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Stax SRM D50 Front
Kulturwandel bei Stax: Die bislang puristischen Japaner bauen jetzt nicht nur schön aussehende, sondern auch noch schön klingende Kopfhörerverstärker. Wie den SRM-D50 für 1.350 Euro (Foto: Stax)

Test ESL-Kopfhörerverstärker Stax SRM-D50

Erst der Kopfhörer, dann der Kopfhörerverstärker: Weil der Kopfhörermarkt immer noch boomt, wächst auch das Genre des Kopfhörerverstärkers immer weiter. Kaum ein Anbieter von HiFi- oder High End Elektronik lässt dieses Thema links liegen und so gibt es mittlerweile hunderte hochwertiger Amps für Kopfhörer. Allerdings nur für klassische Modelle. Für elektrostatische Kopfhörer braucht man spezielle Verstärker, weil diese Treiber enorme Spannungen zum Betrieb brauchen. Deshalb gibt es von dieser Gattung nur eine Handvoll. Der hier vorgestellte Stax SRM-D50 lässt sicherlich das Herz tausender HiFi-Fans höherschlagen, aber nutzen können ihn nur jene, die auch einen der faszinierenden Kopfhörer von Stax haben.

Stax selbst ist herrlich skurril. Seit 1959 bauen und entwickeln die Japaner unbeirrt ihre Elektrostaten (ESL) für die Ohren und sind in dieser Disziplin ihren Nachahmern (sieht man einmal von solch sehr teuren Leuchtturm-Projekten wie dem Sennheiser HE-1 ab) weit voraus. Diese Ausnahme-Kopfhörer sehen allerdings auch so aus, als würden sie unverändert seit 1959 gebaut. Die meisten Menschen würden es als Retro-Design bezeichnen. Für die Stax Leute folgt einfach seit 60 Jahren diese Form einer Funktion – nämlich dem besten Klangerlebnis.

Stax SR-L Familie L700 Nappaleder
Das Design der SR-L-Linie wurde in den 50er Jahren entwickelt und bis in die heutige Zeit beibehalten (Foto: C. Dick)

Gleiches gilt auch für die speziell angepassten Kopfhörerverstärker, die hohe Spannungen von mehreren hundert Volt liefern müssen und deshalb auch unter dem Gattungsnamen „Speiseteil“ verortet sind. Auch die „Speiseteile“ von Stax sehen eher zweckmäßig aus: die üblichen Design-Elemente schenkt man sich. Das war zumindest so, bis der Stax SRM-D50 die Bühne betrat: Der neueste ESL-Kopfhörer-Verstärker der Japaner ist fraglos das schönste Stück HiFi, was die Japaner je auf den Markt gebracht haben. Und auch sonst unterscheidet er sich in etlichen Punkten von seinen berühmten Brüdern…

Stax SRM D50 Günther Antoniazzi
ATR Mann Günther Antoniazzi brachte den Stax SRM D50 bei LowBeats vorbei. Schon bei der edlen Verpackung wird deutlich, dass bei Stax neue Zeiten angebrochen sind (Foto: H. Biermann)

Vielleicht der wichtigste Punkt: Der Stax SRM D50 wird nicht mehr im japanischen Stammwerk, sondern in China gebaut. Ein Sakrileg? Ein Rückschritt? Nein. Es ist im Gegenteil ein gewaltiger Verarbeitungssprung nach vorn.

Seit seinem Test im Januar 2018 habe ich das Stax Gespann aus SR-L 700 plus SRM 006 ts auf meinem Schreibtisch stehen. Es ist ein absolut unbestechliches Instrument zum Beurteilen selbst winzigster Unterschiede. Ich wage mal die These, dass es jedem Kopfhörer der Welt (mit Ausnahme des Stax SR-009 natürlich) schwerfallen wird, die Genauigkeit und Impulsivität dieser Kombi auch nur zu erreichen, geschweigen denn zu überflügeln.

Stax SR-L700 + SRM-006ts
Klanglich schwer zu schlagen: die Kombination aus Stax SR-L700 und SRM-006ts (Foto: C. Dick)

Der in Japan gebaute Verstärker SRM-006 ts trägt seinen Teil zum überragenden Gesamtklang bei. Aber von der Verarbeitung her hat er – salopp formuliert – nicht nur Vorteile. So finden sich für einen Verstärker der 2.000 Euro Klasse erstaunlich große Spaltmaße und der dünne Stahldeckel klappert deutlich, wenn man mit dem Finger draufpocht oder wenn er durch den Schall von Boxen angeregt wird.

