(Foto: Esoteric) K-03XD Seitenansicht
Ein Bollwerk von einem CD/SACD-Player: Der Esoterik K-03XD wiegt 28 (!) Kilo und kostet 16.000 Euro, ist aber der beste Player, den wir kennen (Foto: Esoterikc

Test CD/SACD-Player Esoteric K-03XD – der Gipfelstürmer

Dieser Player ist angetan, mein Weltbild zu erschüttern. Ich hatte die Silberscheibe für altes Eisen gehalten. Doch Esoteric, die kleine, aber sehr highendige Tochter von Teac, vollführt mit dem Esoteric K-03XD ein klangliches Kunststück. Das ist wirklich eine der besten Quellen, die ich mein Lebtag gehört habe.

Ich habe mich immer gefragt, was den Klang eines guten Silberscheiben-Players bestimmt. Etliche Testmuster kamen mir vor die Ohren. Aber immer wieder wurde ich auf meine jungendliche Naivität zurückgeworfen. Ich erinnere mich noch an eine Busfahrt zu meinem Gymnasium und das Wortgefecht mit meinem Mitschüler. Soll ich mir zum Abitur nun den Sony wünschen, oder eher den Philips? Die Argumente von damals gelten noch heute. Welcher Player ist mechanisch wuchtiger, welcher Wandler ist besser?

In der Welt des Analogen scheint alles viel einfacherer. Auch weil wir lustig kombinieren können. Ein neuer Abnehmer, ein neuer Tonarm, ein besserer Stromgenerator. All‘ das wirkt ungemein auf die Klangkraft eines Plattenspielers ein. Doch bei einem CD-Player gibt es diesen Spielplatz nicht. Seltsam. Damals diskutierten wir noch, ob der Laser mit einer Glas- oder Kunststofflinse arbeitet. Also in der Vinyl-Welt der Vergleich des Diamanten-Schliffs. Heute spricht keiner mehr darüber.

Überleitung zwei: Wenn ich meine CDs rippe, dann liegt neben meinem Mac Mini ein per USB angeschlossenes DVD-Laufwerk. Gut, aber mit Plastiklade und einfachem Laufwerk. Aber ich kann jedes einzelne Bit daraus entlocken. 50 Euro, mehr braucht es nicht. Die Software vergleicht die Auslese mit einer internationalen Datenbank. Stimmen alle Bits, dann weiß ich, dass ich jedes noch so kleines Krümel der Informationsschicht erbeutet habe.

Und nun steht vor mir dieses Monster-Laufwerk. Der Hersteller heißt Esoteric und residiert in Japan. Sein Player hört auf das Kürzel K-03XD. Den Weg vom Händler zum Endkunden findet er, wenn 16 000 Euro transferiert worden sind. Noch eine schöne Zahl hinzu: 28 Kilo müssen gehoben werden. Also am besten den Händler walten lassen, oder einen guten Freund mit Muskelkraft hinzu bitten.

Esoteric K-03XD: Silberscheiben wie Goldbarren

Der K-03XD ist ein Tresor im Rack. Er behandelt Silberscheiben wie Goldbarren. Das ist die Gegenseite aller meiner jugendlichen Phantasien. Aber auch die Gegenseite des aktuellen Musik-Streamings. Denn die CD kann und darf eigentlich nicht mehr unser Maßstab sein. Für 50 Cent bekomme ich eine CD auf dem Flohmarkt, eine gut erhaltene LP hingegen liegt bei fünf Euro. Subtext: Die CD hat ihren Wirkungsgrad überschritten. Der moderne Mensch tickt in HighRes via Download. Oder manchmal analog.

Aber: Es gibt halt so viele Silberscheiben. Wer sich scheut, seine Sammlung auf Festplatte zu rippen, der ist unweigerlich auf gute Player angewiesen. Der noble Esoteric spielt dabei nicht nur CDs, sondern auch SACDs. Das sind die besten, greifbaren Klangboten überhaupt; der CD überlegen und auch einen deutlichen Scheit über den schwarzen Scheiben liegend. Allein: Die großen Labels haben der SACD eine Abfuhr erteilt, hier gibt es nur kleine Labels mit feinen Ambitionen. Für Connaisseure halt.

