Home / Test / Digital Audio / Streamer / Test Auralic Aries G1 – gereifter Streamer mit tollem Klang
Auralic Aries G1 Front
Beste Verabeitung und bester Klang: der Auralic Aries erwies sich wieder einmal als einer der besten Streamer der 2.000 Euro Klasse (Foto: Auralic)

Test Auralic Aries G1 – gereifter Streamer mit tollem Klang

Der innovative Digitalspezialist Auralic ist immer den äußerst beschwerlichen Weg der Eigenentwicklung gegangen – auch beim Streamer Auralic Aries. Der ist seit seinem Start vor rund zehn Jahren schon sehr weit gereift, hat aber noch nicht alle klassischen Kinderkrankheiten überwunden. Nichtsdestotrotz ist die aktuelle Version, der Auralic Aries G1, mit das beste Angebote der Preisklasse um 2.000 Euro – vor allem klanglich. Der Test der neuesten Version.

Perfekter Klang sollte bei digitaler Signalverarbeitung der Musikdaten eigentlich keine Frage des Preises sein. Theoretisch – so zumindest eine gern geäußerte Sichtweise. Es gibt, so die laienhafte Philosophie, zwischen verschiedenen digitalen Quellengeräten wie CD-Playern oder Streamern keinerlei klangliche Unterschiede, solange die „Nullen und Einsen“ alle vollzählig und in der richtigen Reihenfolge ankommen. Und das funktioniert ja auch – zumindest bei Computern völlig problemlos. Sonst würden die Programme abstürzen. Ergo spielt es nach der Logik auch keine Rolle, ob man einen Streamer für 100 Euro oder einen für 10.000 Euro kauft. Jeder zusätzlich ausgegebene Euro wäre reine Geldverschwendung. Tja, wenn’s doch so einfach wäre.

Dass es tatsächlich keine Klangunterschiede zwischen Digitalkomponenten geben kann, glauben heute nur noch Menschen, die sich nie ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Alle anderen, und das sind sowohl Klang-affine Musik-Konsumenten, als auch aufmerksame und ebenso klangbewusste Entwickler – sind seitdem auf der Suche nach den Ursachen und möglichen Verbesserungen, damit digitale Musik wirklich nach Musik klingt.

Philips CD100
Schon sehr früh in der CD-Ära wurde klar, dass die Digitaltechnik klanglich keineswegs perfekt ist. So brachte Meridian seinerzeit den ersten Klang-getunten CD-Player MCD, basierend auf dem Philips CD 100 auf den Markt. (Foto: Meridian)

CD-Player haben über die Jahrzehnte eine enorme Entwicklung durchgemacht. Es gibt heute für wenige hundert Euro wirklich exzellent klingende Silberscheibendreher. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der noch recht jungen Gerätekategorie der Streamer ab. Dank der jahrzehntelangen Erfahrung mit CD-Playern läuft deren Evolution aber deutlich flotter ab, auch wenn nicht alles eins-zu-eins vergleichbar ist. Es gibt inzwischen einige wirklich herausragend gut klingende Streamer, wie den hier bereits getesteten Melco N10. Der kostet allerdings mit rund 7.500 Euro richtig viel Asche.

Ein ganz anderes Problemfeld von Streaming-Komponenten aller Art ist deren Bedienung, bzw. der dafür notwendige Entwicklungsaufwand für die meist unverzichtbare App, sowie für eine optimale Firmware für die Behandlung der Netzwerk- und Schnittstellenprotokolle. Nicht wenige Hardware-Entwickler unterschätzen diesen Punkt enorm. Viele geben die Software-Entwicklung mangels eigener Expertise einfach an Dienstleister ab, nur vergleichsweise wenige wagen das zeitliche und finanzielle Risiko, komplett eigene Software zu schreiben. In beiden Fällen sind die Ergebnisse oft … nun ja … ausbaufähig. Die fremdentwickelten Lösungen gleichen sich oft wie Webseiten aus dem Copy-and-Paste Modulbaukasten und sind mit wenig individuellen Merkmalen versehen. Und die selbstgeschriebenen Lösungen kranken oft über Jahre an unfertig wirkenden Details, hakeligen Funktionen oder andauernden Abstürzen.

