Monitor Audio Concept50 auf der HIGH END 2022
Auf der HIGH END 2022 überraschte Monitor mit einer außergewöhnlichen Lautsprecherstudio. Die Concept 50 sieht extravagant aus und klingt schon verdammt gut (Foto: H. Biermann)

Außergewöhnliche Konzept-Studie: die Monitor Audio Concept 50 auf der HIGH END 2022

Passend zur HIGH END: Der britische Lautsprecher-Spezialist feiert im Mai dieses Jahres sein 50-jähriges Jubiläum. Dazu erst einmal unseren Glückwunsch. Ich persönlich hatte das Glück, in den 80er und 90er Jahren den Gründer Mo Iqbal kennenzulernen, der ein gleichermaßen charismatischer, wie visionärer Firmenlenker war. Jahrzehnte später hat sich Monitor Audio zu einem global auftretenden Player am Markt entwickelt, doch die Lust an der großen Vision scheint auch die heutigen Macher zu umtreiben.  Ergo entwickelte man einen echten Konzept-Lautsprecher, der womöglich tragfähig ist, Grundlage für die nächsten, deutlich besseren Modelle zu sein. Und so feiert auf der HIGH END 2022 in München die Monitor Audio Concept 50 ihre Weltpremiere. Und genau dort nahmen wir uns viel Zeit, diesen ungewöhnlichen Lautsprecher ausgiebig zu hören.

Doch zunächst interessieren uns zwei Fragen: Wird es dieser Lautsprecher je ins Monitor-Audio-Angebot schaffen? und was wird er kosten? Michael Hedges, der technische Direktor von Monitor Audio, sagte dazu: „Selbstverständlich. Wir bauen diese Schallwandler ja nicht nur aus reiner Freude. Und ja: Ganz billig wird er auch nicht: Wir kalkulieren irgendetwas oberhalb 60.000 Euro.“

Dafür ist dieser Konzept-Lautsprecher wirklich mal etwas Anderes. Die Monitor Audio Concept 50 ist eine 3-Wege-Konstruktion mit zwei parallel aufgestellten Bass-Säulen aus Mineralstein. In jedem dieser beiden „Beine“ sitzen je zwei 20 cm Tieftöner, die ihre Gegenstücke von der anderen Beinsäule direkt anschauen. Der Druck vor den Bässen erhöht sich also, wenn beide Membranen mit ordentlich Hub aufeinander zu schnellen …

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Monitor Audio Concept50 Totale
Mal echt etwas Anderes: die 2-Säulen-Konzeptbox Monitor Audio Concept50 (Foto: H. Biermann)
Monitor Audio Concept50 KOax
Der Koax verbindet die beiden Säulen aus Mineralgestein. Er besteht aus sechs Mittel- und einem magnetostatischen Hochtöner (Foto: H. Biermann)
Monitor Audio Concept50 Bass
Einer von insgesamt vier Bässen. Der Tieftöner, den wir hier sehen, sitzt in der Säulen direkt gegenüber einem weiteren Bass. Die beiden Bassgehäuse haben einen Abstand von etwa 10 cm (Foto: H. Biermann)
Monitor Audio Concept50 Detail
Sieht aus wie ein Bändchen-Hochtöner auf der Seite, ist aber nur die Arretierung für das aufwändige Mittel-/Hochton-Konstrukt (Foto: H. Biermann)
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Aber fast noch interessanter ist das als Brücke zwischen den beiden Bass-Säulen aufgehängte Mittelhochton-Array. In diesem Array kommen insgesamt sechskreisförmig um den Hochtöner angeordnete Mitteltöner mit der weiterentwickelten und optimierten RDT III-Membran zum Einsatz. So schaffen die Entwickler quasi einen großen Koax und bekommen gleichzeitig eine wesentlich größere Membranfläche gegenüber den bekannten Mitteltönern etwa aus der Platinum-Serie.