Die K-03XD-Technik: ein Tresor für die edlen Signale

Genau in diesem Machtfeld schwimmt der K-03XD von Esoteric. Werfen wir einen Blick unter die Haube, die erstaunlicherweise nicht verschraubt ist. Das Thema Deckel und sein (meist schlechter) Einfluss auf den Klang ist ja eine niemals endende Geschichte. Die Esoterik Ingenieure lösen dieses Problem, indem sie den sauschweren Deckel einfach nur auflegen. Also: Er kann nicht abfallen, aber er ist halt auch nicht verschraubt.

Nachdem wir ihn abgenommen haben, treffen wir zuerst auf das Laufwerk, das wie ein Altar in der Gesamtkonstruktion liegt. Das ist ein Hochamt der Feinmechanik. Nirgendwo Kunststoff, alles besteht aus massivem Metall. Esoteric nennt es VRDS – das „Vibration-Free Rigid Disc-Clamping System“. Die Silberscheibe wird zwischen massiven Metallplatten eingeklemmt. Der Motor rotiert maximal direkt, ohne altväterliche Bürsten. Das wirkt mächtig, massiv und im besten Sinn auch unerbittlich.

Esoterik K-03XD Laufwerk
Das Esoteric eigene VRDS-Laufwerk ist eine echte Show. Ein LowBeats Gast hat sich über eine Stunde nur daran erfreut, wie majestätisch die Metall-Lade ein- und ausfährt (Foto: Esoteric)

Dann folgt ein doppelter Wandler. Oder in der Sprache von Esoteric: Dual-Mono, wir sehen zwei kompakte Platinen, symmetrisch verbaut, oben liegt der Chip, darunter eine umfassend symmetrische Wandlung. Genau an diesem Punkt wirft Esoteric mit einigen Nebelkerzen umher. Da werden haueigene Kürzel bemüht wie „HCLD“, oder „ES-LINK Analog Super Current Transmission“. Das klingt schwer nach Marketingabteilung. Es macht uns glauben, dass Esoteric hier das Maximum des Bit-Codes erbeuten will. Die CD-Spur ist ein Fingerschnipp – halt 16 Bit und 44,1 Kilohertz. Aber natürlich wird aufgespult auf 24 Bit und 192 Kilohertz, DSD liegt mit 2.8MHz an.

Esoterik K-03XD Platine
Auch das sieht man bei Playern selten: Der K-03XD ist bis unters Dach mit Bauteilen voll. Das liegt zum einen daran, dass die Kanäle komplett dual-mono aufgebaut sind und dass gleich vier Netzteile für die unterschiedlichen Aufgabengebiete an Bord sind (Foto: H. Biermann)

Das krault uns am Bauch, macht uns aber nicht satt. Da muss es doch mehr Zauber geben. Wir schauen tiefer in das Gehäuse. Sofort wird unser Auge gefesselt von gleich vier großen Ringkern-Netzteilen an den Seiten. Herrschaftszeiten, hier will jemand den perfekten Stromfluss generieren. Das Laufwerk, die analogen Schaltkreise und die digitalen Wandler werden einzeln bedient. Die Platinen sind symmetrisch aufgelegt, alles wird maximal in doppeltem Mono ausgelesen. Aber hallo – da gibt es auch einen eigenen USB-Zugang; wir können also auch unsere Daten per Mac oder PC zufüttern.

Eine Schicht tiefer taucht auch das Symbol von MQA auf. Dieser Player kann also auch Scheiben oder Datensätze nach dem neuen Hype des „Master Quality Authenticated“-Codecs auslesen. Das ist in Europa eher ein Appendix, in Japan aber gerade die ganz große Halbreligion. Meine Meinung nur ganz kurz: MQA ist eine Erfindung, ein komprimierter Codec, der die alte CD aufhübschen soll. Ich könnte jetzt viele Zeilen dazu schreiben. Vielleicht verfasse ich einmal ein eigenes, großes Essay dazu. Bis dahin belasse ich es bei einem kritischen Wort: zu viel Weihrauch, zu wenig ernsthaftes HiRes. Am K-03XD ist es ein Nice-to-have. Nicht mehr.