Auralic Aries G1 Ambiente 4
Der Aries G1 ist der kleine Bruder des Aries G2 und von diesem optisch nur in Details am Gehäuse und durch die silbernen statt schwarzen Tasten zu unterscheiden. (Foto: F. Borowski)

Den ersten persönlichen Kontakt mit Auralic hatte ich 2014 mit der „Auralic Aries Streaming Bridge“. Dieser G1-Vorfahre hatte noch ein sehr extravagant gestyltes, geschwungenes Gehäuse und benötigte ein externes Netzteil. Das Gehäuse war aus Kunststoff, um mit den innenliegenden WLAN-Antennen einen guten Empfang zu gewährleisten. An sich eine gute Idee, aber der Plastik-Look kam am Ende wohl doch nicht so gut an, sodass Auralic inzwischen mit dem G1 und der noch höher positionierten G2-Serie auf das in High-End-Kreisen so beliebte Aluminium und eine eher traditionelle Gehäuseform setzt.

Der etwa 2.200 Euro teure Aries G1 ist äußerlich vom Topmodell Aries G2 kaum zu unterscheiden. Nur die silbernen statt schwarzen Tasten am Gerät machen ihn sofort erkennbar. Ehrlich gesagt gefallen mir die silbernen Tasten sogar besser. Schwarz auf Schwarz, so wie beim G2, ist dann doch etwas zu „stealthy“ für meinen Geschmack.

Der rund 2.000 Euro teurere G2 besitzt außerdem ein Gehäuse, das aus einem massiven Block Alu gefräst ist, während Auralic den G1 aus einzelnen Alu-Platten von immer noch beträchtlicher Stärke zusammenbaut. Die mattschwarze Oberfläche des G1 ist sehr schön, wirkt aber wie sehr feines Sandpapier und ist dadurch etwas Schmutzempfindlich. Auch bei den Gerätefüßen spart der G1 Kosten ein, denn die müssen hier ohne die im G2 eingesetzten Feder-Dämpfer auskommen.

Die restlichen Unterscheidungsmerkmale zum Topmodell finden sich im Inneren. Zu den Wichtigsten gehören beim G1 der Verzicht auf die spezielle Systemschnittstelle „Lightning Link“ des G2, sowie auf einen internen Platz für HDD/SSD und die weniger aufwendige interne Abschirmung. Außerdem muss der G1 ohne die technisch recht aufwendige galvanische Isolierung des USB-Ports im G2 auskommen.

Auralic Aries G1 innen
Da wäre noch Platz… Gut zu sehen ist die doppelte Stromversorgung und die erstklassige Verabeitung des G1 (Foto: Auralic)

Die Gemeinsamkeiten sind aber eigentlich viel größer. So verfügen beide Modelle über eine doppelte interne Stromversorgung mit linearen Netzteilen, eine Dual Femto Clock, 1 GB Cache Speicher, Smart IR Control (dazu später mehr) und natürlich über Auralics selbst entwickelte Lightning OS Streaming-Plattform, die auf mehr oder weniger derselben leistungsstarken „Tesla G2“-Hardware läuft, die vor allem deutlich mehr Rechenpower auf allen Gebieten liefert, als die frühere Aries-Hardware zu bieten hatte.

