Wharfedale Linton Ambiente
Die Whafedale Linton 85 SE ist ein wunderbar symathischer Lautsprecher. Es wäre Unfug, ihn sinnlos zu verbilligen. Bei SG Akustik gibt es die Linton nun erfreulich günstig – mit Augenmaß (Foto: Wharfedale)

Kauftipp der Woche: Wharfedale Linton 85 Silver Edition

Die Lieblingsbox der LowBeats Redakteure für das Jahr 2020 stand eigentlich schon im April fest. Da nämlich durchlief die Wharfedale Linton 85 den Test-Parcours und keiner der Kollegen konnte sich ihrem Charme entziehen. Selbst viele meiner gar nicht so HiFi-interessierten Freunde verliebten sich aus dem Stand und orderten die kompakte 3-Wege Box – selbstredend mit dem originellen Ständer.

Einer der wesentlichen Gründe für so viel Sympathie war natürlich auch der sehr sympathische Preis: Gerade einmal 1.300 Euro inklusive Ständer (ohne: 1.000 Euro) kalkulierte der hiesige Vertrieb (IAD) für die bezaubernden Lintons und holte damit auch jene Musikfreunde ab, die einfach nicht Willens oder in der Lage sind, wesentlich mehr als 1.000 Euro für Lautsprecher auszugeben. Zumal die Linton 85 nach sehr viel mehr Geld aussieht und nach viel mehr Geld klingt – wie Kollege Andreas Günther in seinem LowBeats Test nicht müde wurde, zu loben…

Wharfedale Linton Ambiente oldschool
Die Linton 85 ist eindeutig auf Retro getrimmt. Aber sie klingt auch in modernen Wohnzimmern bezaubernd (Foto: Wharfedale)

Doch die Kalkulation war wohl etwas optimistisch ausgerichtet, beizeiten stieg der Preis auf 1.300 beziehungsweise 1.600 Euro mit Ständer. Die SG-Akustiker in Karlsruhe jedoch wollten den ehemalige Sympathie-Preis nicht aufgeben und schnürten ein Angebot, in dem die Linton 85 in der schwarzen SE-Variante mit 1.200 Euro noch unter dem ursprünglichen Niveau liegt.

Die Besonderheiten der Wharfedale Linton 85

Der Name verweist auf die lange Geschichte der Briten. Bereits in den 1930er Jahren gegründet, war Wharfedale, beziehungsweise der Wharfedale-Gründer Gilbert Briggs, über lange Zeit einer DER Pionier der Lautsprechertechnik. Die Linton 85 ist also eine Art Verneigung vor diesem Erbe. Und anders als bei den meisten Jubi-Modellen, die aus irgendwelchen Ideenlos verfeinerten Basis-Modellen bestehen, ist die Linton 85 tatsächlich etwas Besonderes: ein Lautsprecher, der für das Genre „Kompaktbox“ eigentlich zu groß ist, die einen Ständer braucht, der eigentlich zu klein ist.

Und außerdem: Kompaktboxen sind heutzutage zu 99% immer 2-Wege-Konstruktionen. Doch Wharfedale Entwicklungschef Peter Comeau machte aus ihr eine 3-Wege-Box nach alter Väter Sitte: mit solidem 20 Zentimeter Bass und einem Konus-Mitteltöner in eigener Kammer. Dazu ein Kalottenhochtöner mit 25 mm großer Seidenkalotte. Das sorgt für den feinen englischen Klang.

Wharfedale Linton
Die Membran von Bass und Mitteltöner besteht aus Kevlar, die Hochtonkalotte ist leicht zur Seite versetzt. Was das Bild ebenfalls erahnen lässt: das Funier-Finish überzeugt auch anspruchsvollste Finger (Foto: Wharfedale)

Die Aufteilung auf drei Wege beschert der originellen Britin auf alle Fälle schon einmal einen ziemlich hohen Maximalpegel. Die Wharfedale Linton 85 kann jedenfalls viel lauter spielen, als man es der Retro-Box zutrauen würde: von wegen nur in Flüster-Lautstärke im Kaminzimmer… Was man allerdings bemerken muss: Will man höhere Pegel, muss man die Linton 85 mit einem kräftigen Verstärker würdigen. Mir hat die Kombination mit dem Audiolab 6000A Play besonders gut gefallen. Aber der kostet halt auch schon über 1.000 Euro.

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Auch an so etwas wurde gedacht: Der Hochtöner der Linton 85 sitzt nicht genau mittig, sondern leicht zur Seite versetzt. Das reduziert Überhöhungen durch Kantenreflektionen (Foto: H. Biermann)

Die Verarbeitung der Linton ist ebenfalls erstaunlich gut, da zeigen sich keine Mängel. Die Solidität zeigt sich allein schon beim Gewicht: Hier sind über 18 Kilo in ein Top Furnier verpackt. Die Qualität schließt auch die Ständer mit ein. Ich muss es an dieser Stelle noch einmal betonen: Wir sind in der 1.000 Euro Klasse!

