Test Auralic Aries G1 – gereifter Streamer mit tollem Klang

Aber zurück zu meiner Kritik an Lightning DS beziehungsweise der Steuerung allgemein. Es gibt weitere Kanten, die geschliffen werden sollten. So sind beispielsweise bei Titelsprüngen immer einen kleinen Knackser zu hören, gerade so, als würde die Nadel in die Rille flutschen. Auf Nachfrage erklärte mir Christoph Zingel vom deutschen Auralic-Vertrieb audionext hierzu: „Bei einem Titelsprung schaltet der AURALiC das USB Ausgangssignal erst einmal weg und startet es erneut, wenn die Wiedergabe des nächsten Tracks beginnt. Dabei schaltet dann der Wandler zwischendurch wegen des kurzzeitig fehlenden USB Signals den Ausgang stumm (oftmals per Relais) und gleich danach wieder frei. Dann kann es zu Knacksern kommen. Betreibt man den Wandler per Mac via USB liegt dort immer ein gültiges USB Signal an und der Wandler hat keinen Grund, den Ausgang abzuschalten.“

Gelegentlich kam es während meines Tests zu unerklärlichen Aussetzern. Nicht oft, aber schon ein paar mal. Die Musik stoppte aus unerfindlichen Gründen. Dieses Verhalten ist aber seit dem letzten Update auf Version 6.2.1, die während meiner Testphase eingespielt wurde, nicht mehr vorhanden.

Weitere Screenshots zur Einrichtung; hier die Wahl des Anschlusses und die Einrichtung eines per USB angeschlossenen Massenspeichers:

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Auralic Aries G1 Screen07
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen08
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen09
(Screenshot: F. Borowski)
Auralic Aries G1 Screen10
(Screenshot: F. Borowski)
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Für macOS oder Windows gibt es keine Lightning DS App. Und die UPnP-Unterstützung wurde bei Auralic schon vor einer ganzen Weile gestrichen. Wer seinen Auralic Aries G1 dennoch gerne vom Desktop aus steuern möchte, kann das (neben roon) mit einer beliebigen App nach Open-Home-Standard machen. Dazu gehört beispielsweise Linn Kazoo (siehe Test des Linn Selekt DS). Die App erkennt den Aries automatisch im Netzwerk und man kann sofort loslegen.

Die Nutzung über Linn Kazoo statt Lightning DS bietet Vor- und Nachteile. Gut ist, dass die Bedienung damit etwas flotter läuft und bei Nutzung von Kazoo auf iDevices die erneute Verbindung zum Gerät nach einem App-Wechsel schneller erfolgt. Weniger schön: Man kann mit Kazoo innerhalb von Titeln nicht „vorspulen“. Der Fortschrittsbalken lässt sich nicht zeihen. Außerdem sind die Titel in den Listen ohne Zeitangaben und die Steuerung bietet nur Stopp, aber keine Pause (Playlisten starten dadurch bei erneuter Wiedergabe am Anfang, anstatt an der letzten Position.) Auralic nutzt die mit Open Home verfügbaren Features nicht konsequent aus.

Abschließend wollte ich noch ein paar kleine Kritikpunkte zur Darstellung auf dem Gerätedisplay zusammenfassen, doch zwischenzeitlich gab es mit dem schon erwähnten Firmware-Update für den Aries G1 (welches vollautomatisch eingespielt wird), eine Änderung in diesem Bereich. Statt nur der Cover-Anzeige mit kleinen Textinfos kann man nun alternativ die Titelinformation deutlich größer darstellen – oder nur das Cover ganz ohne Zusatzinfos. So weit, so gut. Die Platzausnutzung der Anzeige könnte meiner Meinung nach aber nach wie vor besser sein.

Auralic Aries G1 Display
Das im G1 verbaute Farbdisplay ist sehr schön und hat eine vergleichsweise sehr hohe Auflösung. Viele andere Streamer müssen mit weitaus schlechteren oder gar keinen Displays auskommen (Foto: F. Borowski)

Ich könnte noch weitere Dinge aufzählen, die man meiner Meinung nach in der Bedienung und Darstellung besser lösen könnte. Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch, solche oder zumindest sehr ähnliche Dinge gibt es bei fast jeder heute erhältlichen Streaming-Lösung zu bemängeln. Und genau darum geht es mir: Die Bedienung von Streaming-Komponenten hinkt der Qualität der Hardware oft deutlich hinterher. Da gibt es noch viel zu tun. Für ALLE Anbieter.

Was Auralic wiederum richtig gut macht, sind die Einstellmöglichkeiten für die Hardware (in den Einstellungen zum jeweiligen Lightning-Gerät unter „Weitere Optionen“) – was übrigens schon über das besagte Web-Interface läuft. Hier finden sich nicht nur Optionen, um beispielsweise Delay-Zeiten einzustellen, nicht benötigte Eingänge abzuschalten oder die Streaming-Qualität festzulegen. Im Prozessor Setup kann man sogar einen parametrischen Equalizer zuschalten und darüber beispielsweise die Wiedergabe manuell an die Raumakustik anpassen. Das ist zwar noch nicht per automatischer Einmessung möglich, bietet fortgeschrittenen Nutzern aber sehr tiefgreifende Möglichkeiten zur Klangoptimierung. Hier ein paar Screenshots:

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Streamer Setup
Das Streamer Setup bietet u. a. die Möglichkeit, nicht benötigte Eingänge zu deaktivieren. (Screenshot: F. Borowski)
Equalizer
(Screenshot: F. Borowski)
Prozessor Setup
Im Prozessor Setup kann bei Bedarf der Klang der Lautsprecher per Ortsfilter korrigiert werden. (Screenshot: F. Borowski) (Screenshot: F. Borowski)
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Gewisse Unstimmigkeiten bei der Bedienung sind allerdings kein Grund für einen „No-Deal“ – um es mal im angesagten Brexit-Speak zu formulieren. Mit solchen Nebensächlichkeiten kann man sich leicht arrangieren, so wie es bei nahezu allen heutigen Streaming-Lösungen erforderlich ist. Viel entscheidender sind meiner Meinung nach für den anspruchsvollen Musikhörer die musikalischen Qualitäten. Und genau da gibt sich Auralic mit dem Aries G1 keine Blöße.