Der Aries G1 spart also viel Geld gegenüber dem Topmodell, ohne allzu gravierende Abstriche an den qualitativ relevantesten Stellen zu machen. Wer beispielsweise den G1 an einem bereits vorhandenen DAC eines anderen Herstellers betreiben will, kann auf den Lightning Link des G2 getrost verzichten. Und eine interne Festplatte muss auch nicht zwingend sein. Extern am G1 angeschlossen müssen die Daten von einer HDD oder SSD zwar die klanglich nicht ganz so gute USB-Schnittstelle passieren, aber dafür ist der Wechsel des Mediums in dem Fall auch wesentlich praktischer. Andererseits: wer in die Vollen gehen will, greift eben zur G2-Serie.

Auralic Aries G1 hinten
Auch an der Rückseite ist der Unterschied des G1 (Bild) zum teureren G2 zu erkennen: es fehlt die Lightning-Link-Buchse. Wer den Aries per LAN-Kabel betreibt, kann die WLAN-Antennen natürlich weglassen. (Foto: F. Borowski)

Die Steuerungs-App heißt bei Auralic „Lightning DS“ und ist nur für iOS verfügbar. Ein Thema, das in den Foren heiß diskutiert wird – vor allem hier in Deutschland, wo Android weiter als in den USA verbreitet ist. Ich denke allerdings, dass es die richtige Entscheidung war, sich auf iOS zu konzentrieren. Man muss bedenken, dass Auralic ein sehr kleines Unternehmen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen ist und Android es mit seiner „zerfaserten“ Architektur Entwicklern nicht gerade leicht macht.

Zur Abschwächung dieser Einschränkung hat Auralic schon vor längerer Zeit versprochen, eine Plattform-unabhängige Lösung auf HTML5-Basis zu schaffen, sodass man die Geräte von jedem modernen Browser aus steuern kann. Das allerdings ist nun schon lange überfällig…

Die Bedienung des Auralic Aries G1

Davon abgesehen ist die hauseigene Lightning DS App eine inzwischen sehr gut gereifte Anwendung mit zahlreichen Funktionen und logischer Bedienung. Dennoch muss ich an dieser Stelle einige Kritik äußern. Auch wenn Auralic nicht Apple oder Microsoft ist, könnte die App mit überschaubarem Aufwand noch wesentlich besser sein.

In Sachen Bedienung stört mich vor allem, dass die App – egal ob auf dem iPad oder dem iPhone – immer wieder neu laden muss, wenn das iDevice mal eine Weile ausgeschaltet war oder in eine andere App gewechselt wurde. Kehrt man dann zurück in Lightning DS, dauert es erst einen Moment, bis die App neu gestartet ist und sie sich wieder mit dem Gerät verbunden hat. Das ist lästig. Außerdem: Da die App nicht direkt mit dem Apple Öko-System zusammenarbeitet, kann man Dinge wie die Titelsteuerung nicht im Lock-Screen oder dem Control Center bedienen. Man muss immer in die App wechseln. Eine Ausnahme davon ist, wenn man stattdessen die (qualitativ schlechtere) Bluetooth- oder AirPlay-Verbindung wählt. Und natürlich können Besitzer einer Roon-Lizenz den G1 auch darüber steuern.

Hier ein paar Screenshots zur Erstinstallation und Netzwerk-Einrichtung:

Vorwärts Zurück
Auralic Aries G1 Screen01
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen02
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen03
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen04
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen05
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen06
(Screenshot: F. Borowski)
Vorwärts Zurück

Zum Glück gibt es zumindest für die unmittelbare Titelsteuerung eine gute Alternative. Der Aries G1 kann die Befehle vorhandener IR-Fernbedienungen erlernen. Hat man zum Beispiel noch einen alter IR-Geber rumliegen oder auf der TV-Fernbedienung einige unbenutzte Tasten, kann man diese für die wichtigsten Steuerbefehle des G1 nutzen. Der Lernvorgang erfolgt über die Tasten und das Display am Gerät. In einigen Minuten ist alles programmiert und es muss dann nicht mehr für jede Kleinigkeit die App gestartet werden.

Seite 1     Auralic Aries G1: Hintergrund, Praxis
Seite 2    Praxis, Hörtest, Fazit, Bewertung