Der Aufbau des Stax SRM-D50

Ein ganz anderes Bild beim SRM-D50. Hier herrscht Solidität, wo man hinschaut oder hinfasst. Das smarte Verstärkerchen mit den Abmessungen 19,2 ×6,7 ×26,8 cm (B x H x T) kommt auf ein stattliches Gewicht von 4,5 Kilo. Ein Beleg dafür, dass hier viel Metall verbaut wird. Und dafür, dass die Entwickler hier auf Verstärkertechnik nach guter Väter Sitte vertrauen – mit großem Trafo, schweren Kühlkörpern…

Stax SRM D50 und SRM 006ts von hinten
Der Stax SRM-D50 (oben) ist überragend gut verarbeitet: Ein umlaufender Deckel aus 4 mm starkem (und gebürstetem) Aluminium sorgt für jede Menge mechanische Stabilität und Ruhe. Die Amps der Vorgänger-Generation – hier der SRM-006ts – sind mit ihren dünnwandigen Blechen sehr viel klappriger (Foto: H. Biermann)

Aber es ist vor allem die Haptik, mit der dieser kleine Spezialverstärker sofort verzaubert. Allein schon das satte Klicken der Relais hinter dem Kipphebel verführt zum ständigen Quellwechsel.

Stax SRM D50 Eingangsschalter
Ein Bedien-Instrument aus alten Tagen: der Kipphebel, der die Eingänge zuweist. Es gibt neben einem analogen (Line In) noch drei digitale: USB, optisch und coaxial. Rechts daneben gleich der spezielle Pro-Eingang für das fünfpolige Kopfhörerkabel. Davon hat der SRM-D50 leider nur einen. Das Hören mit diesem Amp bleibt also ein exklusives Vergnügen (Foto: H. Biermann)

Aber der Clou ist natürlich das VU-Meter, das auf der Front die Höhe des Eingangssignals dokumentiert. Braucht man das dauerhaft energisch zuckende Anzeigeinstrument? Nein. Aber schön ist es schon….

Stax SRM D50 VU Meter
Das VU-Meter ist das beherrschende Instrument auf der Front. Es zeigt den Eingangspegel an. In Zeiten von Computer-HiFi gar keine so schlechte Idee, weil man mit den diversen Einstellungen am Rechner auch zu viel Pegel geben kann. Und im roten Breich verzerrt es halt… (Foto: H. Biermann)

Unter der gebogenen Haube das gleiche, perfekte Bild: Die Qualität der Bauteile ist hoch, der Aufbau des SRM D50 ist mustergültig – wie auch die Slideshow zeigt.

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Stax SRM D50 Transistoren
Perfekter Aufbau: hinten links der kräftige Ringkerntrafo, rechts davon das Vorstufen- und Digital-Board, vorn die Transistoren an den Kühlkörpern (Foto: H. Biermann)
Stax SRM D50 Transistoren
Acht Endtransistoren des Typs Texas Instruments OPA1642.arbeiten in Class-A-Schaltung. Sie sorgen für die sehr hohe Ausgangsspannung von 400 Volt (RMS), aber auch für die stattliche Abwärme (Foto: H. Biermann)
Stax SRM D50 DAC
Das Digitalboard mit dem ESS SABRE9018 K2M Chipsatz, der eine Signalverarbeitung von bis zu 32/384 KHz (PCM) und 5.6 MHz (DSD) erlaubt (Foto: H. Biermann)
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Ich wiederhole mich gern: Bei der Bauteile-Qualität und der Verarbeitung gibt es überhaupt nichts zu Mäkeln. Doch zwei Punkte irritieren beim SRM-D50. Punkt 1: Er wird sehr warm. Das ist ein natürliches Ergebnis der Class-A-Schaltung, aber dennoch auffällig. Der Vertrieb ATR hat die Erwärmung von einem Verstärker-Spezialisten prüfen lassen. Ergebnis: alles in Ordnung. Ich entsinne mich an exzellent klingende Sony CD-Player der Mitte-90er Jahre, die ebenfalls ziemlich warm wurden. Auch mit denen gab es wegen der Wärme keine Probleme. Also Entwarnung.

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