Jeder dieser Mitteltöner soll eine ungewöhnlich große Bandbreite haben, sodass der Übergang zum Bass sehr tief, zum Hochtöner indes recht hoch liegen kann. Das vermeidet Verzerrungen. Außerdem hoffen die Entwickler so, Intermodulations-Verzerrungen, die bei einem klassischen Koax fast unvermeidbar sind, umgehen zu können: Da der Hochtöner in der Concept 50 mit einem großen Waveguide arbeitet und die sechs Mitteltöner wie eine flache, starre Schallwand für den Hochtöner agieren, sollen keine zusätzlichen Intermodulationsverzerrungen entstehen.

Der Hochtöner des Arrays ist natürlich das Beste aus dem Hause Monitor Audio: der Micro Pleated Diaphragm-(MPD) Magnetostat. Der in der Monitor Audio Concept 50 verwendete Folien-Hochtöner gehört zur dritten Generation (MPD III), dabei handelt es sich nach Aussage von Michael Hedges um den „präzisesten Hochtöner mit dem größten Frequenzumfang, den Monitor Audio je produziert hat.“

Jens Ragenow vom hiesigen Monitor Audio Vertrieb (Pannes) erklärte gewohnt kenntnisreich die Besonderheiten des neuen Flaggschiff-Lautsprechers (Foto: H. Biermann)

Auf der HIGH END 2022 gehörte die Vorführung mit der Concept 50 in jedem Fall zu den besseren. Anders als bei vielen anderen Demos mit Schallwandlern dieser Klasse hatten die Briten den Raum besser im Griff; von der oft bemängelten Wattigkeit in den oberen Bässen (die meist durch die dünnwandigen Messmwände entsteht) war hier nichts zu hören. Die Bässe hatten eine wunderbare Eleganz und Knackigkeit. Und auch der Mittelhochtonbereich klang unspektakulär großartig. Ich saß gar nicht genau in der Mitte und doch war die realistisch große Bühne wie in der Mitte festgetackert. Auch in der Abbildungstiefe agierte die Concept wie ein präziser Studio-Monitor. Nur, dass halt die Wiedergabe – typisch Monitor Audio – sehr fein, sehr seidig und mit einem sympathischen Schuss Wärmne versehen war. Und so blieb ich einige Zeit – einfach, weil es so überzeugend gut durchzeichnet und so plastisch „richtig“ klang.

Bei höheren Frauenstimmen und Klavier kam manchmal der Eindruck auf, dass ein minimaler Feinschliff noch fehlt und ein Hauch mehr Auflösung machbar wäre. Michael Hedges bestätigte, dass man noch nicht ganz bei 100 % und noch fleißig am Abstimmen sei. Und doch ließ die eigenwillige Concept 50 erkennen, dass man auch im Bereich der passiven Lautsprecher mal andere Wege beschreiten sollte – einfach, weil man damit weiterkommt.

Ein weiteres Highlight von Monitor Audio, das ebenfalls zum 50. Jubiläum auf den Markt kommt und auch in diesem Raum war, soll hier nicht unterschlagen werden: Es handelt sich um die zum Geburtstag feingetunte Silver 100 in der 50th Anniversary Edition.

Monitor-Audio-Silver-100-Limited-Edition-50th-Anniversary
Die Monitor Audio Silver 100 Limited Edition 50th Anniversary hat gold-eloxierte (und angeblich strenger selektierte) Hoch- und Tiefmittelton-Treiber und einen echt schicken Lack. Das Pärchen kostet 1.300 Euro. Angetrieben wurde es hier von den neuen Roksan-Komponenten (Foto: H. Biermann)

Natürlich war mein Reflex groß, die schnieke Kompaktbox umgehend zum Test zu bestellen. Doch MA-Vertriebsleiter Marcel Pannes winkte nur ab: „Die Händler fanden das Ding so geil, da haben wir die kleine Charge für Deutschland schon komplett verkauft – sorry.“

So bleibt mir also nur festzuhalten, dass ein hübsch gemachter Speaker im noblen British-Racing-Green-Lack durchaus etwas hat…

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Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.