Der Hörtest

Für den Test habe ich Musik über den Aries G1 sowohl online per Qobuz HiRes-Streaming und per am Aries angeschlossener SSD gehört. Als DAC und Verstärker kam meine Referenzkombi von Exogal, bestehend aus dem Wandler Comet und dem Ion PowerDAC zum Einsatz und als Lautsprecher die kürzlich getesteten und absolut unbestechlichen Børresen 01. Für einen Quervergleich musste mein Mac mit direkter USB-Verbindung zum Exogal Comet Plus herhalten.

Interessant aber nicht unerwartet: Die Wiedergabe über den Mac direkt am Comet angeschlossen war der des Aries G1 eindeutig unterlegen. Trotz Audirvana+ als Player und einem iFi Audio iUSB 3.0 als „USB-Filter“ am Mac konnte sich der Aries G1 sowohl mit Qobuz Streaming, als auch bei Wiedergabe von SSD klar von der Computerlösung distanzieren. Die Musik wirkte über den G1 weniger verdichtet, freier atmend und zupackender. Die Computerlösung erschien demgegenüber wie Overacting eines Laiendarstellers, der sich an einer anspruchsvollen Rolle versucht, während der Aries G1 eine fast schon Oscar-verdächtige Performance abliefert. Das war souverän und überzeugend.

App Lightning DS
Ein Blick in die App Lightning DS: Die Bedienung ist sehr übersichtlich und bietet wichtige Zusatzinformationen, wie die Auflösung der Musikdaten. (Screenshot: F. Borowski)

Dies ist nicht das erste Mal, dass sich ein externer Streamer gegenüber der Wiedergabe vom Computer in meinen Versuchen klar absetzen konnte. Es ist eher die Regel. Nur bei einfachen und sehr günstigen Streamern war der Computer mit Audirvana+ in der Lage, klanglich mitzuhalten.

Doch nicht nur das. Klangunterschiede ergeben sich auch beim Vergleich von Online-Streaming versus lokal gespeicherter Musik. Letztere Variante gewinnt fast immer. Auch beim G1. Und dass, obwohl Auralic technisch viel unternommen hat, um den Online-Stream (unter anderem durch Zwischenspeicherung) wie lokal gespeicherte Musik zu behandeln. Das birgt sicher einiges an Zündstoff für hitzige Diskussionen.

Zugegeben, der Vergleich ist nicht immer ganz leicht. Selbst ohne bewusst auf diese Unterschiede zu achten oder gezielt zu vergleichen, habe ich aber immer und immer wieder den Eindruck, dass die Musik von der per USB angeschlossenen SSD noch eine Spur harmonischer klingt. Allerdings ist der Unterschied dabei – zumindest mit dem G1 – nicht so groß, dass ich deswegen auf Online-Streaming von Qobuz verzichten würde. Dafür sind die Eindrücke zu subtil und uneindeutig.

So oder so schlägt sich der Auralic Aries G1 in seiner Preisklasse ganz fantastisch. Nach langem Hören und Vergleichen kenne ich derzeit keinen anderen Streamer bis ca. 3.000 oder 4.000 Euro, mit dem ich so gerne und intensiv Musik genossen habe.

Fazit Auralic Aries G1: Viel High-End fürs Geld

In der Summe seiner Eigenschaften – Gehäusequalität, Display, Bedienung, Funktionsumfang, Einsatzmöglichkeiten und natürlich Klang – sind die hierzulande für den Aries G1 geforderten 2.200 Euro (UVP) eine äußerst faire Ansage. Obwohl inzwischen fast jeder Hersteller Streaming-Lösungen anbietet und weitere wie Pilze aus dem Boden schießen, finde ich Auralics Lösung fast konkurrenzlos gut.

Wundern Sie sich also nicht: Obwohl ich in diesem Bericht viel Kritik an gewissen Punkten der Bedienung geäußert habe, ist der Aries G1 nach meinem Dafürhalten momentan eines der attraktivsten Angebote für (noch bezahlbare) High-End-Streaming-Lösungen. Oder anders herum: Derzeit fällt mir kein Streamer ein, den ich aus dieser Preisklasse vorziehen würde. Eine dicke Empfehlung!

 

Auralic Aries G1
2019/09
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr feiner, natürlicher und luftiger Klang
Hoher Bedienkomfort
Hochauflösendes Farbdisplay, lernfähig für IR-Fernbedienungen
Kleine Knackser beim Skippen, noch immer keine HTML/Desktop-App

Vertrieb:
audioNEXT GmbH
Isenbergstraße 20
45130 Essen
www.audionext.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Auralic Aries G1: 2.200 Euro

Mehr von Auralic:

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Im Test erwähnt:

Test: Exogal Comet und Ion PowerDAC
Test Børresen 01: Kompaktlautsprecher vom anderen Stern
Hintergrund: Jitter entmystifiziert

Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.