Esoterik K-03XD Rear-Panel
Keine überbordende Ausstattung, aber ausreichend: Der Esoteric K-03XD hält seine exzellenten Wandler auch für externe Digitalquellen offen. Und man kann den Klang noch verbessern, indem der Nutzer über den BNC-Eingang in der Mitte eine externe Clock anschließt (Foto: Esoteric)

Der Hörtest: Die Truppen marschieren

Zumal es nur eine verschwinden kleien Zahl an MQA-CDs gibt. Aber starke SACDs. Beginnen wir mit Klassik. Pentatone ist so ein Label, das sich mit allen Sinnen und Mikrofonen der SACD verschrieben hat. Hier wird rein in DSD aufgenommen. Der größte Brocken im Katalog ist die siebte Symphonie von Dimitri Schostakowitsch. Paavo Järvi dirigiert das Russian National Orchestra. Das ist eine hochpolitische Angelegenheit. Schostakowitsch, selbst in St. Petersburg aufgewachsen, beschreibt die Belagerung durch die deutschen Truppen. Ganz leise schleichen sich die Besatzer an. Mit einer süßen Melodie. Wie bei Ravels „Bolero“ wird es unfassbar laut. Kleine Lautsprecher fallen reihenweise tot nach hinten um. Diese Lautstärke muss auch ein SACD-Player bedienen können. Das Laute soll uns in die Rippen treffen, doch nicht nur mit Kraft, sondern auch mit Sinn und fast so etwas wie Charme.

Doch vor dem ersten Ton müssen wir uns entscheiden: soll das analoge Signal per Cinch oder XLR an den Verstärker weitergeleitet werden? Hinter dem Decoder liegt als letzte Stufe eine Wahlplatine, eben zwischen analog oder digital XLR. Weil ich den Esoteric unbedingt auch mit den neuen Lyravox Karlson hören wollte, entschied ich mich anfangs für den XLR-Digitalausgang. Was für eine Klangpracht! Es war natürlich auch diesem hochpräzisen Aktiv-Lautsprecher geschuldet, aber was ich hier alles hören konnte: Wie fein, wie ansatzlos und wie selbstverständlich hier Vieles klang, ließ mich erst einmal sprachlos werden. Ich zog einige Sara K. SACDs aus dem Stapel der längst ausgehörten Scheiben und musste verblüfft zugeben, dass viele Feinheiten dieser hunderte Male gehörten Aufnahmen mir vorher noch nie aufgefallen waren.

Esoterik K-03XD im LOwBeats Hörraum
Wir haben den Esoteric auch lange an der neuen Lyravox Karlson gehört. An diesem kompakten Aktiv-Monitor hört man so gut wie ALLES. Vor allem, dass die SACD mit dem Esoteric K-03XD deutlich besser als die CD klingt… (Foto: H. Biermann)

Ich habe den Esoteric natürlich auch mit den aktuell getesteten SACD-Playern von Marantz (SACD 30n) und Denon (DCD A.110) sowie mit starken Streamern verglichen. Erwartungsgemäß kam keine Quelle an die Brillanz, die Klangfülle und die „Luft“ des K-03XD heran. Selbst unsere Arbeits-Referenz, der Denon DCD-A110, wirkte plötzlich einen Hauch verhangen. Der Esoteric konnte ihn zwar nicht düpieren, aber ihm seine Schranken zuweisen. Der Denon mag zwar gleich harmonisch klingen, aber er hatte nicht dieses enorme Tempo, diesen wunderbaren Zugriff des K-03XD. Ich hatte das Gefühl von einem perfekten Steak – ein dummer Vergleich, aber ich finde keine anderen Worte für diese Fülle: nicht zart-rosa, sondern schön-blutig. Da stimmt die satte Kraft von unten, die Analyse des Orchesters und seines Aufnahmeraums, dazu diese Feindynamik, die vielen Details… Ein Superlativ ist fällig.

Eingangs habe ich schon angedeutet, dass ein wirklich guter Ripp über einen Mittelklasse-Streamer einen reinen SACD-Player in die Schranken weisen kann. Doch hier trifft der böse Vergleich nicht. Der Esoteric spielt tatsächlich jenseits vieler Preisklassen. Reine CDs klingen erstaunlich saftig, nah an einer Vinyl-Pressung. Ich hätte nie gedacht, so ein Zugeständnis jemals ausformulieren zu müssen. Und dennoch bleibt der tosende Jubel aus. Der setzt erst beim Abspielen von SACDs ein: Das ist wirklich eine andere Welt. Es wird Zeit für den ultimativen Vergleich und ich hole die CD, die SACD und die Vinylscheibe von Jaco Pastorius aus dem Regal.