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Die Linton 85 ist ja sowieso klasse. Aber die Idee, den Ständer auch mit LPs füllen zu können, hat mich begeistert (Foto: H. Biermann)

Der Ständer ist ja nicht nur gut gemacht und bietet Platz für LPs: Er erhebt die Linton 85 auch auf das richtige Niveau und erzwingt eine etwas freiere Aufstellung, die dem Lautsprecher sehr guttut – er klingt nämlich von Natur aus eher vollmundig. Ich finde, zum Konzept der Linton 85 gehört er unbedingt dazu.

Klangbeschreibung

Entwickler Peter Comeau hat die Retro-Box im besten Sinne „englisch“ abgestimmt. Das heißt: Volle Bässe und ein warmer Grundtonbereich treffen auf einen sanft abfallenden Hochtöner. Eine solche Abstimmung klingt fast immer schön und harmonisch. So auch im Falle der Linton 85. Sie zaubert auch aus schlechteren Aufnahmen noch echt schöne Töne.

Noch viel besser aber klingt sie natürlich mit audiophilen Aufnahmen. Und hier wird es dann schon magisch, mit welch satten Klangfarben und mit welcher Plastizität die Klangbilder entstehen. Dass sie dabei gute Singer Songwriter-Aufnahmen wie die aus dem Hause Stockfisch oder exzellente Klassik wie die Esoteric-Abmischungen bevorzugt, liegt in der Natur der Sache. Sie klingt halt eher harmonisch-natürlich: mit samtigen Stimmen, wundervoll harzigen Streichern und niemals stressigen Mitten. Im Umkehrschluss heißt das: Wir haben Percussion-Einspielungen oder dynamischen Jazz sicher schon impulsiver gehört, als über die Linton.

Was allerdings schön ist: Man kann mit der Linton ziemlich laut hören. Und dann bekommen auch die Synthesizer-Bässe von Felix Laband, Yello & Co ein erstaunlich sattes und stabiles Fundament. Sie sieht nicht so aus, aber in diesem Retro-Design ist auch eine Menge Spaß eingebaut. Und das macht aus der sympathischen Jubiläumsbox einen erstaunlich alltagstauglichen Allrounder.

Fazit Wharfedale Linton 85

Kauftipp der WocheLowBeats Autor Andreas Günther nannte die Linton 85 im Test einen „Wonneproppen“. Das kann ich hier nur noch einmal unterstreichen. Es gibt vielleicht den ein oder anderen Lautsprecher, der noch ein bisschen neutraler, präziser und transparenter klingt. Doch diese Retro-Wharfedale ist so sympathisch, so vollmundig-klangstark, aber auch so gut gemacht, dass es zu ihr für Freunde des englischen Klang-Ideals und des Retro-Designs nur wenig Alternativen gibt.

Das gilt für alle Farb-Varianten. Das Angebot der SG-Akustik umfasst zwar leider nicht die (in meinen Augen noch schöneren) Nussbaum- und Mahagoni-Varianten. Aber auch in Schwarz ist die Linton 85 ausgesprochen attraktiv…

Kauftipp der Woche
Wharfedale Linton 85
2022/02
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Satt-ausgewogener, harmonisch-räumlicher Klang
Erfreulich pegelfest
Perfekt passendes LS-Kabel im Paketpreis
Benötigt für höhere Pegel viel Verstärkerleistung

Angebot:
SG Akustik HiFi-Studio
Amalienstraße 45
76133 Karlsruhe
0721 / 921 273-0
www.sg-akustik.de

Aktions-Paarpreis (zeitlich begrenzt):
Wharfedale Linton 85 SE: 1.199 Euro (inkl. Ständer)
Wharfedale Linton 85 SE: 899 Euro
Wharfedale Linton 85 Nussbaum oder Mahagoni: 1.599 Euro (inkl. Ständer + Kabel)

Die technischen Daten

Wharfedale Linton 85
Technisches Konzept:3-Wege Kompaktbox Bassreflex
Treiber:TT: x 20,5 cm, MT: 1 x 13,5 cm, HT: 1 x 25 mm
Min. Impedanz:3,8 Ohm
Maximaler Pegel:100 dB
Max. empf. Raumgröße::
30 Quadratmeter
Min. empf. Verstärkerleistung:
2 x 70 Watt
Abmessungen B x H x T:30,0 × 56,5 × 36,0 cm
Gewicht:18,4 Kilo
Alle technischen Daten

Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.