Euro fast schon wieder als günstig bezeichnen muss.

Den zusätzlich eingesetzten Sparkz TC2 (1.000 Euro pro Stück), kann ich dieses Lob nicht in demselbem Maß aussprechen. Nicht, dass diese keine zusätzliche Wirkung entfalten würden, aber deutlich günstigere Harmonizer ähnlicher Funktion, wie die iFi Audio AC iPurifier bringen zumindest in meiner Umgebung  fast genau so viel. In stärker belasteten (Strom-) Umgebungen als meiner könnte die Wirkung allerdings deutlicher ausfallen.

Zurück zum Verstärker. Wäre noch die Frage zu klären, ob der I-580 den doppelten Preis des I-280 rechtfertigt. Ein schwieriges Urteil. Noch mal zur Veranschaulichung die Preisstruktur der drei Aavik-Verstärker nach aktueller Preisliste:

  • I-180 = 6.000 Euro
  • I-280 = 10.000 Euro (+ 40%)
  • I-580 = 20.000 Euro (+ 50% zum I-280)

Beim I-280 würde ich die Mehrkosten zum Einsteigermodell ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nehmen. Sein klanglicher Vorsprung ist frappierend. Beim I-580 zum 280 ist der Klang-Sprung zwar abermals mühelos nachvollziehbar, aber eben nicht so groß, wie zwischen 180er und 280er. 

Nun könnte man argumentieren, dass die Luft nach oben hin immer dünner wird und die Mehrkosten für die letzten paar Prozentpunkte meistens umso schmerzlicher sind. Dem ist auch so. Nur muss ich hier dem I-280 schlicht und ergreifend das überlegene Preis/Leistungsverhältnis von den Dreien attestieren. Er ist damit sozusagen der Sweet Spot im Aavik Verstärker-Triumvirat. Der I-580 wird dennoch bis auf Weiteres bei mir als Arbeitsgerät verweilen, weil er ganz einfach mit den Børresen 02 SSE so fantastisch gut harmoniert und die Messlatte setzt.

Aavik I-580 Darkz-Adapter
Die runden Eckstücke aus Titan sehen schick aus, dienen als Abdeckung der Gehäuseverschraubung und als Kugelaufnahme, um die Geräte der Serie stapeln zu können. (Foto: F. Borowski)

Fazit – Spitzenklang und Effizienz im Designergewand

Dass Michael Børresens ungewöhnliches Verstärkerkonzept mit Schaltendstufe und Tesla-Spulen sich nicht hinter Class-A-Boliden zu verstecken braucht, hatte schon der Test der kleineren Modelle bewiesen. Es ist absolut erstaunlich, wie das Topmodell Aavik I-580 deren Klang mit den beschriebenen Mitteln noch mal toppen kann.

Was sich beim I-580 nicht ändert, ist seine genau so hervorragende Praxistauglichkeit. Im Vergleich zu den sonst in dieser Klasse üblichen Alu-Altaren ist der dänische Amp mit NBCM-Gehäuse leicht, kompakt, optisch zurückhaltender, bietet aber Leistung satt, ohne als Heizkraftwerk zu fungieren und die Stromrechnung über Gebühr zu strapazieren. Seine Rauscharmut gepaart mit dem unglaublich souveränen und lebhaften Klang setzt Maßstäbe für das Class-D-Prinzip. So sieht für mich ein zukunftweisendes und auch nachhaltigeres Verstärkerkonzept aus.

Wer das absolut Beste im High End will, muss entsprechend tief in die Tasche greifen. Der Aavik I-580 ist ein Paradebeispiel. Wohl dem, der es sich leisten kann! Falls nicht: Der I-280 ist ein hervorragender Kompromiss.

 

Aavik I-580
2021/08
Test-Ergebnis: 4,2
Sehr gut
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Grandios geschmeidiger, zugleich dynamischer Klang
Sehr hohe Ausgangsleistung
Einfache und praktische Bedienung
Keine XLR-Anschlüsse, keine Untersetzer mitgeliefert

Vertrieb:
Aavik Acoustics ApS
Rebslagervej 4
9000 Aalborg/DK
Aavik-Homepage

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Aavik I-580: 20.000 Euro

Technische Daten

Aavik I-580
Konzept:Vollverstärker mit Class-D-Schaltung
Leistung 8/4 Ohm:2 x 300W / 2 x 600W
Eingänge analog:5 x Hochpegel (RCA)
Eingänge digital:keine
Ausgänge:1 x Vorstufenausgang (RCA)
Abmessungen (B x H x T):384 x 102 x 400 mm (mit Anschlüssen)
Gewicht:
10,7 Kilogramm
Besonderheiten:
GAIN-Anpassung der Eingänge
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test: Exogal Comet und Ion PowerDAC
Test Wilson Audio TuneTot – der ultimative High-End Monitor
Der Vollverstärker-Doppeltest: Aavik I-180 vs Aavik I-280
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Test: Ansuz Acoustics LAN PowerSwitch X-TC: überlegenes Netzwerk-Streaming
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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.