Jaco Pastorius Jaco Pastorius Cover
Das vielleicht größte Werk des wahrscheinlich größten Jazzrock-Bassisten ever: Jaco Pastorius Jaco Pastorius als LP (Cover: amazon)

Die Aufnahme trägt seinen Namen. Alles entstanden im schönsten Sonnenschein seiner Karriere, die Wolken und der tragisch-frühe Tod kamen später. Los geht es mit Charlie Parkers „Donna Lee“ – was für ein Fest, echte Lebensfreude, natürlich bestimmt Jaco am Bass die Phrasen, den Drive, den Rhythmus. Schön, dabei sein zu dürfen. Die CD ist nett, aber überraschend blass – das gemeinsame Atmen der Musiker fehlt. Die LP hat den Charme des Originals. So war es gedacht. Großartig der Groove in der Tiefe. Aber am nächsten an den Masterbändern ist halt die SACD. Nur über einen Import aus Japan zu haben und recht teuer. Doch was der K-03XD hier vollführte, hat mich tief bewegt. Da wurde halt nicht nur gegrollt, sondern auch ganz fein harmonisch verzaubert. Was für eine Geschlossenheit des Klangbilds.

Jetzt rufe ich die ganz große Konkurrenz auf. Ich habe die SACD gerippt und als Datensatz auf der Festplatte gelagert. Dann mal das DSD-Original oder den FLAC an meinem Lieblingswandler von Linn geschickt, über Vorstufe und Monoblock an die Lautsprecher. Ist der Esoterik wirklich unangreifbar? Ich knirsche mit den Zähnen. Meine Lieblingskombi kommt an den Boliden aus Japan nicht heran…

Fazit Esoteric K-03XD

Ich bin kritisch überrascht. Denn in tiefster Überzeugung bin ich Fan des Streamings und der rotierenden Schallplatte. Die CD hat bei mir ausgedient. Da hätte ich also ganz elegant die Peitsche hervorziehen und auf den Esoterik-Player einschlagen können. Doch die journalistische Ehre gebietet zu sagen: Dieser Player ist eine der besten Quellen, die je vor meine Ohren gekommen ist. Wunderbar vor allem diese Körperlichkeit. Da stehen Sänger tatsächlich mehrdimensional auf der Hörbühne, da sehe ich Jaco Pastorius vor meinem inneren Auge. Das sind die Wunder des High-Ends, die nur selten gelingen.

Jetzt kommt die schlechte Nachricht: Dieser Luxus ist mit 16.000 Euro nicht eben günstig. Das hat nicht jeder mal so eben in der Brieftasche. Nun gut, der Preis ist hoch und für Normalverdiener wie mich wohl nur in den seltensten Fällen zu nehmen. Aber so ist ist es mit dem Außergewöhnlichen ja oft. Und das Erlebnis, das der Esoteric K-03XD speziell mit SACDs zelebriert, ist – da bin ich mir sicher – nur mit sehr viel höherem Aufwand zu toppen.

Esoteric K-03XD
2021/04
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang (SACD)
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Klingt vor allem mit SACD einzigartig souverän & transparent
Sein DAC ist auch für andere Quellen nutzbar
Kann auch MQA-CDs spielen
Verarbeitet wie ein Tresor, eigenes Laufwerk aus Metall

Vertrieb:
Aqipa GmbH
Möslbichl 78
6250 Kundl, Österreich
www.aqipa.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Esoteric K-03XD: 16.000 Euro

Esoteric K-03XD: die technischen Daten

Esoteric K-03XD
Konzept:Dual-mono aufgebauter CD/SACD-Player
Besonderheiten:eigenes Esoteric Laufwerk aus Metall
analoge Ausgänge:
1 x RCA, 1 x XLR
Digitalausgänge:
1 x XLR, 1 x RCA
Digitaleingänge:1 x USB B, 1 x optisch, 1 x RCA, 1 x Clock (BNC)
Abmessungen (B x H x T):
44,5 × 16,2 × 43,8 cm
Gewicht:
28,0 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test SACD-Player Denon DCD-A110: Silberscheiben leben ewig
Test Vollverstärker + CD/SACD-Player: Marantz Model 30 + SACD 30n

 

Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.