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Hoch- und Mitteltöner der Yamaha NS-5000
Modernste Hoch- und Mitteltöner in edelstem Gehäuse mit allerfeinstem Klavierlack: Die Yamaha NS-5000 für 15.000 Euro pro Paar (Foto: H. Biermann)

Erster Test Yamaha NS-5000: Hightech in Hochglanz

Wiederholt sich Geschichte? Ich meine: nein. Auch wenn es mit der neuen Yamaha NS-5000 fast den Anschein hat. Mitte der 1970er Jahre war Yamaha schon eine highfidele Großmacht, aber in Bezug auf Lautsprecher hatten die Japaner (die sich seit 1967 mit ihren „Natural Sound-“ (NS-) Lautsprechern redlich mühten) den Durchbruch noch nicht geschafft. Das änderte sich 1974, als sie die NS-1000M vorstellten. Mit diesem großen Kompakt-Lautsprecher feierte Yamaha große Erfolge und war seiner Zeit in vielen Punkten voraus – zum Beispiel wegen der Hoch- und Mitteltonkalotten aus dem damals revolutionären Beryllium. Das nicht unumstrittene Material hat sich im Grunde erst in den letzten Jahren (durch den unermüdlichen Einsatz von Focal und TAD, später auch Scan Speak und Paradigm) den Rang erarbeitet, der ihm akustisch fraglos zusteht.

Yamaha NS-5000 und Yamaha NS-1000M
Im Schatten der berühmten Vorfahren: Die Yamaha NS-5000 (vorn) treten in fast allen Belangen in die Fußstapfen der legendären NS-1000M, sind aber natürlich in fast allen Punkten besser und moderner (Foto: Yamaha)

Über 40 Jahre später und nach gefühlt etlichen Jahren der Lautsprecher-Abstinenz bringt Yamaha nun mit dem Yamaha NS-5000 erneut einen echten Flaggschiff-Lautsprecher auf den Markt – und keineswegs zufällig mit Abmessungen, die denen der legendären NS-1000M von 1974 sehr ähnlich sind (B x H x T: 39,5 x 69,0 x 38,1 cm). Man widerstand hier der Versuchung, irgendetwas schlankes, „modernes“ zu entwickeln. Die Wurzeln sollten erkennbar bleiben. Aber Treiber mit Beryllium-Membran? Von wegen. Statt jetzt von dem highendigen Ruf des Beryllium zu profitieren, gibt Yamaha erneut den Material-Pionier.

Seit vielen Jahren schon experimentieren die Japaner mit Zylon, einem Gemisch aus Kohlefaser und Glasfaser. Aus diesem Gewebe werden gemeinhin schusssichere Westen geschneidert. Oder feuerfeste Anzüge. Auch das Cockpit der Formel-1-Boliden wurde nach einigen tragischen Todesfällen auf der Rennstrecke mit Zylon ausgekleidet, damit umherfliegende Teile das Cockpit nicht mehr durchschlagen können. Zylon ist sehr leicht, extrem reißfest, aber gar nicht leicht zu verarbeiten.

Die ZYLON-Membran für den Tieftöner der Yamaha NS-5000
Der Zuschnitt einer Zylon-Membran für den Tieftöner der Yamaha NS-5000. Das Gewebe gilt als extrem reißfest (Foto: Yamaha)

Aber Yamaha fand einen Weg. Den Akustikern ging es dabei um zweierlei: Erstens um die Geschwindigkeit innerhalb des Materials. Klopft man auf die Zylon-Membran des Tieftöners, kann man kaum glauben, dass die Schallgeschwindigkeit im Material höher ist als die in Papier, Glasfaser oder Aluminium. Ist sie aber. Das sind exzellente Voraussetzungen für einen impulsgenauen Klang. Zweitens wollte man ein Material, das sowohl im Hoch-, als auch im Mittel- und im Tiefton einsetzbar ist. Auch das ist mit Zylon möglich – wie die Bestückung der Yamaha NS-5000 zeigt – was wiederum eine superbe Voraussetzung ist für homogenen Klang.

Die ZYLON-Membran des Yamaha NS-5000 Tieftöners
Das Zylon Membranmaterial des Tieftöners aus der Nähe: Man sieht die feine Gewebestruktur der konkaven Membran. Und dahinter – so dünn kann man es machen – scheint die Schwingspule durch (Foto: H. Biermann)

Man bekommt ein Vorstellung von der Qualität von Zylon, wenn man mit dem Fingerknöchel auf die Tieftonmembran klopft: Es klingt gut bedämpft und vermittelt trotzdem das Gefühl einer erstaunlichen Härte. Hoch- und Mitteltonkalotten fühlen sich weicher an als die Bassmembran, aber sehr viel härter als die klassischen Gewebe-Ausführungen der bekannten 75 Millimeter Mitteltonkalotten von ATC, PMC oder Scan Speak.

Die Mitteltonkalotte der Yamaha NS-5000
Das ist nicht der Saturn, sondern nur ein besonders hübsches Foto von Yamahas Mitteltonkalotte namens JA-08B5, der derzeit größten Mitteltonkalotte im HiFi (Foto: Yamaha)

Aber Hoch- und Mitteltöner sind nicht nur wegen des neuen Membranmaterials Zylon so besonders. Die Yamaha Entwickler haben sich viele Gedanken um die rückwärtige Energie der beiden Kalotten gemacht; immerhin produziert so ein Treiber nach hinten genauso viel Energie wie nach vorn. Und diese Reflektionen verfälschen das Signal. B&W hat das Problem mit sich verjüngenden Röhrchen gelöst, in denen sich der Schall totläuft. Yamaha macht es ähnlich, aber kompakter: mit einem pfiffigen Röhren-System, bei dem sich die rückwärtigen Schallwellen in einem Labyrinth unterschiedlich langer Röhren gegenseitig auslöschen.

Das Röhrchensystem der Yamaha NS-5000
Der Röhrchen-Trick: Das Magnetsystem hinter der Kalotte ist durchbohrt. So wird die rückwärtige Energie von Mittel- und Hochtöner durch ein Röhrensystem gelenkt, dessen spezielle Konstruktion mit unterschiedlich langen Rohren dafür sorgt, dass sich die Schallwellen gegenseitig auslöschen (Foto: Yamaha)

Klingt erst einmal verrückt, scheint aber zu funktionieren. Diese rückwärtige Energie ist ein häufig unterschätztes Problem und es ist schön zu sehen, dass Yamaha hier neue Wege geht, um der Problematik Herr zu werden. Die Slideshow zeigt den gewünschten Einfluss der Resonanz-Minimierung:

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Yamha NS-5000 Mitteltöner ohne Resonanzsystem
Die Messung zeigt das Übertragungs-Verhalten des Mitteltöners ohne angeschlossenes Röhrensystem. Es ist geprägt von hässlichen Einbrüchen als Resultat klanglich unschöner Reflexionen (Messung: Yamaha)
Yamha NS-5000 Mitteltöner mit Resonanzsystem
Die Messung zeigt das Übertragungs-Verhalten des Mitteltöners mit angeschlossenem Röhrensystem. Es ist weitgehend frei von Artefakten (Messung: Yamaha)
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